corona notes2: Drucke auf Ausstellungskatalog

Jürgen ist durch sein Atelier gestrolcht. Das Wort strolchen hat er letztens auf einem Blog gehört und es gefällt ihm für die Aktion, bei der man sich so einfach ohne Plan in der Gegend oder einem Areal herumtreibt. So wie er.

Gefunden hat er dann einen Ausstellungskatalog von Klaus Harth, Landtag Saarbrücken, Jahr 2011. Den hat er von ihm auf einer der Buchalovs Touren geschenkt bekommen. Und Den hat er zerschnitten, die Einzelblätter sortiert – was springt mich an und passt zu meinen Motiven – so irgendwie – und dann bedruckt, mit seinen Linolschnitten. Klaus Harth hat sein Einverständnis zur Veröffentlichung gegeben. Jürgen meinte zu mir, das Klaus ein feiner Kerl sei, guter Künstler und ein Freund von Collaborationen, genau wie er. Hier einige Überdruckungen:

Jürgens Frau meinte letztlich, dass sie den Begriff Collaboration nicht möge. Der habe so etwas militärisch – kriegerisches. Damit wären wir beim Thema der Bedeutung von Begriffen und wie sie sich unter gesellschaftlichem oder mit Hilfe anderer Kräfte verändern. Aber das ist ein anderes Thema. Hier noch ein paar Bilder.

Buchalov

künftig, bald, nach vorne – Eden3: im Inneren der Utopie

Das läßt ihn nicht los: dass die Begriffe Eden und Utopie so viel miteinander zu tun haben. Und dass Eden sich vielleicht auch als Turm darstellen läßt, der in seinem Inneren das birgt, was Eden ausmacht. Und mit seinen Mauern beschützt. Und das beinhaltet für Jürgen dann alles das, was er so mit dem Paradies verbindet.

Und dieses Innere der Utopie füllt sich so langsam: es ist die Zeit, die Ganzheitlichkeit, die Natur, die Freiheit – das sind Jürgens Stichworte.

Hier ein Kommentarbeitrag zu der Frage von Susanne Haun, ob das ewige Leben, so wie es sich hinter der Formulierung von der Bedeutungslosigkeit der Zeit in Eden verbirgt, erstrebenswert sei. Dieser Kommentar hilft vielleicht bei der Klärung, was denn das Paradies sei.

„Ich denke jetzt mal so vor mich hin:
Wenn wir im Paradies leben, im Garten Eden, leben wir in einem anderen Zustand als dem momentanen. Dann hat Zeit keinerlei Bedeutung mehr und ein ewiges Leben ist möglich. Es ist ein anders Leben als das jetzige, denn auch die anderen Bedingungen greifen: Ganzheitlichkeit, also ein Leben ohne Körperliche Einschränkungen, die Absolutheit der Freiheit, der Einklang mit der Natur. Das Leben wäre dann nicht mehr ziel – und sinnorientiert wie das jetzige. Diese Fragen würden sich nicht mehr stellen. Wir wären Teil eines großen Ganzen, ein ohne Störungen existierender Gesamtorganismus, dessen Sinn oder Funktion ein anderer ist. Oder gar keiner. So denke ich mir das. Im Moment. Als Utopie. Als Gedankenspiel.“

Und auch über die grieschicher Mythologie ist Jürgen bei der Frage, was den Eden ausmacht, gestolpert. Es sind im Besonderen die Göttergestalten Chronos, Rhea, Themis und Artemis. Chronos ist die Personifizierung der Zeit. Rhea ist die Göttin der Natur, die große Erdmutter. Themis steht als Göttin für Gerechtigkeit, Sitte und Ordnung, für das Ganzheitliche. Und Artemis mit ihrem Beinamen Eleutheria ist die Göttin der Freiheit und der Jagd. Aber für diesen ganzen Komplex gibt es hier unter uns sicher kompetentere Spezialisten als Jürgen einer ist. Aber der Gedanke, das man den Inhalt dieser Utopie, das Wichtigste vom Garten Eden, personifiziert darstellen kann, ja diesen Gedanken findet Jürgen schon spannend. Mal schauen, was er daraus macht. Ob er überhaupt was draus macht!

Buchalov

Corona notes2: ein Druckskizzenbuch, das Erste!

Es kommt mir langsam so vor, als wenn Jürgen gar kein richtiges Papier mehr besitzt -so Papier halt, das man bei Boesner kauft, das Grammangaben aufweist, das es in verschiedenen Stärken von verschiedenen Marken gibt und das schweineteuer ist. Jürgen benutzt nämlich in letzter Zeit wie besessen Papier, das irgendwo herumliegt, das als Zeitungsbeilage ins Haus kommt, das andere in der Ateliergemeinschaft weggeworfen haben oder das er beim Aufräumen findet und eigentlich wegschmeissen wollte.

