„als Lato sich isolierte“: Tag 12 – 14

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Vierzehn Tage lang habe er nun ein zeichnerisches und fotografisches Tagebuch geführt. Jetzt sei es genug. So Juergen. Die Pandemie sei nicht vorbei, das nicht. Juergens zeichnerisches Tagebuch aber ende nun nach vierzehn Tagen.

Juergen meinte, dass diese sich selbst auferlegte Pflichtaufgabe ihm sehr geholfen habe. Wenn er über die Summe der Zeichnungen schaue, werde ihm die ungeordnete Situation von vor zwei Woche mehr als deutlich. Doch jetzt kehre so langsam bei ihm eine gedankliche Klarheit zum Thema „Corona“ ein, die sich auch in der Klarheit der Zeichnung widerspiegele. Die innere Unsicherheit, die Schübe an ängstlichen Momenten, habe er hinter sich gelassen.

Der Abschluss falle ihm aber auch deshalb leicht, weil er mit den letzten Zeichnungen fast zufällig beim Blättern in einem Kunstband ein Bild gefunden habe, dass alle Komplexität des Coronageschehens für ihn bündele: Atlas, der Titan, stemmt den Himmel, trägt die Last, trägt eine Last. Er ist damit gebunden und unfrei, er erfüllt seine ihm von Zeus auferlegte Pflicht und muss ertragen, muss als Strafe tragen, was ihm auferlegt ist. Dieses Bild läßt in den aktuellen Bezügen vieles zu.

Juergen weiss, dass in vielen historischen Abbildungen nicht der Himmel, sondern die Erdkugel von Atlas getragen wird – wohl der optischen Wirkung wegen.

Mal schauen, ob es bei Juergen zu weiteren Bildern führt.

Tag 12: zusammenrücken

Tag 13: es vervielfältigt sich

Tag 14:  die Last tragen

Buchalov

 

„als Lato sich isolierte“: Tag 1 bis 3

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Die einen schreiben ein Tagebuch. Andere zeichnen jeden Tag ein Blatt oder mehrere – auch eine Form von Tagebuch. Das scheint Juergen jetzt auch zu machen, wahrscheinlich zeitlich begrenzt, wie er sagt. Und er fotografiert.

(Es gab einen Tag, an dem in Deutschland das gesellschaftliche und soziale Leben in einem ersten Schritt auf ein Minimum zurückgefahren wurde. Am 13-03-2020 ging auch Jürgen in die private soziale Quarantäne und richtete sich unterm Dach seinen Zeichentisch ein. Die dort entstandenen Zeichnungen und Fotos gehören zum Themenblock „als Lato sich isolierte“.)

Juergen sagte mir, dass es gar nicht so einfach sei neue Bilder für das zu finden, was da gerade geschehe. Und mit uns geschehe. Und wie es auf uns wirke. Aber er versuche es, zeichnerisch und fotografisch.

Tag 1: es beginnt

Tag 2: es wird gesungen

Tag 3: der Blick nach Innen

Es werden in den nächsten Tagen sicher noch einige Zeichnungen und Bilder folgen, denn nicht nur Handhygiene, sondern auch Psychohygiene sei angesagt. Zeichnen befreie. Zeichnen schaffe Klarheit. Zeichnen bedeute ablegen, weglegen, erledigen, verstehen. So denkt Juergen sich das jedenfalls und versucht zu verstehen, was da jetzt mit allen und mit ihm geschieht. Auf seine alten Tage sei er jetzt auch noch Teil einer Pandemie. Nicht zu glauben. Zeichnerisch könne er da vielleicht was für sich klären.

Zu Lato hat Juergen schon viele Arbeiten erstellt. Wer Zeit und Lust hat, kann ja hier mal reinschauen: >>> Lato <<<

Buchalov

P.S. „Im Vertrauen“, sagte Juergen zu mir. Es seien zwei Punkte mit denen er momentan zu kämpfen habe: wie finde man neue Bilder für solch eine Kathatrophe wie diese Pandemie. Und es müsse mieses Papier sein, auf dem gearbeitet werde, es müsse stümperhaft gezeichnet werden, es müsse verschwommen fotografiert werden, und das alles, um den morbiden Charakter der Situation, dieses Gebrochene, diese fatale Dynamik rüberzubringen. Er tue sich schwer damit. Das müsse er für sich so erst einmal akzeptieren.