Nachklang | zeichnerische Netze aus Faltungen

Man glaubt, man habe es, und sei mit einem Thema fertig. Aber dann hat es einen doch noch einmal am Kragen. Jürgen nennt das Nachklang. Dass er sich verwundert, das verwundert. Denn eigentlich sei es stets so, habe ich ihm gesagt.

Buchalov

falten mal literarisch

Jürgens ist immer wieder erstaunt, welch großen Kreise er mit dem zieht, was er so veröffentlicht. Man erzeuge Wirkungen, die man oft gar nicht kenne, manchmal erahne und bisweilen auch konkret erfahre. Das sagte er zu mir gestern.

So sei es auch in diesem Falle als „Lyrifant“ Kontakt aufnahm, und Jürgen auf seine Faltungen hin einen literarischen Nachhall erfuhr. Den kann man hier lesen: https://lyrifant.wordpress.com/2021/05/08/faltungen-lyrisch/

Jürgen ist dankbar.

Buchalov

künftig/bald/nach vorne: Faltungen und Netze

Mit diesem Netz hier fing es an:

Und so ging es weiter:

Die Idee, die dahinter stand war die, dass die Knickfalten ja Linien sein könnten und in ihrer Häufung vielleicht ein Netz ergeben. Und das zu erfassen und darzustellen: dies war die Aufgabe.

Ich habe ihn dabei beobachtet wie er das angestellt hat. Er hat aussortierte, gefaltete Papierobjekte wieder in den zweidimensionalen Zustand transferiert und die Linien mit dem Cutermesser herausgeschnitten. Der Zufall hat dann einen Teil übernommen, und Jürgen war derjenige, der das Gesamte anschließend bewertet hat. Das heisst konkret: Einiges landete an der Wand, der Rest im Mülleimer.

Buchalov

künftig/bald/nach vorne – Faltungen: Ist das die zweite Phase?

So, Jürgen ist heute nach kurzer Pause wieder ins Atelier gegangen und hat gefaltet. Falsch, falsch! Erst hat er Skizzen zusammengesucht aus den Themenbereichen „OrtsMarke“, „der Schatten ist der Zwilling“ dem „Zwickel“ und „der Zeit“. Dann hat er von seiner Wand alle die Faltungen in eine Kiste gelegt, die offenbar kein Potential für Weiterentwicklung besitzen. Er sagt dann immer, dass sie nicht knospen. Und dann hat er gefaltet – einfach mal losgelegt, in Orientierung an den einzelnen Skizzen. Ich glaube, als Außenstehender kann ich das ganz gut beurteilen, dass er in die zweite Phase seines Projektes eingetreten ist. Es geht wohl um Faltungen, die thematischen Vorgaben folgen – sehr frei. Für das Thema soll und muss eine passende Faltung gefunden werden.

Und das ist bis jetzt entstanden (Zeitmaschinen, Zwickel, OrtsMarke):

Außerdem gab es noch Rückmeldungen, denn Jürgen hatte wieder drei Arbeiten aus der ersten Phase des Experimentierens verschickt und um Stellungnahme gebeten:

Eva schrieb etwas zur Definition einer Falte: was ist eine Falte? Und das Möbiusbands ist für sie keine Falte, sondern ein Sonderthema, das vielleicht mit der Unendlichkeit zu tun hat. Hier ein Link zu den Arbeiten von Eva, die sich mit Faltungen beschäftigen: Arteva Faltungen

Und Susanne schickte eine Sprachnachricht: sie beschrieb räumliche Wirkungen, sah ein eingesperrtes Gesicht – um Hilfe fragend, Kringel – aber auch die Möbiusbänder fanden keinen Zuspruch, weil zu beliebig und schon zu oft gesehen.

Von Zweien hat es keine Rückmeldung gegeben. Wir haben das besprochen, Juergen und ich. Es gibt die Möglichkeit, dass sie vergessen haben zu antworten, oder dass die zugeschickten Bilder keine positive Resonanz fanden und man Jürgen eine negative Stellungnahme ersparen möchte.

