Projekt ohne Namen #72 | „Rucke di gu, rucke di gu, Blut ist im Schuh …“

Als leicht eklig und befremdlich empfand Jürgen diesen halben Satz den Susanne ihm zugeschickt hatte. Was sie schrieb, war irritierend. Wer will schon gerne Blut im Schuh haben. Diesen Lebensssaft. Und woher kommt das Blut? Und Blutflecken bekommt man ja nicht mehr so leicht aus den Sachen raus.

Die Recherche ergab natürlich eine Quelle als Ausgangspunkt für diesen halben Satz, die immer schon durch gruselige und blutrünstige Aussagen bekannt war: die deutschen Märchen der Brüder Grimm, Aschenputtel.

Susanne und Jürgen schicken sich immer gegenseitig halbe Sätze zu, die der Andere vervollständigen und illustrieren soll. Das machen sie seit 2016. Auf Instagram kann man das hier sehen: >>> projektohnenamen.

Parallel zum Märchen von Aschenputtel las Juergen in der Apotheken- Zeitschrift etwas über die Plasmatherapie und die Möglichkeiten einen diabetischen, offenen Fuß mit dieser Methode zu heilen. Das war dann die thematische Brücke für ihn. Und es bedient sein momentanes Lieblingsthema: wie leben wir wohl in der nahen Zukunft.

Und so laut ist der ganze Satz nun:

#72: S: „Rucke di gu, rucke di gu, Blut ist im Schuh … und von irgendwoher muss es ja kommen: diabetischer Fuß vielleicht?“

Und an Susanne schickt Jürgen nun folgenden Satz: „Mir fehlt meine Morgengymnastik ….“

Buchalov

Projektohnenamen #67: …“ da und da und da!“

„Dadaismus ist …“ „Mein Gott“ hat Jürgen gedacht als er das las. Susanne hatte ihm wieder einen Halbsatz zugeschickt, den er vervollständigen sollte. Sein Gedanke: Jetzt wird es kunsthistorisch. Jetzt wird es gewichtig. Susanne hatte ihm da einen Halbsatz zur Vervollständigung geschickt, der hatte es wirklich in sich. Man kann ja schließlich hier im Block keine Abhandlung darüber schreiben, was Dadaismus ist. Aber die Wortbedeutung könnten man mal nachschlagen, hat er sich wohl gedacht. Und fand da neben vielem anderen die Erklärung, dass der Dadaismus seinen Namensursprung in der Bezeichnung eines französischen Spielzeugs haben soll. Französische Kinder nannten wohl ihr Steckenpferd Dada. Ob das wohl stimmte?

Egal: Der Dadaismus ist groß, gewaltig und eine Kunstströmung, die nicht mehr wegzudenken ist und – für Juergen ganz wichtig – das Konventionelle ablehnt, nach neuen Wegen suchte und Nichtkonformistisch daherkam. Oder kommt, denn den Neodadaismus gibt es ja auch schon. Für den Rest nehme man das Internet.

Nach einigem Zögern hat Jürgen dann eine Notiz geschrieben. Die hatte Bestand, auch nach Tagen noch, und Jürgen hat also vervollständigt mit „…da und da und da!“ Der ganze Satz geht jetzt also so:

Dadaismus ist da und da und da!

Und Susanne bekommt von Jürgen jetzt folgenden Satzfetzen zugeschickt: „Wenn ich einen rostigen Nagel fotografiere …“

Buchalov

Projekt ohne Namen #48: „Ich hülle mich in einen Vorhang…“

IMG_3644

Susanne schrieb: „Ich hülle mich in einen Vorhang, …“

Und Jürgen vervollständigte: „… setze mir die Krone auf und bin ein König, von was auch immer!“

Juergen und Susanne schicken sich gegenseitig schon seit geraumer Zeit Halbsätze zu, die der andere ergänzt und visualisiert. Das ist das „Projekt ohne Namen“. Auf Instagram kann man das hier  verfolgen: >>> xxx<<<<

Es gibt Bilder, die findet man. Einfach so, wenn man auf seinem Blog in der Historie umhersucht. Juergen konnte sich an ein Bild von sich selbst in einem Vorhang erinnern. Er hat es nach kurzer Suche gefunden. Und das passte nun als visuelle Antwort perfekt.

