Husch husch: #8 – 2019

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„Junge komm bald wieder“,  Freddy Quinn, im Vorbeigehen gehört, und jetzt hingehuscht, Gekritzel, am Zeichentisch, im Atelier, drei Blätter, schnell schnell schnell, schlechte Papierqualität, rote und schwarze Tusche, etwas Farbe, Augen zu, Augen auf, und keine Korrekturen, einfach so, gefühlt, „Junge komm bald wieder“, schöner Sehnsuchtstitel.

Buchalov

Die Akkrum-Notes

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Mit Booten hat er sich ja lange beschäftigt. Jürgen gab dem Projekt damals den Titel „Googas Boote“. Einen Teil kann man hier sehen: >>> [ … ] <<<

Und jetzt waren wir in Friesland, Holland. Wieder waren es die Boote, die alles dominierten. Vieles prägten. Und so angenehm machten. Dem Ganzen ein tolles Flair gaben.  Neben anderen Eindrücken natürlich.

Juergen hat einiges in seinen Skizzen festgehalten und sie gestern im Atelier in einem kleinen selbstgebundenen Büchlein zusammengefasst. Es trägt den Titel: „Akkrum-Notes“. Ich zeige Euch einige der Seiten hier noch einmal im Einzelnen:

 

Buchalov

ein Gedicht spukt in seinem Kopf herum

Erst war es die Pelerine, die sein Interesse weckte. Doch mittlerweile ist es die Vorstellung von der Freiheit, gedanklich oder real. Denn das Gedicht von Bess Dreyer spukt immer noch in seinem Kopf umher.

auf der schulter einen falter

……. …. ….

frau mit pelerine

wie damals die alte patentante

besondere gaben hatte sie

borgte sich die fühler des falters

schmetterling du kleines ding

seine flügel nahmen sie mit

über alle zäune und grenzen

war ein fangnetz auf dem weg

dirigierte sie den flug

darüber hinweg

schwerelos

will ich ein wenig schreiben

…..

Juergen sagte mir, dass er die Vorstellung, dass ein Mensch in der Lage sei, ähnlich einem Schmetterling, sich gedanklich und auch vielleicht real, davonzumachen, über alle Hindernisse hinweg, dass er diesen Gedanken schon sehr anziehend finde. Eine Sehnsucht vielleicht. Seine Sehnsucht. Schließlich sei er ein Kind der Sechziger und mit seinem Fernweh korrespondiere das allemal.

Buchalov

der freie Blick

Der freie Blick aufs Wasser und die Boote – die Ruhe – die zentrale Lage, optimal für sternförmige Fahrradtouren – und nochmal die Ruhe, die das Zeichnen fördert – das sonnige Wetter, na ja, gemischt mit den friesischen Winden und Wolken – das an irgendeinem Kanal sitzen und auf die vorbeifahrenden Boote schauen – überhaupt diese vielen und einzigartigen Boote – und das Unkomplizierte eben.

Das ist Akkrum, Friesland. Dort, wo wir auf unserer Tour durch Friesland in den Niederlanden nun gelandet sind.

Und dann gibt es noch die Liste der Schiffsnamen, die Juergen zwischendurch angelegt hat und die mit ihm irgendetwas machen:

Lady M

Future

Ricky

Adventure

Bella Donna

Marvin

Sunrise

Fee

Pia

Anke

Emma

Sunny

Maria

Nemo

Vespucci

Sharky

Jesse

Friendship

Skyline

Marlitt

Ida

Accord

Selina

Emma

Marianne

Alma

Saturnus

Aurora

Roxi

Lady Bianca

Jacoba

Beluga

Annabell

Dylan

Captain Jack

Syrah

Verano

Marie-Elise

Buchalov

man könnte sagen…

Man könnte sagen: hat man einen friesischen Yachthafen gesehen, hat man alle gesehen. Das könnte man sagen. Aber das ist definitiv falsch. Lemmer ist nicht Sloten und Sloten ist nicht Workum und Workum ist nicht Akkrum.Und da stehen wir nun momentan auf unserer Reise durch Friesland.

Fuer Juergen ist jeder Ort anders, weil die OrtsMarken des jeweiligen Ortes es ihm mehr als deutlich sagen. Das ist der Anfang der Unterschiedlichkeit für ihn.

Hier einige OrtsMarken, die von

Lemmer:

von Sloten:

von Akkrum:

Einige halten ja das mit den OrtsMarken für keine sonderlich tragfähige Idee. Fuer Juergen ist das anders. Die Vorlagen für seine Zeichnungen fallen ihm nicht vor die Füße. Er geht die Orte ab und sucht. Und im Suchen begreift er, wo er sich befindet. Und was die Besonderheiten des Ortes sind.

Und er kann das Künstlerische, das ihn umtreibt, mit seinem unsteten Reiseleben in Einklang, zu einem Ganzen, bringen. Die vielen ortsabhängigen Eindrücke erhalten eine sie verbindende Überschrift. Perfekt!

Buchalov

ein Gedicht geschenkt bekommen

auf der schulter einen falter

……. …. ….

frau mit pelerine

wie damals die alte patentante

besondere gaben hatte sie

borgte sich die fühler des falters

schmetterling du kleines ding

seine flügel nahmen sie mit

über alle zäune und grenzen

war ein fangnetz auf dem weg

dirigierte sie den flug

darüber hinweg

schwerelos

will ich ein wenig schreiben

••••••

Dieses Gedicht hat mir Bess Dreyer zugeschickt – in einem Kommentar, hier der Link: https://juergenkuester.net/2019/07/12/ein-wenig-zeichnen-und-das-wattenmeer/

Und als wir uns am Frühstückstisch darüber unterhielten, und was das vor allen Dingen fuer eine nette Geste von Bess sei, da erzählte Juergen von Tante Mia, einer Nenntannte, aus seinen Kindertagen.

Sie wohnte neben den kleinen Frauen am Fluss, unten, am Ortsausgang. Sie war stolz auf ihre langen Haare, die bis zum Po reichten, und morgens geflochten und dann zum Kranz um den Kopf gelegt und festgesteckt wurden. Grauer Flanellrock, weiße Bluse, Pelerine, graue oder schwarze Strickstrümpfe, flache Schuhe: das war die Garderobe. Sie war katholisch fromm, eine alte Jungfer, wie man so sagte, die immer zum beten und plauschen kam, aber einfach nett, wirklich nett.

Das war die Geschichte von Tante Mia. Und deren Pelerine. Aber ohne einen Schmetterling.

Buchalov