ein Gedicht geschenkt bekommen

auf der schulter einen falter

……. …. ….

frau mit pelerine

wie damals die alte patentante

besondere gaben hatte sie

borgte sich die fühler des falters

schmetterling du kleines ding

seine flügel nahmen sie mit

über alle zäune und grenzen

war ein fangnetz auf dem weg

dirigierte sie den flug

darüber hinweg

schwerelos

will ich ein wenig schreiben

••••••

Dieses Gedicht hat mir Bess Dreyer zugeschickt – in einem Kommentar, hier der Link: https://juergenkuester.net/2019/07/12/ein-wenig-zeichnen-und-das-wattenmeer/

Und als wir uns am Frühstückstisch darüber unterhielten, und was das vor allen Dingen fuer eine nette Geste von Bess sei, da erzählte Juergen von Tante Mia, einer Nenntannte, aus seinen Kindertagen.

Sie wohnte neben den kleinen Frauen am Fluss, unten, am Ortsausgang. Sie war stolz auf ihre langen Haare, die bis zum Po reichten, und morgens geflochten und dann zum Kranz um den Kopf gelegt und festgesteckt wurden. Grauer Flanellrock, weiße Bluse, Pelerine, graue oder schwarze Strickstrümpfe, flache Schuhe: das war die Garderobe. Sie war katholisch fromm, eine alte Jungfer, wie man so sagte, die immer zum beten und plauschen kam, aber einfach nett, wirklich nett.

Das war die Geschichte von Tante Mia. Und deren Pelerine. Aber ohne einen Schmetterling.

Buchalov

Buchalovs Freunde Tour 2019: Ditzum – Petkum – Emden, Emden – Petkum – Ditzum

Ist es das Meer oder ist es der Fluss? Ist es die Nordsee oder ist es die Ems? Am Dollart vermischte sich das gestern.

In der „Kunsthalle Emden“, da vermischte sich beim Anschauen von vielen Nolde- Bilder auch einiges. Die „Causa Nolde“ schwebte umher. Hier Zitate aus einer Sammlung von Karten, die Auslagen: ein Kunstwerk ist unschuldig, auch Blumen haben eine Gesinnung, Kulturschock-so sind Menschen, Nolde ist Nolde ist Nolde ist Nolde, künstlerisch ein Genie – menschlich ein Schwein. Mir fällt dazu auch noch Horst Jansen ein. Buchalov nickte.

Wir sind mit der Fähre nach Petkum rüber und dann mit dem Rad nach Emden. Und wir sahen expressionistische Malerei aus der Sammlung Nannen und Ziegler. Bei Juergen hat es „Klack“ gemacht. Er werde, so glaubt er, bei einigen der nächsten Zeichnungen darauf Bezug nehmen. Und bei Kirkeby habe es nicht nur „Klack“ gemacht, sondern „Peng“, meinte Jürgen. Da seien sie wieder hochgekommen, diese zentralen Begriffe wie „Sedimente, Mäander, Schichtung, die Rhyzomformen. Er war richtig begeistert.

Buchalov

Projekt ohne Namen: „Der Kalender neben meinem iMac zeigt Freitag, nicht den 13., und ich habe Hunger, was mich dazu veranlasst …“

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Ein spontan an Juergen gesendeter Halbsatz im Mai von Susanne Haun lautete:

„Der Kalender neben meinem iMac zeigt Freitag, nicht den 13., und ich habe Hunger, was mich dazu veranlasst …“

Die beiden schicken sich nämlich gegenseitig, in unregelmässigen Abständen, halbe Sätze zu, die der andere literarisch und künstlerisch vervollständigen soll. Das Ganze nennt sich „Projekt ohne Namen“.

Juergen notiert sich in der Regel schon direkt nach Zusendung und Eingang des neuen Halbsatz in der Notizbuch – App seines Handys mögliche Antworten. Und als er heute im Atelier nach einer visuellen Umsetzung suchte, war alles sehr schnell klar.

#29

S: „Der Kalender neben meinem iMac zeigt Freitag, nicht den 13., und ich habe Hunger, was mich dazu veranlasst …“

„… eine der Druckplatten abzulecken –  nämlich die mit dem Hummermotiv.“

Und für Susanne hat sich Juergen nun für folgenden Halbsatz entschieden:

#30

„Der Zwickel ist immer, er ist Dada, er ist …“

 

Susanne hat sich die Mühe gemacht und für Interessierte alles bisherigen Satzanfänge und Vervollständigungen aufgelistet. Viel Spaß beim Stöbern!

