Dies und das zu “dem Schatten und dem Zwilling”

„Dies und das“ bedeutet, dass ich Juergen dabei beobachtet habe, wie er bei seinem momentan täglichen Zeichnen und Skizzieren dem Stift freien Lauf läßt. Es geht aber offensichtlich immer um sein Thema „der Schatten ist der Zwilling“. Wobei: Verdoppelungsmotive finden sich ja überall. Und Gelb in Kombination mit Schwarz und Grau geht ja auch immer und tut keinem weh. Vielleicht sind das alles auch nur Fingerübungen.

Buchalov

„als Lato sich isolierte“: Tag 12 – 14

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Vierzehn Tage lang habe er nun ein zeichnerisches und fotografisches Tagebuch geführt. Jetzt sei es genug. So Juergen. Die Pandemie sei nicht vorbei, das nicht. Juergens zeichnerisches Tagebuch aber ende nun nach vierzehn Tagen.

Juergen meinte, dass diese sich selbst auferlegte Pflichtaufgabe ihm sehr geholfen habe. Wenn er über die Summe der Zeichnungen schaue, werde ihm die ungeordnete Situation von vor zwei Woche mehr als deutlich. Doch jetzt kehre so langsam bei ihm eine gedankliche Klarheit zum Thema „Corona“ ein, die sich auch in der Klarheit der Zeichnung widerspiegele. Die innere Unsicherheit, die Schübe an ängstlichen Momenten, habe er hinter sich gelassen.

Der Abschluss falle ihm aber auch deshalb leicht, weil er mit den letzten Zeichnungen fast zufällig beim Blättern in einem Kunstband ein Bild gefunden habe, dass alle Komplexität des Coronageschehens für ihn bündele: Atlas, der Titan, stemmt den Himmel, trägt die Last, trägt eine Last. Er ist damit gebunden und unfrei, er erfüllt seine ihm von Zeus auferlegte Pflicht und muss ertragen, muss als Strafe tragen, was ihm auferlegt ist. Dieses Bild läßt in den aktuellen Bezügen vieles zu.

Juergen weiss, dass in vielen historischen Abbildungen nicht der Himmel, sondern die Erdkugel von Atlas getragen wird – wohl der optischen Wirkung wegen.

Mal schauen, ob es bei Juergen zu weiteren Bildern führt.

Tag 12: zusammenrücken

Tag 13: es vervielfältigt sich

Tag 14:  die Last tragen

Buchalov

 

Parzelle 268: #7

Ein paar Zeichnungen und Photos sind in den letzten Tagen noch entstanden. Aber sein Projekt laufe nun langsam aus, meinte Juergen. Die „Parzelle 268“ werde wohl geschlossen werden, denn Ende der Woche gehe es heimwärts.

Buchalov

Parzelle 268: #6

Parzelle, Parcela, Ort, Platz, Stelle: darum geht es. Und um das, was Juergen dort sieht, was ihm wichtig ist, was er wahrnimmt, was er zeichnet: alles, was auf dem Papier landet, geht durch diesen Filter.

Und der Filter, das sind

Motive, die nur auf dieser Parzelle existieren, nichts darüber hinaus

Motive, die eine Verfremdung zulassen oder wünschen

Motive, die zu den schon vorhandenen Formen auf dem Papier passen, auf welches sie gezeichnet werden

Motive, die charakteristisch für diese Stelle sind

Motive, die Juergen nicht übergehen konnte und die ihm nahe sind.

Buchalov

Leporello: Muschelzeichnungen

So, ein paar der am Strand gefundenen Muscheln hat Jürgen auf einen Kultur- Flyer der Stadt Essen gezeichnet – bestimmt für Beate, die so fleißig Muscheln lieferte. Als Leporello.

Und für Lato. Denn das zeichnerische Ergebnis ist Teil des Themenblocks „als Lato das Meer sah„. So hat er sich das gedacht.

Im Atelier in Geldern wird das Ganze noch einmal auf Papier aufgezogen, um die nötige Buchqualität und materielle Festigkeit zu bekommen.

Und ob daraus dann noch mehr wird – wer weiß.

(Jedes Bild zeigt zwei Seiten des Leporellos.)

