unbewußt

Juergen und Peter redeten miteinander, im Atelier, vor Juergens großem Tisch. Und sie redeten über Ausstellungen, über die eigenen Befindlichkeiten, über das Turmstipendium in Geldern, über Dagmars anstehenden Besuch und über das Mainstreamige im nahen künstlerischen Umfeld – ein Gespräch bestehend aus Floskeln des Small Talks und ebenso versehen mit großer Ernsthaftigkeit.

Als sie fertig waren schaute Juergen auf dieses Schnipselbild – unbewußt von ihm während des Gesprächs gelegt. Er war verwundert über das, was da auf dem Tisch lag. Was hatte ihn denn da getrieben?

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nicht unbedingt

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Ausstellungen sind nicht unbedingt Juergens Ding. Er teilt da die Auffassung von Einigen, vielleicht Wenigen: Zeit, die man auch anders verwenden kann – Energien, bei denen Aufwand und Ergebnis nicht so recht zueinanderpassen –  Buhlen um Teilhabe, teilweise unwürdig – Fremdbestimmtsein unter Ausstellungsbedingungen, die man nicht selbst bestimmt – die sozialen Medien lassen andere Ausstellungsformen zu. Und das sind nur einige wenige seiner Überlegungen. Er weiss, dass man trefflich darüber streiten kann.

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Und jetzt dieses Ausstellung im Wasserturm in Geldern, Thema: „jedem seinen Platz“, (s. hier: >>> [ …] <<<) im Rahmen der „Kreis Klever Kulturtage“: wieso nimmt er daran teil?

Die Antwort ist einfach: das Thema passt zu dem, was Juergen seit geraumer Zeit beschäftigt: OrtsMarken (s. hier: >>> [ … ] <<<).  Und es ist gut für die künstlerische Biografie. Und es bedeutet ein Minimum an Aufwand. Alles ist so unkompliziert. Punktum!

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noch ein Gitter oder Netz

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Drei Drucke waren missglückt und landeten auf dem großen Stapel mit den schrottigen Ergebnissen in Juergens Atelier. Aber dieser Zustand dauerte nur einen Tag. Dann fischte Juergen sie wieder heraus, zerschnitt sie in Streifen, mischte die Streifen und klebte alles wieder neu zusammen. Transformation? Vielleicht ist es auch nur ein Weg, um den Frust über misslungene Arbeiten zu kompensieren? Na ja!

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Papier sei gut

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Die OrtsMarken, die OrtsMarken, die OrtsMarken, die OrtsMarken: das ist der neue Arbeitsschwerpunkt. Juergen ist diszipliniert, Glaubt er jedenfalls, denn er arbeitet thematisch das ab, was auf seiner Liste in seinem Handy steht. Und „BFT 2018 remember“ ist vorbei und die OrtsMarken sind jetzt halt dran. Seine Wand ist freigeräumt worden. Nackt, oder fast nackt schaut sie ihn an.

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Er schneidet und klebt,  kein Plan, ab und an eine Skizze, nur der Prozess ist wichtig. Er nimmt das Material, Papier und Pappe, das als Ausschuss auf einem kleinen Haufen in seinem Atelier herumliegt.

Papier sei gut, Papier liebe er. Papier sei im Überfluss im Atelier vorhanden. Reste seien auch gut. Reste liebe er. Reste seien ebenfalls im Überfluss im Atelier vorhanden. Und Verpackungsmaterial. So sagt er.

Er jetzt baut er OrtsMarken als Plastiken, große und kleine, dicke und dünne, bunte und fleckige, eckige und runde.

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Kreuzcut: drei Neue

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Die Aufarbeitung der Dinge, die geschehen, aber nicht verloren sind, dauert bisweilen. So geht es Juergen offensichtlich auch mit seiner „Buchalovs Freunde Tour 2018“. Er beschäftigt sich immer noch mit ihr. Und sie, diese Tour, wirkt immer noch nach, heftig und intensiv. Es gibt scheinbar soviel im Nachhinein zu bedenken, nachzuverfolgen, es sind Fragen zu beantworten, neue gedankliche Kombinationen ergeben sich, es gibt einiges zu recherchieren und und und.

Neben den Zeichnungen und Drucken entstehen dabei jedes Jahr im Rückblick auch Scherenschnitte. Bei Juergen laufen sie unter dem Titel „Kreuzcut“. Drei Neue sind entstanden.

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intuitiv

Klar, ein grober Rahmen sei schon abgesteckt. Das Ziel sei auch klar: Horchgeräte. Oder OrtsMarken. Und das Wissen darum, wo es ungefähr, ganz grob hingehen könne, sei auch vorhanden.

Aber der Rest sei Umschauen im Atelier, Papiere und Pappen finden, Zeichnungen so ungefähr im Kopf haben, als Vorlage, Schere, Kleber, Cuttermesser, das Vertrauen darauf, dass man gedanklich abrufen könne, was man in der Situation benötigt und dann werde angehalten, geklebt, ausprobiert, verworfen, neu geklebt, weggeschnitten, umk4eist und und und. Fertig!

So beschreibt Juergen seine momentane Arbeitsweise bei der Herstellung der Papierplastiken. Ich finde das ganz vernünftig. Und intuitiv.

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