Dann war da noch „Der Schatten ist der Zwilling“: Jürgens momentanes Thema, das man auf diesem Bog in seinen Anfängen verfolgen kann. Es spielte auch mit hinein, wie man sehen kann.

Wer mehr vom „projektorennamen“ sehen will, sollte Susannes Seite besuchen. Hier der Link: >>>projektohnenamen<<<

Jürgen schickt Susanne nun folgenden Halbsatz: „Den „Garten Eden“ findet man dort,  wo …“

Buchalov

Projekt ohne Namen: #42 – „Die Sonne schien, der Mond war helle …“

HipstamaticPhoto-607939988.672130

Susanne schrieb: „Die Sonne schien, der Mond war helle …“

Und Juergen antwortete: 

„Gold war Blech und Glas war Kies

als der Klaus aus ’ner Blechkelle

sich ’ne Papierkrone blies.“

_____________________________________________

Sie schicken sich noch immer Halbsätze zu, die der andere vervollständigt. Und sie zeichnen dazu, oder drucken oder kleben oder kritzeln – wie auch immer. Sie sind bei #42 angelangt.

Susannes Halbsatz gehörte zu einem Gedicht, das man allgemein kennt. Aber beschwören will ich das nicht. Diesmal konnte Juergens Antwort nicht so einfach mal schnell am Frühstückstisch entstehen, sondern die Struktur des Textes galt es zu ergründen und auf seine Antwort anzuwenden.

Hier das „Nonsens- Gedicht“, aus dem Internet gezogen, Quelle unbekannt:

„Dunkel war’s, der Mond schien helle / schneebedeckt die grüne Flur / als ein Auto blitzesschnelle / langsam um die Ecke fuhr. / Drinnen saßen stehend Leute / Sschweigend ins Gespräch vertieft / als ein totgeschossner Hase / auf der Sandbank Schlittschuh lief. / Und der Wagen fuhr im Trabe / rückwärts einen Berg hinauf. / Droben zog ein alter Rabe / grade eine Turmuhr auf. / Ringsumher herrscht tiefes Schweigen / und mit fürchterlichem Krach / spielen in des Grases Zweigen / zwei Kamele lautlos Schach. / Und auf einer roten Bank, / die blau angestrichen war / saß ein blondgelockter Jüngling / mit kohlrabenschwarzem Haar. /Neben ihm ’ne alte Schachtel, / zählte kaum erst sechzehn Jahr, / und sie aß ein Butterbrot, / das mit Schmalz bestrichen war. 7 Oben auf dem Apfelbaume, / der sehr süße Birnen trug, / hing des Frühlings letzte Pflaume / und an Nüssen noch genug. / Von der regennassen Straße / wirbelte der Staub empor. / Und ein Junge bei der Hitze / mächtig an den Ohren fror. / Beide Hände in den Taschen /  hielt er sich die Augen zu. / Denn er konnte nicht ertragen, / wie nach Veilchen roch die Kuh. / Und zwei Fische liefen munter / durch das blaue Kornfeld hin. / Endlich ging die Sonne unter / und der graue Tag erschien. / Dies Gedicht schrieb Wolfgang Goethe / abends in der Morgenröte, / als er auf dem Nachttopf saß / und seine Morgenzeitung las.“

Juergens Gedanken kreisen momentan um das Thema „Krone“. Dieser Bezug zum fehlenden Text schien daher logisch. Und von da war dann der Schritt zu den kaiserlichen Insignien Krone, Reichsapfel und Zepter, die den Weg aufs Papier finden sollten, nicht weit.

Also, ich war dabei und es ist wirklich so geschehen,: Juergen hat sich in seinem Druckraum einmal um die eigene Achse gedreht, langsam, und das, was an Holzresten und Druckstöcken in greifbarer Nähe lag, genommen, ausgewählt und gedruckt – zwei Versionen. Fertig! Ein paar Tuschestriche kamen dann später dazu. Das war es dann. 

Und Juergen schickt Susanne nun als #43 folgenden Halbsatz: „Ich schaue aus dem Fenster und die Welt hinter mir …“

„projektohnenamen“ ist auch auf Instagram vertreten, hier der Link: >>> [   ]<<<

Buchalov

projektohnenamen

IMG_0897

„projektohnenamen“.

Susanne Haun und Jürgen kollaborieren schon seit Jahren miteinander. Auch mit und in diesem Projekt. Auf Instagram warte daher einiges an Texten und Bilder auf Euch. Soll ich sagen. So Juergen. Hier der Link: >>> projektohnenamen <<<.

