Jürgen und sein Copyist Oliver

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Heute waren es zwei „DIN A4 Kopien“, farbig, und zwei einfache Kopien, mehr nicht, und ein kurzer Austausch über die reduzierten Kommunikationsmöglichkeiten mancher Menschen. Und über die Wissenslücken einiger anderer. Über Populismus. Und über das Bild einer Gitarre auf einem Perserteppich. Oder Katzenbilder.

Wovon ich rede? Von einem Treffen und einem Gespräch zwischen Juergen und Oliver, seinem Copyisten aus dem  >>> Copyshop  <<<  um die Ecke. Juergen geht da oft hin. Wegen der Kopien und der Gespräche. Gäbe es dort auch noch Kaffee, dann wäre er wahrscheinlich noch häufiger zu Gast. Das ganze Drumherum gefällt ihm wirklich sehr!

Als Zuschauer, und ich gehe ja immer mit Juergen mit, hat mich das ein wenig an Ditsche erinnert. Na ja!

Buchalov

Welt in der Welt

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Das Atelier sei so eine richtige kleine Welt in der eigentlichen Welt. Abgeschlossen nach Außen, erste Etage, über den Menschen, zurückgezogen.

Und in seinem Kopf sei dann noch einmal eine weitere Welt. Die Welt in der Welt in der Welt also. So Juergen.

Ich weiß gar nicht genau, was er mir damit sagen möchte. Ist es das alleine „Werkeln“ in der Ateliergemeinschaft, das ihn treibt, weil so wenige Mitstreiter gleichzeitig mit ihm vor Ort sind? Ist es die tolle Möglichkeit zum Rückzug in seine „Zelle k5“, die ihn zu solchen Aussagen veranlasst? Oder ist es das Wissen um einen Schonraum, in dem er kreativ „spielen bzw. arbeiten kann, und in dem er sich so richtig gut aufgehoben fühlt?

Vermutlich „phantasiert “ er wieder mal so rum.

Buchalov

Tuschewoche: Tag 0

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Tobias oder „Hermann der Vernetzer“, wie Juergen ihn nennt, und seine Malschülerin S. wurden von Jürgen zu einem Kaffee in „Zelle k5“ eingeladen und schon nach kurzem Vorgeblänkel war man schnell bei grundlegenden Themen. Juergen macht das eigentlich immer. Stets geraten die Diskussionen bei ihm auf das Feld der grundsätzlichen Kunstthemen. Er zieht so etwas irgendwie magisch an. Ich weiß gar nicht, ob das so gut ist. Das muss ich ihm mal sagen.

Diesmal ging es auch um die Frage wie wir grundsätzlich lernen, wie man „Kunstmachen“ im speziellen lernt, wie das Kunstmachen die Kunstmachenden im Arbeitsprozess zum Innehalten zwingt, wie es zum Blick ins eigene Innenleben führt. Juergen konnte von seiner „Rhizomtheorie“ als Methode des kreativen Agierens und der Präsentation von Kunstwerken  erzählen.

Und plötzlich waren er und Tobias bei der anstehenden Tuschewoche und was sie dort machen wollen und wie sie es machen werden. Tobias wird sich wohl auf ein kleines Bild mit dem Motiv eines Mannes vor einer dicken Kiste, die alles mögliche sein könnte, konzentrieren. Und Juergen will Köpfe zeichnen, groß und klein und schnell und energetisch, kraftvoll und gebrochen, auf allen möglichen Formen von Papier und sie irgendwie einreihen in seine Serie von „Latos Köpfen“. Vorlagen hat er sich schon zurechtgelegt. Sein eigener Kopf und der von Tobias gehören wohl auch dazu.

Für Beide war es also der „Tag O“ der Tuschewoche.

Buchalov

Hat sich der „Buchalovs Salon“ totgelaufen?

 

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„Hat sich Buchalovs Salon totgelaufen?“, fragte mich Juergen heute morgen. Und wenn ich ehrlich bin, und ich bin ehrlich, dann muss ich sagen:“Ja!“

Ich weiss, was Juergen denkt, und bin durchaus in der Lage, sein Unbehagen genauer zu benennen. So eine Veranstaltung fällt ja nicht vom Himmel und es wird halt immer schwieriger, Künstlerkollegen zu finden, die den Einladungen folgen. Viele sagen so halb zu und einige bleiben ganz in der Unverbindlichkeit, wieder andere fühlen sich aus Gründen der Freundschaft zu Juergen verpflichtet zu kommen. Und das bereitet Juergen auch Unbehagen.

Und man muss ja wirklich fragen, worin der Zugewinn bei den letzten Treffen bestanden hat. Ich finde nur wenig, bis gar nichts. Werke wurden so gut wie kaum vorgestellt und besprochen, was ja die eigentliche Idee eines Salons ist. Künstler, die Juergen direkt angesprochen hat, ihre letzten Ergebnisse vorzustellen, haben abgesagt.

