im Zwickelbüro: der dritte Tag ist der, an dem die Zukunft auftauchte.

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Man sitzt und steht und geht und sucht und findet und probiert und versucht und schneidet und zeichnet und malt und verwirft oder läßt es wie es ist. So ist künstlern. Jedenfalls bei den Dreien, denen ich über die Schulter schauen darf. In Juergens Atelier am Ostwall in Geldern.

Gestern hatten sie ihren letzten gemeinsamen Tag „im Zwickelbüro“. Sie waren alle drei mit den geplanten Dingen etwas früher fertig als erwartet. Also blieb mehr Zeit für Gespräche und Planungen.

Dennoch: Juergen hat gedruckt, gedruckt, gedruckt, auf altes Papier, auf Katalogseiten und auf Papierhintergründe, die Antje mitgebracht hatte. Aber auch eine im Papierabfall gefundene Bahn musste herhalten.

Martina hat das große Zeichenblatt weiter bearbeitet und u.a. mit „CO2 Schreiberei“ stundenlang gefüllt – eine riesige Fleißarbeit.

Bei Antje ging es gestern weniger um den Zwickel und eher um die Aufarbeitung von alten Beständen, die sie mitgebracht hatte, um halbfertige Bilder und Ergänzungen im Detail.

Und die Zukunft? Vielleicht liegt sie beim nächsten Treffen im November im textilen Bereich oder in der Vertiefung der Erstellung von Rapporten oder in der Arbeit im Rahmen einer festgelegten Versuchsanordung, die dem Zufall dient. Wer weiß?

Jetzt hat das Zwickelbüro jedenfalls wieder geschlossen.

Buchalov

 

im Zwickelbüro: der zweite Tag ist der, bei dem das Zeichnerische Einzug hielt.

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Zip, zip, zip, das Gedankliche, das Planerische fand seinen Weg. Was „Sabeth47“ vor Tagen in einem Kommentar schrieb, erfüllte sich gestern: „die gedanken wuchsen durch die wand.“

Was ich damit meine? Na ja, so eine enge Zusammenarbeit an drei Tagen ist ja nicht nur die reine Fertigstellung von Werken. Es wird natürlich auch vieles vertieft, was so gedanklich in den Einzelnen wühlt – von Ai Weiwei und seiner Kunstaktion bei Hornbach bis hin zur Frage, wie man es mit der Mitgliedschaft im BBK hält. Die Gedanken wuchsen halt durch die Wand.

Martina war gestern zu Antje und Jürgen gestoßen. Sie ist schwerpunktmässig zeichnerisch unterwegs und hatte im Atelier von Andrea, deren Raum mitbenutzt werden durfte, ihre große Rolle ausgebreitet und  gleichzeitig die kleinen Seiten ihrer Kalenderblätter. Auf beidem wurde gezeichnet und die Form den Zwickels war von Interesse. Auch Zwickelalgen oder Zwickelfische sind aufgetaucht.

Jürgen hatte sich kleine Linolschnittplatten vorgenommen und vorgezeichnet und anschließend geschnitten: klein, klein und pingelig – ungewöhnlich für ihn. Der Zwickel wurde zum Schatten und ist der Zwilling. Symmetrie, Spiegelung und der Zwickel in einer möglichen Abwicklung fanden den Weg aufs Linoleum. Und morgen wird gedruckt. Und die Hintergründe, auf die gedruckt werden soll, sie warteten schon, dank Anke.

Anke hat gestern Bilder fertiggestellt, die schon lange auf die endgültige Fertigstellung warteten. Auch ihre Blätter mit Zwickelformen auf Papier aus einem Kunstkatalog brachte sie ins Ziel. Ich bin gespannt, was sie sich für den letzten Tag vornimmt.

Buchalov

 

im Zwickelbüro: der erste Tag war der, als die Hintergründe dominierten!

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Antje lachte sich den Weg frei und Jürgen war das Honigkuchenpferd. So war es in Geldern, in Juergens Atelier, im Zwickelbüro. Gestern.

