Buchalovs Freunde Tour 2019: der dritte Tag ist der mit dem Wetter!

Es regnete. Nicht immer und ständig. Aber ab und an: schwere und dichte Tropfen, mit Wucht. So auch heute Morgen. Und dann richten wir uns im Wohnmobil ein, lesen und Jürgen zeichnet. Und wir warten auf ein Zeichen. Alles kann ein Zeichen sein. Es kommt darauf an wie wir es interpretieren.

Es ist ja so: Über das Wetter lässt sich immer reden. Wenn nichts mehr geht, das Reden über Wetter geht ja immer, Ein Allzweckthema. Na ja! Und irgendein ein Wetter wird ja immer erlebt, es ist immer da und es passt uns oder es passt uns nicht. Momentan passt es nicht. Wir könnten drüber reden.

Am Frühstückstisch hat Jürgen noch ein paar Skizzen erstellt, im Querformat, weil daraus ein Heftchen mit Zeichnungen und Collagen werden soll.

Die Fotogramme im „Hotel Maria Kapel“ sind ihm hängen geblieben. Ebenso dieses so unscheinbare Fundstueck im Jachthafen von Hoorn.

Die Nachfrage gestern im Touristiczentrum nach den Ausstellungsorten von moderner Kunst in Hoorn brachte nun wirklich kein Ergebnis. Das ist aber eigentlich klar: denn Hoorn ist ein Museumsstadt, wunderschön hergerichtet und restauriert, mit Liebe wird man in vergangene Zeiten zurückversetzt. Alles dreht sich um die Blütezeit der Stadt im 17. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter, als die „Dutch East India Company“ von hier aus ihren Handel betrieb und die Menschen und die Stadt reich machte. Das sieht man noch immer. Da muss moderne Kunst erst einmal einen Platz finden.

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Buchalovs Freunde Tour 2019: Hoorn

„Wenn du fremd bist, dann musst du dich öffnen“, meinte er heute zu mir. „Und hellwach sein, denn die Kunst fällt dir vielleicht vor die Füße. Aber das ist eher die Ausnahme. Du musst hellwach sein, um die Zeichen, die Hinweise, das Zufällige zu sehen und festzuhalten. Nur so kann das funktionieren.“ Und man solle dabei bloß nicht verkrampfen. Wenn man verkrampfe sei man blockiert. Ich habe nicht geantwortet. Das war mir zu simpel, denn irgendwie ist das ja immer so.

„Und was ist Dir heute vor die Füße gefallen?“, fragte ich stattdessen. Na ja, seine Antwort war klar:

Einmal „das Hotel Maria Kapel“, eben kein Hotel, sondern eine Residence fuer Künstler. Wir durften einen Blick hineinwerfen, während die momentanen Residencegäste an ihrer Rauminstallation arbeiteten.

Und die Boterhal („Butterhalle), eine Galerie oder noch besser ein Ausstellungsraum für moderne Kunst.

Und dann sei da noch der Rundweg oder Skulpturenweg direkt am Isselmeer gewesen, den er mit dem Fahrrad abgefahren sei. Einiges hat er fotografiert.

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Buchalovs Freunde Tour 2019: Was ist schon Planung?

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Gekritzel, Hoorn, NL, Buchalovs Freunde Tour 2019

Was ist schon Planung? Was ist schon Sicherheit? Man kann sie für notwendig halten, oder man kann sie sausen lassen. Beides sollte man aushalten können.

Juergen und ich sind in Holland mit dem Wohnmobil unterwegs. Es ist die „Buchalovs Freunde Tour 2019“. Heute morgen sind wir gestartet. Wir haben aber niemanden, den wir hier besuchen könnten. Klingt doof, ich weiß. Wir kennen keine Künstler aus den Niederlanden, die auf „Buchalovs Blog“  zu Gast sind und mit denen wir uns dort hätten verabreden können. Es ist einfach so.

Also fahren wir ohne Plan so ins Grüne hinein. Wir haben nichts gelesen, nicht recherchiert. Eher willkürlich haben wir uns den Ort Hoorn am Isselmeer als ersten ausgesucht, weil Juergen mal vor Jahren etwas davon gehört hat. Was genau hat er vergessen. Es ist ja auch erst einmal ohne Bedeutung. Wichtig ist, das wir eine Stelle haben,die wir im Navi eingeben können. Mal schauen, was es da so gibt.

Wir haben allerdings ein übergeordnetes Ziel, oder besser zwei Ziele. Wir werden versuchen, das Isselmeer zu umrunden. Das hat Juergen nämlich in den Achtzigern schon mal mit dem Fahrrad gemacht, mit zwei Freunden. Und daran erinnert er sich gerne.

Und wir werden die Künstler und die Kunst vor Ort, in welcher Form auch immer suchen. Dazu haben wir uns entschlossen. Das ist es. Irgendetwas gibt es ja immer. Irgendetwas findet man ja immer. Und nette Menschen und erstaunliche Erlebnisse laufen uns auch immer über den Weg. Das sagt die Erfahrung. Wir vertrauen uns. Wir vertrauen darauf, dass man auch uns findet. Was ist schon Planung?

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XYZ-Woche: der achte Tag ist der, an dem etwas vorläufig endet.

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Finden die Dinge ein Ende? Natürlich. Aber vielleicht ist es tröstlich zu glauben, dass alles Teil eines die Dinge umschließenden großen Bandes ist und jedes scheinbar abgeschlossene Ereignis nur ein Abschnitt auf diesem Band darstellt. Die Dinge enden also nie.

