Projekt ohne Namen: # 71 | „Spontan gesagt: Puff, Paff, zwei sind genug!“ |

Was soll man da schon für eine Satzergänzung suchen, wenn einem solch ein schwieriger Halbsatz entgegengeflogen kommt: „Spontan gesagt…“. Das meinte Jürgen zu mir. Susanne und Jürgen schicken sich immer Halbsätze zu, die der andere ergänzen soll, literarisch und bildlich. Diesmal hat Jürgen nicht erst den spontanen Text gesucht, sondern, spontan, eine Collage erstellt und diese dann betitelt: Puff, Paff, das wars. Jetzt haben wir also als Ganzes: „Spontan gesagt: Puff, Paff, zwei sind genug!

Und an Susanne schickt er jetzt folgenden Halbsatz: „Oh, the time is coming: …“

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P.S.: auf Instagram kann man das gesamte Projekt verfolgen: >>> [projektohnenamen…] <<<

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Projektohnenamen #67: …“ da und da und da!“

„Dadaismus ist …“ „Mein Gott“ hat Jürgen gedacht als er das las. Susanne hatte ihm wieder einen Halbsatz zugeschickt, den er vervollständigen sollte. Sein Gedanke: Jetzt wird es kunsthistorisch. Jetzt wird es gewichtig. Susanne hatte ihm da einen Halbsatz zur Vervollständigung geschickt, der hatte es wirklich in sich. Man kann ja schließlich hier im Block keine Abhandlung darüber schreiben, was Dadaismus ist. Aber die Wortbedeutung könnten man mal nachschlagen, hat er sich wohl gedacht. Und fand da neben vielem anderen die Erklärung, dass der Dadaismus seinen Namensursprung in der Bezeichnung eines französischen Spielzeugs haben soll. Französische Kinder nannten wohl ihr Steckenpferd Dada. Ob das wohl stimmte?

Egal: Der Dadaismus ist groß, gewaltig und eine Kunstströmung, die nicht mehr wegzudenken ist und – für Juergen ganz wichtig – das Konventionelle ablehnt, nach neuen Wegen suchte und Nichtkonformistisch daherkam. Oder kommt, denn den Neodadaismus gibt es ja auch schon. Für den Rest nehme man das Internet.

Nach einigem Zögern hat Jürgen dann eine Notiz geschrieben. Die hatte Bestand, auch nach Tagen noch, und Jürgen hat also vervollständigt mit „…da und da und da!“ Der ganze Satz geht jetzt also so:

Dadaismus ist da und da und da!

Und Susanne bekommt von Jürgen jetzt folgenden Satzfetzen zugeschickt: „Wenn ich einen rostigen Nagel fotografiere …“

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Projekt ohne Namen #65: … „because I’am nacked, and you will come in“

Als „Dinks song“ ihm letztens über den Weg gelaufen ist, in seinem Mix der Woche auf Spotify, da hat Juergen zuerst gedacht, dass es ein Song von Bob Dylan sei. Und jetzt schickt Susanne Haun eine Textzeile aus diesem Song, „Now my apron’s up to my chin, because…“, und Jürgen erfährt, dass dies ein Filmsong ist und bei Wikipedia liest er dann, dass der Song eine Geschichte hat, so eine richtig lange, mit unzähligen Interpreten, mit diversen Textversionen, und Jürgen hat sich hingesetzt, die Chords und Lyrics rausgesucht und das Lied gespielt. Ich fand das richtig gut und habe mit Interesse zugeschaut und zugehört. Und dabei ist ihm dann auch der zweite Teil des Satzes eingefallen: … because I‘am nacked and you will come in“

Im Ganzen klingt das jetzt so:

S: „Now my apron’s up to my chin, because…“ J: … I’am nacked und you will com in“

Das Projekt “Projektohnenamen” geht also weiter. Dabei schicken sich Susanne Haun und Juergen gegenseitig Halbsätze zu, die der andere vervollständigen soll und zusätzlich visualisiert: alles ist dabei möglich. Jürgen benutzt dazu Dekobögen, altes Restepapier und kleine Druckstöcke aus seiner Kiste für Kleines. Er zeichnet, klebt und druckt. Den Antwortsatz hat er grob im Kopf, der Restergibt sich während des Arbeitens. Das Material diktiert das so manches.

