Künftig/bald/nach vorne: Transformation – Finale

Juergen stand heute morgen im Raum, im Atelier, drehte sich um seine eigene Achse und sagte: “Es ist schon erstaunlich welchen Weg ich in der letzten Woche gegangen bin” Er meinte die Transformation, dieses Thema, das ihn nach vorne bringen sollte und wohl auch nach vorne gebracht hat. Und nicht nur ihn. Viele haben sich anstecken und inspirieren lassen und Dinge ins Projekthema in ihren Blogs eingebracht, die nicht ohne Wirkung blieben. Man ist zudem näher aneinandergerückt. Dafür bedankt sich Jürgen bei allen von Herzen. Ohne diese Hilfe, wäre das Thema sicher nicht so umsetzbar gewesen – eine gelungene Kollaboration, findet er. Und ein kleiner Ersatz für die fehlenden realen sozialen Kontakte in Zeiten des zweiten Lockdowns.

Aber nun zu der Frage, was er denn heute noch so erledigt hat. Da war zum einen der Linolschnitt, der weiter geschnitten wurde und von dem ein weiterer Abdruck gefertigt wurde. Jetzt fehlt nur noch das Anthrazit.

Aber: Transformation heute, am Montag, das bedeutet: Finale!

Und da war die Wand, vor der Jürgen noch einmal gesessen hat. Er fragte sich wohl, welche Sprossungen und Keimungen zu sehen seien und welche er weiter verfolgt hätte, wenn es nun weitergehen würde. Bei seiner rhizomartigen Arbeitsmethode ist ja ein Ende nicht absehbar. Es geht immer weiter, die Dinge entwickeln sich, sie wachsen, ein Thema ist nie zu Ende. Auch wenn es im Moment so scheint.

Buchalov

künftig/bald/nach vorne: Transformation am Dienstag, Grundsätzliches

Ich als Buchalov sehe das so: Die Transformation, das ist zum einen ein Thema. Und im Thema werden Motive, Gegenstände, Bilder, Skizzen, Zeichnungen, Fotos und Ähnliches zum Gegenstand der Umwandlung in einem kreativen Schaffensprozess im Atelier. Jürgen läßt sich da von Formen, Farben, Konturen, Kompositionen, Arrangements, dem Zufall, verschiedenem Material und und und anregen.

Die Transformation ist aber zum anderen ein grundlegendes Prinzip des künstlerischen Handelns. Ich habe Jürgen die Kommentare von gestern gezeigt und ihm ans Herz gelegt nicht nur über kreative Aspekte bei seinem Thema „Transformation“ nachzudenken, sondern auch die Klärung der Begrifflichkeit von „Wandlung, Verwandlung, Metamorphose und Transformation“ in den Blick zu nehmen. Bei einem solchen Aspekt der „Transformation“ geht es um das Bewusstsein des Künstlers und die Frage, ob Kunst generell das Bewusstsein verändern kann. Und ob sie darauf intentional ausgerichtet sein soll. Dahinter steht natürlich ein bestimmter Kunstbegriff. Und zudem verbindet sich damit auch eine Art der Kunstproduktion, die mit dem Zufall, der Spontanität arbeitet, situativ und intuitiv ausgerichtet ist, also spielerisch transformativ unterwegs ist.

Jürgen hat heute jedenfalls im teilweisen Rückgriff auf alte Druckplatten und ein neues Arrangement, eine neue Kompostion, den Transformator und seine Beziehung zur Energie auszuloten versucht. Er bezog sich dabei auf seine schon vorher gestellte Frage, woher denn die Energie im Rahmen der Transformation komme?

Und Jürgen hat sich weiterhin an die Frage herangetastet wie die Transformation den Kern einer Sache, eines Dings, verwandelt. Oder eben auch nicht. Momentan neigt er zu der Annahme, dass jede Sache einen Kern beherbergt, und dass der bei der Transformation erhalten bleibt. Aber sicher ist er sich nicht.

Und Hermann, der Vernetzer, der heute zu Besuch im Atelier war, wusste auch keine Antwort. Sie haben über dieses und jenes geplaudert, über fehlende geistige Tankstellen in Zeiten von Corona, über die Kommunikation und Projekte im Netz als Alternative zu realen sozialen Kontakten, über die gesellschaftlichen Transformationen im Zusammenhang mit der Pandemie und über eben diesen Kern: des Pudels Kern, den Aprikosenkern und über den Kernel im Computer.

Buchalov

im Netz

IMG_3539Der Gedanke vom Kern als zentralem Element, oder der Zelle, müsse erweitert werden, meinte Juergen zu mir, den Gedanken von gestern aufgreifend. Für sein eigenes Kunstschaffen sei dies sehr wichtig.

Als Vester in den Siebzigern den Gedanken vom vernetzten Lernen publiziert habe, sei das wie eine Erleuchtung für ihn gewesen. Und bis heute habe ihn auch in anderen Bereichn dieser Gedanke nicht losgelassen. Nicht nur das Lernen und die Anhäufung von Wissen geschehe in Form des Fortschreitens im Netz. Unserer gesamtes prozesshafte Voranschreiten im Leben sei so angelegt. Auch die eigene Entwicklung im kreativen Bereich. Wir würden nicht gradlinig vorangehen und uns entwickeln, sondern uns von Knoten zu Knoten in einem solchen Netz bewegen und dabei Netzfelder, bestehend aus den Verbindungen zwischen den Knoten bilden. Die Knoten seien Kerne.

Man schreite in seiner persönlichen Entwicklung oder der künstlerischen nicht auf einer Treppe nach oben, wobei die nächste Stufe ohne die vorherige nicht erreichbar sei, sondern man wandere in einem Netz von Knoten zu Knoten, manchmal in Umwegen, und bilde Netzflächen als das Ergebnis der eigenen Entwicklung.

So jedenfalls stelle er sich das vor.

Nicht schlecht, habe ich gedacht.

Buchalov

ein Kern

IMG_3297Wir sind heute morgen gemeinsam ins Atelier „Zelle k5“ gefahren und haben mal geschaut, ob alles noch steht. Denn Juergen war jetzt vier Wochen unterwegs. Und es steht noch alles.

Er zeigte mir dann bei einer Tasse Kaffee das Bild eines Aprikosenkerns auf seinem Handy und meinte, dass er zwischenzeitlich davon ganz fasziniert gewesen sei. Denn der Gedanke, dass sich das Wichtigste einer Sache oder eines Themas in einem Kern bündele und von da ausgehend wachse, bzw. entfalte, habe ihn immer schon sehr beschäftigt. Seine „Zellen“ seien auch ein Ergebnis dieser Faszination.

Über das „Aber“ dieses Gedankens müsse aber auch noch geredet werden.

Buchalov