sitting on the riverside

Sitting on the riverside, watching the ships gone by, looking for busy people, doing busy things, short hours of holidays and searching for the good times!

Hier ein paar zeichnerische Impressionen von unserer letzten Fahrt, an der Mosel entlang, im September:

Buchalov

Täterätä

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Es folgt also nun der zweite Teil der Skizzen, die auf der „Buchalovs Tour 2020“ entstanden sind. Ich habe Jürgen noch gesagt, er solle nicht so ein „Taterätä „um diese Skizzen machen. Aber er will, dass sie gezeigt werden. Also: Viel Spaß dabei!

Buchalov

die Erinnerung geschieht auch auf dem Papier

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Die Zeit vergeht. Ja, die Zeit vergeht. Und im Strom der Zeit versinkt einiges, taucht unter, aber bisweilen kann es wieder nach oben befördert werden. So ist es geschehen. Sagt Juergen.

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Jetzt ist es schon über eine Woche her, dass er und ich an der Sieg, dem Westerwald, dem Rhein und der Lahn unterwegs waren. Der Erinnerung hat es gut getan. Uns hat es gut getan. Auch dem Blick nach vorne hat es geholfen.

Zeichnungen sind entstanden – wie immer auf der Buchalovs Tour. Die Erinnerung geschieht auch auf dem Papier, natürlich. Ein wenig von dem, was sich Juergen da so „zusammengekritzelt“ hat, habe ich schon gezeigt. Einige Skizzen hat Juergen aber auch überarbeitet. Jetzt darf ich in der Summe zeigen, was so entstanden ist. Also hier der erste Teil:

Buchalov

 

Buchalovs Tour 2020: Vertrautheit

Ein Fluss ist ein Fluss. Und eine Straße ist eine Straße. Und beides zusammengefasst gibt dann zum Beispiel eine Route, die nach Windeck an der Sieg führt. Und die sind wir heute gefahren. Beim Frühstück war es noch sehr frisch, aber dann kam die Sonne.

Windeck, das ist dieser überschaubare Ort, in dem Jürgen fast drei Jahre gelebt hat: mittlerweile nicht mehr ganz so überschaubar, aber naturnah und mit lieben Freunden. Rosbach war vor vielen Jahren die Zwischenstation an den Niederrhein. Eine Angst vor der Zukunft gab es damals nicht. Die Zukunft gehörte einem, das war klar. Und wir wissen, dass dies so bleiben wird – auch im Alter, wo sie besonders an einem nagt, obwohl Gelassenheit aufgrund der Lebenserfahrung doch das bessere Mittel wäre.

Anke und Dieter, Gisela und Heiner: im Kopf sehe er sie jung, sagte Juergen – im Kopf habe man ja immer Bilder und Vorstellungen, die sich erst einmal in der Realität beweisen müssten.

Diese Vier haben wir heute getroffen. Alle sind sie in die Jahre gekommen und haben nicht verlernt zu lachen, das steht fest. Für sie sind wir in erster Linie auf diese „Buchalovs – Tour“ gegangen, denn sie saßen tief in ihm, meinte Juergen.

Und es war eine große Freude. Und eine Vertrautheit, so, als hätte man sich erst gestern gesehen. Dabei sind jetzt circa vierzig Jahre seit dem letzten Treffen vergangen. Es ist doch erstaunlich, dass Gefühle zueinander so lange tragen können. Corona hin, corana her: wir suchten die Nähe und haben nicht nur von gestern erzählt, sondern auch davon, auf was sie sich in der Zukunft freuen, auf das, was noch ansteht. Oft haben solche Treffen ja den Charakter eines kleinen Klassentreffens mit entsprechenden Bilanzierungen. So etwas blitzte kurz auch auf, aber nur kurz. Juergen erzählte von seiner Kunst und dem Leben im Wohnmobil, Heiner von seinem Leben als Organisator von Kongressen bzw. Tagungen zur Nachhaltigkeit: Dinge, die bei Beiden in die Zukunft weisen.

Ein Thema Nummer Eins gab es nicht. Wie sollte es so etwas auch geben nach den vielen Jahren der Kontaktlosigkeit. Und Photos gab es auch nicht: das haben wir Beide einfach im Gesprächstrubel vergessen. Also müssen ein paar Skizzen von gestern reichen.