Buchalov

Parzelle 268: #5

Nach einer Pause von mehreren Tagen, kam dann doch wieder etwas aufs Papier.

Gute und schlechte Energien, der Zauber der Dinge und Das Wissen um hilfsbereite Menschen spukten in Juergens Kopf umher. So sagte er mir. Ob die Zeichnungen dies wiedergeben, weiß er nicht so genau. Aber was soll’s.

Aber: sein Vorhaben „Parzelle 268“ schreite voran und die Mappe füllt sich.

Buchalov

Parzelle 268: #4

Ob der „Parzelle 268″ ein Zauber innewohne, das wisse er nicht so genau. So Juergen.

Petra von PPawlo jedenfalls schrieb dies in einem Kommentar vor ein paar Tagen. Und das hat Juergen gefallen. Ihn hat es überrascht, das das, was er da so tut, einen Zauber, etwas Magisches, beinhalten könnte. Das sei ihm noch nie in den Sinn gekommen. Petra hat ihn sozusagen mit diesem Gedanken auf dem linken Fuß erwischt. Herzlichen Dank, Petra!

Und das Ganze hat ihn inspiriert:

Ob den Dingen eine Kraft, eine Energie, innewohne, sei das, was ihn momentan beschäftige. Wenn dem so sei, habe das ja enorme Konsequenzen für die Wahrnehmung der eigenen Umwelt und fuer die Art und Weise wie mit den Dingen umzugehen sei.

Er grübelt also!

Buchalov

Parzelle 268: #3

Wir haben weiteres Material gesichtet, denn Juergens Untersuchung von „Parzelle 268“ schreitet fort- wenn auch langsamer als gedacht, denn ständig kommt etwas dazwischen, was ihn anderweitig bindet. Bisher ist es mehr eine analytisch – untersuchende Vorgehensweise, die Photos und Skizzen liefert.

„Und wie finde ich mich persönlich in dem Ganzen wieder?“ hat er mich gefragt. Das beschäftigt ihn. Ich konnte keine Antwort geben- noch nicht. Vielleicht hilft ja ein Selbstportrait. Oder Skizzen von Körperteilen.

Buchalov

Parzelle 268: #2

Und weiter geht es: Juergen zeichnet seine Parzelle in Ausschnitten und versucht herauszufinden, welche markanten Punkte er dort sieht und welche ihn von der Form her ansprechen. Er erkundet den Ort, die Stelle, an der er momentan im Wohnmobil lebt.

Aus seinem Gelderner Atelier hat er bedruckte Papiere mitgenommen, die als Abfallstücke im Atelier herumlagen. Er hat sie in DIN A 3 große Blätter gerissen und zeichnet nun auf ihnen. Später wird er alles im Querformat zu einem Buch mit japanischer Bindung zusammenfassen. So der Plan!

Buchalov

Parzelle 268: #1

Das Projekt „Oliva, Parzelle 268“ hat begonnen. Juergen zeichnet. Täglich entsteht etwas.

Und es beginnt mit den Erinnerungen an diese Stelle, an diese Parzelle, auf der Juergen mit seinem Wohnmobil steht – aus dem Kopf aufs Papier gebracht. Wir beide, Juergen und ich, waren hier nämlich schon oft in den letzten Jahren. Aber erst jetzt will er diese Stelle gezielt zeichnerisch und fotografisch erkunden, erst jetzt. Komisch wie es manchmal so kommt.

Die Herangehensweise: es werden Fotos angelegt, Erinnerungen hervorgekramt, sich sehr genau umgesehen, gezeichnet, gesammelt, Fundstücke in eine leere Dose gepackt, Ideen entwickelt, sich eingestimmt, gewartet, oder plötzlich losgelegt.

Das Abschreiten: Juergen geht Wege ab, auf seinem Stellplatz, kurze Wege, oft nur ein paar Schritte, mit gesenktem Kopf und sucht und findet. Alles könnte bedeutsam sein. Alles ist bedeutsam.

Das Abwickeln: Fundstücke werden nicht so gezeichnet wie sie vor ihm liegen, sondern manchmal so, wie er sie beim Betrachten oder vor seinem geistigen Auge abwickelt.

Heute habe ich einen Ausschnitt davon gezeigt, was aus der Erinnerung entstanden ist.

Buchalov