Buchalovs Tour 2020: eine Tour beginnt immer schon vor der Tour!

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Eine Tour beginnt immer schon vor der Tour. So war es auch diesmal. Juergen suchte Tage vorher im Internet: Orte, Stellplätze, Personen, Berichte, Entfernungen, Namen und und und. Und Jürgen suchte Bilder: Bilder seiner Freunde, seines alten Gymnasiums, von Straßen, von Personen.

Und er habe bemerkt, so sagte er, dass das schon etwas mit ihm mache: Einstimmung, Erwartungen, Ängste, Planungen, Listen, Vorfreude, Spannung, Kribbeln – so etwas halt. aber eben angenehm, weil so eine eigene erwartungsfrohe Spannung entstanden sei.

Und er habe sich immer im Hinblick auf seine Reise gesagt: Sei offen, höre gut zu, nimm dir Zeit, sei einfühlsam für alles, auch das Befremdliche, baue Brücken zwischen Dir und den Anderen, lass Dir Zeit, schaffe Raum, lass die Dinge stehen, alles wird gut.

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Mittags sind wir eingestiegen und losgefahren: fahren, fahren, fahren, schauen, schauen, dazu die Musik, singen, laut singen, zuhören. Das sei es gewesen, denn das erste Ziel stand ja fest: Herchen an der Sieg. Eng ist es hier, unübersichtlich, keine offene, flache niederrheinische Landschaft.

Das ist der Ort, an dem sich für Juergen, so behauptet er immer, die Welt aufgetan hat. Der Junge aus der Hüttensiedlung des Siegerlandes hat hier die Größe der Welt zum ersten Male so richtig erfahren als er diese Schule besuchte. Sein altes christliches Gymnasium, ja das sei eine Offenbarung gewesen. Geprägt hätten sie ihn, seine Lehrer, durch die Bank gute Lehrer, und hätten ihm gezeigt wie Leben gehen könne. Dafür ist er ihnen bis heute dankbar. Und die Sechziger waren es auch noch. Sie dürfen nicht vergessen werden.

Ein kleiner Fußmarsch, sofort, vom Stellplatz zu den heute modernen Gebäuden des Bodelschwingymbasium musste sein, er konnte nicht warten, wobei die alte Baustruktur noch steht, um viel Neues ergänzt, und es fühlte sich offenbar gut an. Die Lektüre der Website des Gymnasiums rundete alles ab. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er Teil einer Geschichte, dass er in dennSechzigern Teil von etwas Großem gewesen ist, das bis heute trägt. ( https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bodelschwingh-Gymnasium_Herchen)

Da kam dann ein „aber“. Und mit dem schlägt Juergen auch den Bogen von gestern zu heute und morgen: im Leitbild der protestantischen Schule wird aus Überzeugung großer Wert auf die Vermittlung eines christlichen Menschenbildes gelegt. Das hat Jürgen schon in seiner Schulzeit dort so erfahren und es ist vieles davon tief in ihm verwurzelt. Das ist gut so. Es macht ihn aus. Gelernt hat er dort auch kritisch die Dinge zu hinterfragen. Daher hat vieles im Laufe der Jahre keinen Bestand gehabt und musste sich seinem Zweifel an vielen christlichen Gehalten beugen. Als wir am Ufer der Sieg saßen, hat er mir davon erzählt.

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Bilanz, oder so ähnlich!

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Ich weiss nicht, ob ihr das auch so handhabt? Wenn etwas beendet ist, dann geht Juergen in sich und zieht Bilanz. Und ich als sein Protokollant veröffentliche das dann.

Wir sind wieder in Deutschland, am Niederrhein, und haben unsere Reise ins Miroland beendet. Auch das Boulespielen. Gut eine Woche ist das jetzt her. Damit beginnt für Juergen also die Bilanzierung. Und für mich der Vorgang des Notierens.

Wir saßen beim Friseur in Geldern, Juergens Aussehen hatte nach zwei Monaten im Süden ohne Rasur und Friseur abenteuerliche Formen angenommen, und während wir warteten, diktierte er mir:

Es war die Gemeinschaft, die war dieses Jahr das Besondere.

Aus dem Vollen konnte man beim Leben im Wohnmobil künstlerisch nicht schöpfen. Man hat mit begrenzten Möglichkeiten zu tun.

Es galt: Reduktion auf Themen und Material, total und permanent. Die Skizzenbücher und das Fotografieren sind die Struktur. Buntstift und Fineliner hatten zu genügen.

Die Inspiration des Ateliers fehlte. Keine Frage. Man suchte, fand, las, blätterte und tauchte ein, aber nicht in den Sumpf der Anregungen, die im Atelierleben  sonst so vielfältig vorhanden sind, sondern in das Leben im Freien.

Natur und Umgebung waren eine permanente Quelle der Inspiration und Anregung. Die Impulse waren vielfältig. Nur: was trägt? Was geht tiefer? Was passt ins Themebild? Was läßt auf mehr hoffen?

Ein bisschen war es ein eremitisches Dasein vor Ort. Man lebte zurückgezogen auf achtzehn Quadratmetern,  beschäftigte sich gedanklich viel mit sich selbst und dem, was man so sah und hörte, und versuchte, sich auf das Wesentliche und was man dafür hält zu konzentrieren.

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das Meer und seine Wellen

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Ein paar dieser Photos vom Meer, die Juergen morgens immer schießt, wenn er zum Meer geht,  dort, wo er jetzt mit seinem Wohnmobil steht, habe ich ja schon gezeigt. Noch hat er nicht begonnen die fotografischen Vorlagen zeichnerisch umzusetzen. Aber das wird kommen. Da bin ich mir sicher.