Klar, es wurde viel geredet, über Gott und die Welt, über dieses und jenes. Ob es substantiell war , ist die Frage. Natürlich ist es schön, mal ein Forum zu haben, dem man so die eigenen Sicht der Dinge, bisweilen auch im Monolog, darlegen zu können, aber so hatte sich Juergen das ja nicht vorgestellt.

Und dann erklärte Juergen mir, dass im März kein Salon stattfinden werde, und dass er danach ja auch wieder unterwegs sei. Er überlege ernsthaft, ob es nicht auch andere Formen gebe mit Künstlerfreunden gemeinsam zu agieren und zu reden. Mit „Buchalovs Salon“ sei es jetzt jedenfalls erst einmal genug.

Buchalov

lass uns mal über das Tauschen nachdenken …

IMG_5231Juergen sagte zu mir: „Lass uns mal über das Tauschen nachdenken, ja?“ „Wie meinst Du das?“, fragte ich. Er erklärte mir, dass in seinem Kopf die Idee umhergeistere, dass er seine Kunstwerke nicht mehr verkaufe, sondern gegen andere Dinge tausche. Der Kunstmarkt sei dabei aussen vor. Das gefalle ihm besonders. Diese ewige Buhlere um Ausstellungen und Gallerien und Verkäufe und Kontakte und Räume und Termine und Akzeptanz und und und sei er einfach leid. Die Energien, die dafür aufzuwenden seien, könne man ja wohl besser an anderer Stelle einsetzten.

Und mit Tauschen sei all das gemeint, was der Interessent für das Werk so einbringen könne – auch ohne Geld zu verwenden. Was das denn sein könne, fragte ich. Man könne alles einbringen meinte Juergen: Texte schreiben, Bücher Korrektur lesen, Massagen durchführen, jemanden von A nach B fahren, den Einkauf erledigen, die Fenster putzen, eine Bilderserie fotografieren, ein Essen kochen, ein Porträt zeichnen, Geld spenden, ein Glückslos kaufen, und und und. Alles das, was Menschen können, das, was sie mit Leidenschaft und Geschick tun, alles das kann als Gegenleistung im Tausch eingebracht werden, sinnierte er. Der Tauschwert müsse natürlich immer individuell ausgehandelt werden. Aber die sei ja auch eine Form der Kommunikation. Und nicht mal die Schlechteste.

Was ich davon halte, fragte er. Ich weiss es nicht. Ich war perplex. Ich habe mir Bedenkzeit genommen.

Buchalov

Juergens Antworten

#30.3 das Jahr Null Juergen Kuester 2016Ein zeichnerisches Gespräch unterscheide sich eigentlich nicht groß von einem normalen Gespräch. Die gesprochenen Worte werden durch zeichnerische Bildmotive ersetzt. Das ist alles. Meinte Juergen heute morgen zu mir.

Man versuche halt herauszubekommen, was der Andere einem sagen möchte. Ob mit Worten oder mit zeichnerischen Elementen: das sei alles gleich. Man verstehe den anderen gut, wenn man seine Zeichnungen verstehe, wenn man perfekt erahnen könne, was der andere einem sagen wolle. Meinte er.

Genaues Hinsehen, genaues Hinhören seine natürlich eine der wichtigen Voraussetzungen, um diesen Dialog erfolgreich voranzubringen. Und vielleicht auch ein wenig Wissen darum, wie der Gesprächspartner ticke, wie er angelegt sei. So Juergen.

Dann zeichnete er seine Antworten zu den Bildern von Susanne Haun, die ihm per Mail tags zuvor zugegangen waren. Er arbeitet mit ihr am gemeinsamen Projekt „das Jahr Null“: einem zeichnerischen Zwiegespräch.

Buchalov

 

Kunst alleine geht nicht

Als ich heute Jürgen besuchte, stand der mit Rudolf dem Bildhauer in einer Ecke im Atelierraum. Sie brutzelten da etwas Vegetarisches in einer provisorischen Küchenencke. „Jetzt ist es soweit“, habe ich gesagt. „Die Männer-WG ist eröffnet.“ Sie lachten.

Die drei fühlen sich momentan, da ist Boris der Maler mit einbezogen, sauwohl in ihrer Dreisamkeit der Ateliergemeinschaft am Ostwall in Geldern. Sie reden auch viel über ihre Projekte, besprechen sich, nehmen die Vorschläge der Anderen auch auf, wenn sie in die eigene Machart passen und lachen viel. Die drei arbeiten richtig gut zusammen.

Kunst alleine, das geht offensichtlich nicht.

Buchalov