Hoogen Dyck | Untersuchung eines Wirschaftsweges | mobile photography

Wenn man den Hoogen Dyck entlangfährt, 1275m, dann hat er links und rechts acht kleine Abzweigungen, kleine Einfahrten, jetzt im Juli schon so richtig zugewuchert: acht Blicke nach rechts und links. Erst kamen die Photos, mobile photography, und anschließend die Tuschezeichnungen – die zeige ich dann später.

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Hoogen Dyck | Skizzen |Endergebnis?

Ich bin gespannt, wann aus den Skizzen auf Restepapier endlich mehr wird. Vielleicht ein paar Holzschnitte. Oder Linolschnitte. Oder Papierobjekte. Oder sind die Skizzen schon das Endergebnis? Noch schweigt Jürgen.

Hier weitere Entwürfe – für was auch immer. Und ich glaube, da entsteht noch mehr.

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Hoggen Dyck notes | das Typische | ein paar Marken

das Paulsen Kreuz

der Hochsitz

die Tische am Ende des Dyck

die dicke Wurzel

die OrtsMarke

die zweite OrtsMarke

Bei einer Frage nach dem Typischen dieses Ortes, der Hoogen Dyck ist exakt 1275 m lang, fielen Jürgen spontan diese Punkte ein. Er ist sich sicher, dass die Liste eigentlich länger ist. Er will mal genauer nachdenken und die Fotos durchschauen.

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Hoogen Dyck notes | was man so sieht und wie es auf einen wirkt |

Mal mit dem Fahrrad und mal mit dem Auto bzw. zu Fuß: Jürgens Ziel ist in letzter Zeit oft der Hoogen Dyck. Der Ort ist sein Thema. Es findet ein fotografisches und zeichnerisches Abscannen statt. Mal ist die Ausbeute gering, mal gibt es mehr. Jeder Besuch bedeutet auch, das etwas geschieht oder geschehen ist. Der Ort verändert sich ja ständig und Jürgen auch und beide wirken aufeinander. Über die Philosophie von Orten müsste man auch mal was schreiben, meinte er zu mir.

Als der Igel da vor ihm lag. Und er war gar nicht tot, sondern stellte sich nur tot.

Zum einen vertieft sich das Verständnis für die Dinge, für die Menschen und die Natur – ein langsamer, aber wichtiger Vorgang. Ich fragte ihn, was denn da so los sei. Er schloß die Augen und meinte, dass es das Wetter sei, die Natur rundherum, der Boden, die Menschen, die einem begegneten, die Tiere, die Stille, das Tageslicht, der Zufall, die Zeit, die Ruhe und die Stimmung – eine ganze Menge eben. Immer geschehe etwas. Irgendetwas wirke immer.

Als er über ein großes Stück im weichen Waldboden Holz stolperte. Und als ihm die seltsamen Schleimpilze auffielen.

Wenn er zuhause die Daten sichte oder ordne oder Zeichnungen anfertigte, dann zögen die Gedanken Kreise, spiralförmig und das Wissen um den Ort wachse. So Jürgen. Der Ort sei ihm jetzt schon recht vertraut.

Als der Hund ihn freudig begrüßte. Und als er die andere Frau mit ihrem kleinen Hund traf, der nur hier am Waldrand etwas Fressen wollte und konnte, und die dann lange mit ihm auf der Bank saß.

Und zufrieden sei er auch, denn es gebe Ergebnisse. Und damit wiederum wachse der Rückgriff auf die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Er sei wirklich sehr zufrieden. Auch wenn es nur langsam vorangehe.

Als der Specht ganz nahe am Stamm anklopfte. Und als der Bussard sich vor ihm erschreckte und zügig davon flog.

Im Atelier ist er zur Zeit selten, sehr selten. Der Zeichentisch unterm Dach zuhause genügt ihm im Moment. Die Umwandlung der Photos in Zeichnungen vollzieht sich da.

Als ihn der ältere Herr auf den Rollerskates im Vorbeileiten fassungslos ansah.

Als die Rehe schauten, aus sicherer Entfernung und dann davonrannten.

Als die Motorfräse der Gemeinde den Seitenstreifen platt machte und den Weg auf der gesamten Länge begradigte.

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nur mal kurz schauen, aber dann kam der Regen

„Mal schauen, was ich vor die Linse bekomme.“ Das war wohl Jürgens Gedanke als er zum „Hoogen Dyck“ fuhr. Ich war dabei. Angekommen blieb uns nicht viel Zeit, den Ratz Fatz war der Regen da und die Fotoausbeute sah dann so aus:

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zum Zusammenhang von Zeichnen und Fotografie

Wahrnehmung, genaues kopieren und freies Zeichnen: diese Stichworte tauchten in einem Kommentar von Gerda Kazakou zu meinem Beitrag über die fotografischen Vorbereitungen zu Jürgens zeichnerischen Arbeiten auf. Jürgen macht sich da so seine Gedanken. Und griff die drei Stichworte auf:

Wahrnehmung: um die Gegenstände wahrzunehmen, benutzt Jürgen sein Auge und dann das fotografische Auge, die Kamera und das Kameraobjektiv. Und manchmal auch die Technik des Zeichnens vor Ort, aber eher selten. Und indem er so vorgeht nimmt er seinen Gegenstand wahr, umkreist ihn und entscheidet sich für den Blickwinkel, die Größe des Objektes, die Komposition, den Hintergrund und und und. Der Hintergrund ist bei Jürgen, seltsam, seltsam, immer sehr wichtig.

genaues kopieren: das macht Jürgen zeichnerisch nie. Dafür fehlen ihm die zeichnerischen Fähigkeiten. Aber das Fotografische, das fotografierte Bild, auch aus dem Internet, helfen da immer.

das freie Zeichnen: wenn dann die Ergebnisse von den ersten beiden Ansätzen vorliegen, ja dann zeichnet Jürgen sie – frei, indem er sich am Photo und der Vorlage orientiert und indem er aus dem Kopf freie Motive abruft -Muster, Figuren, Zeichen, Kompositionen usw.- und diese dann in die Zeichnungen integriert. Tusche und Buntstift haben dabei Vorang. Der Buntstift liefert in letzter Zeit dann auch immer die farbigen Akzente. Die Ergebnisse werden fotografiert.

