notes

 

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Es bleibe dabei: zeichnen und drucken und fotografieren und lesen führe zur Klärung, mache den Kopf klar und kanalisiere das, was in der Pandemie so unfassbar sei – von der Verzweifelung, den Zweifeln, den Verschwörungstheorien bis hin zum Blick auf die Weidenkätzchen. Ab sofort, so sagte Juergen mir, werde er alle zukünftigen Arbeiten in diesem Zusammenhang, andere Arbeiten wird es sicher auch geben, unter dem Arbeitstitel “corona notes” laufen lassen. Er wolle einfach freier arbeiten – nicht so eng an diesem momentan alles bestimmenden Thema und den Bogen dabei einfach zeichnerisch und drucktechnisch, auch fotografisch, weiter schlagen – Irrweg und Zufall mit eingeschlossen. Alles, was bisher in diesem thematischen Zusammenhang entstanden ist, auch seine Tagebuchzeichnungen von Tag 1 bis 14, werde er dort natürlich subsumieren. Am Ende stehe dann vielleicht etwas mehr Klarheit und ein selbstgebundenes Buch. Oder seine Wand im Atelier – neu gestaltet. Mal schauen!

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P.S. Und andere Themen gibt es ja auch noch zuhauf, zum Glück!

„als Lato sich isolierte“: Tag 12 – 14

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Vierzehn Tage lang habe er nun ein zeichnerisches und fotografisches Tagebuch geführt. Jetzt sei es genug. So Juergen. Die Pandemie sei nicht vorbei, das nicht. Juergens zeichnerisches Tagebuch aber ende nun nach vierzehn Tagen.

Juergen meinte, dass diese sich selbst auferlegte Pflichtaufgabe ihm sehr geholfen habe. Wenn er über die Summe der Zeichnungen schaue, werde ihm die ungeordnete Situation von vor zwei Woche mehr als deutlich. Doch jetzt kehre so langsam bei ihm eine gedankliche Klarheit zum Thema „Corona“ ein, die sich auch in der Klarheit der Zeichnung widerspiegele. Die innere Unsicherheit, die Schübe an ängstlichen Momenten, habe er hinter sich gelassen.

Der Abschluss falle ihm aber auch deshalb leicht, weil er mit den letzten Zeichnungen fast zufällig beim Blättern in einem Kunstband ein Bild gefunden habe, dass alle Komplexität des Coronageschehens für ihn bündele: Atlas, der Titan, stemmt den Himmel, trägt die Last, trägt eine Last. Er ist damit gebunden und unfrei, er erfüllt seine ihm von Zeus auferlegte Pflicht und muss ertragen, muss als Strafe tragen, was ihm auferlegt ist. Dieses Bild läßt in den aktuellen Bezügen vieles zu.

Juergen weiss, dass in vielen historischen Abbildungen nicht der Himmel, sondern die Erdkugel von Atlas getragen wird – wohl der optischen Wirkung wegen.

Mal schauen, ob es bei Juergen zu weiteren Bildern führt.

Tag 12: zusammenrücken

Tag 13: es vervielfältigt sich

Tag 14:  die Last tragen

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„als Lato sich isolierte“: Tag 8 bis 11

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Von Gewöhnung nach mehr als einer Woche kann keine Rede sein: die Quarantäne in Zeiten von Corona mit sozialer Isolation ist ein Ausnahmezustand für die Gefühle und bleibt eine Zustand der Beschneidung der Freiheit. So empfinden wir Beide das. Die Zeichnungen, die Fotos und die Notwendigkeit den Tag mit einer Überschrift zu versehen, das alles gibt Juergen allerdings im Ausnahmezustand eine Struktur.

Tag 8: es wird enger

Tag9: es zentriert sich

Tag 10: da bündelt sich was

Tag 11: maximal zwei

„als Lato sich isolierte“: Tag 4 bis 7

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Zu sagen gibt es nicht viel. Jürgen bespricht mit mir jeden Tag voller Fassungslosigkeit die Anzahl der Toten in Deutschland und weltweit, wir schauen kopfschüttelnd dem Anstieg der Infizierten zu, und wir bleiben zuhause, kochen uns etwas, sehen fern, lesen, trinken unterm Dach Kaffee, während Jürgen zeichnet, hören viel Musik, singen Karaoke, sitzen in der Sonne auf der Terrasse, halten den Kontakt über das Internet mit allen, die uns lieb sind, versuchen den Humor nicht zu verlieren und versuchen zu begreifen, zu begreifen, zu begreifen.

