Projektohnenamen #67: …“ da und da und da!“

„Dadaismus ist …“ „Mein Gott“ hat Jürgen gedacht als er das las. Susanne hatte ihm wieder einen Halbsatz zugeschickt, den er vervollständigen sollte. Sein Gedanke: Jetzt wird es kunsthistorisch. Jetzt wird es gewichtig. Susanne hatte ihm da einen Halbsatz zur Vervollständigung geschickt, der hatte es wirklich in sich. Man kann ja schließlich hier im Block keine Abhandlung darüber schreiben, was Dadaismus ist. Aber die Wortbedeutung könnten man mal nachschlagen, hat er sich wohl gedacht. Und fand da neben vielem anderen die Erklärung, dass der Dadaismus seinen Namensursprung in der Bezeichnung eines französischen Spielzeugs haben soll. Französische Kinder nannten wohl ihr Steckenpferd Dada. Ob das wohl stimmte?

Egal: Der Dadaismus ist groß, gewaltig und eine Kunstströmung, die nicht mehr wegzudenken ist und – für Juergen ganz wichtig – das Konventionelle ablehnt, nach neuen Wegen suchte und Nichtkonformistisch daherkam. Oder kommt, denn den Neodadaismus gibt es ja auch schon. Für den Rest nehme man das Internet.

Nach einigem Zögern hat Jürgen dann eine Notiz geschrieben. Die hatte Bestand, auch nach Tagen noch, und Jürgen hat also vervollständigt mit „…da und da und da!“ Der ganze Satz geht jetzt also so:

Dadaismus ist da und da und da!

Und Susanne bekommt von Jürgen jetzt folgenden Satzfetzen zugeschickt: „Wenn ich einen rostigen Nagel fotografiere …“

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ABC-Projekt: H wie Himmel und Hundertmorgenweg

Wenn man auf die Karte Deutschlands schaut, dann sind wohl der Breisgau und der Niederrhein in Deutschland vom Klima her bevorzugte Gegenden. Dennoch: die Luftfeuchtigkeit macht uns schon zu schaffen und bisweilen braut sich richtig was zusammen.

Auch auf seinen Radtouren übers flache Land ist der Himmel immer nahe und mit ihm der Hundertmorgenweg, der über die Felder von Wachtendonk nach Kerken führt – solche Namen tragen hier am Niederrhein die Dörfer.

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https://wortman.wordpress.com/2021/04/18/projekt-abc-h-wie-hilferuf/

künftig/bald/nach vorne – Faltungen: das Verdoppeln und die Oberflächen

„Ist der Blick einmal geschärft“, so sagte Juergen zu mir, „dann sieht man die Faltungen im Täglichen ständig. Und das gilt ja für vieles.“ So hat er in den letzten Tagen einige Fotos mit seiner Altglaskamera in seiner privaten Umgebung geschossen, ohne das er im Atelier aktiv war. Und Falten läßt sich ja überall.

Heute im Atelier dann gab es zwei Punkte, die besonders hervorstachen: Jürgen hat versucht einige der Grundformen, die er schon an den Tagen letzte Woche gefaltet hatte, zu verdoppeln. „Der Schatten ist der Zwilling“ ließ grüßen.

Und er hat sehr bewußt aus den Restepapieren die ausgewählt, die mit ihren Oberflächen dominant und präsent daherkamen. Denn er ahnt, dass dieser Zusammenhang von Oberfläche bzw. Motiv und den Faltungen etwas Zentrales ist und über die Qualität der zukünftigen Arbeiten entscheiden wird.

Es gab aber auch ein „Aber“: Jürgen schien mir nicht so recht zufrieden, denn die Ergebnisse entsprachen nicht dem gedachten Weg, sie waren eher Zufallsergebnisse. Aber was lamentiert er denn: Jürgen setzt doch immer auf den Zufall. Das habe ich ihm dann auch gesagt.

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künftig/bald/nach vorne – Faltungen: Einstieg mit Fotosession

Für Juergen und mich war es heute der offiziell erste Tag zum neuen Thema: Faltungen, Faltungen, Faltungen. Wir sind durchs Atelier geschlendert, haben versucht alle die Werke einzusammeln, die Spuren von Faltungen aufweisen – ein paar wenige fehlennoch – und haben sie dann fotografiert und anschließend an die Präsentationswand gehängt. Das war der Einsteig. Nichts, was weltbewegend war, uns aber eingestimmt hat. Es war der Anfang. Es war wie ein treiben lassen in der Zeit. Einen genauen Plan gibt es ja nicht, nur Fragen und mögliche Handlungsanweisungen. An denen orientiert sich Jürgen im Moment aber noch nicht allzu sehr. Dieses Treibenlassen habe etwas Beruhigendes meinte er.