Auf Instagram kann man das Projekt verfolgen: >>> https://www.instagram.com/projektohnenamen/<<<

Jürgen schickt Susanne jetzt folgenden Halbsatz: „Sie sollten sich klarer ausdrücken …

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Projekt ohne Namen: “Irgendwann wird der Mensch müde, …”

Im „Projekt ohne Namen“ senden sich Susanne Haun und Jürgen im Wechsel halbe Sätze zu und der andere muss sie vervollständigen und ein Werk der Visualisierungen dazu erschaffen. Seit 2016 machen sie das schon so.

Diesmal hat Jürgen folgenden Satz bekommen: „Irgendwann wird der Mensch müde“. Also, so interpretiert er das: einmal geht es um die Pandemie und was diese mit uns anstellt. Dann geht es wohl auch darum, dass wir der Beschäftigung mit diesem Problem überdrüssig werden und vielleicht in unseren Anstrengungen geschützt mit dem Virus umzugehen nachlassen.

Das Spielerische, das er ansonsten im Projekt auslebt, hat Jürgen diesmal nicht zu packen bekommen. Der Satz hat ihn gehemmt. Diesmal, so sagte er mir, sei es für ihn echt schwer gewesen. Wenn er den Halbsatz von Susanne zugeschickt bekommt, dann bildet er sogleich und unverzüglich weitere Halbsätze, spontan und ungefiltert. So auch diesmal. Folgende Satzfortsetzungen standen alle auf seiner Liste, und das sind nur die, die nach einer Woche übrig blieben, das „ernste Zeug“ hat er aussortiert:

Irgendwann wird der Mensch müde,

… und nimmt sein Doppelherz B12 Vita Energie.

… brüht sich einen Salbeitee und weiter gehts.

… gönnt sich eine kalte Dusche und schaut mal.

… und wirft sich einen Aufheller ein.

… und geht zum Arzt.

… und weint sich beim Zähneputzen aus.

… weint kurz und tritt sich dann selbst in den Hintern.

Geworden ist es nun folgende Konstellation:

Susanne: Irgendwann wird der Mensch müde, …

Jürgen: …hört nur noch auf seinen Bauch und schon steht Satans Thron im Pergamonmuseum.

Für Susanne hat Jürgen nun folgenden Halbsatz als Aufgabe

Für ein Manifest genügt ein Wort: …

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Projekt ohne Namen #50 „Der Jubel-Satz ist auch nur …“

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Susanne schrieb: „Der Jubel-Satz ist auch nur …“ Es ist der „Fünfzigste Satz Austausch“ zwischen den Beiden. Kaum zu glauben, aber wahr.

„Da da da daaaaaaa!“

Sie können jubeln, die Beiden, klar, denn das Projekt läuft jetzt schon seit 2016, mal mehr, mal weniger intensiv, aber es läuft. Und es läuft in letzter Zeit immer besser.

„Tscha peng da puh da Bing“.

„Auch nur“: diese beiden Worte in Susannes Halbsatz machten es diesmal schwierig. Denn sie lassen den Satz ins Negative abdriften. Und Juergen soll ihn ja vervollständigen. So die Abmachung mit Susanne Haun. Und er will das eigentlich immer positiv oder humorvoll hinkriegen. Deshalb war seine Antwort: … ein Satz, der wie das Halali im Wald am Ende der Strecke verhallen wird.“

Drei visuelle Antworten hat er erstellt. Favorisieren kann er keine:

Und jetzt im Zusammenhang: „Der Jubel-Satz ist auch nur ein Satz, der wie das Halali im Wald am Ende der Strecke verhallen wird.“

Und Juergen gibt nun folgenden Satzanfang an Susanne weiter: „Die Zecke, die Strecke, die Macht, …“

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so vor sich hingeklebt

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Nach einem Sinn, einem Thema, einem Gehalt wird hier nicht gefragt. Juergen hat einfach Papierreste auf Restepapier geklebt. Er tut dann immer so zufällig, aber na ja, ganz zufällig ist das nicht. Denn nichts ist zufällig oder absichtslos. (Irgendwo habe ich das schon mal in einem Kommentar geschrieben, glaube ich.)

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im Zwickelbüro: der erste Tag war der, als die Hintergründe dominierten!

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Antje lachte sich den Weg frei und Jürgen war das Honigkuchenpferd. So war es in Geldern, in Juergens Atelier, im Zwickelbüro. Gestern.

