Projekt ohne Namen: „Der Stein ist ein Dada der Gertrude …“

IMG_0897.jpg

Susanne schrieb:

#30: „Der Stein ist ein Dada der Gertrude …“ und Juergen vervollständigte mit „… und damit ist alles beisammen, was die Welt der rose is a rose is a rose is a rose zusammenhält.“

Die beiden schicken sich nämlich gegenseitig, in unregelmässigen Abständen, unvollständige Sätze zu, die der andere literarisch und künstlerisch vervollständigen soll. Das Ganze nennt sich „Projekt ohne Namen“. 

Da sich Susanne momentan auch mit Gertrude Stein als Person beschäftigte, (hier der Link: https://susannehaun.com/2019/08/05/mein-sinnbild-von -gertrude-stein-collage-von-susanne-haun/), war klar, in welchem thematischen Umfeld man sich bewegte. Humorig ist Juergens Antwort sicherlich nicht ausgefallen, aber zweckdienlich. Mehr sei diesmal eben nicht gegangen, meinte er.

Er schickt Susanne folgenden Satz:

#31: „Dieses Ding frisst kein Brot, aber ….“

_________________________________________________________

Susanne hat die bisherigen Ergebnisse zwischen den Beiden akribisch zusammengefasst, zum Stöbern:

#29 (siehe hier)

S: „Der Kalender neben meinem iMac zeigt Freitag, nicht den 13., und ich habe Hunger, was mich dazu veranlasst …“
J: „… eine der Druckplatten abzulecken –  nämlich die mit dem Hummermotiv.“

#28 (siehe hier)

J: Wir baten Oma sehr oft, wirklich sehr oft,  ihre zweiten Zähne in den Mund zu nehmen  …
S: … und waren jedesmal überrascht, dass sie ihre eigenen Zähne zeigen konnte. Wem gehörten also die zweiten Zähne?

#27 (siehe hier)

S: Simple und einfach ist nichts auf dieser Welt, weil …
J: …immer irgendwas in der Landschaft herumsteht und stört.

#26 (siehe hier)

J: Mir gefällt, dass …
S: … immer wieder Zeichnen von Linien!

#25 (siehe hier)

S: Natura naturata und natura naturans“ sind zwei ästhetische Begriffe, die …
J: … die mir etwas von der Trias „Gott, Natur und Mensch“ erzählt haben, die aber beim intuitiven Bogenschießen keine Rolle spielen.

#24 (siehe hier)

J: Die Weltenseele ist mir noch nicht begegnet, …
S: … während sie Susanne in dem kleinsten Blatt, selbst im Ion entdeckt.

#23 (siehe hier bei Jürgen und hier bei Susanne)

S: Inhaltsverzeichnisse sind Wissensquellen, ….
J: …die das Rhizom fressen wird!“

#22 (siehe hier)

J: Und während ich hier in meinem kleinen Atelier sitze…
S: … schaue ich aus meinem Atelierfenster und imaginiere die Erhabenheit der Berge.

#21 (siehe hier)

S: Ein neuer Anfang bedeutet …
J: … Reset, und die alten Einstellungen werden in der Maschine gespeichert

#20 (siehe hier)

J: Der Himmel wartet, doch die Erde verlangt …
S: Liebe, Respekt und Verantwortung.

#19 (siehe hier)

S: „Durst wird nicht immer durch Wasser gelöscht, sondern …“
J: “ … auch mit Erdöl!“

#18 (siehe hier)

J: „Wenn ich mit dem Finger schnipse, …“
S:  „… passiert nichts weiter außer einem Schnipsen.“

#17 (siehe hier)
S: „Eine Linie biegt sich nach links nach rechts, um dann…“
J: „… an den Rändern des Blattes zu verschwinden.“

#16 (siehe hier)

J:  „Mein Engelchen, ich sage Dir …“
S:  „… nichts ist perfekt, aber alles ist möglich!“

#15 (siehe hier)
S: „Wörter sind immer …“
J: „… gut oder böse.“

#15.1 (siehe hier)
J: „Worte, die den Raum füllen und als ewiges Licht bleiben.“

#14 (siehe hier)
J: „Ich konnte zuerst den Weg nicht finden, …“
S: „… aber dann sah ich es: Am Ende des Weges war alles voller Bücher, Papier und Tinte.“