Buchalov

Projekt ohne Namen: „Susanne ißt ihr Müsli am Morgen und denkt …“

NUUQ5988

Susanne: „Susanne ißt ihr Müsli am Morgen und denkt …“

Juergen: „…wie schön das Leben sein kann – auch ohne Rosinenpickerei!“

Also: Juergen las diesen Halbsatz, den Susanne geschickt hatte, tippte in sein Handy spontan einige Ergänzungen ein, suchte im Atelier ein passendes Dekoblatt – auf seinem Blätterstappel findet sich da einiges- und schnitt einen Druckblock als Holzschnitt, druckte ihn, ging mit Tusche in das Blatt hinein, Ergänzungen eben, manchmal mehr, manchmal weniger. Dann ergänzte er den Satz und fertig war das Ganze – so wie mit Susanne verabredet. Und oben seht ihr wie es aussieht.

#38:

Susanne: „Susanne ißt ihr Müsli am Morgen und denkt …“

Und Juergen ergänzte: „…wie schön das Leben sein kann – auch ohne Rosinenpickerei!“

_________________________________________________

Juergen schickt Susanne nun folgenden Satzanfang: „Junge, komm bald wieder …“

________________________________________________

Hier könnt ihr in unseren bisherigen Satzanfängen und -enden stöbern. Schon seit November 2016, vielleicht mit kurzen Unterbrechungen, führen Susanne und ich diesen Dialog. Ich habe mittlerweile auf Instagramm das „projektohnenamen“ eingerichtet und begonnen, es mit Leben zu füllen. Hier könnt ihr dem Projekt ebenfalls folgen:

https://www.instagram.com/projektohnenamen/

#36 (siehe hier)

S: „Es wäre an der Zeit, für unsere vielen Projekte, Zeichnungen und Drucke einen Ausstellungsort zu finden ….
J: „… denn wenn es an der Zeit ist, ist es an der Zeit – meinte ja schon der ewige Dürer als er an seinem berühmten Hasenkopf herumkritzelte.“

#35 (siehe hier)

J: „Wenn es nach mir ginge könnte ich im Moment ewig leben, …“
S: „… jedoch macht die Endlichkeit das Leben umso intensiver.“

#34 (siehe hier)

S: „Der Gedanke dieses Projekts liegt im …“
J: „…dunklen Keller.“

#33 (siehe hier)

J:„Sie sagen, ich trage die Schuld dafür, dass …“
S: „… ich mich schuldlos fühle.“

#32 (siehe hier)

S: „Kaffee! Noch mehr Kaffee!!! Kaffee ist das …“
J: „…was meine Zunge benötigt: rechts und links und vorne und hinten und sauer und bitter und süß.“

#31 (siehe hier)

J:  „Dieses Ding frisst kein Brot, aber ….“
S: „… es ist neckisch, es sich anzueignen.“

#30 (siehe hier)

S: „Der Stein ist ein Dada der Gertrude …“
J:  „… und damit ist alles beisammen, was die Welt der rose is a rose is a rose is a rose zusammenhält.“

#29 (siehe hier)

S: „Der Kalender neben meinem iMac zeigt Freitag, nicht den 13., und ich habe Hunger, was mich dazu veranlasst …“
J: „… eine der Druckplatten abzulecken –  nämlich die mit dem Hummermotiv.“

#28 (siehe hier)

J: Wir baten Oma sehr oft, wirklich sehr oft,  ihre zweiten Zähne in den Mund zu nehmen  …
S: … und waren jedesmal überrascht, dass sie ihre eigenen Zähne zeigen konnte. Wem gehörten also die zweiten Zähne?

#27 (siehe hier)

S: Simple und einfach ist nichts auf dieser Welt, weil …
J: …immer irgendwas in der Landschaft herumsteht und stört.

#26 (siehe hier)

J: Mir gefällt, dass …
S: … immer wieder Zeichnen von Linien!

#25 (siehe hier)

S: Natura naturata und natura naturans“ sind zwei ästhetische Begriffe, die …
J: … die mir etwas von der Trias „Gott, Natur und Mensch“ erzählt haben, die aber beim intuitiven Bogenschießen keine Rolle spielen.

#24 (siehe hier)

J: Die Weltenseele ist mir noch nicht begegnet, …
S: … während sie Susanne in dem kleinsten Blatt, selbst im Ion entdeckt.

