Parzelle 268: #1

Das Projekt „Oliva, Parzelle 268“ hat begonnen. Juergen zeichnet. Täglich entsteht etwas.

Und es beginnt mit den Erinnerungen an diese Stelle, an diese Parzelle, auf der Juergen mit seinem Wohnmobil steht – aus dem Kopf aufs Papier gebracht. Wir beide, Juergen und ich, waren hier nämlich schon oft in den letzten Jahren. Aber erst jetzt will er diese Stelle gezielt zeichnerisch und fotografisch erkunden, erst jetzt. Komisch wie es manchmal so kommt.

Die Herangehensweise: es werden Fotos angelegt, Erinnerungen hervorgekramt, sich sehr genau umgesehen, gezeichnet, gesammelt, Fundstücke in eine leere Dose gepackt, Ideen entwickelt, sich eingestimmt, gewartet, oder plötzlich losgelegt.

Das Abschreiten: Juergen geht Wege ab, auf seinem Stellplatz, kurze Wege, oft nur ein paar Schritte, mit gesenktem Kopf und sucht und findet. Alles könnte bedeutsam sein. Alles ist bedeutsam.

Das Abwickeln: Fundstücke werden nicht so gezeichnet wie sie vor ihm liegen, sondern manchmal so, wie er sie beim Betrachten oder vor seinem geistigen Auge abwickelt.

Heute habe ich einen Ausschnitt davon gezeigt, was aus der Erinnerung entstanden ist.

Buchalov

Weiteres zum Warmlaufen

Warmlaufen bedeutet sich vorbereiten. Oder sich einstimmen. Oder sich annähern. Mit Zeichnungen oder Fotos.

Genau das macht Juergen im Moment. Er stimmt sich ein auf sein neues Thema.

Buchalov

ein Gedicht spukt in seinem Kopf herum

Erst war es die Pelerine, die sein Interesse weckte. Doch mittlerweile ist es die Vorstellung von der Freiheit, gedanklich oder real. Denn das Gedicht von Bess Dreyer spukt immer noch in seinem Kopf umher.

auf der schulter einen falter

……. …. ….

frau mit pelerine

wie damals die alte patentante

besondere gaben hatte sie

borgte sich die fühler des falters

schmetterling du kleines ding

seine flügel nahmen sie mit

über alle zäune und grenzen

war ein fangnetz auf dem weg

dirigierte sie den flug

darüber hinweg

schwerelos

will ich ein wenig schreiben

…..

Juergen sagte mir, dass er die Vorstellung, dass ein Mensch in der Lage sei, ähnlich einem Schmetterling, sich gedanklich und auch vielleicht real, davonzumachen, über alle Hindernisse hinweg, dass er diesen Gedanken schon sehr anziehend finde. Eine Sehnsucht vielleicht. Seine Sehnsucht. Schließlich sei er ein Kind der Sechziger und mit seinem Fernweh korrespondiere das allemal.

Buchalov

man könnte sagen…

Man könnte sagen: hat man einen friesischen Yachthafen gesehen, hat man alle gesehen. Das könnte man sagen. Aber das ist definitiv falsch. Lemmer ist nicht Sloten und Sloten ist nicht Workum und Workum ist nicht Akkrum.Und da stehen wir nun momentan auf unserer Reise durch Friesland.

Fuer Juergen ist jeder Ort anders, weil die OrtsMarken des jeweiligen Ortes es ihm mehr als deutlich sagen. Das ist der Anfang der Unterschiedlichkeit für ihn.

Hier einige OrtsMarken, die von

Lemmer:

von Sloten:

von Akkrum:

Einige halten ja das mit den OrtsMarken für keine sonderlich tragfähige Idee. Fuer Juergen ist das anders. Die Vorlagen für seine Zeichnungen fallen ihm nicht vor die Füße. Er geht die Orte ab und sucht. Und im Suchen begreift er, wo er sich befindet. Und was die Besonderheiten des Ortes sind.

Und er kann das Künstlerische, das ihn umtreibt, mit seinem unsteten Reiseleben in Einklang, zu einem Ganzen, bringen. Die vielen ortsabhängigen Eindrücke erhalten eine sie verbindende Überschrift. Perfekt!

Buchalov

Sloten

Es soll, so Wikipedia, die kleinste Stadt in den Niederlanden sein: Sloten. Das ist auch so eine Behauptung, na ja. Aber klein ist diese Stadt schon.

Es gibt den Kanal, links und rechts die mehr als alten Häuser, die Windmühle, die Kanonen, das grobe Kopsteinpflaster, das Abendläuten, die schnatternden Gänse und das Gefühl von stehengebliebener Zeit. Wenn da nicht die Touristen wären: Fahrradtouristen, Wohnmobilisten, sehr viele Menschen von den angelandeten Booten, Autotouristen, Jugendgruppen und und und.

Dennoch: das Städtebauliche gibt einem das Gefühl einer Wanderung im 16. Jahrhundert – bis hin zum Pranger. Ich fragte mich sogleich, als ich ihn sah und berührte, ob ich brav gewesen sei. Der Pranger als Zeichen wirkte also noch immer. Juergen lachte.

Buchalov

Buchalovs Freunde Tour 2019: Ditzum – Petkum – Emden, Emden – Petkum – Ditzum

Ist es das Meer oder ist es der Fluss? Ist es die Nordsee oder ist es die Ems? Am Dollart vermischte sich das gestern.

In der „Kunsthalle Emden“, da vermischte sich beim Anschauen von vielen Nolde- Bilder auch einiges. Die „Causa Nolde“ schwebte umher. Hier Zitate aus einer Sammlung von Karten, die Auslagen: ein Kunstwerk ist unschuldig, auch Blumen haben eine Gesinnung, Kulturschock-so sind Menschen, Nolde ist Nolde ist Nolde ist Nolde, künstlerisch ein Genie – menschlich ein Schwein. Mir fällt dazu auch noch Horst Jansen ein. Buchalov nickte.

Wir sind mit der Fähre nach Petkum rüber und dann mit dem Rad nach Emden. Und wir sahen expressionistische Malerei aus der Sammlung Nannen und Ziegler. Bei Juergen hat es „Klack“ gemacht. Er werde, so glaubt er, bei einigen der nächsten Zeichnungen darauf Bezug nehmen. Und bei Kirkeby habe es nicht nur „Klack“ gemacht, sondern „Peng“, meinte Jürgen. Da seien sie wieder hochgekommen, diese zentralen Begriffe wie „Sedimente, Mäander, Schichtung, die Rhyzomformen. Er war richtig begeistert.

Buchalov