das Abwickeln als Transformation

Eine Methode beim Arbeiten zur Verfügung zu haben ist die halbe Miete. Oder bei den Handlungen im Leben generell. Die halbe Miete wobei? Bei der Herstellung der Werke, meinte Jürgen. Das methodische Prinzip des Abwickelns gehöre dazu. Und es sein eine Transformation.

Abwickeln, was ist das? Seine Antwort: beim Abwickeln lösen sich nach und nach die Schichten vom Körper eines Gegenstandes und jeder Prozesszustand wird zu einer eigenständigen Form. Das Abgewickelte wird zur Fläche. Klingt kompliziert und wird nicht einfacher dadurch, das dies eine rein gedanklicher Prozess ist. Gut, manchmal läßt so eine Gegegnstand es wirklich zu, dass man seine Schichten abträgt. Aber die Regel ist das nicht.

Das Abwickeln ist ein methodisches Prinzip um sich Klarheit über einen Gegenstand zu verschaffen, über seine äußere Beschaffenheit. Im Abwickeln aber öffnet sich das Innenleben und wird nach Außen gekehrt. Das Abwickeln ist als ein ganzheitlicher Ansatz.

Hier Ein Beispiel:

Das ist der Gegenstand, als Foto: ein Stück Baumpilz

Das ist die erste Abbildung als Zeichnung:

Das sind die Schichten als Netz:

Das sind die Schichten, vereinzelt, Sedimenten ähnlich:

das ist das Endergebnis:

Das also sei die Abwicklung, die gedankliche Abwicklung eines Gegenstandes, die Abwicklung von Schichten und die gestalterische Fixierung der Ergebnisse.

das Zwickelbüro am Sonntag

Taram, Taram, Tam Tam, Tam Tam: Heute ist Montag und gestern abend hat das Zwickelbüro für dieses Jahr seine Pforten geschlossen. Im Februar wird es allerdings wieder geöffnet werden.

Das Zwickelbüro ist ein kreatives Kleinraumbüro.

Das Zwickelbüro ist eine Gedankenbüro.

Das Zwickelbüro ist ein Experimentierfeld.

Das Zwickelbüro ist ein Rückzugsraum.

Und das Zwickelbüro ist nach Meinung von Jürgen so etwas ähnliches wie Dada. In einem Kommentar an Eva schrieb Jürgen dazu: “Und was Dada anbelangt: ist Dada als weit gefasster Begriff nicht auch die Auflegung gegen Widerstände, gegen Herkömmliches in der Kunst, gegen Reales, gegen das Ernste? Dada ist doch spielen, experimentieren, frei sein, surreal sein, oder? In diesem Sinne ist das Zwickelbüro auch Dada.”

Antje meinte zu Jürgen gestern, dass ihre Ergebnisse mit dem Gehirnzwickel zu tun hätten. Da gebe es ja im Stammhirn einen Bereich, den man Zwickel nenne. Der wurde schon im letzten Zwickelbüro untersucht. Gestern gab es die Fortsetzung. Antje hat sich von Jürgen eine alte Druckplatte aus seinem Bestand geschnappt, auf ihren Hintergründen gedruckt – Antje ist Spezialistin für vorgefertigte Hintergründe auf Rentenpapier – und hat das Ergebnis malerisch bearbeitet -so erreicht sie Tiefe und Plastizität. Sie mischt das Drucktechnische mit dem Malerischen.

Und Juergen hat gestern seine riesige Linolschnittplatte weiter bearbeitet, mit der Musik im Hintergrund gesummt, gepflötet und gesungen und war weiterhin auf der Suche nach einer Form des Zwickels, die er noch nicht bearbeitet hatte. Die Platte hat er in verschiedenen Variationen gedruckt.

Buchalov

das Zwickelbüro am Samstag

Wenn das Zwickelbüro geöffnet hat, dann ist Dada angesagt. Oder Zwickelaktion. Oder Nonsens.

So auch heute. Als Gast besitze ich ja das Privileg den Beiden, Antje und Jürgen, über die Schulter schauen zu dürfen und meinen Sermon zu all dem, was da so entsteht, sagen zu können. Buchalov hat eben Narrenfreiheit.

Juergen war auf der Suche nach den Zwickelformen. Klärung schafft bei so etwas eine oder mehrere Zeichnungen und oft der Besuch des Copyshops um die Ecke. Oliver Blees ist das der Boss, musiziert, rockt, kopiert, faltet, beklebt und hört zu. Und es hat sich tatsächlich einiges geklärt. Das hier soll es nun werden, als Linolschnitt:

Na ja, ob er damit die Zwickelform gefunden hat, das müsste man noch einmal bereden.

Antje hat die Deko zu verlassen versucht, sagt sie, und reißt und übermalt und beklebt. De-Dekoration ist das Stichwort. Und da sind wohl auch noch so ganz viele Hintergründe, die auf etwas warten. Und Druckstöcke gibt es ja in Jürgens Atelier genug.

Buchalov

Das Zwickelbüro am heutigen Freitag

Heute ist Freitag und das Zwickelbüro hat heute nachmittag geöffnet. Antje war da. Sie und Juergen arbeiten gerne im „Zwickelbüro“: das Thema kann der Zwickel sein, wobei der Zwickel ja so vieles sein kann.

