Projekt ohne Namen #57: “Mein Lebenslauf ist bunt …”

“… and the circle turns around and around and around.”

Als Ergebnis nur ein einziges Bild: das funktioniert nicht mehr. Es entstehen mittlerweile immer viele Varianten eines Motivs, und Juergen kann sich nicht mehr sogleich entscheiden, was er auswählen soll. Wovon rede ich?

Im „Projekt ohne Namen“ senden sich Susanne und Jürgen im Wechsel halbe Sätze zu und der andere muss sie vervollständigen und ein Werk der Visualisierungen dazu erschaffen. Seit 2016 machen sie das schon so. Und dass dabei nur ein Werk entsteht, genau das funktioniert bei Jürgen momentan nicht mehr. Also werde ich Euch hier einige Variationen zeigen.

Und nun zu dem Halbsatz, den Jürgen bekommen hat. Susannes Leben scheint ein bewegtes und vielfältiges und facettenreiches zu sein, oder gewesen zu sein. Wer kann das schon sagen. Gratulation! Ihr Satz für Jürgen lautete daher : “Mein Lebenslauf ist bunt …”

Jürgen hat sich mit mir besprochen wie er damit umgehen soll. Er werde dieses Jahr siebzig Jahre alt, und da stelle sich die Frage nach einem Leben und ob es bunt gewesen sei anders, als wie bei Susanne, die ja einen Lebenslauf geschrieben habe. Für ihn klinge der Satz eher wie eine Aufforderung zur Bilanzierung. Er wisse im Moment gar nicht genau, ob sein Leben bunt gewesen sei. Da müsse er wohl mal länger drüber nachdenken. Denn bunt, das sei so ein Begriff, der sich ihm nur schwer erschließe. Er wisse nicht genau, was das bezogen auf ein Leben bedeutet. Aber ein langes Leben habe er jetzt schon auf dem Buckel, und er hoffe, dass es noch nicht so bald vorbei sei. Ein paar Jahre dürfen es ruhig noch sein. Es gäbe noch einiges zu tun. „The circle can go around and around“, wenn es noch ihm gehe. Er weiß, dass er diesen halben Satz schon einmal verwendet hat: doppelt hält eben besser. Und im Hintergrund lief auch noch der alte Byrdssong “Full circle”. Damit war die Motivlage für sein Werk klar.

Und so setzen sich die zwei Teile nun zusammen: “Mein Lebenslauf ist bunt and the circle turns around and around and around.”

Und Susanne bekommt von ihm jetzt folgenden Halbsatz: “Mit diesen in den Raum gesprochenen Worten werde ich die Realität gewaltig verändern: …“

Buchalov

Latos Köpfe, der Zweite

Dies hier ist  nun der zweite Kopf, in verschiedenen Variationen, den Juergen in der „Isolatorenwoche“ fertiggestellt hat.

Buchalov

Latos Köpfe – der Erste

Ich soll, so Juergen, hier die  Ergebnisse des ersten Tages seiner „Isolatorwoche“ zeigen: verschiedene Variationen des ersten “ Kopfes von Lato“. Das mache ich doch gerne.

Buchalov

 

noch ohne Titel

Als ich Juergen heute im Atelier besuchte, stand er mit nacktem Oberkörper und der dicken Druckrolle in der Hand über kleinere Linoldrucke gebeugt: der nackte Oberkörper wegen der Hitze in den Räumen, die Linoldrucke, weil er den Ehrgeiz habe, so sagte er,  jetzt so schnell wie möglich aus einigen der kleinen Skizzen, die während der „Buchalovs Freunde Tour 2015“ entstanden seinen eine kleine Auflage zu produzieren, reiner Weißlinienschnitt, ganz klassisch. Es seien fünfzehn Motive, Auflage zehn Stück, da müsse er ganz schön ran. Und einen Titel für die Reihe habe er auch noch nicht.

Ich bin Kaffeetrinken gegangen.

Buchalov

der Zufall

IMG_6024„Hermann, der Vernetzer“ und Juergen saßen nebeneinander und schauten auf Jürgens Wand in „Zelle k5“. Da entstand eine neue Präsentationsform. Sie schauten. Aber darum ging es nicht.

Juergen hatte mal wieder auf schon der Entsorgung preisgegebene Papiere gedruckt, mit zufälligen Ergebnissen.

Sie unterhielten sich über den Zufall im Werkprozess und dass der ja immer anwesend sei, sie begleite und dass man ihn halt bei aller Planerei zulassen müßte und sollte, und dass man dann die Sinne zu schärfen habe dafür, wann dieser Zufall zuschlage, und wehe, man verpasse den Moment. Und dann sei zu entscheiden, ob man das Zufällige zulasse, und nachher seien das in der Regel die Arbeiten, die viel Lebendigkeit ausstrahlten. Darin waren sie sich einig.

Buchalov

das Dekorative

IMG_6265Juergen war heute, als ich ihn besuchte, der Meinung, dass das Dekorative in den Arbeiten der  Ateliergemeinschaft und auch bei ihm ein ständiges Thema sei.

