künftig/bald/nach vorne: Transformation durch Worte

Der Tag begann anders als die Tage zuvor, dramatisch, spannungsvoll: In den USA wurde gewählt! Und Jürgen stand im Flur seines Ateliers und hat leise in den Raum einen Satz von Beuys hineingeflüstert, immer wieder, immer wieder: „Zeige Deine Wunde! Zeige Deine Wunde!“ Davon gibt es ein Video als Story auf FB und Instagram.

Und damit hat er so einiges transformiert:

die Arbeits-Stimmung des Raumes wurde eine mystische / seine Gedanken zur eigenen Krankheit wurde zu einem Gedanken darüber wie er damit öffentlich umgehen kann/ die Stille des Raumes wurde eine kurzzeitige Geräuschkulisse/ die Dynamik der Luft wurde Luft, die sich bewegt und Aerosole trägt/ der Gedanken aus dem einen Gehirn wurde zu einem Gedanken in einem anderen/das politische Ereignis wandelte sich einen körperlichen Ausdruck.

Heute ging es überhaupt um „das Wort“. Marie von mmandarin hatte zur Transformation durch das Wort die Formulierung „von den für sie so wichtigen heilenden Worten“ benutzt. Der Gedanke gefiel Juergen: Worte die uns heilen, indem wir sie immer wieder sagen, schreiben oder drucken und von denen wir hoffen, dass sie damit unsere Lebenswelt transformieren, zum Positiven. Obwohl: wer will in Coronazeiten schon positiv sein. Aber dennoch: “Liebe, Ja und No”, das sind Jürgens Worte, die er nutzen wollte. Er hat sie heute gedruckt und gedruckt und gedruckt und gedruckt …

Und dann ist da noch „der Kern des Selbst“. Hier hat Ulli von „cafeweltenall“ in einem Beitrag so einiges zur Transformation mit dem eigenen Inneren geschrieben. Das fand Juergen, so sagte er mir, auch sehr anregend. Aber lest selbst: […] >>>>>>>.

Erwähnen soll ich auch, dass parallel zu den Beiträgen hier im Blog auch auf Instagram und Facebook das Projekt dokumentiert wird: https://www.instagram.com/juergenkuester_buchalov/ und https://www.fac ebook.com/hansjuergen.kuester

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Künftig/bald/nach vorne: Wasser, die letzten Skizzen

Während ich den Frühstückstisch abräume, zieht sich Jürgen mit der letzten Tasse Kaffee zurück und zeichnet so vor sich hin, assoziativ nennt er das, und das machte er die letzten Tage täglich. Das Zeichnen bringe ihn näher an die Dinge. Und die Dinge würden klarer, so sagte er.

Hejo, heja! Hejo, heja!

Zu sehen gibt es diese Skizzen:

Und damit endet der erste Teil von “künftig/bald/nach vorne”, der sich mit dem Thema Wasser beschäftigte und Jürgen dazu zwingen sollte, selbst auferlegt, nach vorne zu schauen und in kleinen Schritten die eigene Vorgehensweise, die Art zu sehen, die Art darzustellen kleinschrittig zu verändern. Und das im Blick auf etwas ganz alltägliches: das Wasser.

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künftig/bald/nach vorne: Wasser und Photos

Wasser eingrenzen

Wenn Juergen umherschleicht, im Thema, oder unterwegs an Orten, dann fotografiert er. Oder er verwendet alte Photos, die er mit Hilfe der Colorama-App auf dem iPhone verfremdet.

