Learning by visiting

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Am Wochenende konfrontierte mich Juergen mit dem Satz, dass Lernen nicht eine Anhäufung von Wissen sei und man auf den Stufen der Erkenntnis nach oben klettere. Nein, so sei es genau nicht. Es sei eher ein Wandern in Netzstrukturen. Von Knoten zu Knoten. Oder indem man neue Knotenpunkte schaffe. Nur so könne er jedenfalls momentan Kunst machen.

Und sein Netz werde immer dichter. Die Knotenpunkte, an denen sich Erkenntnisse „knubbeln“ würden, nähmen zu. Er lasse sich so richtig treiben, kein Lehrgangswissen mehr. Learning by doing und learning by visiting. Lehrgangswissen habe momentan keine Chance bei ihm.

Buchalov

verankert

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Er schaute mich begeistert an. „Und was hat Dir besonders gefallen, welches Werk?“, fragte ich Juergen gestern. Denn er war am Tage vorher an der Kunstakademie Münster zum jährlichen Atelierrundgang gewesen.

Das sei die falsche Frage, sagte er mir sogleich. Denn die könne er ja nicht beantworten. Er könne aber etwas zu den Zusammenhängen sagen, die ihm ins Auge gesprungen seien, bei den vielen Experimenten und in denen er sich mit seiner eigenen Arbeitsweise auch wiedergefunden habe:

  1. das Material „Papier“: überall in den Räumen und auf den Gängen habe er die Nähe zum Papier gespürt, insbesondere durch die vielen Fotokopien und großformatigen Papierabzügen. Oder in den kleinen Zeichnungen.
  2. das Fragmentarische: durchgängig habe er das gesehen, in der Malerei, bei den Objekten, den Installationen, bruchstückhaft, unfertig, aber dennoch fertig, unvollendet, um im Kopf dann vollendet zu werden.
  3. die Ästhetik der Reste: gerade die Abfallstücke, die Überbleibsel, der Verschnitt seien ins Szene gesetzt worden. Wunderbar!
  4. Und damit korrespondiere: Jedes Material sei verwendbar. Alles könne zum Gegenstand der Bearbeitung werden. Nochmal wunderbar!
  5. die Präsentationsformen: ein wahnsinniger Einfallsreichtum an Formen wie man Werke präsentieren könne sei ihm ins Auge gesprungen. Vieles führe von der Zweidimensionalität an der Wand hinein in den Raum – ein Ansatz, der ihm gefalle.

„Warum fährst Du eigentlich zu einem solchen Atelierrundgang?“, habe ich nachgefragt. „Das ist einfach“, sagte Juergen. Er fühle sich in seiner Art zu arbeiten bisweilen  unsicher, und da er sich dem Wahnsinn des Ausstellungsbetriebes verweigere, sei er auch ein wenig isoliert. So ein Besuch diene der Selbstvergewisserung und liefere Antworten auf die Frage, ob er noch ästhetisch verankert sei und seine Art kreativ zu agieren nicht ein Inselleben führe. Und zu Schauen und damit zu lernen, gerade von den Jungen, gebe es schließlich immer etwas.

Buchalov