Und wenn das dann so geschehen ist, dann wird das, was vorliegt, es sind immer viele Bilder, sortiert, geordnet, arrangiert, hin und her geschoben und bewertet. Das geschieht auf seinem großen Tisch oder an der Wand. Dann ist er den Zusammenhängen und der Qualität auf der Spur.

Danach entscheidet er sich dann für ein Motiv und – jetzt endlich – setzt er es entgültig um: als Holzschnitt, als Linolschnitt, als Faltung, als Papierobjekt, als Buch, wie auch immer.

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„Hoogen Dyck notes“ | einige Skizzen

Das hier ist die erste Tuschezeichnung zum Hoogen Dyck, im Januar entstanden. Weitere sind nun gefolgt.

Die Tuschzeichnungen sind der „Ratz Fatz zweite Schritt“ und zeigen etwas von dem, was so links und rechts von diesem Wirtschaftsweg, mit dem sich Jürgen beschäftigt, auffällt. Noch sind die Zeichnungen wild und wenig glatt gebügelt. Noch entstehen sie durch das grobe Abzeichnen von Photos. Noch dienen sie dem Einstieg, der Suche nach einem gedanklichen Faden, der entwickelt werden kann. Qualitativ Gutes und Schlechtes liegen noch dicht beieinander.

Wenn die gedankliche Linie steht, also das, was das Projekt inhaltlich zusammenhält, der Gehalt sozusagen, dann ist das erste qualitative Standbein geschaffen worden. Des Weiteren muss dann jedes Bild, jedes Werk für sich, im einzelnen qualitativ überzeugen. Dann werde aus dem allen ein Ganzen, so Jürgen: ein Projekt, das Tiefe habe. Er sei auf einem guten Weg.

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„Hoogen Dyck notes“ | erste Fotos, die beim Skizzieren helfen.

Das Zeichnen vor Ort soll ja die direkteste Art der Auseinandersetzung sein mit dem, was einen da so fasziniert. So sagen und schreiben einige. Das Zeichnen auf der Grundlage von Photos dagegen scheint bisweilen verpönt.

Jürgen zeichnet eigentlich immer von Photos ab, wissend, dass natürlich das Photo schon einen ersten Filterungsprozess durchlaufen hat. Jürgen ist das gleichgültig, denn das Photo wird er nicht Eins zu Eins abbilden, sondern das Photo dienst als Inspiration und grobe Orientierung. Es ist das, was er beim Zeichnen als Anstoß benötigt. Weil seine zeichnerischen Fähigkeiten begrenzt sind – er behauptet sogar immer, er können nicht zeichnen – flüchtet er sich gerne in das freie Zeichnen, die grobe Abbildung, dass Rudimentäre, Grobe, nicht in die unbedingt realistische Wiedergabe.

Die jetzt hier gezeigten Fotos bilden Eindrücke vom „Hoogen Dyck“ und seiner Umgebung ab, und dienen ihm als Vorlage für die ersten zeichnerischen Aktivitäten zum Thema. Sie sind ein Einstieg.

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Hoogen Dyck notes | drei Photos und zwei Skizzen

Dieser Wirtschaftsweg mit dem Namen „Hoogen Dyck“ ist der Ort, um den sich Jürgen jetzt als nächstes besonders kümmern wird. Das ist sein neues Thema.

Normalerweise ist er ja jetzt mit dem Wohnmobil unterwegs und arbeitet mit seinen Ortsmarken, den Fundstücke vor Ort, die er abbildet und bearbeitet. Die Pandemie macht diese Art des Reisens momentan unmöglich. Deshalb liegt jetzt der Focus auf einen Ort, auf eine Stelle, hier vor Ort, dort, wo Jürgen und ich leben.

Auf seinem Rechner hat er das Bildmaterial, das er schon vom Hoogen Dyck besaß, zusammengefasst, und ich darf heute schon mal einiges zeigen: die Strasse, den Anfangspunkt/Endpunkt dieses Weges und erste Skizzen.

Es gibt keinen Plan. Es gibt keine Zeitvorgaben. Es gibt aber eine Methodik, die Jürgen bevorzugt, die des rhizomartigen Vorgehens. Und es gibt das Schaufenster WordPress, Instagram und Facebook, wo die Ergebnisse gezeigt werden. Und was ist mit den Ausstellungen?, habe ich ihn gefragt. Auch möglich, meinte er, aber dann müsse schon jemand an ihn herantreten. Selbstorganisierte Ausstellungen seien ihm aktuell zu aufwändig, kosten einfach zu viel Kraft und der Aufwand stehe mit dem Ergebnis oft nicht im rechten Verhältnis. Die Frage stelle sich ja generell.

Etwas Neues startet.

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