das Abwickeln als Transformation

Eine Methode beim Arbeiten zur Verfügung zu haben ist die halbe Miete. Oder bei den Handlungen im Leben generell. Die halbe Miete wobei? Bei der Herstellung der Werke, meinte Jürgen. Das methodische Prinzip des Abwickelns gehöre dazu. Und es sein eine Transformation.

Abwickeln, was ist das? Seine Antwort: beim Abwickeln lösen sich nach und nach die Schichten vom Körper eines Gegenstandes und jeder Prozesszustand wird zu einer eigenständigen Form. Das Abgewickelte wird zur Fläche. Klingt kompliziert und wird nicht einfacher dadurch, das dies eine rein gedanklicher Prozess ist. Gut, manchmal läßt so eine Gegegnstand es wirklich zu, dass man seine Schichten abträgt. Aber die Regel ist das nicht.

Das Abwickeln ist ein methodisches Prinzip um sich Klarheit über einen Gegenstand zu verschaffen, über seine äußere Beschaffenheit. Im Abwickeln aber öffnet sich das Innenleben und wird nach Außen gekehrt. Das Abwickeln ist als ein ganzheitlicher Ansatz.

Hier Ein Beispiel:

Das ist der Gegenstand, als Foto: ein Stück Baumpilz

Das ist die erste Abbildung als Zeichnung:

Das sind die Schichten als Netz:

Das sind die Schichten, vereinzelt, Sedimenten ähnlich:

das ist das Endergebnis:

Das also sei die Abwicklung, die gedankliche Abwicklung eines Gegenstandes, die Abwicklung von Schichten und die gestalterische Fixierung der Ergebnisse.

Künftig/bald/nach vorne: Transformation und Lustlosigkeit

Eins, zwei, drei und Hoppla. Und noch einmal Hoppla: Irgendwie ist etwas die Luft raus, noch nicht vollkommen. Aber Jürgen war heute in seinem Atelier „Zelle k5“, hat an der verlorenen Linolschnitt- Platte zu seinem „Kern“ ein wenig geschnitten und gedruckt, und an dem kleinen Papierobjekt, dem anderen Kern, herumgeklebt und geschnitten. und das war es dann eigentlich schon.

Wahrscheinlich ist das die letzte Transformation in diesem Projekt: aus einem Blatt Papier mit Transformation-motiven wurde eine Schachtel als Wandobjekt, gefaltet in der Origamitechnik: eine Formenwandlung? Oder eine Umwandlung? Methamorphose oder Transformation? Wer weiß das schon!

Tschabumm! Tschabumm!

Das kleine Papierobjekt hat er auch fertiggestellt. Er arbeitete auf Sparflamme, die Disziplin trieb ihn zwar, aber so richtig motiviert war er heute nicht. Deshalb wird er morgen mal einen Tag Pause einlegen. Nächste Woche geht es dann auf die Zielgerade, und er wird den Druck beenden. Und wahrscheinlich auch das gesamte Projekt.

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künftig/bald/nach vorne: Transformation durch Worte

Der Tag begann anders als die Tage zuvor, dramatisch, spannungsvoll: In den USA wurde gewählt! Und Jürgen stand im Flur seines Ateliers und hat leise in den Raum einen Satz von Beuys hineingeflüstert, immer wieder, immer wieder: „Zeige Deine Wunde! Zeige Deine Wunde!“ Davon gibt es ein Video als Story auf FB und Instagram.

Und damit hat er so einiges transformiert:

die Arbeits-Stimmung des Raumes wurde eine mystische / seine Gedanken zur eigenen Krankheit wurde zu einem Gedanken darüber wie er damit öffentlich umgehen kann/ die Stille des Raumes wurde eine kurzzeitige Geräuschkulisse/ die Dynamik der Luft wurde Luft, die sich bewegt und Aerosole trägt/ der Gedanken aus dem einen Gehirn wurde zu einem Gedanken in einem anderen/das politische Ereignis wandelte sich einen körperlichen Ausdruck.

Heute ging es überhaupt um „das Wort“. Marie von mmandarin hatte zur Transformation durch das Wort die Formulierung „von den für sie so wichtigen heilenden Worten“ benutzt. Der Gedanke gefiel Juergen: Worte die uns heilen, indem wir sie immer wieder sagen, schreiben oder drucken und von denen wir hoffen, dass sie damit unsere Lebenswelt transformieren, zum Positiven. Obwohl: wer will in Coronazeiten schon positiv sein. Aber dennoch: “Liebe, Ja und No”, das sind Jürgens Worte, die er nutzen wollte. Er hat sie heute gedruckt und gedruckt und gedruckt und gedruckt …

Und dann ist da noch „der Kern des Selbst“. Hier hat Ulli von „cafeweltenall“ in einem Beitrag so einiges zur Transformation mit dem eigenen Inneren geschrieben. Das fand Juergen, so sagte er mir, auch sehr anregend. Aber lest selbst: […] >>>>>>>.