Eine Beilage aus „der Zeit“ zum Thema Digitales: in die hat er vor einiger Zeit seine Linolschnitte zu den „Corona – notes“ gedruckt, noch etwas Farbe mit Buntstiften hinzugefügt und das Ganze ein Druckskizzenbuch genannt. Denn man könnte daraus ja wirklich mal Holzschnitte erstellen. Aber dazu ist es bisher bei den anderen Drucksizzenbücher auch nicht gekommen: siehe hier: >>> [ Druckskizzen] <<<.

Also hier ein paar Seiten des neuen Druckskizzenbuches:

Buchalov

künftig/bald/nach vorne: Eden3 – im Inneren der Utopie

Vorgestern war Samstag und ein Haiku ist entstanden: „Welt und Gegenwelt/ Realität und hoffen: / das Zentrum suchen“

Nachdem zum Ort Eden nun einiges an Zeichnungen vorliegt, zeigte mir Jürgen heute die Anfänge eins Holz – und eines Linolschnittes, Arbeitstitel der beiden Platten: „im Zentrum der Utopie“. Wenn Eden auch als Utopie beschrieben werden kann, als Versuch Zukunft in einem gedanklichen Gegenentwurf zur Realität zu kreieren, dann hat er sich jetzt dabei auf die drei Begriffspaare „die Zeit, das Ganze, die Natur“ fokussiert, und sie zu fassen versucht. Hier die Skizzierung der Platten:

Gestern vor 52 Jahren hat John Lennon mit Yoko Ono sieben Tage lang öffentlich in einem Hotelbett gelebt, dem „bed in“, und „give peace a chance“ mit allen Anwesenden zum Besten gegeben und eingespielt. Jürgen schaute mich an und sagte, dass er damals 19 gewesen sei und nichts kapiert habe von diese Utopie, die da aus einem Hotelbett in New York herüberschwabte. Klar, die Kernaussage dem Frieden eine Chance zu geben sei vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges auch sein Ding gewesen. Aber die Form, in der diese Utopie von der Absolutheit der Liebe transportiert wurde, habe er damals nicht so richtig verstanden. Dennoch: es sei ein Teil ihres Garten Edens, den ihm der Beatle und die japanische Künstlerin damals da zugeschickt hätten. Das Verstehen benötige manchmal seine Zeit.

Diese drei Begriffspaare „Natur, Zeit und Ganzheitlichkeit“ seien ihm bei einem grafischen Schreibversuch zu Eden3 letzte Woche vor die Füsse gefallen. Mittlerweile könne er sie auch inhaltlich genauer fassen und konkretisieren. Dazu später mehr. Heute hat er dann die Seiten seiner Schreiberei zu einem Objekt zusammengefügt.

Buchalov^

corona notes2: Stichworte

(am Anfang steht immer die Skizze)

Also, meinte Jürgen. Jetzt wolle er noch einmal in einem letzten zusammenfassenden Akt alle Stichworte zu Thema „Corona“, die ihm so in den letzten Wochen über den Weg gelaufen seien, auflisten. Das gebe die thematische Gemengelage, die seltsamen Positionen, die befremdlichen Diskussionen und die Gereiztheit ganz gut wieder. Er jedenfalls sei ihm Moment vom Kopf her in seinen Postionen ziemlich klar. Mehr sei ja auch nicht beabsichtigt gewesen.

Buchalov

corona notes2: Leporello

Da gibt es eine Restepapierrolle – von wo auch immer, geschenkt wahrscheinlich.

Da gibt es einen langen Tisch.

Da gibt es den Versuch, das Papier auf diesem langen Tisch auszurollen und mit farbigen Kreisen zu versehen.

Und da gibt es am Schluss dann einen langen Papierstreifen, der alle wichtigen Linolschnitte zu „corona notes2“ enthält und der gefaltet zum Leporello werden wird – in den nächsten Tagen.

Buchalov

corona notes: noch ein paar Sätze

Dass Jürgen sich wieder einmal mit Corona beschäftigt beruht darauf, dass der Virus ihm sehr nahe gekommen ist und auf der Tatsache, dass es einen zweiten Lockdown gibt. Die Beschäftigung mit dem Stichwort Corona soll wieder helfen zu klären, zu begreifen, zu verstehen.

Aber diesmal ist es für ihn, wie er sagt, anders als beim ersten male im Frühjahr. Damals hiess es “Corona notes1” ( hier klicken >>> ) und „als Lato sich isolierte“ ( hier klicken >>>). Damals war alles diffus, ohne Struktur, wild und scheinbar mit wenig Perspektive versehen. Seine damaligen Skizzen und Bilder im Druckskizzenbuch sahen auch entsprechend aus: wild, ungestüm, geschmiert, gekritzelt, ohne festen Halt, strukturlos, suchend, getrieben,

Das hat sich jetzt geändert. Das,was momentan zu Corinna entsteht sind Linolschnitte und sie haben mehr Festigkeit, sind klarer, kontrollierter. Es gibt Überschriften: Krone/Corona und Lebensrad und Transformation und Skelett/Tod und Behälter und Triange und diversem Füllmaterial. Und das, obwohl die Situation was die Anzahl der Toten Infizieren anbelangt, um ein vielfaches schrecklicher ist als im Frühjahr.

