Projekt ohne Namen #46: „Ein besonderes Symbol …“

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S: „Ein besonderes Symbol …“

J: … ist der Kreis: it goes around and around and around!“

Das ist Juergens Ergänzung.  Von Susanne Haun erhält er immer halbe Sätze, die er vervollständigen soll. Und umgekehrt.

Als er Susannes Satzfragment erhielt, hat er sich der Notizfunktion des Handys folgendes notiert: 

  • Ein besonderes Symbol steht für alles.
  • Ein besonderes Symbol geht immer.
  • Symbol gleich Bedeutungsträger
  • Besondere Symbole sind Alpha und Omega, weil es nur das ist, was wir wirklich wissen.
  • Symbol gleich Zeichen
  • Die Seele ist etwas Besonderes, weil es danach weitergehen könnte.
  • Gaunerzinken

Die sonst so flapsigen oder humorvollen oder nonsensmässigen Antworten konnte es diesmal nicht geben. Meinte Jürgen. Dafür sei das alles nun doch zu ernst gewesen. Seltsam, dachte ich.

Und jetzt schickt Jürgen Folgendes an Susanne: „Wenn, ja wenn ich dich anspucken würde, …

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Satzbilder/Zinbeelden 2

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Das Projekt „Zinbeelden“ macht den nächsten Schritt. Juergen hat wieder einen Satz aus den Niederlanden von Anja Middelkoop bekommen, und der ging so:

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Und hier die Übersetzung, zu der es, so die Vereinbarung, Bilder zu erzeugen gilt:

“Und dann, eine internationale Untersuchung beweist es, belasten Niederländer die Krone mit ihrem Geschwätz/Gefasel im Büro: rund ein Viertel von Arbeitszeit geht hinein, doppelt so viel wie in anderen Ländern.”(Marente de Moore, kleine Vogel grote Man, Seite17, Zeile23).

Jürgen sagte mir, dass ihm klar gewesen sei, dass es um „Effizienz und Effektivität“ gegangen sei. Schwierig, schwierig! Die Fahrten mit dem Fahrrad auf den Wirtschaftswegen in Wald und Feld am Niederrhein, die er momentan täglich macht, hätten geholfen. Da sei ihm Einiges durch den Kopf gegangen.  Ein Gedanke sei immer verführerisch gewesen: einmal nicht glatt funktionieren, nicht effizient die Leistung bringen, die erwartet wird, sondern genau das Gegenteil tun: Zeit und Material vergeuden. Reibungsverluste bewusst in Kauf nehmen. Ineffizient sein.

Aber wie bündelt man so etwas? Geblieben und getragen habe dann der Gedanke eines Manifestes. Juergen hat wohl gedacht, dass dies alles mal ein Manifest wert sei, denn kreatives Arbeiten geht ja eigentlich genau so. Oder täusche er sich da? Das Ergebnis sah dann so aus:

„Als wenn man es mit der Muttermilch aufgesogen hätte: alle Handlungen, auch die eigenen, sollen möglichst effizient realisiert werden. Es ist an der Zeit, sich davon zu befreien.“

 

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„als Lato sich isolierte“: Tag 4 bis 7

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Zu sagen gibt es nicht viel. Jürgen bespricht mit mir jeden Tag voller Fassungslosigkeit die Anzahl der Toten in Deutschland und weltweit, wir schauen kopfschüttelnd dem Anstieg der Infizierten zu, und wir bleiben zuhause, kochen uns etwas, sehen fern, lesen, trinken unterm Dach Kaffee, während Jürgen zeichnet, hören viel Musik, singen Karaoke, sitzen in der Sonne auf der Terrasse, halten den Kontakt über das Internet mit allen, die uns lieb sind, versuchen den Humor nicht zu verlieren und versuchen zu begreifen, zu begreifen, zu begreifen.

Tag 4: die Dinge stehen Kopf

Tag 5: die Dinge verengen sich

Tag 6: es bildet sich ein Kokon

Tag 7: der Druck wird erhöht

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Der letzte Druck, und nun?

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Nach dem „Prinzip der verlorenen Platte“ wird in „Zelle k5“ gearbeitet – vorwiegend. Das hat zwei zentrale Gründe: Juergen möchte einmal ein wenig am Geld für die Holzplatten, die als Druckstöcke zum Einsatz kommen, sparen, und das Arbeiten nach diesem Prinzip ist nicht ganz so zeitaufwändig, als wenn für jede Farbe eine Platte angelegt werden muss. Er arbeitet gerne so. Klar, da bleibt als Letztes nur der Rest einer Druckplatte übrig, Rudimente halt, alles futsch. Aber was soll’s, so ist es eben. Juergen macht das nichts.

