Der Weg des Feuervogels

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Zuerst war da der Rainbird 26B, ein Stück Metall, Teil einer Sprengleranlage der „Mas Miro“, gefunden vor dem Atelier von Miro in Montroig del Camp, auf dem Acker.

Dann kam der Feuervogel von Max Ernst, gedacht als Mahnmal gegen den Faschismus, gefunden als Hologramm auf der letzten Bienale in Venedig.

Und schon war er bei Grieshabers Feuervogel als Teil des Bühnenbildes des gleichnamigen Ballets mit der Musik von Strawinsky.

Von da ging es zum Firebird, dem Automodell, gefunden bei der Google – Recherche.

Schließlich fand Juergen ein Stück Restepapier mit dem Motiv einer Möwe in seinem Papierfundus, der Buntstift kam zum Einsatz, und sie wurde erst einmal zum vorläufigen Feuervogel und landete an Juergens Wand.

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Aber dann kombinierte er zwei Zeichnungen des „Rainbirds26B“ mit einem Schmetterling. Und das ist jetzt sein endgültiges Motiv und ist zum Holzschnitt geworden. Dieser Feuervogel, so Juergen, erinnert zwar nur entfernt an einen Vogel und kommt noch sehr steif daher. Da muss also noch etwas passieren.

Irre, wie sich eins aus dem anderen ergibt- wenn man wachsam ist und auf die Dinge, die einen umgeben, achtet. Juergen meint, dass er damit Teil von etwas Ganzem sei.  So, wie wir es alle sind und bleiben werden.

Ich bin gespannt, wer sich für die Version von Jürgen interessieren wird. Und was es dazu zu sagen gibt.

Buchalov

XYZ- Woche: der achte Tag ist der, an dem es vorerst endet.

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Na ja, es ist zwar heute der letzte Tag an dem sich Dagmar und Juergen zur Zusammenarbeit in der XYZ-Woche in Viersen treffen. Aber nächste Woche dann, wenn alles signiert wird, wenn sortiert wird, wenn die gemeinsame Ausstellung im November schon mal grob vorbereitet wird, beim wirklich letzten Treffen, dann ist eigentlich erst Finito.

Juergen hat heute seine vier Motive endgültig fertig gedruckt, Handabzüge, und Dagmar hat die Druckerpresse aktiviert, für die Landschaften. Sie probiert noch einiges, denn so eine Druckerpresse führt ein Eigenleben und muss gebändigt werden.

Ein wenig haben sie auch rumexperimentiert mit dem „Nass in Nass-Druck“ und der Kombination von Tief- und Hochdruck. Vielleicht öffnet sich da ein neues Arbeitsfeld.

Recherche und Rapport, das waren ja zwei Begriffe, die bei den Beiden beim „Kaffeetrinkenritual“ die Runde machten. Die Berichterstattung hier auf WordPress diente dem Rapport: in Tagebuchform habe ich mit Juergen zusammen die Tage zusammengefasst und berichtet – über alles mögliche. Ein Rapport ist ja nicht anderes wie ein Bericht. Ich hoffe, es hat nicht nur uns gedient, sondern auch Euch, dem Leser. Und jedenfalls hat es Freude bereitet. Es war eine schöne und produktive Woche!

Buchalov

XYZ – Woche: der siebte Tag ist der mit den Begriffen.

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So eine Woche der Zusammenarbeit bringt nicht nur Fortschritte in der Kollaboration, sondern bedeutet auch in den vielen Gesprächen, die man führt, eine Foccussierung auf zentrale Begriffe. Und ihr Durchdenken. Das wurde mir heute klar als ich Dagmar und Juergen beim Gespräch im Atelier beobachtete. Als neues Begriffspaar ist bei Juergen jetzt „Recherche und Rapport“ aufgetaucht. Vorher war es die Rhozomtheorie mit der Keimung und Sprossung, der Unterschied zwischen Preaentation und Installation, die Bedeutung der Vernetzung, das methodische in der Kunst und das Spannungsverhältnis von Prozess und Plan beim Arbeiten.

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Die Farbe grün in Kombination mit schwarz, die hat es Juergen momentan angetan. Vier kleine Platten mit Motiven zum Thema „Strich, Kreis, Seelenkasten und Radarkasten“ sind fast fertiggestellt. Die verlorene Platte als Technik wurde dabei verwendet. Und Juergen hat heute fleißig die Druckstöcke geschnitten.

Dagmar hat jetzt auch für sich klar wie es weitergeht. Ausgangspunkt ist ihr an der Maas gefundenes zersplittertes Plastik- Frühstücksbrettchen mit den vielen Schnittspuren. Drei Tiefdruckplatten sind im entstehen: die Eine zeigt eine Uferlandschaft, die Zweite die Schnittspuren des Brettchens und die Dritte Kreise als „Maaseinheiten“. Alles wird im Druck zusammenmontiert werden.

Buchalov

XYZ – Woche: der sechste Tag ist der mit dem Orkan.

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Draußen fegte es gewaltig. Der „Orkan Sabine“ zog durchs Land. Jetzt macht er sich langsam davon. Juergen und Dagmar hatten sich ins Atelier in Viersen zurückgezogen und stellten die Musik etwas lauter. Was sonst! Und Jürgen hat gedruckt.

