Wie ein farbiger Sputnik könnte dieses Maschinchen als Weltprojektionsmaschine ihre Bahn ziehen. Und alles scannen,was ihr unterkommt. Gescanntes macht aber nur Sinn, wenn es wieder eine Verwendung findet: sinnvoll oder mißbräuchlich. Sinnvoll wäre mir natürlich lieber.
Boris rief mich an und schlug vor, zur Kunstakademie nach Düsseldorf zu fahren. Dort ist die ganze Woche über der jährliche Atelierrundgang. Vor Ort haben wir uns dann aber getrennt.
Man schaut bei einer solchen Überfülle von Kunst in den einzelnen Ateliers immer subjetiv und selektiv. Das ist ganz natürlich.
Die Malerei ist in diesem Jahr dominant und die Studenten spiegeln stilistisch ihre Lehrer wieder. Wenn man die Liste der Professoren liest, kann man vor Bewunderung erblassen: Cragg, Trockel, Anzinger, Gursky, Doig, Schütz, Grünbein, Tal R und und und. Nur selten sind stilistisch ganz eigenständige Werke zu sehen.
Die Gegenständlichkeit dominiert, doch die Abstraktion gewinnt an Boden, meist Konzeptkunst. Malerei wird bisweilen mit Video gemischt. Druckgrafisches kommt nicht mehr vor. Diese Richtung ist wie vom Erdboden verschluckt. Die Bühnenbildner faszinieren mit tollen Modellen und einer großen Lebendigkeit. Dies gilt ebenso für die Baukunst.
Zeichnungen als eigenständige Form fehlen, als Skizzen lockern sie die Ausstellungskonzepte auf.
Seitdem Cragg Rektor ist, nimmt die Bildhauerei immer mehr Platz ein. Die „Baumarktästhetik“ mit Dachlatten und Regips wird weniger. Als Material wird zunehmend alles, was verwendbar ist, auch verwendet.
Im Hause trinken wir natürlich aus den guten Tassen, Thomasgeschirr. Auf dem LKW habe ich ihn in einer Thermosflasche und in der Garage, bei der Maschine, steht im hinteren Teil der Garage eine kleine Senseo.
Ich bin ja kein Künstler. Daher verwende ich ab und an, wenn ich spontan im Schlafzimmer was zeichnen möchte, auch Kaffe als Tinte – eine Notlösung eben.