Als wir dann zum Stellplatz zurückfuhren, wir stehen wieder in Hahnhof an der Nister, meinte Juergen noch, dass sich da wohl gerade ein kleiner Knoten gelockert habe. Schön sei es gewesen, wirklich schön.

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Der Stellplatz, dieses Stehen am Fluss, inmitten der Natur, in der Ruhe, in der Sonne, das ist doch etwas anderes als die Stadt Wissen, die gestern so trostlos daherkam wie eine graue Mauer in einem Hinterhof, die instand gesetzt wird.

Und morgen: wir werden mal schauen!

Buchalov

Buchalov Tour 2020: ist das Heimat?

Der Tag und die Fahrt fingen gut an, heute: aus dem Radio flutete „Sacify“ von Elton John und Juergen sang laut mit. Eine ihm wildfremde Frau winkte im Vorbeifahren, nett!

Kein Zweifel: wir fahren zu uns selbst. Immer, wenn man so wie wir jetzt unterwegs ist. Und dieses Selbst, das ist das von gestern, vierzig Jahre ist es her, und das von heute. Das eine Selbst sagt: hier hat alles angefangen. Das hat geprägt. Und das andere meint: schau nach vorne!

Jürgen und ich sind nun in Wissen-Sieg, hier wurde Jürgen geboren, hier hat er 25 Jahre gelebt. Das klingt sehr karg, aber dahinter verbirgt sich schon einiges. Wir haben die Stadt nach so langer Zeit erst einmal vorsichtig erkundet. Vorgefunden haben wir einen Ort, der dabei ist alte Häute abzulegen. Juergen hat allein fünf Großbaustellen gezählt. Ohne Ortskenntnisse wären wir in der Stadt mit dem großen Gerät verloren gewesen. Hier die Stationen:

Die Hüttenstrasse mit dem elterlichen Haus – kanaltechnisch auf dem Weg in die Zukunft.

Die Hockelbachstrasse mit der Werkssiedlung, instantgesetzt und bunt.

Die Steinbuschstrasse mit einem Blick auf die erste Wohnung von Jürgen.

Die Anlagen, dieser ehemalige Friedhof und jetzige Park, mit dem Denkmal und Erinnerungen – von nächtlichem Spielen bis zu den Schleuderbüchsen. Und Jürgens alte Schauckel gab es auch noch. Nun ist ein Mehrgenerationenpark im Entstehen, sehr gelungen.

Die Rathausstraße mit dem, was von der pulsierenden Innenstadt übrig geblieben ist und momentan einem Schlachtfeld gleicht.

Den Wald-Friedhof, in die Natur eingebettet, am Alserberg, mit dem Besuch des elterlichen Grabes – schon seltsam.

Und zum Schluss dann die Fahrt an den Fluss „Nister“, im bäuerlichen Vorfeld der Stadt. Hier fanden wohl Jürgens erste Schwimmversuche statt.

Ist das Heimat? Ist das wirklich Heimat? „Jürgen“, fragte ich: „Hast du Heimatgefühle?“ „Nein, das sind einfach nur Erinnerungen“, meinte Jürgen, gute und schlechte. Heimat sei wohl mehr.

Jürgen machte deutlich, dass er in diesem Begriff nicht denkt. Mit dem Begriff hätte er noch nie etwas anfangen können – für ihn zu wenig emanzipatorisch, zu sehr nach hinten gewand, zu sehr nationalistisch belastet. Seine Terminilogie ist der Ort, die Verbundenheit zum Ort, die Verwurzelung, die OrtsMarke, die Ortsenergie, die Arbeit und das Soziale vor Ort.

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Vielleicht als Anhang, der lesenswert ist, gestern gefunden, hier ein Link zu „Irgendlink“, auch so einem durch die Lande Reisenden, einem Künstlerkollegen, der wie Jürgen und ich durch die Art seiner Reisedokumentation den Dingen auf den Grund gehen will: https://irgendlink.de/2020/07/19/ein-simulierter-reiseradlerkuenstlertesttag-umsland/

Lieber Jürgen, wir senden Dir liebe Grüße aus Wissen.