Erwähnen soll ich auch, dass parallel zu den Beiträgen hier im Blog auch auf Instagram und Facebook das Projekt dokumentiert wird: https://www.instagram.com/juergenkuester_buchalov/ und https://www.fac ebook.com/hansjuergen.kuester

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irgendetwas mit zweifach

Na ja, es hat gedauert, keine Frage. Mit Unterbrechungen hat Jürgen das obige Bild gedruckt, Wochen hat es gedauert und ich meine, dass man es ihm ansieht. So richtig dynamisch schaut es mich nämlich nicht an. Die Unterbrechungen im Arbeitsprozess waren auch Unterbrechungen in der Energie, die hineingeflossen ist. Aber dekorativ sei es, meinte Jürgen. Aus seinem Mund ist das nicht unbedingt ein Kompliment.

Das Bild gehört in den Themenbereich „der Schatten ist der Zwilling“, irgendetwas mit zweifach und Verdoppelung, den Jürgen aber jetzt erst einmal unterbricht, weil nächste Woche das „Zwickelbüro“ in seinem Atelier öffnet: Antje von „MachArt“ kommt für ein paar Tage zu Besuch und gemeinsames Arbeiten ist angesagt.

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für Myriades Impulswerkstatt: eine OrtsMarke

Das da oben ist eine OrtsMarke. Juergen hat sie herausgesucht, weil ihn ein Foto von Myriade dazu angeregt hat.

Es gab dieses Bild eines Steines. Im Blog von Myriade. Gekoppelt mit der Aufforderung sich in einer Impulswerkstatt einzubringen. Das finden Jürgen und ich gut. Hier der Link: https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/2020/10/05/frau-flumsel-und-myriade-praesentieren/

Für Juergen ist klar, dass es sich bei diesem Stein auf dem Photo um eine OrtsMarke handelt. OrtsMarken markieren Orte. Orte haben eine Identität und Marken sind ihr Fixpunkt. Sie sind ein Zeichen. OrtsMarken kennzeichnen den Ort und stellen die Verbindung zwischen Ihm und dem Besucher her.

Auf Myriades Foto ist ein Stein zu sehen, ein gigantischer Block, offensichtlich bearbeitet, und er steht so, dass er das Meer sehen kann. Er steht hoch über ihm, denn von dort hat man den schönsten Blick. Er schaut hinaus. Und jeder von Seiten des Meeres aus kann ihn sehen. Ein markanter Punkt halt, mit einem markanten Stein als Zeichen des Ortes.

OrtsMarken sind schon seit geraumer Zeit ein zentrales Thema für Jürgen.

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Projekt ohne Namen: „Ein Dorf ohne Baum, …“

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Susanne Haun hat Jürgen folgenden Satzanfang geschickt: „Ein Dorf ohne Baum, …“ Dieser Satz ist Teil ihres gemeinsamen Vorhabens „projektohnenamen“. Auf Instagram ist da einiges unter @juergenkuester_buchalov zu sehen:

„Dorf ohne Baum“: was ist das denn? Assoziationen kamen da auf: ist das ein Dorf mit fehlendem Maibaum? Ist solch ein Dorf eine Stadt? Ist mit dem Dorf ein Mann gemeint, dem etwas fehlt? Hat das irgendwas mit diesem momentan so überstrapazierten Thema „Heimat“ zu tun? Steht der fehlende Baum für die Klimakathastrophe? Wie soll man darauf humorvoll antworten? Das waren Jürgens spontane Äußerungen in meine Richtung als er das las.

Da bliebe dann eben nur der Hinweis auf die „Baumschutzsatzung“, sagte er. Schreckliches Wortungetüm, aber in manchen urbanen Bereichen ein durchaus sinnvolles Unterfangen zum Schutz der Bäume. Also hat er ergänzt mit: „…da fehlte im Ort bestimmt eine Baumschutzsatzung“.

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Damit ist er dann ins Atelier gezogen. Und nachdem der Probe-Druck stand, überkam Jürgen wohl ein Anfall von digitalem Spielen. Also hat er auf seinem iPhone mit einer Gestaltungsapp und dem Photo des Abdrucks herumgespielt. Was natürlich zur Folge hat, das eine Vielfalt von Ergebnissen entstand und er auswählen musste. Übrig blieb dann das hier:

Als Ganzes lautet der Satz nun so: Ein Dorf ohne Baum: da fehlte im Ort bestimmt eine Baumschutzsatzung.