#27 (siehe hier)

S: Simple und einfach ist nichts auf dieser Welt, weil …
J: …immer irgendwas in der Landschaft herumsteht und stört.

#26 (siehe hier)

J: Mir gefällt, dass …
S: … immer wieder Zeichnen von Linien!

#25 (siehe hier)

S: Natura naturata und natura naturans“ sind zwei ästhetische Begriffe, die …
J: … die mir etwas von der Trias „Gott, Natur und Mensch“ erzählt haben, die aber beim intuitiven Bogenschießen keine Rolle spielen.

#24 (siehe hier)

J: Die Weltenseele ist mir noch nicht begegnet, …
S: … während sie Susanne in dem kleinsten Blatt, selbst im Ion entdeckt.

#23 (siehe hier bei Jürgen und hier bei Susanne)

S: Inhaltsverzeichnisse sind Wissensquellen, die ….
J: …die das Rhizom fressen wird!“

#22 (siehe hier)

J: Und während ich hier in meinem kleinen Atelier sitze…
S: … schaue ich aus meinem Atelierfenster und imaginiere die Erhabenheit der Berge.

#21 (siehe hier)

S: Ein neuer Anfang bedeutet …
J: … Reset, und die alten Einstellungen werden in der Maschine gespeichert.

#20 (siehe hier)

J: Der Himmel wartet, doch die Erde verlangt …
S: Liebe, Respekt und Verantwortung.

#19 (siehe hier)

S: „Durst wird nicht immer durch Wasser gelöscht, sondern …“
J: “ … auch mit Erdöl!“

#18 (siehe hier)

J: „Wenn ich mit dem Finger schnipse, …“
S:  „… passiert nichts weiter außer ein Schnipsen.“

#17 (siehe hier)
S: „Eine Linie biegt sich nach links nach rechts, um dann…“
J: „… an den Rändern des Blattes zu verschwinden.“

#16 (siehe hier)

J:  „Mein Engelchen, ich sage Dir …“
S:  „… nichts ist perfekt aber alles ist möglich!“

#15 (siehe hier)
S: „Wörter sind immer …“
J: „… gut oder böse.“

#15.1 (siehe hier)
J: „Worte, die den Raum füllen und als ewiges Licht bleiben.“

#14 (siehe hier)
J: „Ich konnte zuerst den Weg nicht finden, …“
S: „… aber dann sah ich es: Am Ende des Weges war alles voller Bücher, Papier und Tinte.“

#13 (siehe hier)
S: „Wie Schneeflocken werden die Pappelsamen durch die Luft getragen und …“
J:  „… sind wie Worte, die die Erde lockern werden.“ (aus Enzensberger, Windgriff, 1964)

#12 (siehe hier)
J: „Ich schaue mich im Spiegel an und denke: …“
S: „… Nichts!“

#11 (siehe hier)
S: Die Ferne lockt mit fremden Geruechen, Farben und Tönen …
J:  …, doch mein Herz schlägt nur für dich.

#10 (siehe hier)
J: „Ich war jung und töricht, naiv und unbedarft …“
S: „… und dabei sehr fröhlich und sorglos.“

#9 (siehe hier)
S: Der Mensch blickt zurück in sich selbst und findet in der Zukunft …..
J: … den „loving cup“.

#8 (siehe hier)
J: „Der, der alleine ins Wasser geht, das ist „der Alleineinswassergeher“ und die, die zu mehreren gehen …“
S: „…werden sich selbst vergessen, fröhlich sein und planschen.“

#7 (siehe hier)
S: „Kalte Hände sind ein kritisches….“
J: „… Phänomen, denn wie sagte Christoph Ernst Freiherr von Houwald, so ungefähr: „Nimm noch einmal in Deine kalten Hände des warmen Herzens Signatur. Und ist Dein Herzensspiel noch nicht zu Ende, und kommt ein neuer Akt: so klingle nur.“ ( frei übertragen aus: Christoph Ernst Freiherr von Houwald, die Freistatt, vierte Szene, Leipzig 1820)

#6 (siehe hier)
J: „Wenn sie losgelassen werden und durch die offenen Tore fegen …“
S: „… können nicht die größten Drollerien sie aufhalten.“