Jürgen hat sich entschlossen, das letztere als wahrscheinlichsten Fall anzunehmen und geht nun sehr selbstkritisch mit den drei Werken um. Wo sind die Schwachstellen? Was wirkt nicht? Wie stehen Absicht und Ergebnis zueinander? Wahrscheinlich wandern sie daher in den großen Karton.

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künftig/bald/nach vorne – Faltungen: die Wirkung der Faltung auf das Motiv und die Oberfläche

Jürgen hat drei befreundeten Künstlerinnen drei Arbeiten aus der Anfangsphase zugeschickt und darum gebeten, Hinweise zu liefern, Stellung zu nehmen.

Susanne stellte zwischen den drei Objekten einen thematischen Zusammenhang her. Sie gab den Oberflächen eine Geschichte: die vom Mars, der Raumfahrt und der Besiedlung. Für sie waren die Motive bedeutsam, die eine mögliche Geschichte erzählten.

Sigrids Hinweis war kein bildhauerischer, sondern ein bildhafter. Sie machte eindrücklich darauf aufmerksam wie stark die Faltung die Oberflächen und das Motiv dominieren, teilweise sogar zerstören. Und sie stellte die Frage nach der Funktion der Faltungen.

Eva antwortete mit einer eigenen Arbeit, die über das von Jürgen gezeigte hinausging und Teile eines Hauses in der Falttechnik des Popup zeigte – und ihn später zu solchen Faltarbeiten in einem kleinen Heftchen inspirierte, Thema “Zwickel”.

Jürgens Position ist dabei klar: es gibt das Primat der Oberfläche vor der Faltung. Die Faltung ist Technik mit dienender Funktion. Das Bild ist ihm wichtiger. Und was die Funktion anbelangt soll die Faltung die Betrachterin oder den Betrachter stutzig machen, irritieren, verunsichern.

Wenn die Oberfläche abstrakt neutral ist gilt allerdings das Primat der Faltung. Und hier seien wir dann ganz im Bereich der Bildhauerei, meinte Jürgen. Eine Faltung ohne Wirkungkönne es nicht geben. Alles habe eine Wirkung.

Gezeigt werden heute Teile der Arbeiten, die in der letzten Woche entstanden sind.

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künftig/bald/nach vorne – Faltungen: das Verdoppeln und die Oberflächen

„Ist der Blick einmal geschärft“, so sagte Juergen zu mir, „dann sieht man die Faltungen im Täglichen ständig. Und das gilt ja für vieles.“ So hat er in den letzten Tagen einige Fotos mit seiner Altglaskamera in seiner privaten Umgebung geschossen, ohne das er im Atelier aktiv war. Und Falten läßt sich ja überall.

Heute im Atelier dann gab es zwei Punkte, die besonders hervorstachen: Jürgen hat versucht einige der Grundformen, die er schon an den Tagen letzte Woche gefaltet hatte, zu verdoppeln. „Der Schatten ist der Zwilling“ ließ grüßen.

Und er hat sehr bewußt aus den Restepapieren die ausgewählt, die mit ihren Oberflächen dominant und präsent daherkamen. Denn er ahnt, dass dieser Zusammenhang von Oberfläche bzw. Motiv und den Faltungen etwas Zentrales ist und über die Qualität der zukünftigen Arbeiten entscheiden wird.

Es gab aber auch ein „Aber“: Jürgen schien mir nicht so recht zufrieden, denn die Ergebnisse entsprachen nicht dem gedachten Weg, sie waren eher Zufallsergebnisse. Aber was lamentiert er denn: Jürgen setzt doch immer auf den Zufall. Das habe ich ihm dann auch gesagt.

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Künftig/bald/nach vorne: die alte/neue Kamera liefert weitere fotografischen Skizzen zu den Faltungen.