Beim Drucken selbst, so meinte er heute, habe man schließlich den Punkt erreicht, auf den eigentlich alles zulaufe – all das, was man skizzenhaft vorbereitet habe, was einem durch den Kopf gegangen sei, all das, was seinen Weg ins Holz gefunden habe und nun als Druckstock abgebildet wird, alles das finde nun seinen endgültigen Weg aufs Papier. Der Abdruck sei die Bündelung.

Dagmar hat Entscheidungen getroffen. Diese beziehen sich auf das Thema „Maaseinheit“, weil die Maas der Fundort ihres Motives war, auf die Motivwahl und Technik. Und plötzlich laufen die Dinge. Ich sagte ja schon: Kunst machen heißt Entscheidungen treffen.

Es ist schon erstaunlich: der „Seelenkasten“ ist auch wieder aufgetaucht. Juergen hatte sich mit Dagmar und mir beraten, und es ging darum, welche Dinge er am „Tag der Druckkunst“ am 15. März in Dagmars Ausstellungsraum zeigen könne. Und ihm fielen da seine „Seelenkästen“ ein, die er 2013 erstellt hatte. Und jetzt sind einige digitale Zeichnungen und ein Holzschnitt mit diesem Thema neu entstanden. Und Beuys war nicht ganz unschuldig daran, denn von ihm hatte Juergen letzte Woche in der „Galerie im Park“ in Viersen eine Arbeit gesehen, Titel irgendetwas mit Schamane, und das Motiv hatte wohl eine nachhaltige Wirkung bei ihm. Also, ich will ja nicht als Orakel auftreten: aber eine Bedeutung scheint mir dieses Wiederaufstiegen eines alten Themas schon zu haben.

Buchalov

XYZ-Woche: der fünfte Tag ist der mit der Methode.

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*** Schatten – Zwilling – Spiegelung – Schnitte – Maas – Samstag – Bohneneintopf – Sitzmarathon – Wandgeflüster – Mann oh Mann – wie nur wie ***

Juergen war scheinbar nun während der gemeinsamen XYZ – Woche mit Dagmar in ein Loch geraten. Worte, Worte, Worte. So sah es für mich von außen aus. Ein gedankliches Loch. Ein Ideenloch. Da zündete nichts. Und was macht man dann? Was hat Juergen gemacht? Tja, ich kenne das schon: er flüchtet sich dann in die Anwendung einer Methode. Und was kam zur Anwendung: Rumspielen mit der iPhone – Zeichenapp. Und das solange bis ihm etwas Brauchbares vor die Füße gefallen ist. Und Festhalten am Gedanken der Spiegelung, des Schattens. Die Ergebnisse seht ihr hier. Überzeugt haben sie ihn aber nicht. Aber ein Anfang war gemacht.

Holla, holla, bim, bäm, bam!

Und dann die Methode mit dem Langzeitduschen und dem Nachdenken unter derselben. Ergebnis: die Idee vom Holzblock mit Linien, dem mit Kreisen, dem Seelenkastenblock und dem Block mit der Radarfalle. Alle vier beim Drucken kombinierbar. Alle vier aber auch nach dem Prinzip der verlorenen Platte bearbeitbar. Alle vier stehen im Bezug zur Arbeitswoche und den Motiven, die ihm da über den Weg gelaufen sind. Wenn das mal kein Plan mit Methode ist.

Holla, holla, bim bäm bam!

Und Dagmar? Tja, Dagmar hat sortiert, einen Flyer gestaltet, sich einiges vorgenommen und dann Kaffee getrunken. Mit Juergen. Sie redeten über alle erdenklichen Funktion und Erscheinungsformen der Blasen, über den Unterschied zwischen Präsentationsform und Installation. Und sie hielten Rückblick, denn der Besuch beim Rundgang an der Münsteraner Kunstakademie wirkte noch nach.

Buchalov

XYZ-Woche: der vierte Tag war der in Münster!

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Eine ordentliche Exkursion haben wir heute absolviert. Wir sind gemeinsam nach Münster gefahren zum Rundgang in der Kunstakademie. Juergen fährt schon seit Jahren dahin, ein Pflichttermin für ihn. Ein Termin, den er gerne absolviert. Er fühlt sich da immer sehr gut aufgehoben: Lebendig, modern, energetisch sei es. Und er schwärmt jedem davon vor. Also ist Dagmar diesmal mitgefahren.

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So war es dann auch diesmal: lebendig und kraftvoll und inspirierend und unterstützend. Denn Juergen schaut auch immer, ob er sich mit dem wie er momentan künstlerisch unterwegs ist dort wiederfindet. Er fühlte sich z.B. in der Art wie er mittlerweile seine Arbeiten präsentierten, u.a. auf seiner Wand im Atelier, total bestätigt.

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Dagmars Resümee beim Kaffeetrinken: vielseitig, verspielt und die Dinge auslotend. So wirke auf sie der Rundgang.

Jürgen meinte: Der Material-Mix mache es. Alles werde gemischt: Malerei, Zeichnung, Skizze, Abfallpapier, Plastik, Folie, Gips, Holz, Pappe und und und. Der Raum und nicht mehr die Wand sei zur zentralen Präsentationsfläche geworden. Ganzheitlich sei alles. Textiles sei im Vormarsch, und auch er überlege demnächst einen Nähkurs zu belegen, für seine Objekte. Na ja, das glaube ich erst, wenn ich es sehe.

Mehr gibt es eigentlich nicht zu schreiben. Auf der Rückfahrt bin ich auf dem Rücksitz im Auto eingeschlafen.

Buchalov