Das gilt nun auch für den kommenden Samstag und Sonntag. Dass das Zwickelbüro geöffnet hat, ist auch der Versuch, neben dem gemeinsamen kreativen Experimentieren im Atelier, in den schweren Zeiten so etwas wie die Normalität herzustellen, die es vor Corona gab. Aber Jürgen weiss: diese Normalität wird es so nicht mehr geben. Aber er will nach vorne schauen. So wie in seinem Projekt „künftig/bald/nach vorne“.

Jürgens Thema heute: die Verarbeitung von zwei Zwickelansichten aus einem „Art-Sonderheft“, das sich mit Mode und Kunst beschäftigte.

Antjes Thema: Weiterarbeit an einigen Drucken zum Zwickel.

Buchalov

die Bleistiftübung

Juergen sagte mir, dass er nun schon zum zweiten Mal über diese „Bleistiftübung“ gestolpert sei. Einmal sei es vor langer Zeit Gerda Kazakou gewesen, die darauf verwiesen habe und zum zweiten sei ihm jetzt bei der Beschäftigung mit der „Transformation“ das Thema wieder untergekommen.

Mit der Bleistift- Übung sei folgendes gemeint:

„Gut. Schauen Sie sich diesen Bleistift genau an, seine Form, seine Farbe, die Schattenwürfe, die Spitze. Nehmen Sie ihn in die Hand und fühlen sein Gewicht, seine Oberfläche, das Material.
Wechseln Sie den Fokus und fragen: Woher kommt das Holz, wo stand der Baum, wie hat man ihn gefällt, in eine Fabrik transportiert und verarbeitet? Aber vielleicht wenden Sie sich auch dem Graphit oder dem Lack zu.
Dann legen wir den Fokus auf Design und Preis. Gefällt ihnen der Bleistift? Wenn sie bedenken, wie viel Arbeit darin steckt, was müsste Ihr Bleistift dann kosten?
Und weiter: Wieso gibt es überhaupt Bleistifte. Was sind ihre «Ahnen»? Möglicherweise führen ihre Gedanken in eine Steinzeithöhle, wo Jäger mit rußigen Stöcken Jagdszenen an die Wand malen…“ (Quelle: https://www.anthroposophische-gesellschaft.org/fileadmin/Agid/Dateien/Mitteilungen/1610_agid_mitteilungen_s.pdf“)

Jürgen meinte, dass diese Übung gut in seine eigene Art und Weise des Vorgehens passe, wenn er sich einem Thema annähere. Er entwickele Fragen und versuche aus den Fragen heraus konkrete Handlungsmöglichkeiten oder -Aufträge zu benennen, die vielleicht Klärungen herbeiführen könnten. Die Fragen kreisen den Themengegenstand ein. Das tut die Bleistiftübung ebenfalls. Jürgen nennt seine Methode das rhizomartige Vorgehen, und sie ist ein wichtiger Teil seiner künstlerischen Philosophie.

Buchalov

Projekt ohne Namen: “Irgendwann wird der Mensch müde, …”

Im „Projekt ohne Namen“ senden sich Susanne Haun und Jürgen im Wechsel halbe Sätze zu und der andere muss sie vervollständigen und ein Werk der Visualisierungen dazu erschaffen. Seit 2016 machen sie das schon so.

Diesmal hat Jürgen folgenden Satz bekommen: „Irgendwann wird der Mensch müde“. Also, so interpretiert er das: einmal geht es um die Pandemie und was diese mit uns anstellt. Dann geht es wohl auch darum, dass wir der Beschäftigung mit diesem Problem überdrüssig werden und vielleicht in unseren Anstrengungen geschützt mit dem Virus umzugehen nachlassen.

Das Spielerische, das er ansonsten im Projekt auslebt, hat Jürgen diesmal nicht zu packen bekommen. Der Satz hat ihn gehemmt. Diesmal, so sagte er mir, sei es für ihn echt schwer gewesen. Wenn er den Halbsatz von Susanne zugeschickt bekommt, dann bildet er sogleich und unverzüglich weitere Halbsätze, spontan und ungefiltert. So auch diesmal. Folgende Satzfortsetzungen standen alle auf seiner Liste, und das sind nur die, die nach einer Woche übrig blieben, das „ernste Zeug“ hat er aussortiert:

Irgendwann wird der Mensch müde,

… und nimmt sein Doppelherz B12 Vita Energie.

… brüht sich einen Salbeitee und weiter gehts.

… gönnt sich eine kalte Dusche und schaut mal.

… und wirft sich einen Aufheller ein.

… und geht zum Arzt.

… und weint sich beim Zähneputzen aus.

… weint kurz und tritt sich dann selbst in den Hintern.

Geworden ist es nun folgende Konstellation:

Susanne: Irgendwann wird der Mensch müde, …

Jürgen: …hört nur noch auf seinen Bauch und schon steht Satans Thron im Pergamonmuseum.

Für Susanne hat Jürgen nun folgenden Halbsatz als Aufgabe

Für ein Manifest genügt ein Wort: …

Buchalov