Schlagwort: Juergen Kuester

  • kein Zufall

    Juergen hat wieder eine Karte  aus Bad Salzuflen geschrieben und Fotos mitgeschickt. Wir könnten auch mailen, aber Juergen schreibt lieber Karten.

    Bad Salzuflen ist das, was man ein klassisches Kurbad nennt: Wasser der Sohle trinken, Anwendungen absolvieren, über Krankheiten und das Leben auf Spaziergängen oder auf Bänken philosophieren, auf Liegestühlen in der Sonne dösen, im Café sitzen, den Plakaten der Don Kosaken begegnen, das klassische Kurkonzert erleben mit Musikern des Balkan, deren schwarze verschließene Kleidung einem entgegenspringt, und die extrem gelangweilt zum hundersten male Mozart oder den Wiener Walzer zum Besten geben. Und Juergen meint, dass das was hat. Wie aus der Zeit gefallen wirkt das auf ihn.

    Juergen schreibt aber auch, dass es keinen Zufall gibt. Gerade jetzt, wo er sich so intensiv mit dem Thema „Blumen“ beschäftigte, finde er einen Kurpark vor, der über Jahrzehnte gewachsen an die englischen Gärten erinnert, die er u.a. auf Madera so toll fand. Und dieser Park hier in Bad Salzuflen sei wirklich schön. Und jetzt erwische er sich dabei, dass er auf seinen Krücken durch den Park stochere, sich auf Bänke in kleinen Blumenrabatten setze, die Farbenvielfalt genieße, Fotos schieße und diese Vielfalt an Gerüchen, Formen, Farben auf sich positiv wirken lasse. Und es helfe ihm körperlich und künstlerisch sehr.

    Buchalov

  • Surium 03-06-2011

    Es war schön heute, einfach schön!

    Nanni war heute sehr früh – vor uns –  im Alten Wasserwerk. Sie hat die Zeit genutzt und stundenlang gemalt – ungestört. SURIUM ist für sie eine Seelenstimmung, die sie heute fast zu hundert Prozent erreicht hat, und die sich auch in ihren Werken deutlich niederschlägt. Die Bilder haben Tiefe erhalten. Diese Seelenstimmung kommt nicht von ungefähr, sagt sie. Keine Anspannung, der innere Gleichklang und die natürlich stille Umgebung des Ortes seien wichtige Elemente dieser inneren Befindlichkeit.

    Einige von Nanni aufgestellte Kästchen beginnen sich durch die Besucher wie von Geisterhand zu füllen: sie sind Gastgeschenke, Mitbringsel, Zeichen der Ortsverbundenheit oder Reste aus tiefen der Taschen.

    Monika ergänzt ihren Wunschbaum um die Rudimente einer Wunschfee, die wie ausgegraben von ihr auf der Rasenfläche modelliert wird. Immer noch wird wie in Kindertagen liebevoll und kleinschrittig als sei der Mörtel Spielmatsche an der Skulptur von ihr gearbeitet. Sie streitet diesen Bezug zu ihrer Kindheit vehement ab und sagt, so sei sie immer gewesen. Ich mag dieses „immer so“.

    Und der Höhepunkt heute war sicherlich Frank mit seinem Freund Pierre, die für uns ihr speziell für das Projekt entwickelte Stück „Surium – wieder aufgelegt“  aufgeführt haben. Meine Filmprojektion in schwarz/weiß, bestehend aus Filmbruchstücken der letzten Tage mit zufälliger Reihenfolge, passte so genau, als wäre beides für einander geschaffen worden. Dieses Kunstwerk aus musikalischen und filmischen Elementen war rundherum gelungen auch oder gerade, weil es vorher so minimale Absprachen gab.

    Die größte Freude bereiteten uns aber alle die Gäste, die uns heute am Abend besucht haben. Sie kamen wegen der Musik, sogar aus Essen und Wachtendonk, waren neugierig auf uns, auf unsere Werke und und suchten den Dialog. Ich fand das richtig toll – es streichelte unsere Seelen. Dafür Dank!

    Den Abschluss bildetet dann eine kleine, dynamische Rocksession mit „Band M“, dem parallelen Leeren der Rotweinflaschen und viel Blues in der Stimme.

    Ein toller Tag! Einfach ein toller Tag!

  • Surium 29-05-2011

    Gestern war auch die Presse bei uns vor Ort. Solche Termine sind ambivalent: auf der einen Seite benötigt man die öffentliche Darstellung um die Leser auf das Alte Wasserwerk und die Aktivitäten dort aufmerksam zu machen. Auf der anderen Seite habe ich immer ein wenig das Gefühl, mich „zu prostituieren“ – dies im Besonderen, wenn die Fotografen um die Teilnahme an gestellten Bildern bitten.

    Die Besucher, die gestern den Weg zu uns gefunden haben, hatten weniger Interesse an unserer Kunst und dem Prozess des Entstehens. Sie waren In erster Linie an Ausstellungsmöglichkeiten im Alten Wasserwerk interessiert. !

    Die Besucher heute, und es waren sehr viele, kamen wegen der Bilder, des Arbeitsprozesses und weil sie uns einfach besuchen wollten. Wir haben uns gut unterhalten. Es war sehr schön, teilweise anstrengend und man musste schon schauen, dass man zum Arbeiten kam. Ich hoffe nicht, das wir ungehalten gewirkt haben.

    Nanni nähert sich ihrer Begriffsbestimmung von „Surium“ an. Sie glaubt, es sei ein Seelenzustand, ein positiver. In den Bildern findet sie den Zustand noch nicht, sie sind zu seicht, aber sie ist guter Dinge eine Einheit zwischen den Bildern und dem Seelenzustand „Surium“ herstellen zu können.

    Bei mir ist „Surium“ der süsse Stoff. Er verbirgt sich im Inneren der Wabe, der ich mich immer noch von außen nähere. Ich versuche in sie einzudringen.

    Und Monika, so glaube ich, sucht noch. Sie nähert sich dem Begriff an, indem sie ganz kleinschrittig und sorgsam filigran an ihrem Skulpturenbaum arbeitet. Sie streitet es zwar ab, aber dieses Arbeiten ist spielerisch, so wie ein kleines Mädchen in sein eigenes Spiel mit den Materialien des großen Gartens vertieft ist. Monika hat Draht verbogen, Perlen verarbeitet und viele kleine Steine aus dem Boden einzeln herausgeholt. Sie glaubt, dass es kleine Suriums sind. Oder versteinerte Drachenzähne.