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Klausurwoche, Tag 1

Die Türen aufschließen, reinkommen, den Geruch des Ateliers in der Nase spüren, den Arbeitskittel anziehen, die Musik anstellen, erste kleine Aufräumarbeiten  tätigen, den Kittel anziehen, eine kleine Zeichnung anfertigen, ein wenig in den rumliegenden Heften lesen und dann beim Drucken der „BFT – Edition“ vorankommen, so etwas halt,  … Mit der „Buchalovs Freunde Tour 2018 – Edition“, kurz „BFT 2018 – Edition“, mühe er sich jetzt schon einige Zeit, aber heute sei es gut gewesen. Fertig sei sie allerdings noch nicht. Was man hier sehe, sei ein Zwischenstadium.

Und diese Ruhe, kein Mensch da, lautes Mitsingen zur Musik auf Spotify,  einfach toll! Und dann irgendwann sei „Tobias, der Vernetzer“ vorbeigekommen und man habe bei einer oder zwei Tassen Kaffee  das besprochen, was nach so langer Zeit halt anstand. Schön sei es gewesen ihn mal wieder nach so langer Zeit zu sehen und zu sprechen.

Er habe es lange ausgehalten heute in seinen Räumen. Ein gutes Zeichen.

So sei es heute gewesen, sagte Juergen zu mir.

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was man so findet beim Aufräumen und Sortieren

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Aufräumen muss sein. Und sortieren erst recht. Danach weiß man immer, wo man steht und hat Ordnung in das kreative Chaos gebracht. Meinte Juergen. Ich weiß nicht, ob dem wirklich so ist.

Auf seinem großen Tisch im Atelier hat Juergen jetzt Folgendes liegen: Fundstücke aus seinem Atelier, die ihm wohl irgendwie in den letzten Tagen ins Auge gesprungen sind und aus welchem Grund auch immer hier gelandet sind.

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Ankunft

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Die Tür zum Atelier wurde von uns beiden geöffnet und so sah es dann aus:

Juergen ist dabei, sein Atelier nach so langer Abstinenz wieder zu beleben. Und wie macht man dies? Man räumt auf. Ganz einfach. Wichtig dabei ist aber, dass man eine Stelle im Raum oder vor der Tür auswählt, an der man die Dinge sammelt, die entsorgt werden sollen.

Das alles sei auch eine Form von Ankunft, meinte er.

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Marokko: eine Zeitreise

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Juergen meinte gestern zu mir, dass es jetzt genug sei mit den marokkanischen Zeichnungen. Es gehe nicht weiter.

Und ich fragte, was es denn nun gewesen sei? Ob sich Erkenntnisse ergeben hätten?

Juergen erzählte mir dann von den Fünfzigern als er mit seinem Vater hinten im Garten die Hühner und Kaninchen geschlachtet habe. Und von der einmal jährlich stattfindenden Hausschlachtung. Er erzählte von seinem Onkel, der Gerber gewesen sei und wie er und seine Schwester als kleine Kinder zwischen den riesigen Betonbottichen mit der dunkel stinkenden Brühe beim Besuch der Tante Fangen gespielt hätten. Er erzählte mir von den Pferdegespannen, die im Dorf umhergefahren seien, von den langen Strecken, die er zu Fuss habe zurücklegen müssen, um irgendetwas zu erreichen, und  von den Fahrten auf dem Fahrrad in seiner Hüttensiedlung.

Und das, genau das, sei ihm jetzt in Marokko wieder über den Weg gelaufen. Er sei zwar im Orient gewesen und habe sich dennoch ein wenig gefühlt wie in den Fünfzigern. Er habe teilweise gesehen,, was er schon einmal gesehen habe. Und er habe mal wieder einen Blick in das Gestern getan.

Und daneben dann aber auch die SUVs, die es überall gäbe. Dann dieser Moloch Casablanca, diese glitzernde Stadt mit den Glasfassaden, die so auch in der deutschen oder europäischen Großstädten hätten stehen können, die Amerikanisierung an jeder Ecke, hier McDonalds, dort Modelabels wie Zara oder andere. Das Gleiche in Agadir, ein Hotelkomplex neben dem anderen. Dann die Autobahnen, die er so auch aus Frankreich kenne. Die Aufzüge in den Hotels, die alle von deutschen Firmen hergestellt worden seien.

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Marokko: wie jemand zu mir geredet hat, den ich gar nicht kannte

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In Marakkesch ist Juergen krank gewesen. Zwei Tage lang hat er im Hotelbett mit einem grippalen Infekt, hohem Fieber und einem Mangel an Medikamenten verbracht. Und er habe, so sagte er mir, jemanden gehört, der zu ihm geredet habe, jemandem, denn er nicht gekannt habe.

Und dann seien plötzlich doch die Medikamente da gewesen, von den Mitreisenden an ihn weitergereicht. Medikamente, die der marokkanische Reiseführer zusätzlich in der Pharmazie besorgt habe. Und man habe nach seinem Befinden gefragt, ihm Hilfe angeboten und wenn er sich zum Essen geschleppt habe, stets gefragt wie es gehe und ihm alles Gute gewünscht.

Und das sei das Schöne gewesen: man sei einfach, gleichgültig, wo man sich in der Welt befinde und wie es einem gehe, nicht alleine. Irgendjemand rede immer zu einem. Irgendjemand sei immer an der Seite und helfe.

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