#5 (siehe hier)
S: „Das perfekte Ding ist …“
J: „… das momentane Ding“

#4 (siehe hier)
J: „Ich höre die schweren Maschinen in der Ferne und ahne …“
S: „… dass sie an ihrer Last zerbrechen.“

#3 (siehe hier)
S: „Es ist schwer vorstellbar, dass der hoch in den Himmel aufragende Turm …!“
J: „… tatsächlich ein Raumschiff darstellt.“

#2 (siehe hier):
J: „Heute ist heute, morgen wird übermorgen und  …“
S: „… gestern ist nicht gewesen, sondern wird Erinnerung.“

#1 Projektauftakt (siehe hier):
S: „In der Nacht verschwimmen die Gegenstände zu schwarzen verwischten Flächen, deshalb ……“.
J:  „… versucht der Abfalleimer ein verzweifeltes Glühen“.

XYZ – Woche: der sechste Tag ist der mit der Routine!

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Die Dinge sind auf den Weg gebracht, das Arbeiten hat feste Abläufe entwickelt: Dagmar und Juergen sind heute den sechsten Tag in der XYZ-Woche in Juergens Atelier in Geldern zusammen und versuchen, ihren Fundstücken auf die Spur zu kommen. Routinen halt! Routinen haben wohl etwas mit Sicherheiten zu tun. Aber eben auch nicht ganz!

Während Dagmar ihre Collagen kleingearbeitet, Schriftversuche unternommen hat und weiterte Abwicklungen mit kaschierten Papier vornahm, beendete Juergen heute einige  Holzschnitte. Er hat nach dem Verfahren der verlorenen Platte gearbeitet. Das macht er gerne. Die Ergebnisse zeige ich morgen.

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Dagmar verwendet ab und an den Begriff der „Komfortzone“. Sie meint wohl die Tatsache, dass man eigentlich vorhabe bei einem solchen Projekt mal was Neues zu probieren und dann doch in alte Muster verfalle, auf Nummer sicher gehe und alte Routinen abspule. Juergen hat sich auch dabei erwischt. Und er fragt sich dann, worin das Neue fuer ihn in der „XYZ -Woche“ bestehe. Stichworte sind: Abwickeln von Material und Motiven und die Rhizomtheorie konkret als Collage bzw. Assemblage zu begreifen: auch das ist neu.

Ich kam hinzu als sie ein Gespräch über den Gehalt ihrer Werke führten und habe als Stichworte behalten: die Philosophie der OrtsMarke, die Kraft der Linie, die Kraft der Worte.

Von da war der Weg nicht weit zu der Frage nach der Wertigkeit von Kunst, wann sie Bestand hat und was wohl gute oder schlechte Kunst sein könne und wann man mit seiner Kunst auf der Höhe der Zeit sei. Sie haben sich nicht in diesem Thema verbissen, sondern vieles offen gelassen – für morgen, denke ich.

Buchalov

XYZ-Woche: der dritte Tag ist der mit der Hürde

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Der dritte Tag heute bei der „XYZ-Woche“ war der mit der Hürde. Dagmar und Juergen arbeiten gemeinsam an diesemProjekt. Und ich bin der Chronist.

Die Hürde, das war heute die Hitze und der Wunsch nach endgültigen Ergebnissen. Aber irgendwie ist es bei den Beiden noch zu früh dafür – scheint mir. Zufriedenheit stelle sich ja dann ein, so Juergen, wenn das, was man sich denke, und das, was das Ergebnis sei, zur Deckung gebracht werden könne. Dem war heute nicht ganz so. Aber er sei nahe dran gewesen, meinte er.

Juergen hat aber das erste Motiv gedruckt- entstanden aus einem Fundstück, dass Dagmar mitgebracht hatte: der Rest eines Schneidebrettes. Aus vielen Versuchen sind ihm diese hier die Liebsten:

Die Abrollungen sind Dagmars Punkt. Darin hat sie sich verbissen. Dagmar hat Pappe gerollt, gefaltet, durch die Presse gejagt, gehämmert und mit Oelfarbe eingerieben. Und als sie auf das Ergebnis von heute schaute, sagte sie: „Ich war in Schottland“.