An seinen Druckstöcken sei ihm das Problem mal wieder deutlich geworden. Die Druckstöcke seien nun mal Druckstöcke, und wenn er sie abschließend zu Wandobjekten mache, erhielten sie eine neue Funktion, würden thematisch neu gefüllt, was nicht immer einfach sei, durch Übermalung würden die Druckspuren zum Teil beseitigt und sie würden halt „schön“.

Aber das wolle er eigentlich nicht. Und er stehe dann immer vor dem Problem, die Wandobjekte mit einem Gehalt aufgepumpt zu haben und gleichzeitig die Ästhetik des Dekorativen brechen zu wollen oder zu müssen, weil er es eben nicht schön haben wolle.

Was ist eigentlich „schön und dekorativ“, habe ich gefragt.

Buchalov

For my english readers:

When I visited him today, Juergen guessed, that the decorative work was a constant theme in the studio community and even with him. It was becoming clear to him by doing his own woodcuts.

unvollständig reizvoll

IMG_5888 IMG_0826Druckskizzen, so nennt er sie. Es sind kleine Holzschnitte, in der Regel 10 x 10 cm, mit denen Juergen momentan an seinem Thema „Seelenkasten“ arbeitet. Ausgangspunkt sind dabei digitale Skizzen, mit „sketchbook“ erstellt, die er auf den Holzblock grob, sehr ungenau, manches verändernd, schnell überträgt und schneidet. Der Beitel wird wie ein Stift verwendet. Und das Ganze geschieht nach dem Prinzip der verlorenen Platte.

Und Juergen ist immer ganz aus dem Häuschen, wenn er den ersten Abdruck sieht. Als Drucker, meint er, ist man immer auf den ersten Druck so oder so ungemein gespannt. Juergen will aber dann nicht mehr weiterarbeiten. Denn der erste Abzug ist für ihn schon so lebendig, so unvollständig reizvoll, so fragend.

Buchalov

For my english readers:

Woodcut sketches, he calls it. There are small woodcuts, usually 10 x 10 cm, which are currently Juergens work- topic. The starting point are digital sketches ceated with „sketchbook“, than he transfers it to the block of wood roughly, very inaccurate, some line changing, and by fast cuting. The gouge is used like a pen.

double bind

FotoDie Affinität zu dem Thema „Engel“ oder „Wesen“ könne er nicht leugnen. Juergen öffnete daher eine Schublade in seinem Archivschrank und zeigte mir eine Fülle von Werken, die wohl unbewusst, wie er meinte, in den letzten Jahren entstanden wären. Und als ihm das dann bewusst geworden sei, sei auch klar gewesen, dass er sich dem stellen müsse.

Irgendwo hatte er wohl auch etwas zur Theorie des „double bind“ gelesen. Hier sieht er ein Erklärungsmuster für seine zwiespältige Haltung zu den Engeln. Er glaubt sogar, dass wir alle sehr oft doppelt gebunden sind in unserem Leben.

Und da er sich Susanne Haun in ihrer Art zu denken, zu fühlen und zu arbeiten auch sehr nahe fühlt und sie auch auf dieser thematischen Schiene ist, haben sie für die nächste Zeit eine Zusammenarbeit zu diesem Themenbereich vereinbart. Das Projekt hat den Arbeitstitel „double bind“. Es stehe erst am Anfang. Und beide sind gespannt wie es sich entwickeln wird.

Warum er mir das gerade heute erzählt hat? Ganz einfach: „Herman, der Vernetzer“ hat gestern wohl von seinem Unfall mit Engeln aus dem „studio4einhalb“ auf seinem Blog berichtet. Das, so sagte Juergen, sei ein Zeichen gewesen.

Buchalov

For my english readers:

He could not deny the affinity to the theme „Angel“ or „entity“. Juergen therefore opened a drawer in his filing cabinet and showed me a lot of works, that probably emerged in the recent years. And when he realized that

, it was clear, that he had to gone with this theme.

prozesshaft

IMG_5979„Prozesshaftes Vorgehen“ nennt Juergen es, wenn er an einem Werk arbeitet, einen groben Plan hat oder eine Skizze oder eine Vorlage besitzt und dann doch davon abweicht und sich spontan dem Prozess überlässt. Mit all den überraschenden Ergebnissen und Wendungen. Er hat Vertrauen in das Ergebnis. Ihm macht dies Spaß und er meint, die Werke strahlten auch durch die Lebendigkeit dieses Prozesshaften aus.

Bei seinen Holzschnitten zeigt sich das momentan. Geplant sind mehrere Druckvorgänge und er bricht sie manchmal schon nach dem ersten Druck ab, weil er die Wirkung so faszinierend findet und diesen Eindruck erhalten möchte.

Als ich in „Zelle k5“ heute vorbeischaute hat er mir ein solches Blatt gezeigt.

Buchalov

For my english readers:

Juergen calls it „processual approach“, when he is busy at a artwork, with a rough plan or a sketch or template, and  when he varies from the plan and becomes spontaneous part of the process. With all the twists and surprising results. It makes fun, and he thinks, that the results are irradiated by the vibrancy of this procedural aspect.