Ach ja, mehrere kleine Hexentreppen haben wir ebenfalls gefaltet. Die kennt Jürgen noch aus seiner Kindergartenzeit. Er hat bewußt kleine Papierstreifen gewählt, die noch Spuren von Motiven zeigten. Na ja!

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künftig/bald/nach vorne: Faltungen – einige Fragen. Wenn ihr mögt: bedient Euch!

Faltungen ist das Thema: Hier gehören heute und jetzt die Fragen hin, die Jürgen beschäftigen. Er geht immer von solchen Fragen aus, sucht Handlungsanweisungen, die etwas klären könnten und steigt dann in sein Thema ein. Ich lasse Euch gerne teilhaben.

Ihr dürft Euch gerne bedienen- er bittet ausdrücklich darum, denn ein gemeinsames Vorgehen bereitet einfach mehr Freude und fördert den Austausch.

Hier die Fragen und Anweisungen – vielleicht hat jemand Interesse daran ebenfalls einzusteigen, wie gesagt: bedient Euch, setzt um, was Euch anspricht, er würde sich freuen:

Was erhoffe ich mir in der Beschäftigung mit diesem Thema?
Streife durch Deine Atelierräume und sammle alle Papiere zusammen, an denen du Faltungen vorgenommen hast und versuche dich zu erinnern, warum du dies getan hast. Zeichne dazu ein Gedankenprotokoll.
Zudem kannst Du mit Deiner Kamera eine Reise durch die Räume vollziehen, die du bewohnst, Faltungen suchen und sie fotografisch dokumentieren. Eine Weiterverarbeitung ist sicherlich in Form eines Journals scheint sinnvoll.

Woher kommt die Faszination für Faltungen?
Es scheint unabdingbar, dass eine Reise in die Vergangenheit notwendig wird. Es gilt den Prägungen zum Thema auf die Spur zu kommen, indem man alphabetisch fortschreitend nach Erinnerungen im Zusammenhang von Faltung und Papier sucht und sie als Zeichen-Stichwort notiert.

Welche Faltungen kenne ich aus meiner Kinderzeit?

Mache eine Gedankenreise und falte mit Restepapier, an was Du Dich erinnerst. Als zweite Möglichkeit könnte man Papierflieger, Drachen, die Hexentreppe, Himmel und Hölle, die Ziehharmonika und Schachteln falten und in einer eingerichteten Fotoecke fotografieren.

Gibt es Grundtechniken der Faltung?
Im Atelier liegt ein Buch zum Thema „Basteln mit Papier“ und eine Internetrechersche zum Thema Origami oder Faltungen in der Architektur gibt vielleicht auch Hinweise. Sammle die Informationen in einer Datei und wende das Gelesene experimentell an.

Welche Auswirkungen haben Faltungen auf ein Motiv?
Erstelle eine Versuchsanordnung. Wähle dazu zwei Motive aus, ein flächiges und eines mit vielen Linien, kopiere sie und nimm Faltungen vor. Beginne einfach. Fasse die Ergebnis in einem Journal zusammen, in welchem die Ergebnisse eingeklebt werden.

Welche Faltungen kenne ich?
Gehe durch deine Räume und schaue Dir Werke an, die durch Falten entstanden sind oder an denen Faltungen vorgenommen wurden. Schneide spontan die Faltlinien als Netze in Holzplatten und drucke sie.

Was bewirkt ein Knick, oder auch mehrere, auf einem Stück Papier?
Nimm verschiedene Blätter -, dünne, große, kleine, blanko, bedruckt, beschriftet, bezeichnet – und vollziehe einen Knick oder mehrere. Arbeite möglichst frei. Fotografiere das Ergebnis oder klebe ein Papierobjekt oder einen Fries. Oder setze einzelne der Ergebnisse in offene Pappschachteln.

Was soll die Faltung nicht bewirken? Wenn du am Ende des Projektes angelangt bist, dann sortiere die Werke aus, die Deinem Anspruch absolut nicht entsprechen. Begründe! Gib ihnen eine andere Wertigkeit, indem Du sie fotografisch in einem Heftchen bündelst.

