Buchalovs Blog

  • so nicht

    Das sind immer so Tage, an denen ich genau überlegen muss, ob ich mir das antuen will.

    Meine älteste Tochter Melina hatte nach Köln eingeladen – sie wohnt dort in der Nähe – und meine Frau und ich sind hingefahren: Parkhaus rein, zu Fuss wieder raus, 200 Meter gehen, Geschäft rein, Geschäft raus, 100 Meter gehen, neues Geschäft rein, ich warte, vor der Tür, sich langweilen, Menschen beobachten, sie kommt zurück, weitergehen, Geschäft rein, Stuhl suchen, sich setzten, warten, leicht einschlafen, „Was meinst Du?“, schwitzen, Tüten übernehmen, Geschäft raus, hinterhergehen, Geschäft rein, na ja, und immer so weiter.

    Irgendwann haben wir dann Melina und ihren Freund getroffen. Der Rhythmus wurde dennoch fortgesetzt.

    Melina versuchte mich aufzuheitern.

    Aber das sind so Tage, an denen ich mir vornehme, dies genau so nicht wieder zu tun.

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  • Lichterlebnis

    Ab und an kreuzt Religiöses meinen Weg, obwohl ich nicht religiös bin. Ich suche das nicht bewusst, aber die Themen finden mich, weil sie wissen, dass ich mich zu ihnen hingezogen fühle.

    Das gilt auch für die Geschichte von Paulus und seinem Lichterlebnis. Wie aus Saulus, dem Christenverfolger, Paulus, der Missionar, wird, das hat schon was. Warum? Weil das Lichterlebnis, gekoppelt mit Blindheit und späterem Sehen, ein existentielles ist. Jeder hat sein persönliches Lichterlebnis. Jeder kann von so einer Lichterscheinung reden. Jeder ist schon mal mit Blindheit geschlagen worden und viele wechseln aus vielerlei Gründen ihre Lebensorientierung. Eine spannende Geschichte also.

    Als Konfirmant habe ich das alles mal gehört und mich jetzt wieder erinnert, als ich ein Bild von Boris in seinem neuen Atelier sah. Für Boris als Maler ist das Licht bedeutsam. Für mich als LKW – Fahrer auch, denn ich fahre nicht mehr gerne im Dunkeln.

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  • Auferstehung

    Salomon hatte Karten fürs Aalto – Theater in Essen. Er hat mich abgeholt und wir sahen uns „Carmen/Bolero“ an, die Klassiker halt – so dachte ich.

    Ich kam mir etwas deplatziert vor: Wenn man als LKW – Fahrer in die Abo – Szene des Essener Operntheaters gerät, ist das schon eine andere Welt. Alle, ich sah nur ganz wenige Ausnahmen, sind festlich und szenisch gekleidet – richtig chic, richtig gewichtig, so unendlich würdevoll. Und alle sehen so bedeutend aus, so wissend und reden mega und gehen nicht, sondern schreiten und zeigen Designerschuhe und sind individuell anders. Na ja.

    Die Aufführung war schon Klasse: erst „Carmen“, sehr traditionell, sehr reduziert, auch im Bühnenbild und der Kostümierung. Aber sehr ausdrucksstark und dynamisch. Der „Knaller“ aber war danach Ravels „Bolero“, der als Auferstehung Carmens inszeniert war – dies war eine ungewöhnlich kreative  Idee. Und die Umsetzung auf einer schwebenden beweglichen Bühne, die den Raum in Welt und Unterwelt aufteilte, mit toller Choreografie, modernere Lichttechnik und einem strahlenden Bühnenbild: das war absolute Spitzenklasse. Mitreißend und sinnlich.

    Salomon als Tänzer war bei diesen Eindrücken ganz aus dem Häuschen.

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