Schlagwort: Atelierrundgang

  • verankert

    hipstamaticphoto-506513043-030666

    Er schaute mich begeistert an. „Und was hat Dir besonders gefallen, welches Werk?“, fragte ich Juergen gestern. Denn er war am Tage vorher an der Kunstakademie Münster zum jährlichen Atelierrundgang gewesen.

    Das sei die falsche Frage, sagte er mir sogleich. Denn die könne er ja nicht beantworten. Er könne aber etwas zu den Zusammenhängen sagen, die ihm ins Auge gesprungen seien, bei den vielen Experimenten und in denen er sich mit seiner eigenen Arbeitsweise auch wiedergefunden habe:

    1. das Material „Papier“: überall in den Räumen und auf den Gängen habe er die Nähe zum Papier gespürt, insbesondere durch die vielen Fotokopien und großformatigen Papierabzügen. Oder in den kleinen Zeichnungen.
    2. das Fragmentarische: durchgängig habe er das gesehen, in der Malerei, bei den Objekten, den Installationen, bruchstückhaft, unfertig, aber dennoch fertig, unvollendet, um im Kopf dann vollendet zu werden.
    3. die Ästhetik der Reste: gerade die Abfallstücke, die Überbleibsel, der Verschnitt seien ins Szene gesetzt worden. Wunderbar!
    4. Und damit korrespondiere: Jedes Material sei verwendbar. Alles könne zum Gegenstand der Bearbeitung werden. Nochmal wunderbar!
    5. die Präsentationsformen: ein wahnsinniger Einfallsreichtum an Formen wie man Werke präsentieren könne sei ihm ins Auge gesprungen. Vieles führe von der Zweidimensionalität an der Wand hinein in den Raum – ein Ansatz, der ihm gefalle.

    „Warum fährst Du eigentlich zu einem solchen Atelierrundgang?“, habe ich nachgefragt. „Das ist einfach“, sagte Juergen. Er fühle sich in seiner Art zu arbeiten bisweilen  unsicher, und da er sich dem Wahnsinn des Ausstellungsbetriebes verweigere, sei er auch ein wenig isoliert. So ein Besuch diene der Selbstvergewisserung und liefere Antworten auf die Frage, ob er noch ästhetisch verankert sei und seine Art kreativ zu agieren nicht ein Inselleben führe. Und zu Schauen und damit zu lernen, gerade von den Jungen, gebe es schließlich immer etwas.

    Buchalov

  • man sieht, was man sehen will

    IMG_2354Über den Atelierrundgang in Düsseldorf von letzter Woche möchte ich nicht reden. Das sieht Juergen auch so.

    Über den Atelierrundgang an der Kunstakademie in Münster gestern gäbe es vieles zu sagen: positives, positives. Juergen hat heute schon begonnen in sich hineinzuhorchen, um herauszufinden, was da besonders wirkt und warum er so positiv angetan war. Hier ein Link: >>> [ … ] <<<

    Es hat uns dort wirklich gut gefallen. Klar: man sieht, was man sehen will – wie Juergen immer sagt. Aber das bedeutet ja auch, das man sich an solchen Orten in der Flut von Bildern und Objekten und Präsentationsformen auch wiederfindet. Und nicht verloren geht.

    Buchalov

  • Der Eine so, der Andere so!

    Diese Diashow benötigt JavaScript.

    Der Eine so, der Andere so. Juergen jedenfalls war sehr angetan vom Akademierundgang in Düsseldorf. Aber im Atelier gab es auch andere Stimmen, die mehr als enttäuscht waren als sie darüber sprachen.

    Juergen meinte, dass er seine Eindrücke mit denen vom Rundgang in Münster dieses Jahr verglichen habe, und dass bei ihm auch die Ergebnisse der letzten Jahre in Düsseldorf eine große Rolle spielen würden. Und die seien wirklich nicht toll gewesen.

    Die „Baumarktbildhauerei“ habe er jetzt nur noch sporadisch gesehen, die Materialien seien „edler“ geworden und die gezeigte Formenvielfalt habe ihm schon mehr zugesagt. Und die technische Perfektion sei wieder deutlich erkennbar gewesen.

    Auch die Malerei habe ihn stärker angesprungen, was in Münster nicht der Fall gewesen sei. Insbesondere die Brandl-Klasse und die von Anzinger seien in Düsseldorf für ihn schon mit Wucht dahergekommen.

    Und die Fotografie sei tot. Da gebe es keinen Zweifel. Wo früher die Fotografen ihre Werke zeigten, schaue man, so Juergen, jetzt in leere Räume.

    Überhaupt sei – wie in Münster – eine deutlich große Sorgfalt zu spüren, wenn es um die Präsentation der Werke gehe. Das habe ihn auch in Düsseldorf sehr überzeugt und es war inspirierend.

    Und was ihn besonders gefreut habe: an dieser und jener Stelle seien Holzschnitte aufgetaucht. Diese Technik, die er so liebe, finde offenbar ab und an doch wieder Interesse bei den Studierenden. Das gebe Hoffnung.

    Ansonsten bat er mich, die Bilder sprechen zu lassen.

    Buchalov