Ihm sei da ein Fehler unterlaufen. Der zweite Druck mit der Farbe Orange sei nicht genau an die vorgegebene Markierungen gelegt worden. Erst habe er über das Ergebnis geflucht und sich geärgert.
Doch jetzt nach einem Tag der Distanz komme ihm das Bild richtig lebendig und nicht mehr missglückt vor.
Aber so ist das: zack, zack, schon hat sich ein Zahlendreher eingeschlichen und aus 2015 wird 2105. Unsere Atelierausstellung findet im Jahre 2105 statt. Das ist sicher. So steht es jedenfalls auf der Einladungskarte. Und das ist natürlich falsch. Mir selbst ist es nicht aufgefallen und Juergen wohl auch nicht. Aber andere schauen genauer als wir Beide, Gott sei Dank!
Dahinter verbirgt sich ein grundsätzliches Problem, meinte Juergen: wie gehe ich mit Fehlern um? Sind sie zufällig und belebend und eine Chance? Oder sind sie eine Katastrophe, die zu meiden ist?
Ich wollte Juergen im Atelier besuchen, aber er war nicht da. Zuhause habe ich ihn angetroffen und er war mit seinem Thema „Perfektion und das Fehler“ beschäftigt. Gedankliche Arbeit, meinte er. Nur sitzen und denken und Kaffee trinken und Notizen machen. Man konnte kein vernünftiges Wort mit ihm reden. Aber er zeigte mir eine Wortliste. Die sei sein Ausgangsmaterial.
Zuordnungsfehler
Nullpunktfehler
Deckungsfehler
Fehlfarbe
mittlere Fehlerabweichung
Fehlerschranke
404 Error
Alphafehler
Betafehler
Übertragungsfehler
basic error
Fehlersuche
Schichtfehler
perfect binding
formvollendet
fehlerfrei
mustergültig
perfect copy
future perfect
past perfect
perfect fool
perfect nonsense
Da scheint sich etwas zu entwickeln.
Buchalov
For my english readers:
I wanted to visit Juergen in his studio, but he was not there. At home I met him and he was busy with his new topic „perfection and error“. Mental work, he said. Just sit and think and drink coffee and take notes. Nobody could speak a word of sense to him. But he showed me a word list. That was his source material, he said.