Tag 4: die Dinge stehen Kopf

Tag 5: die Dinge verengen sich

Tag 6: es bildet sich ein Kokon

Tag 7: der Druck wird erhöht

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„als Lato sich isolierte“: Tag 1 bis 3

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Die einen schreiben ein Tagebuch. Andere zeichnen jeden Tag ein Blatt oder mehrere – auch eine Form von Tagebuch. Das scheint Juergen jetzt auch zu machen, wahrscheinlich zeitlich begrenzt, wie er sagt. Und er fotografiert.

(Es gab einen Tag, an dem in Deutschland das gesellschaftliche und soziale Leben in einem ersten Schritt auf ein Minimum zurückgefahren wurde. Am 13-03-2020 ging auch Jürgen in die private soziale Quarantäne und richtete sich unterm Dach seinen Zeichentisch ein. Die dort entstandenen Zeichnungen und Fotos gehören zum Themenblock „als Lato sich isolierte“.)

Juergen sagte mir, dass es gar nicht so einfach sei neue Bilder für das zu finden, was da gerade geschehe. Und mit uns geschehe. Und wie es auf uns wirke. Aber er versuche es, zeichnerisch und fotografisch.

Tag 1: es beginnt

Tag 2: es wird gesungen

Tag 3: der Blick nach Innen

Es werden in den nächsten Tagen sicher noch einige Zeichnungen und Bilder folgen, denn nicht nur Handhygiene, sondern auch Psychohygiene sei angesagt. Zeichnen befreie. Zeichnen schaffe Klarheit. Zeichnen bedeute ablegen, weglegen, erledigen, verstehen. So denkt Juergen sich das jedenfalls und versucht zu verstehen, was da jetzt mit allen und mit ihm geschieht. Auf seine alten Tage sei er jetzt auch noch Teil einer Pandemie. Nicht zu glauben. Zeichnerisch könne er da vielleicht was für sich klären.

Zu Lato hat Juergen schon viele Arbeiten erstellt. Wer Zeit und Lust hat, kann ja hier mal reinschauen: >>> Lato <<<

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P.S. „Im Vertrauen“, sagte Juergen zu mir. Es seien zwei Punkte mit denen er momentan zu kämpfen habe: wie finde man neue Bilder für solch eine Kathatrophe wie diese Pandemie. Und es müsse mieses Papier sein, auf dem gearbeitet werde, es müsse stümperhaft gezeichnet werden, es müsse verschwommen fotografiert werden, und das alles, um den morbiden Charakter der Situation, dieses Gebrochene, diese fatale Dynamik rüberzubringen. Er tue sich schwer damit. Das müsse er für sich so erst einmal akzeptieren.

Projekt ohne Namen: „Der Gevatter lauert überall, selbst neben dem Abbild des …“

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Das ist der vierzigste Beitrag zum „projektohnenamen“. Das es mal so viel werden würden, damit hatte Juergen als er mit Susanne Haun dieses Vorhaben startetet nicht gerechnet. Und Susanne wahrscheinlich auch nicht. Und ein Ende – Gott sei dank – ist offenbar noch nicht in Sicht. Auf Instagram ist einiges zu sehen: >>>[…]

Susanne schrieb: „Der Gevatter lauert überall, selbst neben dem Abbild des …“

Juergen antwortete: ewigen Loches.“  (Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“, 2.Korinther 4:18)

Diesmal war es nicht einfach. Der Halbsatz von Susanne, zu dem Juergen sonst mal ganz locker am Frühstückstisch eine Antwort fand, machte Probleme, ein Komma verwirrte Juergen, und Susannes Hinweis auf die Ewigkeit und den Sensenmann blockierte auch ganz schön. Juergen will sich momentan nicht runterziehen lassen. Also hat er es sacken lassen, ein paar Tage lang. Und dann blieb nur die Sense und das Loch, in welches wir alle fallen können und wohl auch werden. Der Druckstock Inch. Druck waren eine Sachen von zwei Stunden, ein Klacks.

Und es war auch deshalb nicht einfach, weil plötzlich fünf Varianten auf dem Tisch lagen, und Juergen sich nicht für eine entscheiden konnte. Dann also fünf.

Und im Hintergrund laufen „The Three Degrees mit „when will I see you again“ – passt, finde ich!

Der Satz, den Juergen jetzt an Susanne sendet, der geht so:

#41: „Tante Lenis Damenbart war stets …“

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„projektohnenamen“.

Susanne Haun und Jürgen kollaborieren schon seit Jahren miteinander. Auch mit und in diesem Projekt. Auf Instagram warte daher einiges an Texten und Bilder auf Euch. Soll ich sagen. So Juergen. Hier der Link: >>> projektohnenamen <<<.

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