
„in der Nacht sind alle Bäume weiß“
Buchalov
Notizen von Juergen Kuester und seiner Kunstfigur Buchalov

„in der Nacht sind alle Bäume weiß“
Buchalov

Das Projekt „Zinbeelden“ macht den nächsten Schritt. Juergen hat wieder einen Satz aus den Niederlanden von Anja Middelkoop bekommen, und der ging so:

Und hier die Übersetzung, zu der es, so die Vereinbarung, Bilder zu erzeugen gilt:
“Und dann, eine internationale Untersuchung beweist es, belasten Niederländer die Krone mit ihrem Geschwätz/Gefasel im Büro: rund ein Viertel von Arbeitszeit geht hinein, doppelt so viel wie in anderen Ländern.”(Marente de Moore, kleine Vogel grote Man, Seite17, Zeile23).
Jürgen sagte mir, dass ihm klar gewesen sei, dass es um „Effizienz und Effektivität“ gegangen sei. Schwierig, schwierig! Die Fahrten mit dem Fahrrad auf den Wirtschaftswegen in Wald und Feld am Niederrhein, die er momentan täglich macht, hätten geholfen. Da sei ihm Einiges durch den Kopf gegangen. Ein Gedanke sei immer verführerisch gewesen: einmal nicht glatt funktionieren, nicht effizient die Leistung bringen, die erwartet wird, sondern genau das Gegenteil tun: Zeit und Material vergeuden. Reibungsverluste bewusst in Kauf nehmen. Ineffizient sein.
Aber wie bündelt man so etwas? Geblieben und getragen habe dann der Gedanke eines Manifestes. Juergen hat wohl gedacht, dass dies alles mal ein Manifest wert sei, denn kreatives Arbeiten geht ja eigentlich genau so. Oder täusche er sich da? Das Ergebnis sah dann so aus:
„Als wenn man es mit der Muttermilch aufgesogen hätte: alle Handlungen, auch die eigenen, sollen möglichst effizient realisiert werden. Es ist an der Zeit, sich davon zu befreien.“
Buchalov

Herumstöbern, im Atelier am Ostwall, von Raum zu Raum, fast wie getrieben, suchen, auf den Zufall bauend, in alten Papieren blätternd, sortieren, Blätter intuitiv auswählen: so erlebe ich Juergen momentan. Planvoll geht er nicht vor. Er läßt sich treiben, vertraut auf den Instinkt und die Erfahrung und verbrämt das mit dem Satz, „das er prozesshaft unterwegs sei“. Alles Quatsch: Juergen versucht da etwas in den Griff zu bekommen, Bilder zu finden, Bilder für Corona, die ihm weiterhelfen in seiner Betroffenheit. Ein Thema ist dabei „die Energie“.
Ich durfte wieder einen Blick in sein digitales Notizbuch werfen. Da steht, skizzenhaft:“Energien treiben uns an, in allem, mit der Krise ist ein großer Aufwand an Energien und ihrem Verbrauch verbunden, Krisenbewältigung kostet Kraft, der energetische Kampf ist körperlich und geistig, Energie verpufft nie, sie ist ewig und verändert ihre Form und Intensität, aber nicht ihre Existenz, sie ändert die Anwesenheit an bestimmten Orten, sie ist ortsbezogen, der Lebenswille ist eine sehr starke Energie, liegen Seele und Energie nahe beieinander?“ Vier Motive als Linolschnitte sind entstanden und wurden in diesem Themenbereich auf alten, verworfenen Papieren zusammenmontiert. Buchalov