Gesichter

Ein Gesicht. Und noch ein Gesicht. Und noch eines.

Beim Durchblättern von Juergens Skizzenbuch blieb ich daran hängen. Sie fielen mir auf. Sie schauten mich an und schwiegen. Gesichter: hat Juergen sich etwa selbst angeschaut?

Aber es bleibt dabei: was wissen wir schon. Und man kann den Menschen nur vor den Kopf schauen. Oder ins Gesicht. Daher kann es nach meiner Auffassung nur zwei Wege der Annäherung geben, wenn wir auf die Anderen treffen: den Weg des Vertrauens oder den des Misstrauens. Meine Entscheidung und auch die von Juergen ist klar.

Und an Heike musste ich denken und daran, was sie über das Selbst geschrieben hat. Und wie wenig ich über die Theorie des Selbst weiß. Juergen und ich werden uns da mal ein wenig einlesen.

„Was weiß ich schon von ..“ Daran sollte Juergen vielleicht in diesem Zusammenhang auch mal wieder weiterarbeiten.

Und das alles wegen der Gesichter im Skizzenbuch, erstaunlich!

Buchalov

Ort 42 bis 46

Der Gedanke bei Juergen ist der, das es so viele Orte oder Stellen oder Plätze gibt, incl. OrtsMarken, die zu zeichnen und zu zeigen es sich alle Male lohnt. Bis 100 will er auf jeden Fall kommen, aber über die Jahre können es bestimmt auch einige Hundert werden. Meint er. Es sei ein konzeptioneller Ansatz: the neverending places. Auf den Weg hat er sich schon im Frühjahr gemacht und er weiß, dass er einen langen Atem braucht. Aber den hat er, das weiß ich.

Jetzt zeige ich mal Ort 42 bis 46 inclusive der „ZwillingsOrtsMarken“, die vor ein paar Tagen hier im Süden entstanden sind.

Buchalov

Versuche

Wenn etwas misslingt, wandert es bei Juergen normalerweise auf die Halde: Wartehalde, Restehalde, Lagerhalde. Vielleicht kann man es noch mal irgendwie verwenden. So sein Gedanke. Es hat auf jeden Fall eine Wertigkeit, die es zwingend macht, jedes Produktionsteilchen aufzubewahren.

Hier als ein paar „Haldenbilder“, die auf dem Weg nach Oliva, dem heutigen Hier und Jetzt, entstanden sind. Im Moment empfinde er sie als missglückt, sagte Juergen, aber er gehe noch mal heran. Ein weiterer Versuch müsse her. Bangemachen gelte nicht.

Und die neuen Versuche, entstanden auf seinem Campingtisch vor dem Wohnmobil und unter Verwendung von aussortierten Blättern, die er einfach so mitgeschleppt hat, sehen dann so aus:

Buchalov

Ort: Montroig Bahia

Das Meer liegt uns hier in Montroig/Bahia zu Füßen. Und die Wellen werfen sich in den Sand. Ihr rhythmisches Rauschen beruhige ihn, meinte Juergen.

Buchalov

Ort: Cambrils/Spanien

Diesmal war uns nach Landstraße, nach tingeln, an der Küste entlangschleichen. Von Palavas le Flot ging es am Etang entlang, aber es war so diesig. Wir könnten das Meer nicht sehen. Daher ging es bei Beziers auf die Autobahn und Hups waren wir über die Berge, La Joncera, und ab nach Barcelona. Abfahrt 37 war dann Cambrils. Und jetzt stehen wir direkt am Meer.

„Die Unterlegscheiben der Heiligen Susanna“ hat Juergen hier gezeichnet. Unterwegs hat er ein Verkehrsschild gesehen auf dem „Santa Susanna“ stand.

Buchalov

Ort: Beaune/Burgund

Wir sind auf dem Weg in den Süden, wir beide. Und sitzen hier in Beaune vor dem Wohnmobil und Juergen schaut gerade eben nach links in die Büsche am Rande des Stellplatzes. Ich glaube, er sucht eine OrtsMarke.

Dann hat er gezeichnet. Weil ihm langweilig sei, sagte er.

Buchalov

Wir sind wieder da! Teil 1

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Wir sind wieder da, Juergen und ich. Unsere Sommerpause ist beendet.

Und sie begann so: Zuerst kam Berlin, drei Tage lang.  Juergen und ich waren in Köpenick und haben mit unserer „Band M“ zuerst geprobt und dann auf einem Nachbarschaftsfest an der Dahme gespielt. Richtig schön wars. Richtig gesellig. Und gut fuer die Seele. Und „Berlin Mitte“ haben wir auch zweimal besucht.

In der selbstgemachte Musik gehe man ganz auf, sagt man, finde zu sich selbst, Energie pur. Berlin aber: Reizüberflutung. Und die Frage: wo bleibt das Selbst in diesem riesigen Gewusel? Wo sind die Rückzugsräume?

Und mit Susanne Haun und Michael haben wir uns am letzten Tag im Wedding ebenfalls getroffen. Und das war mehr als besonders schön, denn Susanne und Juergen hatten sich lange nicht gesehen. Und waren sich sogleich wieder so vertraut, so nahe. Irgendwie hat Juergen vor lauter Freude vergessen zu fotografieren.

Nähe und Vertrautheit ist mehr als gut!

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Dann kam Waren an der Müritz, Radtouren am See entlang, „OrtsMarken“ finden, ein neues Skizzenbuch eröffnen, einiges zeichnen und den Rhythmus der Stadt hinter sich lassen, zur Ruhe kommen. Und das unbeirrt in der wunderbaren Landschaft am See.

Wann bin ich bei mir? Was macht die Fremde, Landschaft mit mir, die Ruhe, das Licht, der Wind, die Sonne? Wann bin ich glücklich? 

Ein kurzer Abstecher in Maasholm an der Schlei folgte, erwähnenswert ist dabei nur das Fischbrötchen von der Fischbude am Hafen, bevor wir in Lökken in Nordjütland gelandet sind. Hier war es sofort das kolossale Licht und der riesige Strand, der Juergen gehalten haben, über eine Woche lang, und so einiges an Skizzen entstehen ließ. Juergen fand es phantastisch! Was fuer eine Landschaft! Was fuer eine Stimmung. Die Steilküste, die abgerutschten Wehrmachtsbunker, die so nahen Drachenflieger, das dänisch Unkomplizierte, Börglum Kloster, Rubjerk Knute – auch wenn der wirtschaftliche Strukturwandel hin zum „Totalen Tourismus“ hier alles bestimmt. Aber das wirklich Alte wie Böglum Kloster kriegt auch der nicht kaputt. An Gerdas Thema der Verschmelzung von Natur und Technik musste Juergen da oben ebenfalls denken.

Ich bin Teil des Ganzen, die Energien fließen ruhig dahin, der Kopf ist klar, der Wind macht alles gleich, der Sand glättet, wunderbar! Das Licht, das Licht! 

(Buchalov, Teil 2 folgt)