Für Susanne hat Jürgen nun folgenden Satzanfang: Mir wachsen Flügel, glaube ich, denn …

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der Schatten ist der Zwilling 3

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„Skizzen sind Skizzen sind Vorlagen sind Inspiration sind der Anfang sind Basics sind Denken sind Zeichnungen sind Klärung.“

Juergen hat seine Zeichnungen sortiert. Einige hatte ich davon ja schon gezeigt. Das, was ihn am meisten überzeugte ist nach vorne gekommen  Es gibt Aspekte, so sagte er mir, die er bei seiner Auswahl wichtig findet und die er zu berücksichtigen versucht. Aber bei ihm ist wohl auch viel Spontanität im Spiel. Also:

  • das Spannunsverhältnis zwischen den einzelnen Formen
  • das Wechselspiel von Fläche und Linie
  • die Dominanz der teilweise flächigen Figuren
  • Geschlossenheit der gesamten Komposition, trotz der Zweiteiligkeit
  • die „schräge“ Komposition, die bewusst gegen das Auge arbeitet

Und einige Drucke sind auch schon entstanden:

eine OrtsMarke aus Hajos Wald

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Hajo ist unser Freund. Und er ist Imker. Er besitzt ein kleines Waldgrundtück hier in der Nähe von Wachtendonk.  Und da stehen seine Bienen. Juergen und ich fahren auf unserer täglichen „Niederrheinfahrradtour“ da schon mal vorbei. Dann schauen wir, was sich da so alles tut: Bienen, Widbienen, Käfer, Spinnen, Wildblumen, Blüten, Kräuter, Holzstücke, die Sonne, das Licht, die Aktivitäten am Flugloch und so etwas eben.

Den Rest einer Baumscheibe hat Juergen als „OrtsMarke“ von dort irgendwann mal mitgenommen und im Atelier bearbeitet.

Und dann hat mir Jürgen erzählt, das ihn solche Waldgrundstücke schon immer faszinierten. Als kleiner Junge war das sein Spielplatz. Raus aus dem Haus, auf die Strasse, die Strasse hoch zum Wald, der Wals am Köttingsbach, und los ging’s. Und seine Tante Louise wohnte mitten im Wald mit kleiner Bauernschaft und zwei Kühen und einem miesepetrigen Ehemann. Die Bewirtschaftung des Waldes dort nannte man Haubergswirtschaft im Siegerland. In der Volksschule hatten sie einen Schulwald, den es zu bearbeiten hatten. Wöchentlich ging es mit dem Fahrrad dahin. Das habe er richtig gerne gemacht. Und Peter Steimle, sein alter Professor, besaß auch so ein Grundstück, und da stand dieser alte Baumwagen, die Villa Hügel, in der sie als Studenten so manche Theorie kleingearbeitet haben.  Also ehrlich gesagt: wenn er heute so ein kleines Waldstücken erstehen könnte, er würde es tun. Einfach so!

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Satzbilder/Zinbeelden 2

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Das Projekt „Zinbeelden“ macht den nächsten Schritt. Juergen hat wieder einen Satz aus den Niederlanden von Anja Middelkoop bekommen, und der ging so:

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Und hier die Übersetzung, zu der es, so die Vereinbarung, Bilder zu erzeugen gilt:

“Und dann, eine internationale Untersuchung beweist es, belasten Niederländer die Krone mit ihrem Geschwätz/Gefasel im Büro: rund ein Viertel von Arbeitszeit geht hinein, doppelt so viel wie in anderen Ländern.”(Marente de Moore, kleine Vogel grote Man, Seite17, Zeile23).

Jürgen sagte mir, dass ihm klar gewesen sei, dass es um „Effizienz und Effektivität“ gegangen sei. Schwierig, schwierig! Die Fahrten mit dem Fahrrad auf den Wirtschaftswegen in Wald und Feld am Niederrhein, die er momentan täglich macht, hätten geholfen. Da sei ihm Einiges durch den Kopf gegangen.  Ein Gedanke sei immer verführerisch gewesen: einmal nicht glatt funktionieren, nicht effizient die Leistung bringen, die erwartet wird, sondern genau das Gegenteil tun: Zeit und Material vergeuden. Reibungsverluste bewusst in Kauf nehmen. Ineffizient sein.

Aber wie bündelt man so etwas? Geblieben und getragen habe dann der Gedanke eines Manifestes. Juergen hat wohl gedacht, dass dies alles mal ein Manifest wert sei, denn kreatives Arbeiten geht ja eigentlich genau so. Oder täusche er sich da? Das Ergebnis sah dann so aus:

„Als wenn man es mit der Muttermilch aufgesogen hätte: alle Handlungen, auch die eigenen, sollen möglichst effizient realisiert werden. Es ist an der Zeit, sich davon zu befreien.“

 

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