Winterateliers „ArToll Kunstlabor“

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Seit Anfang Dezember laufen wie jedes Jahr die Winterateliers des >>> „ArToll Kunstlabors“ <<< in Bedburg-Hau.

Und am Sonntagnachmittag sind Juergen und ich dann zum Tag der offenen Tür hingefahren und haben uns angeschaut, was über Wochen so entstanden ist. Und haben den Kontakt gesucht. Und gequatscht. Und Musik gehört, bei einer Tasse schönen, schwarzen Kaffees.

Auf der Rückfahrt meinte Juergen, dass man ja immer dass zuerst sehe, was einen selbst beschäftige, was einem im Moment gedanklich nahe sei. So auch heute. Und ins Auge gesprungen seien ihm die Leichtigkeit der Arbeiten, das Feine, das Filigrane. Für seinen Wunsch das Zweidimensionale seiner Holzschnitte und Scherenschnitte irgendwie aufzulösen, habe er daher auch Inspirationen erhalten. Was wolle man mehr.

Hier das, was uns Beiden besonders nahe gewesen ist:

Nicky Murphy

NN

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Rita Beckmann

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Jacqueline Hanssen

Marlies Lebesque

Sigrid Neuwinger

Buchalov

die Kunstschublade

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Schubladen sind ja eigentlich gut. Sie schaffen Ordnung. Wenn man will. Bevor man etwas in eine Schublade legt, muss man allerdings entscheiden, was da hineingehört. Es geht um Entscheidungen, um Kriterien, Orientierungspunkte.

Juergen meinte heute morgen, dass er gedanklich immer wieder mal über die Schublade „Kunst“ stolpere. Er wisse nie, was da hineingehöre. Es gäbe Menschen, die das mit traumwandlerischer Sicherheit sagen könnten. Die hätten offensichtlich eine Ahnung und ein  Koordinatensystem. Er nicht.

Irgendwo habe er aber auch gelesen, dass selbst die Kunstgeschichtler und Kuratoren und Kunstkritiker im höchsten Grade momentan verunsichert seien, weil sich genau dieser Begriff der „Kunst“ aufzulösen beginne, nichts mehr sicher sei, keiner mehr genau wisse, was eigentlich noch Kunst sei, da ja alles Kunst sein könne. Was für ein Satz: alles könne Kunst sein!

Er frage sich auch, ob diese Schublade überhaupt von Bedeutung sei. Für ihn selbst. Ach, eigentlich frage er gar nicht mehr, denn er wisse, dass die Frage bedeutungslos sei. Irgendjemanden diene sie sicherlich, aber nicht ihm.

Also, zum wiederholten male:

Menschen sind unterwegs.

Menschen halten fest, was sie bewegt, auch um zu begreifen – mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und dem, was sie gut können. Der eine fotografiert, der andere zeichnet, der Dritte schreibt, der nächste redet, wieder einer führt Tagebuch, der nächste sammelt Zeitungsausschnitte, Fotoalben  ….

Menschen wollen sich mitteilen, wollen teilen, aus welchen Gründen auch immer.

Das einzelne Leben versucht eine Form zu finden, versucht das, was geschieht, was man erlebt, in eine Form zu bringen und festzuhalten. Und es findet die Form.

Und man verändert sich, weil man sich über diese Form der Dokumentation selbstvergewissert. Und man verändert zudem klammheimlich die kleine Welt um sich herum.

Das sei alles.

Und ob das jetzt Kunst sei, könne ja sein. Aber für ihn sei diese Schublade eben ohne Bedeutung. Das Begreifen der Dinge um ihn herum sei das Wichtige. Und so vieles verstehe er dennoch nicht.

Dann gebe es noch die, die mit dieser Art des Lebens ihren Unterhalt verdienen möchten. Oder müssen. Oder wollen. Und können. Da werde es schwierig, denn bei denen gehe es ohne  die Schublade „Kunst“ nicht. Oder die Schublade „Künstler“. Und es sei ja dann eine weitere Komponente im Spiel: das Geld. Und das wisse schließlich jeder:  mit dem Geld komme es zwangsläufig zu Verwerfungen.

Ich habe zugehört und bin dann gegangen.

Buchalov

 

 

Gleichgültig, was man tut …

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Juergen heute:

Wenn man nicht von der Kunst leben müsse, werde man als Künstler nicht ernst genommen.

Wenn man von der Kunst nicht leben könne und in prekären Verhältnissen lebe, werde man als Versager wahrgenommen.

Wenn man geerbt habe und Kunst mache, werde man als Privatier eingestuft, aber nicht als Künstler.