Ich lasse mal die Bilder sprechen. Hier einige fotografische Skizzen vor dem offiziellen Start des Arbeitsvorhabens:

Und hier fotografische Skizzen, die während des Projektes entstanden sind:

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künftig/bald/nach vorne – Faltungen: Einstieg mit Fotosession

Für Juergen und mich war es heute der offiziell erste Tag zum neuen Thema: Faltungen, Faltungen, Faltungen. Wir sind durchs Atelier geschlendert, haben versucht alle die Werke einzusammeln, die Spuren von Faltungen aufweisen – ein paar wenige fehlennoch – und haben sie dann fotografiert und anschließend an die Präsentationswand gehängt. Das war der Einsteig. Nichts, was weltbewegend war, uns aber eingestimmt hat. Es war der Anfang. Es war wie ein treiben lassen in der Zeit. Einen genauen Plan gibt es ja nicht, nur Fragen und mögliche Handlungsanweisungen. An denen orientiert sich Jürgen im Moment aber noch nicht allzu sehr. Dieses Treibenlassen habe etwas Beruhigendes meinte er.

Ach ja, mehrere kleine Hexentreppen haben wir ebenfalls gefaltet. Die kennt Jürgen noch aus seiner Kindergartenzeit. Er hat bewußt kleine Papierstreifen gewählt, die noch Spuren von Motiven zeigten. Na ja!

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künftig/bald/nach vorne: Faltungen – einige Fragen. Wenn ihr mögt: bedient Euch!

Faltungen ist das Thema: Hier gehören heute und jetzt die Fragen hin, die Jürgen beschäftigen. Er geht immer von solchen Fragen aus, sucht Handlungsanweisungen, die etwas klären könnten und steigt dann in sein Thema ein. Ich lasse Euch gerne teilhaben.

Ihr dürft Euch gerne bedienen- er bittet ausdrücklich darum, denn ein gemeinsames Vorgehen bereitet einfach mehr Freude und fördert den Austausch.

Hier die Fragen und Anweisungen – vielleicht hat jemand Interesse daran ebenfalls einzusteigen, wie gesagt: bedient Euch, setzt um, was Euch anspricht, er würde sich freuen:

Was erhoffe ich mir in der Beschäftigung mit diesem Thema?
Streife durch Deine Atelierräume und sammle alle Papiere zusammen, an denen du Faltungen vorgenommen hast und versuche dich zu erinnern, warum du dies getan hast. Zeichne dazu ein Gedankenprotokoll.
Zudem kannst Du mit Deiner Kamera eine Reise durch die Räume vollziehen, die du bewohnst, Faltungen suchen und sie fotografisch dokumentieren. Eine Weiterverarbeitung ist sicherlich in Form eines Journals scheint sinnvoll.

Woher kommt die Faszination für Faltungen?
Es scheint unabdingbar, dass eine Reise in die Vergangenheit notwendig wird. Es gilt den Prägungen zum Thema auf die Spur zu kommen, indem man alphabetisch fortschreitend nach Erinnerungen im Zusammenhang von Faltung und Papier sucht und sie als Zeichen-Stichwort notiert.

Welche Faltungen kenne ich aus meiner Kinderzeit?

Mache eine Gedankenreise und falte mit Restepapier, an was Du Dich erinnerst. Als zweite Möglichkeit könnte man Papierflieger, Drachen, die Hexentreppe, Himmel und Hölle, die Ziehharmonika und Schachteln falten und in einer eingerichteten Fotoecke fotografieren.

Gibt es Grundtechniken der Faltung?
Im Atelier liegt ein Buch zum Thema „Basteln mit Papier“ und eine Internetrechersche zum Thema Origami oder Faltungen in der Architektur gibt vielleicht auch Hinweise. Sammle die Informationen in einer Datei und wende das Gelesene experimentell an.

Welche Auswirkungen haben Faltungen auf ein Motiv?
Erstelle eine Versuchsanordnung. Wähle dazu zwei Motive aus, ein flächiges und eines mit vielen Linien, kopiere sie und nimm Faltungen vor. Beginne einfach. Fasse die Ergebnis in einem Journal zusammen, in welchem die Ergebnisse eingeklebt werden.

Welche Faltungen kenne ich?
Gehe durch deine Räume und schaue Dir Werke an, die durch Falten entstanden sind oder an denen Faltungen vorgenommen wurden. Schneide spontan die Faltlinien als Netze in Holzplatten und drucke sie.