Der erste Tag im neuen Zwickelbüro 2020 war gestern. Ich war und bin der Chronist. Diese Rolle hat Juergen mir zugedacht, und ich mache das wirklich gerne. Und als Beobachter muss ich sagen, dass die Zwei, Antje und Jürgen, von Null auf Hundert gestartet sind. Es ging direkt in die Vollen. Das Projekt trägt, es ist in den Köpfen und das gerade auch in der Zeit zwischen den Treffen. Woran ich das merkte? Antje kam mit Geschenken für Jürgen: Einmal waren es Spielkarten der Inspiration aus dem Hamburger Bahnhof in Berlin. Und es waren diverse Hintergründe, extra für ihn geschaffen, die nun auf Juergens Linolschnitte warten – Jürgen strahlte.


Und Antje zeigte die Werke, die sie in der Zwischenzeit fertiggestellt und die Jürgen beim letzten Male begonnen hatte:  beide sind gleichwertig vertreten, keiner zerstört den die Bildelemente des Anderen, die Zwickelmotive sind die verbindenden Elemente und Malerisches trifft Grafisches.

Antje hat heute weiter fleissig an Hintergründen gemalt und zwei schon vor Tagen begonnene Werke fast fertiggestellt.

Juergen hat kleinere Papierobjekte auf malerischer Basis, die Malerei als zufällige Hintergrundmalerei, und mit einer Menge Irritation erstellt. Diese Teile wollen die Dreidimensionlität. Die Zwickel als zentrales Motiv umspielen das Gesamte und durch eine Farbigkeit in Blau, Rosa und Gelb sticht das Gesamte hervor: etwas wild das Ganze, aber dennoch.

Buchalov

Der Zwickel ist Dada …

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„Der Zwickel ist Dada. Das Zwickelbüro wird am Wochenende öffnen. Der Zwickel als heimlicher Begleiter. Zwickel bleibt Zwickel! Dann zwickelt mal schön!“

Alles so Sätze, die im Zusammenhang mit dem „Zwickelprojekt“ von Antje und Juergen in der Vergangenheit gefallen sind. Hier könnt ihr noch einmal schauen: >>> [ … ] <<<

Und jetzt wollen sie es wieder tun. Juergen hat mich darüber informiert, dass Antje, Martina und Elke am kommenden Wochenende dem Karneval entfliehen und sich bei Jürgen in die Arme des Zwickels stürzen werden. Und der reinigt schon mal fleißig das Atelier, räumt auf und hat die Verfügbarkeit der Räume in der Ateliergemeinschaft geklärt. Es darf und kann also gezwickelt werden. Einen kleinen Plan hat er sich auch schon zurechtgelegt. Aber davon später.

Buchalov

XYZ – Woche: der siebte Tag ist der mit den Begriffen.

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So eine Woche der Zusammenarbeit bringt nicht nur Fortschritte in der Kollaboration, sondern bedeutet auch in den vielen Gesprächen, die man führt, eine Foccussierung auf zentrale Begriffe. Und ihr Durchdenken. Das wurde mir heute klar als ich Dagmar und Juergen beim Gespräch im Atelier beobachtete. Als neues Begriffspaar ist bei Juergen jetzt „Recherche und Rapport“ aufgetaucht. Vorher war es die Rhozomtheorie mit der Keimung und Sprossung, der Unterschied zwischen Preaentation und Installation, die Bedeutung der Vernetzung, das methodische in der Kunst und das Spannungsverhältnis von Prozess und Plan beim Arbeiten.

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Die Farbe grün in Kombination mit schwarz, die hat es Juergen momentan angetan. Vier kleine Platten mit Motiven zum Thema „Strich, Kreis, Seelenkasten und Radarkasten“ sind fast fertiggestellt. Die verlorene Platte als Technik wurde dabei verwendet. Und Juergen hat heute fleißig die Druckstöcke geschnitten.

Dagmar hat jetzt auch für sich klar wie es weitergeht. Ausgangspunkt ist ihr an der Maas gefundenes zersplittertes Plastik- Frühstücksbrettchen mit den vielen Schnittspuren. Drei Tiefdruckplatten sind im entstehen: die Eine zeigt eine Uferlandschaft, die Zweite die Schnittspuren des Brettchens und die Dritte Kreise als „Maaseinheiten“. Alles wird im Druck zusammenmontiert werden.