Wie verändert eine Faltung das zweidimensionale Blatt und die Motive darauf? Dies ist eine Vorher- Nachher Situation. Falte Papier und finde jemanden, der den Prozess und das Ergebnis mit seinen Mitteln beschreibt.

Wie wirken Faltungen und Licht aufeinander? Wie verändert sich die Zweidimensionalität? Baue Dir eine Fotoecke aus weisem Papier mit einer oder mehreren Lichtquellen und fotografiere Faltungen vor weißem Papier. Schicke die Ergebnisse Deiner bildhauerischen Arbeit einer bildhauerischen interessierten Person zur Stellungnahme oder Weiterverarbeitung. Es gibt viele mögliche Formen der Stellungnahme. Es geht um den Dialog.

Was verbindet Faltungen und Netze? Im praktischen Tun gibt es vielleicht Antworten: Falte, gezielt oder zufällig, entfalte und dokumentieren die vorliegenden Netze zeichnerisch, fotografisch und druckgrafisch. Klebe zudem die entfalteten Papiere zusammen.

Wie bringe ich Faltungen und Restepapier zusammen?
Fische mit geschlossenen Augen fünf der größten Blatter aus dem Stapel an Restepapier und falte eine Hexentreppe, eine Schachtel, ein Dach, ein Kanu, eine Ziehharmonika, einen Zylinder und eine freie Figur und vereine sie zu einem Ganzen.

Wie bringt man dass zusammen: Holzschnitt und Faltung?
Es wäre zu klären, welche Schnittstellen diese beiden Begriffspaare haben. Ziel, Inhalt, Methode, Organisationsform sind Oberbegriffe, die etwas strukturieren können – sie haben dir im Leben bei Vorträgen oder Zusammenfassungen stets geholfen. Nutze sie jetzt und arbeite theoretisch daran, anschließend praktisch.

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ABC – Projekt: G wie Gnadenmadonna und Gnadenkapelle

Die Gnadenmadonna gehört nach Kevelaer und ist als kleines Bildchen in der Gnadenkapelle dort untergebracht. Neben Altötting in Bayern ist Kevelaer nach Jürgens Wissen der bedeutendste Wallfahrtsort in Deutschland und alles in dieser Stadt hier am Niederrhein ist geprägt von den Menschen, die schon seit ewigen Zeiten zu diesem Bildchen pilgern. Hier herrscht eine eigene Stimmung in der Stadt. Jürgen fährt da ab und an schon mal hin, sonntags, läßt wirken und damit ist es dann auch gut.

Gnadenkapelle

Hier der Link zum Projekt: >>>Wortmann<<<

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Altglasfotografie: da hat ihn wohl jemand angesteckt!

Jürgens Gitarre, Sony NEX 5, Objektiv mamiya sekor sx, f=55mm/1,8

Da hat ihn wohl jemand angesteckt. Der Amateurfotograf, Link hier: >>> amateurphotograph <<<, hat von seiner Leidenschaft der “Altglasfotografie“ berichtet. Das bedeutet nicht, das man einen Altglascontainer oder Altglasflaschen fotografiert, sondern das man mit alten Objektiven fotografiert, liebevoll Altglas genannt. Jürgen kamen seine alten Objektive und seine alte Spiegelreflexkamera wieder in den Sinn. Das ist die Kamera, die er sich als Student vom Munde abgespart hat, und die er wie einen Schatz hütet bzw. liebt. Mit der allerdings in Zeiten des Verschwindens von analogem Filmmaterial kein Fotografieren mehr möglich scheint.

Dann wenigstens der Einsatz der Objektive hat sich Jürgen wohl gesagt und eine gebrauchte Systemkamera Sony NEX5 für 59 Euro gekauft, einen Adapter für die Objektive, eine Speicherkarte besaß er noch, und dann legte er los.

Seine erstes Bild mit dem alten Objektiv und der neuen Kamera habe ich oben gezeigt. Warum tut er das jetzt? Er liebt seine alte Spiegelreflexkamera, die aus der Zeit gefallen ist, für die es kaum noch Filme gibt und die so herrlich unhandlich in der Handhabung ist: Motiv suchen, Bildausschnitt bestimmen, scharf stellen, Blende auswählen, Tiefenschärfe beachten und all diese Dinge: Langsames Fotografieren. Und dabei geht einiges schief. Das genau aber ist es: Bilder mit Fehlern, darin besteht der Reiz.