Der erste Tag im neuen Zwickelbüro 2020 war gestern. Ich war und bin der Chronist. Diese Rolle hat Juergen mir zugedacht, und ich mache das wirklich gerne. Und als Beobachter muss ich sagen, dass die Zwei, Antje und Jürgen, von Null auf Hundert gestartet sind. Es ging direkt in die Vollen. Das Projekt trägt, es ist in den Köpfen und das gerade auch in der Zeit zwischen den Treffen. Woran ich das merkte? Antje kam mit Geschenken für Jürgen: Einmal waren es Spielkarten der Inspiration aus dem Hamburger Bahnhof in Berlin. Und es waren diverse Hintergründe, extra für ihn geschaffen, die nun auf Juergens Linolschnitte warten – Jürgen strahlte.


Und Antje zeigte die Werke, die sie in der Zwischenzeit fertiggestellt und die Jürgen beim letzten Male begonnen hatte:  beide sind gleichwertig vertreten, keiner zerstört den die Bildelemente des Anderen, die Zwickelmotive sind die verbindenden Elemente und Malerisches trifft Grafisches.

Antje hat heute weiter fleissig an Hintergründen gemalt und zwei schon vor Tagen begonnene Werke fast fertiggestellt.

Juergen hat kleinere Papierobjekte auf malerischer Basis, die Malerei als zufällige Hintergrundmalerei, und mit einer Menge Irritation erstellt. Diese Teile wollen die Dreidimensionlität. Die Zwickel als zentrales Motiv umspielen das Gesamte und durch eine Farbigkeit in Blau, Rosa und Gelb sticht das Gesamte hervor: etwas wild das Ganze, aber dennoch.

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aus dem geschlossenen Zwickelbüro

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Auch wenn das Zwickelbüro schon seit einer Woche geschlossen hat: es entsteht bei Juergen immer noch etwas. Die Tage vom Anfang November wirken offenbar nach. Momentan spielt er fotografisch und collagetechnisch noch so ein wenig herum.

Und während er so fotografiere sei ihm zur Funktion des Zwickels klar geworden, das dieser ja nicht nur schütze, sondern auch verdecke oder verstecke. Das lasse ja mal wieder einiges zu.

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im Zwickelbüro: Tag 3

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Juergens Monotypien sind nun fertig. Antjes Collagen-Malerei ebenfalls. Für Jürgen und Antje war es der dritte Tag im Zwickelbüro. Und der letzte, denn drei Tage der Zusammenarbeit waren abgesprochen.

Monotypien seien so eine Sache, meinte Juergen. Man agiere spontan, situativ und experimentell, nur wenig sei kontrollierbar, der Zufall sei ein fester Begleiter und man müsse sich auf seine situativen Entscheidungen verlassen können. Man müsse Vertrauen zu sich selbst haben. Und am Ende den Mut besitzen genau die Entscheidungen, die man getroffen hat, konsequent zu verfolgen. Bei der Monotypie sei auch schnell mal was vermanscht.

Juergen bat mich, einen Rückblick zu halten – von den drei Tagen, vom Arbeiten im Zwickelbüro. Ich sei ja schließlich die ganze Zeit dabeigewesen.

Also:

das Analytische: Juergen hat sich wohl auf die Zwickelformen konzentriert, auf die Fläche, auf die Kontur, auf das Verborgene im Thema, auf den Keil in der Unterhose oder dem Badeanzug.

Das Dynamische: Antje, inspiriert durch einen Bildband über Punkmode untersuchte malerisch das Dynamische, das Freiheitliche, das Konfrontative, das Verhältnis von Unordnung und Ordnung.

Das gegenseitig Befruchtende: man schaute auf sich, man schaute auf das, was der andere machte, man redete über die Dinge, über die Auffälligkeiten, man erklärte sich, man rechtfertigte, man vergewisserte sich, ob man auf dem richtigen Weg sei, man ließ beurteilen, ließ Auffälligkeiten beschreiben und traf Entscheidungen.

Das Experimentelle: Antje hat mit fuer sie neuen Materialien so einiges ausprobiert und Juergen hat versucht, das Drucken in Monotypien offen zu gestalten und dennoch besser zu kontrollieren.

Der Zufall: man solle sich nichts vormachen, so Juergen zu mir. Bei aller Methodik des Vorgehens, bei allen Vorüberlegungen, bei allem Planbaren: der Zufall sei ständiger Begleiter, Gott sei dank, und feuere immer den Prozess an.

die Passung: die Beiden verstehen sich sehr gut, kennen sich bestens und gehen behutsam miteinander um.

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