Projekt ohne Namen: # 71 | „Spontan gesagt: Puff, Paff, zwei sind genug!“ |

Was soll man da schon für eine Satzergänzung suchen, wenn einem solch ein schwieriger Halbsatz entgegengeflogen kommt: „Spontan gesagt…“. Das meinte Jürgen zu mir. Susanne und Jürgen schicken sich immer Halbsätze zu, die der andere ergänzen soll, literarisch und bildlich. Diesmal hat Jürgen nicht erst den spontanen Text gesucht, sondern, spontan, eine Collage erstellt und diese dann betitelt: Puff, Paff, das wars. Jetzt haben wir also als Ganzes: „Spontan gesagt: Puff, Paff, zwei sind genug!

Und an Susanne schickt er jetzt folgenden Halbsatz: „Oh, the time is coming: …“

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P.S.: auf Instagram kann man das gesamte Projekt verfolgen: >>> [projektohnenamen…] <<<

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Hoogen Dyck | das mit den Skizzen nimmt scheinbar kein Ende |

Wenn ich an seinem Zeichentisch vorbeigehe, sehe ich fast immer neue zeichnerische Skizzen zum Hoogen Dyck. Das mit den Skizzen nimmt scheinbar bei Jürgen kein Ende.

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Hoogen Dyck notes | Selbstkritisches

Manchmal kommen Zweifel. Manchmal, so Jürgen, frage er sich ja, ob das eigentlich Sinn mache, was er da mache. Und ob die Form stimme. Und ob das die Anderen interessiere?

Da berichte man über den Hoogen Dyck, über einen Wirtschaftsweg am Niederrhein, darüber, was man da so erlebe, was man da sehe, was man kreativ schaffe, was einen so bewege und man wisse, dass es für einen selbst schon eine Bedeutung habe. Aber darüber hinaus? Interessiert Euch eigentlich das, was ich da schreibe und zeige? Ist das zu penetrant? Zu didaktisch? Zu selbst verliebt? Zu sehr erklärend? Oder findet das Euer Interesse?

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Hoggen Dyck notes | das Typische | ein paar Marken

das Paulsen Kreuz

der Hochsitz

die Tische am Ende des Dyck

die dicke Wurzel

die OrtsMarke

die zweite OrtsMarke

Bei einer Frage nach dem Typischen dieses Ortes, der Hoogen Dyck ist exakt 1275 m lang, fielen Jürgen spontan diese Punkte ein. Er ist sich sicher, dass die Liste eigentlich länger ist. Er will mal genauer nachdenken und die Fotos durchschauen.

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Hoogen Dyck notes | was man so sieht und wie es auf einen wirkt |

Mal mit dem Fahrrad und mal mit dem Auto bzw. zu Fuß: Jürgens Ziel ist in letzter Zeit oft der Hoogen Dyck. Der Ort ist sein Thema. Es findet ein fotografisches und zeichnerisches Abscannen statt. Mal ist die Ausbeute gering, mal gibt es mehr. Jeder Besuch bedeutet auch, das etwas geschieht oder geschehen ist. Der Ort verändert sich ja ständig und Jürgen auch und beide wirken aufeinander. Über die Philosophie von Orten müsste man auch mal was schreiben, meinte er zu mir.

Als der Igel da vor ihm lag. Und er war gar nicht tot, sondern stellte sich nur tot.

Zum einen vertieft sich das Verständnis für die Dinge, für die Menschen und die Natur – ein langsamer, aber wichtiger Vorgang. Ich fragte ihn, was denn da so los sei. Er schloß die Augen und meinte, dass es das Wetter sei, die Natur rundherum, der Boden, die Menschen, die einem begegneten, die Tiere, die Stille, das Tageslicht, der Zufall, die Zeit, die Ruhe und die Stimmung – eine ganze Menge eben. Immer geschehe etwas. Irgendetwas wirke immer.

Als er über ein großes Stück im weichen Waldboden Holz stolperte. Und als ihm die seltsamen Schleimpilze auffielen.

Wenn er zuhause die Daten sichte oder ordne oder Zeichnungen anfertigte, dann zögen die Gedanken Kreise, spiralförmig und das Wissen um den Ort wachse. So Jürgen. Der Ort sei ihm jetzt schon recht vertraut.

Als der Hund ihn freudig begrüßte. Und als er die andere Frau mit ihrem kleinen Hund traf, der nur hier am Waldrand etwas Fressen wollte und konnte, und die dann lange mit ihm auf der Bank saß.

Und zufrieden sei er auch, denn es gebe Ergebnisse. Und damit wiederum wachse der Rückgriff auf die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Er sei wirklich sehr zufrieden. Auch wenn es nur langsam vorangehe.

Als der Specht ganz nahe am Stamm anklopfte. Und als der Bussard sich vor ihm erschreckte und zügig davon flog.

Im Atelier ist er zur Zeit selten, sehr selten. Der Zeichentisch unterm Dach zuhause genügt ihm im Moment. Die Umwandlung der Photos in Zeichnungen vollzieht sich da.

Als ihn der ältere Herr auf den Rollerskates im Vorbeileiten fassungslos ansah.

Als die Rehe schauten, aus sicherer Entfernung und dann davonrannten.

Als die Motorfräse der Gemeinde den Seitenstreifen platt machte und den Weg auf der gesamten Länge begradigte.