Das hier sind ausgewählte Aufnahmen der ersten zwei Tage :

Jürgen hat mir sehr breit erzählt wie er sich die Zukunft mit dieser Kamera vorstellt: Fotoskizzen für Zeichnungen erstellen, Fotos zum Thema Zwickel und Stoffe, Fotos unperfekt und mit zufälligen Fehlern, kleine Fotoprojekte, Fotoexpertimente mit Filtern oder billigen Vorsätzen, Fotos vom Basismaterial für die OrtsMarken, Fotoskizzen, die die Druckskizzenbücher ergänzen, Schwarzweiß – Fotografie, Fotobücher und und und. Mein Gott, meinte er, da gebe es so vieles, was man fotografisch machen könne und was die Holzschnitte und Zeichnungen ergänze, ihnen vielleicht sogar zuarbeite.

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ABC Projekt: F wie Feld mit Fits

Ein Feld, davor eine Fits: das ist der Niederrhein hier an der holländischen Grenze. Die Felder gehen oft bis zum Horizont und die Fits, das ist ein Fahrrad – so nennen die Niederländer dieses Gerät und wir hier auch. Die Sprache hält sich nicht an die Grenze. Und in der Freizeit macht man eben eine kleine Fahrradtour oder Fitstour durch die Felder. Und in Coronazeiten erst recht.

Hier der Link zum Projektaufruf: >>> Wortmann <<<.

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Projekt ohne Namen #65: … „because I’am nacked, and you will come in“

Als „Dinks song“ ihm letztens über den Weg gelaufen ist, in seinem Mix der Woche auf Spotify, da hat Juergen zuerst gedacht, dass es ein Song von Bob Dylan sei. Und jetzt schickt Susanne Haun eine Textzeile aus diesem Song, „Now my apron’s up to my chin, because…“, und Jürgen erfährt, dass dies ein Filmsong ist und bei Wikipedia liest er dann, dass der Song eine Geschichte hat, so eine richtig lange, mit unzähligen Interpreten, mit diversen Textversionen, und Jürgen hat sich hingesetzt, die Chords und Lyrics rausgesucht und das Lied gespielt. Ich fand das richtig gut und habe mit Interesse zugeschaut und zugehört. Und dabei ist ihm dann auch der zweite Teil des Satzes eingefallen: … because I‘am nacked and you will come in“

Im Ganzen klingt das jetzt so:

S: „Now my apron’s up to my chin, because…“ J: … I’am nacked und you will com in“

Das Projekt “Projektohnenamen” geht also weiter. Dabei schicken sich Susanne Haun und Juergen gegenseitig Halbsätze zu, die der andere vervollständigen soll und zusätzlich visualisiert: alles ist dabei möglich. Jürgen benutzt dazu Dekobögen, altes Restepapier und kleine Druckstöcke aus seiner Kiste für Kleines. Er zeichnet, klebt und druckt. Den Antwortsatz hat er grob im Kopf, der Restergibt sich während des Arbeitens. Das Material diktiert das so manches.

Auf Instagram kann man das Projekt verfolgen: >>> https://www.instagram.com/projektohnenamen/<<<

Jürgen schickt Susanne jetzt folgenden Halbsatz: „Sie sollten sich klarer ausdrücken …

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Projekt ohne Namen: “ … wie die Linien das Blatt durchsägen.“

“Es ist immer wieder aufregend…” Dieser Halbsatz ist Jürgen über Susanne Hauns Blog zugeflattert: Hier der Link: >>> [ …] <<< Darauf muss er antworten. So die Vereinbarung. Das machen sie schon seit Jahren so ohne das ihnen langweilig wird.

Diesmal hat Jürgen sich im Atelier umgeschaut, einiges auf den Tisch gelegt, sich hingesetzt und einfach mal geklebt und gedruckt. Erst tun, dann denken! Und danach dann hat er seinem Bild einen Titel gegeben: “ … wie die Linien das Blatt durchsägen.“ Normalerweise funktioniert das bei ihm umgekehrt: erst die Ergänzung des Satzes, dann das Bild.

Also heißt der ganze Satz jetzt so: “Es ist immer wieder aufregend wie die Linien das Blatt durchsägen.”

An Susanne schickt er jetzt einen Satz, den er am Donnerstag auf dem Wochenmarkt beim Fischkauf hörte: Verbringen sie ihre Tage im Dreck oder …?

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