Ein wichtiger Hinweis, so Juergen, dürfe heute nicht fehlen: Es geht um die Wasserbilder von Ule Rolff. Ule hat auf ihre Art Jürgens Projekt begleitet, ohne feste Absprache, sie haben sich ein wenig ausgetauscht und angenähert. Jürgen dankt sehr dafür. Die Wasserbilder von Ule kann man hier sehen: https://ulerolff.net/

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künftig/bald/nach vorne: Wasser, ein paar Untersuchungen und ihre Dokumentation

Also, das hier hat sich Jürgen ausgedacht, vielleicht auch auferlegt, das könnte er erledigen:

Wasser trinken

Wasser fliessen lassen

Wasser wegwischen oder wegschnippen

Wasser vermischen mit Erde oder Sand oder Saft oder Spucke

Wasser und Spüli vermischen

Wasserdampf erzeugen

Körperwasser finden

Wasser und Licht verbinden

Und getan hat er das hier:

Wasser fließen lassen
Wasser wegschütten
Wasser und Spülmittel

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Projekt ohne Namen #57: “Mein Lebenslauf ist bunt …”

“… and the circle turns around and around and around.”

Als Ergebnis nur ein einziges Bild: das funktioniert nicht mehr. Es entstehen mittlerweile immer viele Varianten eines Motivs, und Juergen kann sich nicht mehr sogleich entscheiden, was er auswählen soll. Wovon rede ich?

Im „Projekt ohne Namen“ senden sich Susanne und Jürgen im Wechsel halbe Sätze zu und der andere muss sie vervollständigen und ein Werk der Visualisierungen dazu erschaffen. Seit 2016 machen sie das schon so. Und dass dabei nur ein Werk entsteht, genau das funktioniert bei Jürgen momentan nicht mehr. Also werde ich Euch hier einige Variationen zeigen.

Und nun zu dem Halbsatz, den Jürgen bekommen hat. Susannes Leben scheint ein bewegtes und vielfältiges und facettenreiches zu sein, oder gewesen zu sein. Wer kann das schon sagen. Gratulation! Ihr Satz für Jürgen lautete daher : “Mein Lebenslauf ist bunt …”

Jürgen hat sich mit mir besprochen wie er damit umgehen soll. Er werde dieses Jahr siebzig Jahre alt, und da stelle sich die Frage nach einem Leben und ob es bunt gewesen sei anders, als wie bei Susanne, die ja einen Lebenslauf geschrieben habe. Für ihn klinge der Satz eher wie eine Aufforderung zur Bilanzierung. Er wisse im Moment gar nicht genau, ob sein Leben bunt gewesen sei. Da müsse er wohl mal länger drüber nachdenken. Denn bunt, das sei so ein Begriff, der sich ihm nur schwer erschließe. Er wisse nicht genau, was das bezogen auf ein Leben bedeutet. Aber ein langes Leben habe er jetzt schon auf dem Buckel, und er hoffe, dass es noch nicht so bald vorbei sei. Ein paar Jahre dürfen es ruhig noch sein. Es gäbe noch einiges zu tun. „The circle can go around and around“, wenn es noch ihm gehe. Er weiß, dass er diesen halben Satz schon einmal verwendet hat: doppelt hält eben besser. Und im Hintergrund lief auch noch der alte Byrdssong “Full circle”. Damit war die Motivlage für sein Werk klar.

Und so setzen sich die zwei Teile nun zusammen: “Mein Lebenslauf ist bunt and the circle turns around and around and around.”

Und Susanne bekommt von ihm jetzt folgenden Halbsatz: “Mit diesen in den Raum gesprochenen Worten werde ich die Realität gewaltig verändern: …“

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die Erinnerung geschieht auch auf dem Papier

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Die Zeit vergeht. Ja, die Zeit vergeht. Und im Strom der Zeit versinkt einiges, taucht unter, aber bisweilen kann es wieder nach oben befördert werden. So ist es geschehen. Sagt Juergen.

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Jetzt ist es schon über eine Woche her, dass er und ich an der Sieg, dem Westerwald, dem Rhein und der Lahn unterwegs waren. Der Erinnerung hat es gut getan. Uns hat es gut getan. Auch dem Blick nach vorne hat es geholfen.