Wenn man sage, man sei kein Künstler und suche nur nach Formen, um das Leben zu begreifen, wird man als Spinner oder Trittbrettfahrer oder Hobbykünstler eingestuft.

Wenn man eine Frührente bezieht und als Künstler lebe, wird einem unterstellt man habe sich diese Rente erschwindelt.

Gleichgültig was man tut und sagt, …

Juergen hatte wirklich einen dicken Hals als er dies heute morgen verbittert zu mir sagte. Und ich weiß, dass diese Beschreibungen nicht erfunden sind, sondern das er konkret  Personen aus seinem Umfeld vor Augen hatte.

Buchalov

 

Martin erhält eine Antwort

IMG_6693Martin veröffentlichte in seinem Blog „rumgekritzelt“ einen Blogbeitrag:   >>> […] Jeder Mensch ist ein Künstler …

Und der zündete bei Juergen. Und Juergen schrieb:

Lieber Martin:
Ich wollte mir ja mal ein paar Gedanken, über die dann wieder dialogisch zu streiten wäre, zu Deinem Blogbeitrag machen. Hier sind sie.

Eins lassen wir mal außen vor: warum Menschen kreativ unterwegs sind und warum sie Kunst erzeugen. Denn das ist so vielfältig und mannigfaltig begründbar und komplex, dass es von daher nicht genau fassbar ist.

Aber es gibt Ergebnisse des künstlerischen Schaffens. Solange die Werke in den eignen vier Wänden verbleiben, stehen sich Erzeuger und Werk gegenüber und entwickeln bestenfalls einen Dialog darüber, was da geschehen ist und nun als Ergebnis vorliegt. So weit so gut.

Schwierig wird es nun, wenn diese Werke der Öffentlichkeit präsentiert werden. Der private Raum wird verlassen, die öffentliche Bühne wird betreten, der Zuschauer und Betrachter kommt uns Spiel. Und hier ist Deine Frage durchaus berechtigt: warum soll man sich das Anschauen? Gibt es ein Anliegen, das dieses Anschauen rechtfertigt?

Es gibt edle Motive, es gibt soziologische, soziale, emotionale Gründe, es gibt den Aspekt, das Kunst reine Unterhaltung ist, dass Kunst kann Ware sei, dass sie uns die Welt erklären kann und so weiter.

Ich glaube aber auch, das der oder die, die ihre Werke öffentlich machen, wollen, dass sie angeschaut werden, wollen, das man sie bemerkt, wollen, das sie wirken. Denn das ist gut für das Ego und die persönlichen Eitelkeiten. Das stärkt das Selbstwertgefühl. Das tut gut. Es wäre aber auch gut für ein Anliegen, welcher Art auch immer: einer Botschaft, eine politische Aussage, einem psychohygienischen Effekt, einem Hinweis, einer Irritation, einer Besonderheit, einer Störung, die nach Lösung verlangt und und und.

Und der Kunstschaffende ist nun in der der Verantwortung. Nur das eigene Selbstwergefühl zu bedienen reicht nämlich nicht. Er oder sie hat zu berücksichtigen, dass es den Betrachter gibt. Er muss ihn wertschätzen und ihm nicht egomansich etwas Neues zum Betrachten vorsetzen, ohne seine Befindlichkeiten zu berücksichtigen und nur die eigenen zu bedienen. Er hat eine genaue Auswahl der Werke zu treffen, die nun seinen privaten Raum verlassen werden, er hat genau abzuwägen, was er zeigen will, was er präsentieren will, denn der Betrachter ist jetzt sein Gegenüber, nicht mehr das Werk alleine im Atelier oder diese auf sich selbst bezogene Herstellungsprozess. Nein, jetzt geht es um Verantwortung, um die Verpflichtung so zu präsentieren, dass das Gegenüber ernst genommen wird, sich auf den Weg machen kann und herauszufinden versucht, was da eigentlich in diesem Werk vor ihm lauert.

Und der Betrachter spürt, dass der Präsentierende sich die Mühe der Auswahl gemacht hat, dass da nicht beliebig gezeigt wird, was nur bezogen ist auf das Selbst des Künstlers, sondern bezogen auf den Betrachter. Es geht um Dialog auf Augenhöhe, mit dem Werk, mit dem Künstler, mit dem Betrachter. „Und darum sollst Du Dir das anschauen, weil ich mir die Mühe gemacht habe, es für dich in einer bestimmten Form und Absicht zu präsentieren. Und ich weiss um das, was mich da antreibt.“

Und vielleicht hast Du in letzter Zeit Werke gesehen, die diesem Anspruch nicht genügen. Vielleicht wurdest Du mit Künstlern konfrontiert, die dieses Bewusstsein nicht haben.

LG Juergen

Buchalov

beides trennen?