#13 (siehe hier)
S: „Wie Schneeflocken werden die Pappelsamen durch die Luft getragen und …“
J:  „… sind wie Worte, die die Erde lockern werden.“ (aus Enzensberger, Windgriff, 1964)

#12 (siehe hier)
J: „Ich schaue mich im Spiegel an und denke: …“
S: „… Nichts!“

#11 (siehe hier)
S: Die Ferne lockt mit fremden Geruechen, Farben und Tönen …
J:  …, doch mein Herz schlägt nur für dich.

#10 (siehe hier)
J: „Ich war jung und töricht, naiv und unbedarft …“
S: „… und dabei sehr fröhlich und sorglos.“

#9 (siehe hier)
S: Der Mensch blickt zurück in sich selbst und findet in der Zukunft …..
J: … den „loving cup“.

#8 (siehe hier)
J: „Der, der alleine ins Wasser geht, das ist „der Alleineinswassergeher“ und die, die zu mehreren gehen …“
S: „…werden sich selbst vergessen, fröhlich sein und planschen.“

#7 (siehe hier)
S: „Kalte Hände sind ein kritisches….“
J: „… Phänomen, denn wie sagte Christoph Ernst Freiherr von Houwald, so ungefähr: „Nimm noch einmal in Deine kalten Hände des warmen Herzens Signatur. Und ist Dein Herzensspiel noch nicht zu Ende, und kommt ein neuer Akt: so klingle nur.“ ( frei übertragen aus: Christoph Ernst Freiherr von Houwald, die Freistatt, vierte Szene, Leipzig 1820)

#6 (siehe hier)
J: „Wenn sie losgelassen werden und durch die offenen Tore fegen …“
S: „… können nicht die größten Drollerien sie aufhalten.“

#5 (siehe hier)
S: „Das perfekte Ding ist …“
J: „… das momentane Ding“

#4 (siehe hier)
J: „Ich höre die schweren Maschinen in der Ferne und ahne …“
S: „… dass sie an ihrer Last zerbrechen.“

#3 (siehe hier)
S: „Es ist schwer vorstellbar, dass der hoch in den Himmel aufragende Turm …!“
J: „… tatsächlich ein Raumschiff darstellt.“

#2 (siehe hier):
J: „Heute ist heute, morgen wird übermorgen und  …“
S: „… gestern ist nicht gewesen, sondern wird Erinnerung.“

#1 Projektauftakt (siehe hier):
S: „In der Nacht verschwimmen die Gegenstände zu schwarzen verwischten Flächen, deshalb ……“.
J:  „… versucht der Abfalleimer ein verzweifeltes Glühen“.

 

unbewußt

Juergen und Peter redeten miteinander, im Atelier, vor Juergens großem Tisch. Und sie redeten über Ausstellungen, über die eigenen Befindlichkeiten, über das Turmstipendium in Geldern, über Dagmars anstehenden Besuch und über das Mainstreamige im nahen künstlerischen Umfeld – ein Gespräch bestehend aus Floskeln des Small Talks und ebenso versehen mit großer Ernsthaftigkeit.

Als sie fertig waren schaute Juergen auf dieses Schnipselbild – unbewußt von ihm während des Gesprächs gelegt. Er war verwundert über das, was da auf dem Tisch lag. Was hatte ihn denn da getrieben?

Buchalov

aus dem Tal des Gekritzels

IMG_0865

Aus dem Tal des Gekritzels scheint er sich herauszuarbeiten. Ich fand das hier auf seinem Tisch im Atelier:

Den nächsten Schritt kenne ich auch schon: eine Skizze im Skizzenbuch, denn das hier hat er auf einem Briefumschlag festgehalten.

Er sei bei den Stipendiaten am Wasserturm in Geldern gewesen und Dagmar habe ihn besucht. Das sei wie eine kleine Brise gewesen, die ihn angeweht habe. Na bitte!