Und dann ist da die letzte Farbe, die aufgebracht wird mit den letzten hochstehenden Resten der Platte. Und genau von diesen letzten Plattenteile macht Jürgen immer eine kleine gesonderte Auflage von max zwei Stücken – manchmal auch auf Restepapier. Den Grund kann er nicht direkt sagen. Und was macht man dann damit? Das, ja das, entscheidet sich dann, irgendwann, später. Sie werden ihm wieder über den Weg laufen und ihn inspirieren. Oder ihm etwas sagen. Da ist er sich sicher. So war es jedenfalls bisher immer. Vorerst legt er das Material erst einmal in seinen Ständer mit dem ausgesonderten Papieren.

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Hintergrund

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Es ist ein Kreuz mit den Hintergründen. Mal ergeben sie sich für Juergen bei seinen Bildern fast automatisch, weil sie sich aus der Komplexitatät des Motiv wie von selbst erzeugen, mal konstruiert er sich da was zusammen, was ihn nicht ganz glücklich macht. Zur Theorie des Hintergrundes hat er noch nichts gelesen.

Was ihm denn wichtig sei, habe ich ihn gefragt? Lebendigkeit und Tiefe, das sei es, in der Regel. Klar, es gebe auch Motive, die ohne Hintergrund auskommen sollten. Aber ansonsten: Das Energetische des Hintergrundes soll auf das Motiv belebend wirken. Manchmal sogar beleben. Erzeugung von Tiefe. Das zentrale Motiv halten, fixieren.

Er weiß, dass die Hintergründe, sogar die Beschaffenheit des Papiers, ein gestalterisches Mittel sind. Und weil er es weiss, möchte er es bewusst einsetzen und versucht Klarheit zu bekommen.

Und während ich schreibe ruft er mir zu: „Hintergründe sind das Gegenteil von Leere“. Und dann: „Ohne Vordergrund kein Hintergrund und umgekehrt.“ Und schließlich: „Ein Hintergrund kann alles sein.“

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Der Zwickel ist Dada …

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„Der Zwickel ist Dada. Das Zwickelbüro wird am Wochenende öffnen. Der Zwickel als heimlicher Begleiter. Zwickel bleibt Zwickel! Dann zwickelt mal schön!“

Alles so Sätze, die im Zusammenhang mit dem „Zwickelprojekt“ von Antje und Juergen in der Vergangenheit gefallen sind. Hier könnt ihr noch einmal schauen: >>> [ … ] <<<

Und jetzt wollen sie es wieder tun. Juergen hat mich darüber informiert, dass Antje, Martina und Elke am kommenden Wochenende dem Karneval entfliehen und sich bei Jürgen in die Arme des Zwickels stürzen werden. Und der reinigt schon mal fleißig das Atelier, räumt auf und hat die Verfügbarkeit der Räume in der Ateliergemeinschaft geklärt. Es darf und kann also gezwickelt werden. Einen kleinen Plan hat er sich auch schon zurechtgelegt. Aber davon später.

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Die Papierobjekte

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Geht man jeden Tag ins Atelier, greift auch die Gewöhnung. Oder so ähnlich.

Juergen und ich haben jetzt fast zwei Wochen „Zelle k5“ nicht betreten, weil wir in Viersen bei Dagmar Reichel im Rahmen der „XYZ-Woche“ ( >>> [ …] <<< )gedruckt und geschnitten haben. Und schon ist es vorbei mit der Gewöhnung, wenn man zurückkommt.

Was ist uns aufgefallen, als wir nun wieder im alten Atelier waren? Tja einmal die Athmosphäre der Ruhe, die Möglichkeit zur Abwicklung der gewohnten Abläufe und das Wissen um das Vorhandensein bestimmter Materialien an den üblichen Stellen. Gewöhnung eben!

Und da sind noch die Papierobjekte! Sie fallen ins Auge, wenn man das Atelier betritt – schon auf dem Flur. Die Gäste, die Juergen so im Laufe der Zeit besucht haben, gaben den einzelnen Objekten Namen. Glücklich ist Juergen darüber nicht unbedingt, so jedenfalls meinte er, aber so ist es eben. Also hier eine kleine Auswahl:

Das Ofenrohr: ODSW8822 (1)

Die Rakete: BTWU6496

Die Kabeltrommel:PPOW4686

Die Haube:

Die Halskrause: ESYP1238

Die Türme:

Die Zwickel:

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und noch einmal Teile

Jetzt sind sie fertig. Juergen hat beliebige Abdrücke aus Teilen seiner verlorenen Platte zur >>> OrtsMarke der „Mas Miro“ mit Tusche ergänzt, beschnitten und in Form gebracht. Einen malerischen Aspekt habe das auch gehabt, meinte er. Es gehe aber zentral um die Teile, Bruchstücke und Fetzen, die entstehen, es gehe um die Zersplitterung des Ganzen. Der Bezug zum Ganzen, zur Einheit sei nicht mehr nachvollziehbar. Die Zahlen in grün seien eine Nummerierung, die den Gedanken der durchgezählten Teile verdeutlichen solle. So der Plan.

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