Sloten

Es soll, so Wikipedia, die kleinste Stadt in den Niederlanden sein: Sloten. Das ist auch so eine Behauptung, na ja. Aber klein ist diese Stadt schon.

Es gibt den Kanal, links und rechts die mehr als alten Häuser, die Windmühle, die Kanonen, das grobe Kopsteinpflaster, das Abendläuten, die schnatternden Gänse und das Gefühl von stehengebliebener Zeit. Wenn da nicht die Touristen wären: Fahrradtouristen, Wohnmobilisten, sehr viele Menschen von den angelandeten Booten, Autotouristen, Jugendgruppen und und und.

Dennoch: das Städtebauliche gibt einem das Gefühl einer Wanderung im 16. Jahrhundert – bis hin zum Pranger. Ich fragte mich sogleich, als ich ihn sah und berührte, ob ich brav gewesen sei. Der Pranger als Zeichen wirkte also noch immer. Juergen lachte.

Buchalov

Buchalovs Freunde Tour 2019: Ditzum – Petkum – Emden, Emden – Petkum – Ditzum

Ist es das Meer oder ist es der Fluss? Ist es die Nordsee oder ist es die Ems? Am Dollart vermischte sich das gestern.

In der „Kunsthalle Emden“, da vermischte sich beim Anschauen von vielen Nolde- Bilder auch einiges. Die „Causa Nolde“ schwebte umher. Hier Zitate aus einer Sammlung von Karten, die Auslagen: ein Kunstwerk ist unschuldig, auch Blumen haben eine Gesinnung, Kulturschock-so sind Menschen, Nolde ist Nolde ist Nolde ist Nolde, künstlerisch ein Genie – menschlich ein Schwein. Mir fällt dazu auch noch Horst Jansen ein. Buchalov nickte.

Wir sind mit der Fähre nach Petkum rüber und dann mit dem Rad nach Emden. Und wir sahen expressionistische Malerei aus der Sammlung Nannen und Ziegler. Bei Juergen hat es „Klack“ gemacht. Er werde, so glaubt er, bei einigen der nächsten Zeichnungen darauf Bezug nehmen. Und bei Kirkeby habe es nicht nur „Klack“ gemacht, sondern „Peng“, meinte Jürgen. Da seien sie wieder hochgekommen, diese zentralen Begriffe wie „Sedimente, Mäander, Schichtung, die Rhyzomformen. Er war richtig begeistert.

Buchalov

Buchalovs Freunde Tour 2019: Lemmer und der Rundkurs

Nach dem Frühstück wurde gezeichnet, dann mit den Nachbsrn ein wenig über alles mögliche gefachsimpelt und dann sind wir auf den Rädern los, zuerst am Isselmeer entlang, dann ins Inland, einen Rundkurs halt.

In Sloten war es die kleine Galerie, die unser Interesse fand, Malerei, die sich motivisch ausschließlich mit der Kombination von Obst und diversen Behältern beschäftigte.

Dann war da noch die kleine Fahrradfähre, ehrenamtlich von sechs Männern und einer Dame im Wechsel betrieben. Da war das Kompliment des Skippers, dass Juergen noch gar nicht so alt aussehe wie er angebe. Da waren die alten Männer auf den Bänken um die Wasserbruecke, die heftig und hitzig in niederländisch palaverten. Und wie aus der Zeit gefallen der Brueckenwärter, der mit einem an einem Seil befestigten Holzschuh die Maud kassierte. Die Kirchen auf dem Weg waren geschlossen. Aber zwei Friedhöfe haben wir dennoch besucht und umrundet.

Und wohin man schaut: Boote, Boote, nichts als Boote. Boote wie Sand am Meer. Und Fahrräder. Auch solche, die der Schlag getroffen hat.

Warum es hier keine Fundstücke gibt, und ohne die funktioniert das Projekt „OrtsMarken“ Ja bekanntlich nicht, ist für Jürgen klar: hier sieht alles so proper aus, hier ist alles topsauber – wo sollen da Fundstuecke herkommen?

Buchalov

Buchalovs Freunde Tour 2019: Was ist schon Planung?

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Gekritzel, Hoorn, NL, Buchalovs Freunde Tour 2019

Was ist schon Planung? Was ist schon Sicherheit? Man kann sie für notwendig halten, oder man kann sie sausen lassen. Beides sollte man aushalten können.

Juergen und ich sind in Holland mit dem Wohnmobil unterwegs. Es ist die „Buchalovs Freunde Tour 2019“. Heute morgen sind wir gestartet. Wir haben aber niemanden, den wir hier besuchen könnten. Klingt doof, ich weiß. Wir kennen keine Künstler aus den Niederlanden, die auf „Buchalovs Blog“  zu Gast sind und mit denen wir uns dort hätten verabreden können. Es ist einfach so.

Also fahren wir ohne Plan so ins Grüne hinein. Wir haben nichts gelesen, nicht recherchiert. Eher willkürlich haben wir uns den Ort Hoorn am Isselmeer als ersten ausgesucht, weil Juergen mal vor Jahren etwas davon gehört hat. Was genau hat er vergessen. Es ist ja auch erst einmal ohne Bedeutung. Wichtig ist, das wir eine Stelle haben,die wir im Navi eingeben können. Mal schauen, was es da so gibt.

Wir haben allerdings ein übergeordnetes Ziel, oder besser zwei Ziele. Wir werden versuchen, das Isselmeer zu umrunden. Das hat Juergen nämlich in den Achtzigern schon mal mit dem Fahrrad gemacht, mit zwei Freunden. Und daran erinnert er sich gerne.

Und wir werden die Künstler und die Kunst vor Ort, in welcher Form auch immer suchen. Dazu haben wir uns entschlossen. Das ist es. Irgendetwas gibt es ja immer. Irgendetwas findet man ja immer. Und nette Menschen und erstaunliche Erlebnisse laufen uns auch immer über den Weg. Das sagt die Erfahrung. Wir vertrauen uns. Wir vertrauen darauf, dass man auch uns findet. Was ist schon Planung?

Buchalov

morgens um Acht

Morgens um Acht oder 8:30 Uhr, so ungefähr jedenfalls, nach der Morgengymnastik,  geht Juergen immer zum Meer und schaut und schaut und schaut und fotografiert. Der Verlauf des Wassers im Sand, dann, dieses Spiel, wenn die Wellen heranrauschen oder sich zurückziehen, das findet er spannend. Und unter grafischen Aspekten fasziniert ihn das erst recht.

Die Fotos sind Vorstudien für Zeichnungen, die später einmal Radierungen oder Scherenschnitte werden sollen, und die zu der Serie „als Lato das Meer sah“ gehören werden.

Buchalov