nicht sogleich

Ich wurde begrüßt mit „Na, Du Rumtreiber, auch wieder im Lande?“ „Boris, der Maler“ freute sich sichtlich, als ich heute in unserer Ateliergemeinschaft auftauchte, die Kaffeemaschine anschloss, die Kisten mit den Zeichenuntenailien und den Papieren  aus dem Wohnmobil hochschleppte und begann, mich wieder in meinen Räumen einzurichten.

Zwischendurch habe ich lange am Tisch gesessen und in den Skizzenbüchern geblättert, alte Zeichnungen angeschaut und einiges umsortiert. Und jedes Mal bin ich erstaunt über mich und die Ergebnisse, die ich so lange nicht geschaut habe, und was mich da so anspringt. Und ich war zufrieden mit mir. Vielleicht ist es doch ganz gut, dass ich oft so streng mit mir bin und meine Arbeiten gnadenlos in die Qualitätsstufen A, B und C einordne.

Ich kann nicht sogleich loslegen und arbeiten. Ich brauche immer einige Tage, in denen ich im Atelier umherlaufe, mir Dinge anschaue, mich sortiere, Gedanken hin und her wälze, einiges auf den Tischen fotografiere, mit den anderen rede, Papiere von rechts nach links schiebe oder Zeichnungen zu neuen Blöcken sortiere und wieder zerlege. Zwischendurch gehe ich in den Copyshop um die Ecke, manchmal, weniger um zu kopieren, das auch, sondern um mit Oliver über Musik und Sonstiges zu reden. Und dann bin ich irgendwann in meinen Räumen angekommen und gehen ans Umsetzen der Dinge, die ich mir so vorgestellt habe.

Buchalov

beides trennen?

IMG_1231Juergen meinte am Sonntag, und es war ihm sehr ernst, dass wir zu der Ausstellung von XY nicht hingehen sollten. Er habe sich das jetzt lange und gründlich überlegt. XY sei als Mensch einfach total daneben. Wegen seiner Ichbezogenheit, seiner Arroganz und Dominanz und Überheblichkeit. Und der rede auch einfach viel zu viel, an allen und allem vorbei.

Ich war im Zweifel, denn ich mag die Sachen von XY.

Was zählt denn nun: das Werk oder die Person? Oder ist beides nicht zu trennen? Oder sollte man beides trennen?

Buchalov

der letzte Dreck

Juergen hatte zu einem kleinen Frühstück in Zelle k4 geladen. Boris der Maler kam, Rudolf der Bildhauer war verhindert. Auch ich war da.

Und sogleich waren sie wieder im Thema: Was ist gute Kunst?.

Juergen erzählte von dem Sammler, der nur solche Bilder kaufte, die nicht wie Kunst daherkämen, die absolut schräg wirkten, die wie der letzte Dreck aussahen. Mit der Zeit allerdings würden die wirklich guten Bilder eine Kraft entwickeln, sich gegen die anderen Bilder behaupten, Bestand haben. Diese Kraft sei die Stärke der Bilder. Was diese Kraft genau sei, konnte er aber nicht sagen.

Und schon gingen die Spekulationen los. Juergen bat mich, dass mal im Blog zu thematisieren. Na ja, Kraft, ich weiß nicht. Irgendwie diffus.

Buchalov

starkes Bild

„Wenn ich im Museum eine Traube von Menschen vor einem Bild stehen sehe, frage ich mich immer, was sie dazu bewogen hat. Warum gerade vor diesem Bild? Warum stehen sie hier und nicht woanders?“

Boris der Maler und Juergen standen gestern im Atelier als ich vorbeikam und Boris stellte diese Frage. Sie unterhielten sich über „starke Bilder“ und Juergen sagte, dass er sein Drucke momentan nicht nur unter dem Aspekt guter Druckqualität ansehe, sondern auch, ob es starke Bilder seien. Denn ohne gehe es nicht. Absolut nicht.

Boris der Maler hatte auch eine möglich Antwort auf seine eigene Frage bereit: „Es ist der Aha – Effekt, der sie dort verweilen läßt. Gute Bilder haben den Aha – Effekt“.

Juergen stimmte zu und fragte laut nach, wodurch dieser Effekt den eintrete: durch Verblüffung? Oder Überraschung? Durch Ekel? Muss man sich wiederfinden? Ist es eine neue Perspektive? Neue Sichtweisen? Oder das emotionale Betroffensein? Eine überzeugende Technik? Eine andere Ästhetik? Dass sich aufgehoben fühlen?

„Schräge Bilder“, gegen den Strich gebürstet, irritierend, seien vielleicht eine Möglichkeit, meinte er. Dann müsse man es aber auch bewusst darauf anlegen und seine eigenen, herkömmlichen, durch Prägung gefestigten ästhetischen Gewohnheiten permanent und kontinuierlich in Frage stellen und anderes dagegen setzten.

Boris der Maler ging nachdenklich in sein Zimmer.

Buchalov

#4 Qualität

Die Frage nach der Qualität des Gezeigten wird im Netz, so mein persönlicher Eindruck, wenig  gestellt. Man lobt, zurecht, die gesehenen Bilder und Texte, sagt, ob einem dieses und jenes gefällt. Mehr nicht. Welche Maßstäbe sich hinter „gefällt mir“ befinden, bleibt offen.

Die direkte Frage nach der Qualität kommt nicht auf. Ist unser Kunstbegriff schon so offen, dass wir dies nicht mehr für nötig halten? Oder traut sich keiner von uns Bloggern diese Frage zu stellen, weil die Qualitätsfragen auch immer Fragen nach den Maßstäben der Bewertung sind und auch unbequeme Antworten beinhalten könnten? Die Benennung von Maßstäben kann ja auch eine Einengung des allgemeinen und eigenen Kunstbegriffes bedeuten. Sie ist zudem ganz schön schwierig.

Ich geh davon aus, dass jeder von uns vor der Veröffentlichung seiner Dinge im Netz eine“ innere“ Kontrolle eingebaut hat. Nach welchem Muster funktioniert die? Was sind da die Orientierungspunkte?  Lasst uns drüber schreiben!