Lange hat er an der Form der Darstellung „gebastelt“. Aber die ist nun in den letzten Tagen klarer geworden. Es entstehen zwei Druckskizzenbücher, Einzeldrucke auf dem Restepapier eines Ausstellungskataloges von Klaus Harth, zwei Tafeln mit Coronamotiven und ein Fries, der vielleicht noch zum Leporello werden kann – klingt alles ganz gut.

Ist so etwas überhaupt ein Thema für die künstlerische Beschäftigung? Fehlt da nicht der zeitliche Abstand? Der Blick aus der Megaperspektive? Ist das nicht noch viel zu nahe an einem dran? Eure Meinung würde mich interessieren. Für Jürgen hat die Beschäftigung mit dem Thema Corinna eine psychohygienische Funktion. Die jetzt entstehenden Arbeiten sollen helfen zu verstehen und ihm die kreative Lockerheit zurückgeben. Er möchte sich seine Gelassenheit bewahren.

Buchalov

Buchalovs Tour 2020 remember: die Edition

So, wie versprochen, werde ich heute die drei Linolschnitte zeigen, die Jürgen zu einer kleinen Edition zusammengefasst hat. Sie sind aus Skizzen und Zeichnungen von der diesjährigen Buchalovs Tour 2020 im Sommer entstanden. Sie sind seine Quintessenz von einer Tour, die ihm sehr gefallen hat und manchen offenen Kreis wieder geschlossen hat. Viele lange nicht gesehen Menschen hat er dabei getroffen und sich dabei seine Kinder- und Jugendzeit und seine Erinnerungen wieder nach vorne geholt.

Buchalov

remember: Buchalovs Tour 2020

Da gibt es die vielen Skizzen – entstanden dieses Jahr bei der Buchalovs Tour 2020. Hier der Link 1 und 2: >>> [ 1.[ <<< und >>>[ 2[ <<<

Und jetzt ist die Zeit, daraus Linolschnitte zu machen. So Jürgen. Das macht er nun schon seit Jahren, denn die Buchalovs Tour gibt es schon seit acht Jahren- es ist zu einer festen Gewohnheit geworden. Die kleine Edition, die dabei entsteht – diesmal sind es drei Bilder – die sendet er an die, die er auf seiner Tour besuchen durfte – als kleines Dankeschön. So soll es auch diesmal sein.

Die Arbeit hat begonnen. Ich zeige Euch bald mehr.

Buchalov

das Zwickelbüro am Sonntag

Taram, Taram, Tam Tam, Tam Tam: Heute ist Montag und gestern abend hat das Zwickelbüro für dieses Jahr seine Pforten geschlossen. Im Februar wird es allerdings wieder geöffnet werden.

Das Zwickelbüro ist ein kreatives Kleinraumbüro.

Das Zwickelbüro ist eine Gedankenbüro.

Das Zwickelbüro ist ein Experimentierfeld.

Das Zwickelbüro ist ein Rückzugsraum.

Und das Zwickelbüro ist nach Meinung von Jürgen so etwas ähnliches wie Dada. In einem Kommentar an Eva schrieb Jürgen dazu: “Und was Dada anbelangt: ist Dada als weit gefasster Begriff nicht auch die Auflegung gegen Widerstände, gegen Herkömmliches in der Kunst, gegen Reales, gegen das Ernste? Dada ist doch spielen, experimentieren, frei sein, surreal sein, oder? In diesem Sinne ist das Zwickelbüro auch Dada.”

Antje meinte zu Jürgen gestern, dass ihre Ergebnisse mit dem Gehirnzwickel zu tun hätten. Da gebe es ja im Stammhirn einen Bereich, den man Zwickel nenne. Der wurde schon im letzten Zwickelbüro untersucht. Gestern gab es die Fortsetzung. Antje hat sich von Jürgen eine alte Druckplatte aus seinem Bestand geschnappt, auf ihren Hintergründen gedruckt – Antje ist Spezialistin für vorgefertigte Hintergründe auf Rentenpapier – und hat das Ergebnis malerisch bearbeitet -so erreicht sie Tiefe und Plastizität. Sie mischt das Drucktechnische mit dem Malerischen.

Und Juergen hat gestern seine riesige Linolschnittplatte weiter bearbeitet, mit der Musik im Hintergrund gesummt, gepflötet und gesungen und war weiterhin auf der Suche nach einer Form des Zwickels, die er noch nicht bearbeitet hatte. Die Platte hat er in verschiedenen Variationen gedruckt.

Buchalov