Was bewirkt ein Knick, oder auch mehrere, auf einem Stück Papier?
Nimm verschiedene Blätter -, dünne, große, kleine, blanko, bedruckt, beschriftet, bezeichnet – und vollziehe einen Knick oder mehrere. Arbeite möglichst frei. Fotografiere das Ergebnis oder klebe ein Papierobjekt oder einen Fries. Oder setze einzelne der Ergebnisse in offene Pappschachteln.

Was soll die Faltung nicht bewirken? Wenn du am Ende des Projektes angelangt bist, dann sortiere die Werke aus, die Deinem Anspruch absolut nicht entsprechen. Begründe! Gib ihnen eine andere Wertigkeit, indem Du sie fotografisch in einem Heftchen bündelst.

Wie verändert eine Faltung das zweidimensionale Blatt und die Motive darauf? Dies ist eine Vorher- Nachher Situation. Falte Papier und finde jemanden, der den Prozess und das Ergebnis mit seinen Mitteln beschreibt.

Wie wirken Faltungen und Licht aufeinander? Wie verändert sich die Zweidimensionalität? Baue Dir eine Fotoecke aus weisem Papier mit einer oder mehreren Lichtquellen und fotografiere Faltungen vor weißem Papier. Schicke die Ergebnisse Deiner bildhauerischen Arbeit einer bildhauerischen interessierten Person zur Stellungnahme oder Weiterverarbeitung. Es gibt viele mögliche Formen der Stellungnahme. Es geht um den Dialog.

Was verbindet Faltungen und Netze? Im praktischen Tun gibt es vielleicht Antworten: Falte, gezielt oder zufällig, entfalte und dokumentieren die vorliegenden Netze zeichnerisch, fotografisch und druckgrafisch. Klebe zudem die entfalteten Papiere zusammen.

Wie bringe ich Faltungen und Restepapier zusammen?
Fische mit geschlossenen Augen fünf der größten Blatter aus dem Stapel an Restepapier und falte eine Hexentreppe, eine Schachtel, ein Dach, ein Kanu, eine Ziehharmonika, einen Zylinder und eine freie Figur und vereine sie zu einem Ganzen.

Wie bringt man dass zusammen: Holzschnitt und Faltung?
Es wäre zu klären, welche Schnittstellen diese beiden Begriffspaare haben. Ziel, Inhalt, Methode, Organisationsform sind Oberbegriffe, die etwas strukturieren können – sie haben dir im Leben bei Vorträgen oder Zusammenfassungen stets geholfen. Nutze sie jetzt und arbeite theoretisch daran, anschließend praktisch.

Buchalov

künftig/bald/nach vorne #4: Faltungen

Es ist Zeit für einen weiteren Blick nach vorne. Die Einschränkungen der Pandemie wirkten sich offenbar positiv auf Jürgens Projekt “künftig/bald/nach vorne” aus: im geschützten Raum des Ateliers kann er die Dinge ohne großen Einfluss von außen vorantreiben, die er schon immer angehen wollte, und die für ihn eine Perspektive haben. Und die Faltungen als Thema beginnen sich ihm nun zu nähern, denn er sucht schon im Atelier nach alten Ergebnissen, fotografiert fleißig und sucht im Internet nach Anregungen.

Falten, entfalten, knicken: Faltung: was ist das? Ist dies eine für Jürgen zukünftig zu nutzende Technik? Ist das Basic so wie die Linie oder der Punkt oder die Transformation oder das Wasser? Es wird Zeit da einiges zu klären! Das Thema scheint wichtig zu sein, denn schon seit Jahren tauchen in Jürgens Werk vereinzelt Faltarbeiten auf, von denen er, so sagt er, nicht genau wisse, was das eigentlich solle. Scheinbar gebe es da eine Faszination und ein verzagtes Umsetzen von Ansätzen. Wenn ein Thema jetzt nach vorne weise, dann sei es das „der Faltung“.

Also hat er sich wieder einige Fragen gestellt, hat Handlungsanweisungen zu ihrer möglichen Beantwortung entwickelt und will in den nächsten Tagen mit diesem Thema im Atelier starten. Wer teilnehmen möchte ist dazu herzlich eingeladen. Jürgen würde sich sehr freuen.

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