#23 (siehe hier bei Jürgen und hier bei Susanne)

S: Inhaltsverzeichnisse sind Wissensquellen, die ….
J: …die das Rhizom fressen wird!“

#22 (siehe hier)

J: Und während ich hier in meinem kleinen Atelier sitze…
S: … schaue ich aus meinem Atelierfenster und imaginiere die Erhabenheit der Berge.

#21 (siehe hier)

S: Ein neuer Anfang bedeutet …
J: … Reset, und die alten Einstellungen werden in der Maschine gespeichert

#20 (siehe hier)

J: Der Himmel wartet, doch die Erde verlangt …
S: Liebe, Respekt und Verantwortung.

#19 (siehe hier)

S: „Durst wird nicht immer durch Wasser gelöscht, sondern …“
J: “ … auch mit Erdöl!“

#18 (siehe hier)

J: „Wenn ich mit dem Finger schnipse, …“
S:  „… passiert nichts weiter außer ein Schnipsen.“

#17 (siehe hier)
S: „Eine Linie biegt sich nach links nach rechts, um dann…“
J: „… an den Rändern des Blattes zu verschwinden.“

#16 (siehe hier)

J:  „Mein Engelchen, ich sage Dir …“
S:  „… nichts ist perfekt aber alles ist möglich!“

#15 (siehe hier)
S: „Wörter sind immer …“
J: „… gut oder böse.“

#15.1 (siehe hier)
J: „Worte, die den Raum fülleun und als ewiges Licht bleiben.“

#14 (siehe hier)
J: „Ich konnte zuerst den Weg nicht finden, …“
S: „… aber dann sah ich es: Am Ende des Weges war alles voller Bücher, Papier und Tinte.“

#13 (siehe hier)
S: „Wie Schneeflocken werden die Pappelsamen durch die Luft getragen und …“
J:  „… sind wie Worte, die die Erde lockern werden.“ (aus Enzensberger, Windgriff, 1964)

#12 (siehe hier)
J: „Ich schaue mich im Spiegel an und denke: …“
S: „… Nichts!“

#11 (siehe hier)
S: Die Ferne lockt mit fremden Geruechen, Farben und Tönen …
J:  …, doch mein Herz schlägt nur für dich.

#10 (siehe hier)
J: „Ich war jung und töricht, naiv und unbedarft …“
S: „… und dabei sehr fröhlich und sorglos.“

#9 (siehe hier)
S: Der Mensch blickt zurück in sich selbst und findet in der Zukunft …..
J: … den „loving cup“.

#8 (siehe hier)
J: „Der, der alleine ins Wasser geht, das ist „der Alleineinswassergeher“ und die, die zu mehreren gehen …“
S: „…werden sich selbst vergessen, fröhlich sein und planschen.“

#7 (siehe hier)
S: „Kalte Hände sind ein kritisches….“
J: „… Phänomen, denn wie sagte Christoph Ernst Freiherr von Houwald, so ungefähr: „Nimm noch einmal in Deine kalten Hände des warmen Herzens Signatur. Und ist Dein Herzensspiel noch nicht zu Ende, und kommt ein neuer Akt: so klingle nur.“ ( frei übertragen aus: Christoph Ernst Freiherr von Houwald, die Freistatt, vierte Szene, Leipzig 1820)

#6 (siehe hier)
J: „Wenn sie losgelassen werden und durch die offenen Tore fegen …“
S: „… können nicht die größten Drollerien sie aufhalten.“

#5 (siehe hier)
S: „Das perfekte Ding ist …“
J: „… das momentane Ding“

#4 (siehe hier)
J: „Ich höre die schweren Maschinen in der Ferne und ahne …“
S: „… dass sie an ihrer Last zerbrechen.“

#3 (siehe hier)
S: „Es ist schwer vorstellbar, dass der hoch in den Himmel aufragende Turm …!“
J: „… tatsächlich ein Raumschiff darstellt.“

#2 (siehe hier):
J: „Heute ist heute, morgen wird übermorgen und  …“
S: „… gestern ist nicht gewesen sondern wird Erinnerung.“

#1 Projektauftakt (siehe hier):
S: „In der Nacht verschwimmen die Gegenstände zu schwarzen verwischten Flächen, deshalb ……“.
J:  „… versucht der Abfalleimer ein verzweifeltes Glühen“.