Schlagwort: Installation

  • auf den Weg gemacht

    IMG_9498Sie haben wochenlang im Alten Wasserwerk gearbeitet und sich „ausgetobt“: einige Künstler des „Kunstkreises Kempen“. Und sie haben experimentiert, probiert, Grenzen ausgelotet, sich der Diskussion gestellt, die Frage nach dem Sinn von Kunst, ihrer Definition und ihrem Kern gestellt. Sie haben sich auf den Weg gemacht, zu sich gefunden und zu einer Rauminstallation, die in ihrer Ganzheit beeindruckt. Und vom Betrachter einiges einfordert, ihn zur Stellungnahme zwingt.

    Das Ergebnis ist gewaltig in der Wirkung und den Reaktionen, die es hervorruft. Juergen ist begeistert.

    Buchalov

    They have raged for weeks in the „Alten Wasserwerk“: some artists from the „Kunstkreis Kempen“. And they have experimented, tasted, explored limits, provided the discussion, asked for the  the meaning of art, its definition and its meaning.

  • 38,5: der zweite Blick

    Noch immer denke ich über die Ausstellung „38,5“ im Wasserturm von Geldern von vor vierzehn Tagen nach. Gespräche mit Boris und die Posts von Herrn Pentschuk lassen mich nicht los. Und daher will ich jetzt einige ergänzen. Manchmal werden die Dinge erst nach einiger Zeit des Nachdenkens und in sich Ruhend – im zweiten Blick – klarer und deutlicher.

    Herr Pentschuk hat auf die Prozesse während der Arbeitsphase in seinem Post hingewiesen und drauf, dass sein Werk im Wasserturm eingebettet ist in den größeren Zusammenhang seiner Symphonie. Das habe ich nicht so gewußt und daher als Betrachter nicht bedacht. Das macht diesen Reil der Ausstellung, der mir sehr zusagte, noch verständlicher.

    Und Pit Loyd Grosses reduzierte Darstellung finet jetzt nach zwei Wochen bei mir doch Anklang, weil ich einen großen Reiz in dieser Reduzierung seiner Installation spüre. Sein Bild hat mich über die gesamte Zeit nicht losgelassen. Das bedeutet etwas.

    Buchalov

  • per pedes

    Kein Zweifel: Venedig ist traumhaft schön- einschließlich der Blicke aus dem Fenster auf den Hinterhof. Die Sonne, die Leichtigkeit der italienischen Lebensart, die Ästhetik der Stadt mit diesem Prunk, der alten Kunst und dem morbiden Ambiente: das hat Wirkung und stimmt einen postiv, macht leicht und lässt die Schwere nördlich der Alpen vergessen.

    Und die Entdeckung der Kunst in dieser verwinkelten Stadt „per pedes“ war eine gelungene Form der Erschließung dieses Raumes. Gekoppelt wurden touristisches und künstlerisches Interesse, Interesse an den Sehenswürdigkeiten der Stadt und der momentan im Stadtgebiet existenten Kunst.

    Im Tagebuch stand:

    VIELE MENSCHEN

    GEMEINSAM UND DOCH FUER SICH

    ALLEINE / ALLEINE?

    BISWEILEN ZAGHAFTE

    BLICKKONTAKTE

    FLÜCHTIG UND SCHNELL

    WAS WIRD DARAUS WERDEN?

    Christoph Schlingensief im deutschen Pavillon des Giardini und Anton Ginzburg im Palazzo Bollani  in der Stadt waren die durchschlagendsten Eindrücke der ersten beiden Tage.

    Anton Ginzburgs Installation „at the back of the northwind“ habe ich im Wirrwar der Strassen gesucht und erst als ich die gezielte Suche schon aufgegeben hatte, durch Zufall gefunden. Der gesamte Palazzo war „Hyperborea“, das mythologische Land, die Region „beyond the Boreas“, in der russischen Region der nördlichen Gulags. Ginzburg, gebürtig aus St. Petersburg, hatte diese gedankliche Welt in Bildern, Skulpturen, Bildern und Videos beeindruckend real werden lassen. In der Hitze Venedigs eine wohltuende Reise in eine kühle Region mit umfassender Visualität, in der man sich verlieren konnte.

    Christoph Schlingensief habe ich am zweiten Tag gesehen, im deutschen Pavillon auf dem Gardini, als ersten Pavillon des Tages. Und das hat geprägt. Man kann darüber streiten, ob Kunst bis in diese Tiefen der Selbstdarstellung gehen muss. Aber wie es geschehen ist, war absolut unter die Haut gehend, war absolut überzeugend, wenn auch hart an der Grenze zur „Heldenverehrung“.

    Worin lag diese ins schwarze treffende Wirkung? Es war dieser Mix aus beuysschen Elementen, der filmische Rückgriff auf Fluxus, die Einbettung aller ästhetischen Elemente in den Nachbau eines Kirchenraumes, die auf emotionalierende Wahrnehmung abzielende Gestaltung des Raumes. Und nicht zuletzt die Konfrontation mit intimen Selbstdarstellungen Schlingensiefs in seinem Kampf mit dem Krebs. Die Grundthemen unserer menschlichen Existenz „Leid, Schicksal, Liebe, Tod, Schicksal, Sinn“ wurden komprimiert öffentlich und nah. Es waren echt starke, aufrüttelnde Bilder. Ungeschönt. Ehrlich. Direkt.