Strahlenmadonna

Mit Religion hat Jürgen ja nun wirklich nicht all zu viel am Hut. Aber im Kloster Mariengarden/Burlo bei Borken ist ihm im Januar dann wieder ein „kirchliches Highlight“ über den Weg gelaufen: die Strahlenmadonna. Wobei es weniger die Madonna war als vielmehr die Strahlen, die damit verbundene Energie und die Komposition des Motivs, die ihn so faszinierten.

Hier der Googlelink zu diversen Strahlenmadonnen: https://www.google.com/search?q=strahlenmadonna&tbm=isch

Und dort Juergens Skizze („wenn aus einer Strahlenmadonna ein Federball wird“):

Buchalov

Wo kommen Sie denn nun her?

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Jürgen saß mir gegenüber und versuchte sich zu erinnern. Wie war das denn nun mit den Netzen und Gittern? Wieso tauchen die in seinem OrtsMarken-Zyklus nun plötzlich auf?

Die Antwort ist einfach. Auf der Suche nach „OrtsMarken“ in Montroig hatte sein Freund Mig mitbekommen, wie Juergen mit gesenktem Kopf übers Gelände schlich und Fundstücke suchte. Und er hatte ihm das gebracht, was ihm vor die Füße gefallen war: ein kleines Plastiknetz und einen Plastikknopf. Und die fanden Eingang in einige Skizzen von „OrtsMarken“. Das Netz sei also auch eine OrtsMarke.

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Und nun begänne dieses Motiv ein Eigenleben zu entwickeln. Das ist eine schöne Erklärung, fand ich.

Buchalov

Papiersteine

Auch Steine sind OrtMarken. Selbstverständlich. Und Papiersteine erst recht. Sie entstehen momentan in Juergens Atelier – work in progress halt. Und er habe verdammt viel „rumgefummelt“, auch wenn man es nicht sehe, sagte er mir. Das Material: Papierreste, Kleber, Binder, Ponal und etwas Acrylfarbe. Jetzt liegen sie auf dem Boden, oder hängen an der Wand, aber fertig, das spüre er, seien sie noch nicht.

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da kam ein Netzgedicht geflogen

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Da kam aus heiterem Himmel per Mail ein Netzgedicht geflogen. Von Bess Dreyer. Inspiriert durch meinen Blogbeitrag über „Gitter und Netze“.  Und sie schrieb:

im netz des tages

 

fängt sich am piano

operettenkoloratur

der pergamonaltar die marmorgötter

in wissenden gedichten

und dort das zierlich schwarze vögelchen

in trauer liest aus dem gedicht

des verstorbenen oleg jurjews

ehe es eigenes vortragen kann

in dunklem deutsch

mit dringlich fremdem zungenschlag

für kathedralen roms

für orthodoxe bilder

ein konzentrat wie gold

aus horchen folgen wachsam bleiben

 

bess dreyer

31.01.19

 

Bess hat während meiner „Buchalovs Freunde Tour 2018“ , siehe hier: >>> [ … ] <<<,  schon einmal auf einen Beitrag von mir literarisch reagiert. So etwas freut einen natürlich, denn man weiß dann, das man mit dem gesamten „kreativen Ding“ im Netz  nicht alleine unterwegs ist, dass das Spielen mit allem Möglichen Freude bereitet, und dass man andere offensichtlich inspiriert und selbst inspiriert werden kann. Wunderbar! Vielen Dank!

Buchalov

noch ein Gitter oder Netz

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Drei Drucke waren missglückt und landeten auf dem großen Stapel mit den schrottigen Ergebnissen in Juergens Atelier. Aber dieser Zustand dauerte nur einen Tag. Dann fischte Juergen sie wieder heraus, zerschnitt sie in Streifen, mischte die Streifen und klebte alles wieder neu zusammen. Transformation? Vielleicht ist es auch nur ein Weg, um den Frust über misslungene Arbeiten zu kompensieren? Na ja!

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Lasurschichten und und und

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Ein Netz, oder auch ein Gitter, oder ein Raster, oder eine Anhäufung von Nullen. Plötzlich sind sie da. Durch Zufall hat Juergen mitbekommen, dass ihn das beschäftigt. Sie liefen ihm während der Arbeit zu den „OrtsMarken“ über den Weg. Zum wiederholten Male.

Das vereinsamte Arbeiten im Atelier ist auch ein in sich Hineinhören, meinte Jürgen zu mir. Auch wenn die Musik auf volle Lautstärke gedreht ist und von Hintergrundmusik nicht mehr die Rede sein kann. Und beim in sich Hineinhören sei er in so einem Schwebezustand, meinte er. Und dann tauche so einiges auf. Zum Beispiel Raster, Gitter, Netze.

Hermann, der Vernetzter war da und hörte zu und schwieg, in seiner unnachahmlichen Art. Und dann ist es eben kein Schweigen mehr, sondern ein Verstehen. So jedenfalls interpretierte Juergen es. Kaffee konnten sie keinen trinken, den Juergens Kaffeemaschine hat den Geist aufgegeben. Der Geist dieser Maschine, das wäre auch ein Thema, sagte er.

Meinolf schrieb, und Juergen hat behalten, dass das alte Jahr genauso sei wie das Neue. Wir aber ändern uns, was denn sonst. Und die Veränderungen sind wie Lasurschichten, die sich auf uns ablagern und überlagern, meinte Meinolf.

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Und die Coverversionen in der Musik sind mittlerweile interessanter als die Originale, sagte Juergen zu Hermann.

Da wäre dann noch der Gedanke von dem belebten Raum, der Juergen ebenfalls, vielleicht nur kurz, beschäftigte. Der Raum als Ausstellungsraum, als Arbeitsraum, als Verkaufsraum, als Treffpunkt. Womit man dann bei seinem alten Salon wäre, dem er immer noch nachtrauert. Und der Frage, mit wem er denn gerne in diesem Jahr in seinem Atelier mal über längere Zeit gemeinsam arbeiten solle.

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Wieder hat Juergen Materialien von Peter Maschke, dem verstorbenen Kollegen, verwendet, nicht bewusst, eher zufällig. Wirklich komisch, dass er immer wieder über diesen Tod stolpert. Und sich dann immer wieder fragt, was denn wirklich bleibt. Irgendwie ist es ein schönes Gefühl, das Dinge von Peter Maschke weiterleben, nicht nur als Erinnerung, sondern in Form von Materialien in Kunstwerken oder als Ideenfragmente. Es wird etwas weitergegeben. Die Seele der Dinge? Der Geist der Dinge? Irgendwie und tröstlich , oder?

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