Buchalov

der Schatten von Buchalov

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Rita hat irgendwann einmal in einem Kommentar zu „der Schatten ist der Zwilling“ gefragt, ob Jürgen der Schatten von Buchalov sei. Oder umgekehrt. Ein toller Gedanke, der uns Beiden bisher noch gar nicht gekommen war. Damit war der Schritt getan in Richtung Zwilling oder Verdoppelung von Köpfen. Ein paar „Versuche“ hat Jürgen schon mal in seinem Skizzenbuch verewigt. Es ist ja bei ihm oft so, dass er erst im Zeichnen selbst die Richtung entwickelt, in die es gehen soll. Oder dass sich der Sinn dessen, was er da tut, erst im Tun selbst erschließt bzw. entwickelt. In dieser Phase ist er jetzt.

Und ich als Buchalov ergebe mich in mein Schicksal als Zeichenobjekt, denn ich kann nicht zeichnen, bin kein Künstler, sondern nur der, der dokumentiert und präsentiert. Ich habe überlegt und entschieden: Jürgen darf über mich zeichnerisch verfügen.

Buchalov

Buchalovs Tour 2020: zweimal Vetter

Wer den Teil der Sieg fährt, der auf Siegen zuführt, der bewegt sich in altem Erzbergbaugebiet und in der Region der Eisenverarbeitung. Diese Art des Wirtschaftens, eingebettet in bäuerliche Strukturen, hat alles hier geprägt: die Kultur, die Menschen, das Denken. Die Religion, und hier ist tatsächlich viel Religion in allen möglichen Varianten, war der Kitt, der es zusammenhielt. Eine Binsenweisheit. Dazu kommen die in grauem Schiffer gedeckten oder verkleideten Häuser, oder der so leicht verschmutzende weiß-bunte Rohputz und das in Kombination von Altem und Neuem: so entstehe an vielen Orten dieser seltsame städtebauliche Mix, der schon wieder etwas Besonderes habe und an viel Wildwuchs denken lasse.

Fahren war heute angesagt. Besser: so vor sich hin dümpeln. Und schauen. Und die Gedanken schweifen lassen. In den Seitentälern der Sieg. Die Orte, die wir angefahren haben, hießen (und sagen dem Ortfremden sicher nichts): Schönstein, Niederhövels, Betzdorf, Niederdreisbach, Weitefeld, Elkenroth, Gebhardshain, Hachenburg, Bad Marienberg. Aber für Jürgen haben sie eine Bedeutung: hier wohnt die Verwandtschaft, hier kommen die Ahnen her.

Zwei Vettern hat er getroffen, zwei mit bewegten Biographien. Den Einen hoch oben am Dreisberg von Niederdreisbach, in der Einsamkeit seines großen Hauses auf seinem Trecker, beim Wenden des Heus, und den anderen in seinem kleinen Altersitz in Gebhardshain. Der Eine ist Prediger, der andere war beruflich Bauingenieur und kann auch im Alter das Bauen nicht lassen. Es gäbe viel Privates zu erzählen.

Von gestern wirke bei Ihm noch nach, so Jürgen, dass sich schon die Frage gestellt habe, in wem von seinen alten Schulfreunden noch die Sehnsucht wühle oder ob man sich auf ein Einrichten im Hier und jetzt begnüge. Und zwischen Sehnsucht und Wünschen gebe es ja auch noch einen Unterschied. Auch das Thema des schwindende Einflusses der Alten in Sachfragen, zu denen er sich ja auch zähle, komme ihm jetzt hoch – weil gestern angesprochen.

Buchalov

Fahrten-Mix

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Wir sind wieder zurück. Fast drei Wochen waren wir unterwegs: das Weserbergland, das Alte Land und die Ostsee bei Kiel haben wir besucht.

Und Juergen hat dann heute im Atelier das Material, das auf der Fahrt entstanden ist, mal grob sortiert: einige Fotos und einige Zeichnungen, die Zeichnungen skizziert mit Fineliner und Buntstift. Es ging ihm wohl eigentlich immer um zwei Themen: „die OrtsMarken“ und “der Schatten ist der Zwilling“.

Buchalov

Dies und das zu “dem Schatten und dem Zwilling”

„Dies und das“ bedeutet, dass ich Juergen dabei beobachtet habe, wie er bei seinem momentan täglichen Zeichnen und Skizzieren dem Stift freien Lauf läßt. Es geht aber offensichtlich immer um sein Thema „der Schatten ist der Zwilling“. Wobei: Verdoppelungsmotive finden sich ja überall. Und Gelb in Kombination mit Schwarz und Grau geht ja auch immer und tut keinem weh. Vielleicht sind das alles auch nur Fingerübungen.

Buchalov