Zeichnungen sind entstanden – wie immer auf der Buchalovs Tour. Die Erinnerung geschieht auch auf dem Papier, natürlich. Ein wenig von dem, was sich Juergen da so „zusammengekritzelt“ hat, habe ich schon gezeigt. Einige Skizzen hat Juergen aber auch überarbeitet. Jetzt darf ich in der Summe zeigen, was so entstanden ist. Also hier der erste Teil:

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Buchalovs Tour 2020: Loreley, Tag zwei

Heute war nicht viel. Jürgen und ich haben in einem Weltkulturerbe gesessen und uns ausgeruht. Wir schauten die Loreley an, und sie schaute zu uns. Wir haben uns ausgeruht, ein Nickerchen, und sie sang mit lieblicher Stimme dazu. Wir waren glücklich und zu jeder Dummheit bereit. Dann wachten wir auf.

Über Mittag hatten wir einen Energieschub. Also wurde gespült, Fahrrad gefahren, die Toilettenkasette geleert und Nachdenkenswertes gezeichnet. Die kleine Fahrradtour ging über Oberweser, Bacharach, Lorch und Kaub incl. zweimal die Rheinfähre. Es ist traumhaft schön hier. Das findet auch Jürgen.

Wir haben unterwegs eine Kerze für euch mit den besten Wünschen angezündet. Juergen hatte das in Kloster Marienstatt vergessen und Ursula hat zurecht auf dieses Versäumnis hingewiesen.

Aber auch das Perfekte hat bisweilen einen Makel: Es ist ziemlich laut hier. Und viele sind hier unterwegs. Jürgen hatte Zweifel, ob man die Loreley überhaupt singen hören könne. An jedem Rheinufer verläuft eine dicke Straße, eine zweigleisige Bahnstrecke, dann der Schiffsverkehr und auch in der Luft tummelt sich so einiges. Der Raum ist wirklich begrenzt hier. Und so ein Güterzug macht ganz schön Radau. Die Anwohner sind zu bedauern und manche sind erbost. Das zeigen die Protestschilder.

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Buchalovs Tour 2020: also ganz oben waren wir

Also ganz oben waren wir schon, dem Himmel verdammt nah: Bad Marienberg / das ist der Hohe Westerwald. Und da haben wir die letzte Nacht verbracht – kalt war es, aber ansonsten – sogar einen Brötchenservice gab es. Jürgen und ich fahren momentan die „Buchalovs Tour“, und wir stehen jetzt in St. Goar am Rhein, da wo die Loreley singen soll.

Es gab heute morgen eine Zwischenstation auf dem Weg an den Rhein, denn Juergen wollte unbedingt zum Kloster Marienstatt – muss was Besonderes sein. Sein eher wenig christlicher Vater fuhr gerne mit allen an diesen Ort an der Nister. Hier der Link: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Abtei_Marienstatt. Wir haben die zwei Stunden dort genossen. Und da war er dann wieder, der liebe Gott. Und die Engel. Und die Wucht und Stärke der Präsentation einer Idee.

Auf solch einer Fahrt schlagen wir ja einen Bogen zwischen gestern und heute, keine Frage. Es ist weniger die Nostalgie die Triebfeder als der Versuch herauszufinden, ob das was früher Gültigkeit hatte und prägte, noch heute Bestand hat. Das Kloster zählte für ihn dazu. In der Erinnerung sind die Dinge ja noch vorhanden, was für eine starke Prägung spricht, aber ob sie das Heute mitbestimmen, müsse erst einmal herausgefunden werden, meinte Jürgen. So gehen Roadstories, glaube ich.

Die Fahrt über den Westerwald runter zum Rhein lief wie geschnitten Brot. Die Sonne schien, die Enge wich der Weite, die Musik stimmte, Juergen hat fleißig mitgesungen, wir fühlten uns gut und hier ist es wirklich schön. Jetzt stehen wir am Rhein und blicken auf den gewaltigen bedeutungsschwangeren Felsen. Ich werde Juergen bitten, mal die Augen zu schließen: vielleicht hört er ja den lieblichen Gesang der Loreley.

Ursula Panke-Felder, das fiel Juergen noch ein, Künstlerin aus Venlo, hat sich in einem Projekt seit 2019 mit der Loreley beschäftigt: https://www.ursula-pahnke-felder.eu/das-loreley-projekt.html

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