Juergen hat mir das so erklärt, heute: ein Holz – Reststück aus dem großen Haufen im Lager hinten im Atelier gefischt, den Beitel wie einen Stift benutzt und irgendwas, was an Engel erinnern könnte, in das Holz hineingehämmert, schnell, schnell, Restfarbe aufgerollt, herumliegende Blätter als Druckpapier verwendet, ein paar Abzüge gedruckt, fertig. „Husch husch“ eben. Wie so oft.
Juergen weis schon genau, warum er dem Holzschnitt als Technik die Stange hält.
Ich besuchte ihn im Atelier „Zelle k4“ und sah wie er mit den unterschiedlichen Beiteln an seiner verlorenen Platte arbeitete. Er verwendet Multiplexplatten. Oft. Manchmal aber auch das Holz von Schrankrückwänden oder Abfallstücke aus dem Baumarkt oder wo man Holz eben sonst so findet. Den Einsatz von maschinellem Werkszeug wie einem Dremel hat er bisher verweigert.
„Es ist das Haptische des Holzes und die Reduktion in der Ausführung und das Grobe im Ergebnis!“, sagte er als ich ihn auf seine Leidenschaft ansprach. „Der Zufall spielt auch eine Rolle, denn oft will das Holz nicht so wie ich will und ich muss mich dem Anpassen und schon sind Variationen in der Gestaltung notwendig. Das finde ich sehr reizvoll, weil experimentell. Und wenn es dann zukünftig körperlich zu anstrengend werden sollte, werde ich mal über maschinelle Hilfsmittel nachdenken.“ Über den Vorgang des Druckens haben wir nicht geredet.
Juergen kam diesmal nicht aus dem Atelier bei mir vorbei, sondern von zuhause und strahlte mal wieder über beide Backen. Er tauscht so gerne seine Bilder mit anderen, wobei er vorher nie mit seiner Tauschpartnerin oder seinem Tauschpartner genau festlegt, was man für Motive tauscht. Er sagt, dass sei wie ein „blind date“. Jedenfalls stellt er sich das so vor. Er hatte ja noch nie eins. Und ich erinnere mich, dass das Tauschen auch schon mal daneben gegangen ist. Er erzählte mir aber auch, dass er viele Künstler kennt, die mit anderen tauschen. Der Zeitpunkt, so meinte er, spiele auch eine große Rolle.
Juergen tauscht auch Postkarten. Aber darum geht es heute nicht.
Diesmal war er besonders glücklich, weil sein Tausch mit Susanne Haun so perfekt abgelaufen ist – für beide wohl – und war daher mächtig zufrieden mit dem Tauschergebnis. Das hat ihm, sagte er, wohl Mut gemacht für weitere Versuche.
Und ich soll auf diesem Wege Susanne noch einmal von ganzem Herzen danken.