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I have never been in the “Altes Wasserwerk” before | Eindrücke | +1

Klein ist der Zeichentisch. Und mobil. Und leicht. Zwischen die Holzkuben gestellt hatte Jürgen dort seinen Arbeitsplatz gefunden im Alten Wasserwerk von Wachtendonk. Es war sein erster Tag gestern, daher +1.

Am Anfang waren die Fotos. Im Gebäude umherstreifen, sich einfangen lassen von Motiven, Auffälligkeiten, der Erinnerung an alte Zeiten, an Typisches des Ortes, an Spuren. Es war wohl ein sich treiben lassen, ohne erkennbares Ziel, auf den Zufall hoffend. Und der kommt ja immer vorbei. Aber seht selbst.

Und danach entstanden dann die ersten Zeichnungen, mit Tusche auf Restepapier, grob, schwungvoll, spontan, alles hat Wertigkeit, alles geht, Zack Zack. Die Nachbearbeitung kommt dann später. Das Ordnen und sortieren ebenfalls.

Eine Faltung durfte allerdings nicht fehlen, sonst wäre der Tag unvollkommen gewesen.

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nur mal kurz schauen, aber dann kam der Regen

„Mal schauen, was ich vor die Linse bekomme.“ Das war wohl Jürgens Gedanke als er zum „Hoogen Dyck“ fuhr. Ich war dabei. Angekommen blieb uns nicht viel Zeit, den Ratz Fatz war der Regen da und die Fotoausbeute sah dann so aus:

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Projekt ohne Name #69: „die Wahrheit liegt zwischen den Faltungen, weil …“

„Die Wahrheit liegt zwischen den Faltungen, weil …“

Das war der Halbsatz, den Susanne geschickt hatte, und der sich auf Jürgens aktuelles Projekt der Faltungen bezog, aber auch auf die Frage, was denn eigentlich die Wahrheit sei. Eine ernste Angelegenheit. Ein philosophisches Unterfangen.

Jürgen und Susanne schicken sich schon seit Jahren gegenseitig Halbsätze, die der andere vervollständigen muss, inklusive eines kleinen Werkes. Und das zeigen sie dann hier auf Jürgens oder Susannes Blog. Und auf Instagram: projektohnenamen.

Am Frühstückstisch gab es dann, wie fast immer, ein kurzes Brainstorming mit mir und das ergab dann folgende Halbsätze:

… sie sich gerne versteckt.

… sie Schutz sucht.

… sie ein scheuer Zeitgenosse ist.

… der Gral der Wahrheit nicht so einfach zu finden ist.

… die Wahrheit ein scheues Reh ist.

… es so viele Wahrheiten gibt.

Und geworden ist es dann: … die Wahrheit ein scheues Reh ist.

Jetzt haben wir also folgenden ganzen Satz: „Die Wahrheit liegt zwischen den Faltungen, weil … … die Wahrheit ein scheues Reh ist.

Und vom philosophischen Teil hat Jürgen nur noch erwähnt, dass es ja immer viele Wahrheiten der einen Sache gebe, und dass das Bezugssystem von Bedeutung sei, um zu wissen, was wahr sei. Das Bezugsystem müsse man kennen oder erforschen, eine mühsame Angelegenheit, der sich heute in der Schnelle der Zeit und der Schnelle der sozialen Medien nicht alle unterwerfen möchten. Und gepaart mit den narzistischen Anwandlungen der Einzelnen werde ja oft die abweichende Meinung gar nicht mehr zugelassen. Die abweichende Wahrheit habe dann eben keine Chance. Im Mainstream sind die einfachen Wahrheiten ja auch einfacher zu vertreten, die Differenzierung hat es da schwer.

An Susanne schickt Jürgen nun folgenden Halbsatz: „Eine alte Dachdeckerweisheit lautet: …“

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Projektohnenamen #67: …“ da und da und da!“

„Dadaismus ist …“ „Mein Gott“ hat Jürgen gedacht als er das las. Susanne hatte ihm wieder einen Halbsatz zugeschickt, den er vervollständigen sollte. Sein Gedanke: Jetzt wird es kunsthistorisch. Jetzt wird es gewichtig. Susanne hatte ihm da einen Halbsatz zur Vervollständigung geschickt, der hatte es wirklich in sich. Man kann ja schließlich hier im Block keine Abhandlung darüber schreiben, was Dadaismus ist. Aber die Wortbedeutung könnten man mal nachschlagen, hat er sich wohl gedacht. Und fand da neben vielem anderen die Erklärung, dass der Dadaismus seinen Namensursprung in der Bezeichnung eines französischen Spielzeugs haben soll. Französische Kinder nannten wohl ihr Steckenpferd Dada. Ob das wohl stimmte?

Egal: Der Dadaismus ist groß, gewaltig und eine Kunstströmung, die nicht mehr wegzudenken ist und – für Juergen ganz wichtig – das Konventionelle ablehnt, nach neuen Wegen suchte und Nichtkonformistisch daherkam. Oder kommt, denn den Neodadaismus gibt es ja auch schon. Für den Rest nehme man das Internet.

Nach einigem Zögern hat Jürgen dann eine Notiz geschrieben. Die hatte Bestand, auch nach Tagen noch, und Jürgen hat also vervollständigt mit „…da und da und da!“ Der ganze Satz geht jetzt also so:

Dadaismus ist da und da und da!

Und Susanne bekommt von Jürgen jetzt folgenden Satzfetzen zugeschickt: „Wenn ich einen rostigen Nagel fotografiere …“

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