Dennoch: ein vorläufiges Ende ist auch erst einmal ein gefühltes Ende. Dagmar hat heute weiter an ihren großen „Ritzbildern“ gearbeitet und sie beendet. Und Juergens Skizzen, entstanden aus der Untersuchung von Fundstücken, hat er heute bis auf zwei vollkommen umgesetzt. Zwei Papierobjekte sind auch noch entstanden. Beide sind zufrieden. Und stolz!

Ein paar Photos vom vorläufig letzten Tag, wobei schon Nachfolgetermine in der Planung sind, zeigt diese Photostrecke:

Überhaupt die Wand. Eine Wand ist eine Wand und dann doch keine Wand. Sie ist zum Zentrum geworden, sie zeigt die Dynamik, sie wuchs rhizomartig, was ja auch die Absicht von Juergen war, und sie ist die Präsentation des Gesamtergebnisses. Sie ist die Ausstellung. Eine weitere Ausstellung ist nicht angedacht. Jedenfalls im Moment nicht. Dafür liegt vielleicht auch zu wenig Material vor, obwohl der Blick auf die Wand die Dichte des Arbeitens schon wiedergibt. Vielleicht wandert die Wand aber auch im Januar nach Viersen, zu Dagmar. Mal schauen!

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Aber eine Edition soll es geben: Zwei oder vier kleinere Arbeiten sollen in einer Box ihren Platz finden. Das wollen die Beiden aber erst realisieren, wenn sie etwas Abstand zu ihrem Projekt gewonnen haben. Es geht um den zweiten Blick auf die Dinge – nach einer geraumen Zeit halt.

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XYZ – Woche: der siebte Tag ist der, an dem Juergen über Energie nachgedacht hat!

 

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Gestern geschah es, dass ich Juergen sah, wie er nach einer spontanen Idee in seinen Druckraum stürmte und diese Idee mit großem Elan, fast schon  eruptiv, umsetzte. Es sei die Energie, die er habe mitnehmen wollen, und die einfließen sollte in sein Tun. Man sehe das den Ergebnissen an, wenn er mit Macht in sie hineingewirkt habe. Meinte er.

Und dann sei da noch das, was Gerda angesprochen habe, gestern in ihrem Blog (s. hier >>> [ … ] <<<) : die persönliche Stimmung oder Befindlichkeit bestimme auch vieles. damit sei nicht der so oft verwendete Begriff der Muse gemeint. Den Kunst machen sei Arbeit und habe auch mit Disziplin zu tun. Nur zu arbeiten,wenn die Muse einen führe, das sei Unsinn. Aber die persönliche Stimmung wahrnehmen und dann das tun, was da möglich sei, wissend um die eigene Befindlichkeit, das sei, neben dem einbringen der Energie, das, was bedeutsam sei.

Dagmar hat heute weiter an den Collagen gearbeitet und ihr Fundstück „Schneidebrett“ als Monotypie abgebildet.

Die Farbe Schwarz bekam bei Juergen besondere Bedeutung. Er behauptet immer, dass sie den Drucken die notwendige Tiefe gebe. Ohne diese Farbe wirken sie flach. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Fertiggestellt hat er heute einiges:

Juergen meinte auch zu mir, dass er es schon toll finde, mit welcher Energie, nicht explosionsartig, aber langsam abgebend, Dagmar im Prozess voranschreite. Und wieviel Energie sie über die Jahre in ihre Vernetzung eingebracht habe. Dagmar sei deshalb verdammt gut aufgestellt.

Beim Nachdenken darüber, welche Überschrift die „XYZ-Woche“ bekommen könne“, sei ihm die Wandcollage eingefallen: „die Wand“, das sei ein schöner Titel, glaube er.

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XYZ – Woche: der sechste Tag ist der mit der Routine!

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Die Dinge sind auf den Weg gebracht, das Arbeiten hat feste Abläufe entwickelt: Dagmar und Juergen sind heute den sechsten Tag in der XYZ-Woche in Juergens Atelier in Geldern zusammen und versuchen, ihren Fundstücken auf die Spur zu kommen. Routinen halt! Routinen haben wohl etwas mit Sicherheiten zu tun. Aber eben auch nicht ganz!

Während Dagmar ihre Collagen kleingearbeitet, Schriftversuche unternommen hat und weiterte Abwicklungen mit kaschierten Papier vornahm, beendete Juergen heute einige  Holzschnitte. Er hat nach dem Verfahren der verlorenen Platte gearbeitet. Das macht er gerne. Die Ergebnisse zeige ich morgen.

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Dagmar verwendet ab und an den Begriff der „Komfortzone“. Sie meint wohl die Tatsache, dass man eigentlich vorhabe bei einem solchen Projekt mal was Neues zu probieren und dann doch in alte Muster verfalle, auf Nummer sicher gehe und alte Routinen abspule. Juergen hat sich auch dabei erwischt. Und er fragt sich dann, worin das Neue fuer ihn in der „XYZ -Woche“ bestehe. Stichworte sind: Abwickeln von Material und Motiven und die Rhizomtheorie konkret als Collage bzw. Assemblage zu begreifen: auch das ist neu.

Ich kam hinzu als sie ein Gespräch über den Gehalt ihrer Werke führten und habe als Stichworte behalten: die Philosophie der OrtsMarke, die Kraft der Linie, die Kraft der Worte.

Von da war der Weg nicht weit zu der Frage nach der Wertigkeit von Kunst, wann sie Bestand hat und was wohl gute oder schlechte Kunst sein könne und wann man mit seiner Kunst auf der Höhe der Zeit sei. Sie haben sich nicht in diesem Thema verbissen, sondern vieles offen gelassen – für morgen, denke ich.

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