IMG_1231Juergen meinte am Sonntag, und es war ihm sehr ernst, dass wir zu der Ausstellung von XY nicht hingehen sollten. Er habe sich das jetzt lange und gründlich überlegt. XY sei als Mensch einfach total daneben. Wegen seiner Ichbezogenheit, seiner Arroganz und Dominanz und Überheblichkeit. Und der rede auch einfach viel zu viel, an allen und allem vorbei.

Ich war im Zweifel, denn ich mag die Sachen von XY.

Was zählt denn nun: das Werk oder die Person? Oder ist beides nicht zu trennen? Oder sollte man beides trennen?

Buchalov

schwebte im Raum

IMG_6383In „Zelle k5“ standen sie, Juergen, „Rudolf, der Bildhauer“ und „Jella, die Energetische“, und die Kunst schwebte mit Macht durch den Raum. Oder besser: es war die Frage, was denn Kunst sei, ob sie Künstler seien, die die drei heftig beschäftigte. Erst dachte ich, sie streiten sich, aber dann nahm ich wahr, dass es der Versuch war, eine Frage engagiert zu klären, die allen Dreien wohl sehr wichtig war und von der Juergen, das weiß ich, mittlerweile glaubt, dass sie eine unsinnige ist.

Er meinte letztens noch, dass sich ihm diese Frage nicht mehr stelle. Er nehme wahr, dass die Menschen ihr Leben führten und Teil dieses Lebens seien auch kreative Prozesse und ihre Darstellung und das sei es dann schon. Und es seien oft hochinterressante Menschen. Ob die Ergebnisse solcher Lebensdokumentationen Kunst seien, sei für ihn als Punkt vollkommen unwichtig geworden. Alles sei ja zum großen Mix geworden: Kreatives, Konsum, Kunst, Produkte, Design, Esoterik, Privates, Fotos, Filme, Digitales. Und es werde alles gezeigt. Er empfinde sich selbst auch nicht mehr als Künstler. Was er in der Beschäftigung mit diesen Menschen und ihren Darstellungen für sich mitnehmen könne und wie es auf ihn wirke, das allein zähle. Die Frage nach der Kunst sei für ihn überflüssig geworden.

Und „Jella“ schwieg.

Und „Rudolf, der Bildhauer“, erwiderte, dass gute Kunst ihm wichtig sei, dass ihm die alten Meister am Herzen lägen, weil sie etwas zu sagen hätten, dass diese auch Wert auf das Technische gelegt hätten, heute werde ja alles nur noch hingerotzt, mit dem Ziel, es expressiv aussehen zu lassen, damit es sich besser verkaufe. Er gehe deshalb auch sehr selten in Museen mit Moderner Kunst, das Zeitgenössische finde er oberflächlich und von Genius könne ja bei den Zeitgenössischen wirklich keine Rede sein. Kunst sei für ihn letztlich nur das, was ihn innerlich berühre.

Juergen war in diesem Gespräch irgendwie unausgeglichen und hat sein Unbehagen in zwei Skizzen einfließen lassen, die er während des Gesprächs anfertigte und in der hitzigen Debatte einfach so an die Wand klebte. Fertig!

Buchalov

For my english readers:

They are standing and talking in the studio and art was flying with mighty power through the room. It was the question: What is art? Are we artists?

Wie kommt die Kunst in meine eigenen vier Wände?

IMG_5488Juergen hat  ein wenig die Diskussion von Frank Koebsch im Rahmen der „Kunst-Blogparade“ verfolgt. Er sprach mich darauf heute an und meinte, es wäre doch mal interessant zu fragen, wie die Teilnehmer im Blog selbst an die Kunst kommen, die sie in ihren eigenen vier Wänden hängen haben. Es würde ja viel kommentiert über das Verhältnis von Kunst und Kommerz, aber die Teilnehmer seien ja nicht nur in der Rolle des Künstlers, sondern auch in der des Konsumenten. Darüber höre man aber im Blog eigentlich nichts.

Ich habe daraufhin versprochen, eine Umfrage zu starten. Ich weiß, ich weiß: es kann kein repräsentatives Ergebnis geben, vielleicht sind die möglichen Antworten auch „doof“, aber vielleicht ist es eine Gelegenheit zum Nachdenken über das eigene „Kunstwerke – Kaufverhalten“ und einen oder mehrere Klicks wert.

Buchalov

For my english readers:

Juergen has  followed the discussion in the context of Frank Koebschs question in the „Kunst – Blogparade“ – a little bit. Today he spoke to me about this and said, that it would be some interesting to ask the participants itself in which way the art, they were hanging in their own rooms, is coming to them. The participants were not only in the role of artists, they were also in that of a consumer.