Und sie wird Montag zielstrebig, behutsam, energisch und zielorientiert daran weiterarbeiten. Jürgen ist da ja mit seinen Holzschnitten, wenn er das Holz bearbeitet und ihm mit den Beiteln im Raum fürs Grobe zu Leibe rückt, eher grob, direkt, laut, kraftvoll, aber ebenfalls zielorientiert.

Buchalov

 

 

 

 

XYZ-Woche: der zweite Tag ist immer der, der nach dem Ersten folgt.

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Also: eine Nacht drüber geschlafen und schon öffnet sich wieder der Prozess. Die „XYZ-Woche“ mit Dagmar geht in den zweiten Tag, weil der zweite Tag ja immer dem ersten folgt.

Dagmar hat heute abgewickelt: sicherlich Vorstellungen zur Arbeit in ihrem Kopf, aber auch ganz konkret, indem sie Papiere faltete, mit Farbe versah, neu faltete , mit dem Hammer bearbeitete, neu rollte usw.. Sie hat zudem an einem Nachtschatten-fundstück gearbeitet und mit einer Collage begonnen.

Juergen hat heute durch  beständiges Anschauen der Ergebnisse und deren Sortierung einen Weg zu finden, wohin sich seine Arbeit weiterentwickeln könne. Er nennt das Keimung und sucht dann den Keimling. Das ist die Stelle oder die Skizze, die ihn anspringt. Die Entscheidung fiel für das ausgerollte Papier des Treibsatzes – Thema: nach oben kommen – und fuer einen Skizze über eine Klebestelle am Treibsatz, der einem Gebirge oder Blatt ähnelt – Thema: OrtsMarke.

Und dann waren da noch die Ritzspuren im Fundstück „Schneidebrett“ – Thema:Spuren/planlos. Von großer Hilfe war für Juergen der Besuch im Copyshop um die Ecke. Denn die Kopien klären auch immer etwas.

Und dann wäre da noch der Zufall. Wenn man mit den Motiven und Kompositionen und Techniken spielt, was die Beiden ja tun, dann ist das Unvorhergesehene ständiger Begleiter. Aber nur ab und an trete er in Erscheinung. Manchmal ganz unauffällig. So Juergen. Das müsse man schon sehen. Sich sensibilisieren, für diesen Moment.

Besuch gab es auch: „Hermann, der Vernetzer“ hat vorbeigeschaut, perfekt!

Buchalov

 

 

XYZ – Woche: Dagmar is here!

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Dagmar ist da. Es kann losgehen. Oder besser: es ist schon losgegangen.

Dagmar wird Juergen nun fast täglich besuchen und fàhrt dazu aus Viersen an. Sie kommt zur XYZ – Woche. Nach Geldern. Es ist für Juergen die Fünfte. Es gibt kein Thema, deshalb „XYZ“. Aber es gibt zwei Fundstücke. Um die soll sich alles drehen. Sie sind das Zentrum. So haben sie es vereinbart. Juergen mag solche methodischen Festlegungen. Sie geben Halt in experimentelle Prozessen. Und erleichtern den Start.

Vom Zentrum geht alles aus. Zum Zentrum führt alles hin: untersuchen, einkreisen, begreifen, analysieren… Das ist der Ausgangspunkt, indem man die Fundstücke in den Fokus nimmt.

Bei ihm sei es so, sagt Juergen, dass er seine thematischen Linien schon klar verfolge. Wenn es dann so etwas wie die XYZ – Woche gebe, sei das natürlich eine Unterbrechnung. Aber nicht wirklich, wenn er so drüber nachdenke. Denn das, was man gemeinsam in einer solchen Woche auf die Beine stelle, wirke auch stets in seine thematischen Blöcke hinein. Direkt oder früher oder später. So Juergen.

Dagmars Fundstück ist ein am Ufer der Maas gefundener Teil eines Schneidebrettes und einige Aufnahmen von nächtlichen Schatten:

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Juergens Fundstück ist der Rest des Treibsatzes einer Silvester-Feuerwerksrakete:

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Dagmar hat heute aquarellartig Zeichnungen der Fundstücke angefertigt.

Und Juergen hatte schon vor Tagen mit der Einkreisung seines Fundstückes begonnen und Fotos bzw. Zeichnungen gemacht. Das hat er fortgesetzt. Und er hat den Papptreibsatz in seine Bestandteile zerlegt.

 

Buchalov