Gibt es etwas zu verbergen?
Buchalov
Notizen von Juergen Kuester und seiner Kunstfigur Buchalov
„Ohne Symbole kann der Mensch nicht leben. Sie sind die prägnanten Punkte, die ihn daran erinnern, wo er steht, wo er verankert ist, was ihm wichtig ist. Symbole erden uns. Aber Symbolik muss hinterfragt werde, denn die hinter ihnen stehende Philosophie, das Gedankenkonstrukt muss hinterfragt werden, der Freiheit wegen. Denn diese Gedankenkonstrukte sollen dem Leben Sinn geben und uns nicht fesseln. Sie dürfen kein Selbstzweck sein.
Symbolik, Ikonographie ist immer zielgerichtet. Sie will in Ihrer Präsens erreichen, das wir uns identifizieren, mit einer Idee, einem Glauben, einer Bewegung. Sie will, dass wir uns unter eine Idee unterordnen, sie vertreten, es zeigen und mit Gleichgesinnten agieren, und weil der gesamte Vorgang so kompliziert vor sich geht, benötigt man einfache Zeichen, die dies alles bündeln: die Flagge, das Logo, das Kreuz, die Montstranz, der Kranz, der Buntstift, der Ehering, die weiße Taube, das Peacezeichen und und und …“
So steht es in einer Textskizze von Juergen, die er momentan für eine Ausstellung im Mai anlegt. Es geht um christliche Ikonographie. Aber eigentlich, so sagte er mir heute, geht es um die Symbole, die uns umgeben und momentan übermächtig auf uns wirken.
Wie aus heiterem Himmel stand plötzlich das Thema im Raum: Energie, Kraft, Dynamik. Sie hatten sich Jürgens Linolschnittplatte mit den Löchern im Kunststoff angesehen und zudem diese Plastik, die seit Wochen in Rudolfs Atelier hin und hergerückt wurde, auf einen Sockel gestellt.
Juergen und Rudolf, der Bildhauer, waren sich einig: sehen muss man sie, ohne Kraft und Energie ist das Werk nichts, lau, schlapp, unscheinbar. Man müsse für etwas brennen und dann werde man das lodernde Feuer im Ergebnis auch sehen. Das hinterlasse Spuren. Und werde den Betrachter überzeugen. Und sich selbst genügen.
Und in den beiden Werken sahen die Beiden dies wohl.
Ich sah nichts.
Buchalov