Buchalov

XYZ – Woche: der sechste Tag ist der mit dem Orkan.

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Draußen fegte es gewaltig. Der „Orkan Sabine“ zog durchs Land. Jetzt macht er sich langsam davon. Juergen und Dagmar hatten sich ins Atelier in Viersen zurückgezogen und stellten die Musik etwas lauter. Was sonst! Und Jürgen hat gedruckt.

Beim Drucken selbst, so meinte er heute, habe man schließlich den Punkt erreicht, auf den eigentlich alles zulaufe – all das, was man skizzenhaft vorbereitet habe, was einem durch den Kopf gegangen sei, all das, was seinen Weg ins Holz gefunden habe und nun als Druckstock abgebildet wird, alles das finde nun seinen endgültigen Weg aufs Papier. Der Abdruck sei die Bündelung.

Dagmar hat Entscheidungen getroffen. Diese beziehen sich auf das Thema „Maaseinheit“, weil die Maas der Fundort ihres Motives war, auf die Motivwahl und Technik. Und plötzlich laufen die Dinge. Ich sagte ja schon: Kunst machen heißt Entscheidungen treffen.

Es ist schon erstaunlich: der „Seelenkasten“ ist auch wieder aufgetaucht. Juergen hatte sich mit Dagmar und mir beraten, und es ging darum, welche Dinge er am „Tag der Druckkunst“ am 15. März in Dagmars Ausstellungsraum zeigen könne. Und ihm fielen da seine „Seelenkästen“ ein, die er 2013 erstellt hatte. Und jetzt sind einige digitale Zeichnungen und ein Holzschnitt mit diesem Thema neu entstanden. Und Beuys war nicht ganz unschuldig daran, denn von ihm hatte Juergen letzte Woche in der „Galerie im Park“ in Viersen eine Arbeit gesehen, Titel irgendetwas mit Schamane, und das Motiv hatte wohl eine nachhaltige Wirkung bei ihm. Also, ich will ja nicht als Orakel auftreten: aber eine Bedeutung scheint mir dieses Wiederaufstiegen eines alten Themas schon zu haben.

Buchalov

XYZ-Woche: der vierte Tag war der in Münster!

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Eine ordentliche Exkursion haben wir heute absolviert. Wir sind gemeinsam nach Münster gefahren zum Rundgang in der Kunstakademie. Juergen fährt schon seit Jahren dahin, ein Pflichttermin für ihn. Ein Termin, den er gerne absolviert. Er fühlt sich da immer sehr gut aufgehoben: Lebendig, modern, energetisch sei es. Und er schwärmt jedem davon vor. Also ist Dagmar diesmal mitgefahren.

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So war es dann auch diesmal: lebendig und kraftvoll und inspirierend und unterstützend. Denn Juergen schaut auch immer, ob er sich mit dem wie er momentan künstlerisch unterwegs ist dort wiederfindet. Er fühlte sich z.B. in der Art wie er mittlerweile seine Arbeiten präsentierten, u.a. auf seiner Wand im Atelier, total bestätigt.

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Dagmars Resümee beim Kaffeetrinken: vielseitig, verspielt und die Dinge auslotend. So wirke auf sie der Rundgang.

Jürgen meinte: Der Material-Mix mache es. Alles werde gemischt: Malerei, Zeichnung, Skizze, Abfallpapier, Plastik, Folie, Gips, Holz, Pappe und und und. Der Raum und nicht mehr die Wand sei zur zentralen Präsentationsfläche geworden. Ganzheitlich sei alles. Textiles sei im Vormarsch, und auch er überlege demnächst einen Nähkurs zu belegen, für seine Objekte. Na ja, das glaube ich erst, wenn ich es sehe.

Mehr gibt es eigentlich nicht zu schreiben. Auf der Rückfahrt bin ich auf dem Rücksitz im Auto eingeschlafen.

Buchalov