(Rhizom – Abwicklung – sperrig – die Wand – der Gehalt)

Buchalov

Husch husch: #8 – 2019

IMG_0819

„Junge komm bald wieder“,  Freddy Quinn, im Vorbeigehen gehört, und jetzt hingehuscht, Gekritzel, am Zeichentisch, im Atelier, drei Blätter, schnell schnell schnell, schlechte Papierqualität, rote und schwarze Tusche, etwas Farbe, Augen zu, Augen auf, und keine Korrekturen, einfach so, gefühlt, „Junge komm bald wieder“, schöner Sehnsuchtstitel.

Buchalov

ein Gedicht spukt in seinem Kopf herum

Erst war es die Pelerine, die sein Interesse weckte. Doch mittlerweile ist es die Vorstellung von der Freiheit, gedanklich oder real. Denn das Gedicht von Bess Dreyer spukt immer noch in seinem Kopf umher.

auf der schulter einen falter

……. …. ….

frau mit pelerine

wie damals die alte patentante

besondere gaben hatte sie

borgte sich die fühler des falters

schmetterling du kleines ding

seine flügel nahmen sie mit

über alle zäune und grenzen

war ein fangnetz auf dem weg

dirigierte sie den flug

darüber hinweg

schwerelos

will ich ein wenig schreiben

…..

Juergen sagte mir, dass er die Vorstellung, dass ein Mensch in der Lage sei, ähnlich einem Schmetterling, sich gedanklich und auch vielleicht real, davonzumachen, über alle Hindernisse hinweg, dass er diesen Gedanken schon sehr anziehend finde. Eine Sehnsucht vielleicht. Seine Sehnsucht. Schließlich sei er ein Kind der Sechziger und mit seinem Fernweh korrespondiere das allemal.

Buchalov

der freie Blick

Der freie Blick aufs Wasser und die Boote – die Ruhe – die zentrale Lage, optimal für sternförmige Fahrradtouren – und nochmal die Ruhe, die das Zeichnen fördert – das sonnige Wetter, na ja, gemischt mit den friesischen Winden und Wolken – das an irgendeinem Kanal sitzen und auf die vorbeifahrenden Boote schauen – überhaupt diese vielen und einzigartigen Boote – und das Unkomplizierte eben.

Das ist Akkrum, Friesland. Dort, wo wir auf unserer Tour durch Friesland in den Niederlanden nun gelandet sind.

Und dann gibt es noch die Liste der Schiffsnamen, die Juergen zwischendurch angelegt hat und die mit ihm irgendetwas machen:

Lady M

Future

Ricky

Adventure

Bella Donna

Marvin

Sunrise

Fee

Pia

Anke

Emma

Sunny

Maria

Nemo

Vespucci

Sharky

Jesse

Friendship

Skyline

Marlitt

Ida

Accord

Selina

Emma

Marianne

Alma

Saturnus

Aurora

Roxi

Lady Bianca

Jacoba

Beluga

Annabell

Dylan

Captain Jack

Syrah

Verano

Marie-Elise

Buchalov

man könnte sagen…

Man könnte sagen: hat man einen friesischen Yachthafen gesehen, hat man alle gesehen. Das könnte man sagen. Aber das ist definitiv falsch. Lemmer ist nicht Sloten und Sloten ist nicht Workum und Workum ist nicht Akkrum.Und da stehen wir nun momentan auf unserer Reise durch Friesland.

Fuer Juergen ist jeder Ort anders, weil die OrtsMarken des jeweiligen Ortes es ihm mehr als deutlich sagen. Das ist der Anfang der Unterschiedlichkeit für ihn.

Hier einige OrtsMarken, die von

Lemmer:

von Sloten:

von Akkrum:

Einige halten ja das mit den OrtsMarken für keine sonderlich tragfähige Idee. Fuer Juergen ist das anders. Die Vorlagen für seine Zeichnungen fallen ihm nicht vor die Füße. Er geht die Orte ab und sucht. Und im Suchen begreift er, wo er sich befindet. Und was die Besonderheiten des Ortes sind.

Und er kann das Künstlerische, das ihn umtreibt, mit seinem unsteten Reiseleben in Einklang, zu einem Ganzen, bringen. Die vielen ortsabhängigen Eindrücke erhalten eine sie verbindende Überschrift. Perfekt!

Buchalov