Buchalovs Freunde Tour, Tag 15

Was hält mich hier? Warum bleibe ich noch? Das fragte Juergen mich heute so gegen Mittag. Es geht um unseren momentanen Standort Neumagen-Drohn auf der „Buchalovs Freunde Tour“.

Ich habe damit geantwortet, dass ich ihm noch ein Glas Moselwein eingeschänkt habe, seine Buntstifte anspitzte und den Vorderreifen des Fahrrads aufpumpte. Dass ich sein Gesicht mit Sonnencreme eincremte, ist ohne Belang.

Buchalovs Freunde Tour, 23-06-2018, Neumagen-Drohn

das Meer

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Er wisse, meinte Juergen, dass es ein Klassiker sei. Das Meer gehöre zum Menschen wie die Steine, der Wind, die Tränen, die Boote, die Augen, das Lachen und und und. Und er wisse natürlich auch, dass es dazu nicht Neues mehr darzustellen gebe. Alles sei schon gezeigt worden von diesem Wasser, von der „prima materia“.

Aber dennoch: er werde sich dem stellen und schauen, was das Meer dieses Jahr bei ihm auslöse. Denn das Meer ist nicht nur das Meer, sondern es ist ebenso etwas Großes. Etwas Emotionales. Oder die Ferne. Oder der Horizont, die Weite. Es stehe für die Sehnsüchte, den Wind, die Kraft, die Wellen, das Strömen.

Ich sehe ihn,  wie er jeden morgen von seinem Stellplatz mit dem Wohnmobil rüber zum Meer geht, schaut, aufnimmt wie es heute ausschaut und dann macht er ein paar Photos.

„Als Lato das Meer sah“ so lautet der Titel der Serie, in die das alles einfließen soll. So sein Plan.

Buchalov

Lato, der Lauscher

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Seit Ostern im letzten Jahr spucke dieses Ideenskizze durch seinen Kopf, sagte Juergen zu mir heute morgen. Jetzt sei daraus eine Textskizze geworden.

Es gehe um „Lato, den Lauscher“, diesen isoliert lebenden Menschen in der kasachischen Steppe, der in seiner Werkstatt vor sich hin prassele, seiner Sehnsucht nach der Stille nachhängend, ein besonderes Leben führend.

Ich spitzte die Ohren.

Als Textfragment liege die Geschichte vor und jetzt suche er jemanden, der diese textliche Skizze als Kurzgeschichte fasse. Ob ich da niemanden kenne?

Ich habe mir gedacht, ich frage Euch hier im Netz mal, ob es da jemanden gibt, der das kann und will.

Buchalov

 

husch husch: #17 – 2013

IMG_1007Gesehen im Vorbeigehen, letzte Woche, auf dem Flur der Gaststätte, mit der Erinnerung an das Wohnzimmerbild des Nachbarn, in den Fünfzigern, und den flüchtigen Sehnsüchten: husch husch halt.

Buchalov

For my english readers:

Seen in passing, last week, on the floor of the restaurant, with the memory of an image seen in the living room from our neighbors, in the fifties, and the fleeting desires: husch husch.

über Engel

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Es gab eine Tasse Kaffee, den Tisch, an den wir uns gesetzt haben, einen knappen „Guten- Morgen- Gruß“ und Juergen begann zu philosophieren. Über Engel.

Juergen meinte, dass es nicht von der Hand zu weisen sei, dass unsere Moderne durch Rationalisierung und den Glauben an die Technik und durch den Glauben an stetes Wachstum geprägt sei. Und dass diese Sichtweise Grenzen erfahre. Die Welt sei nicht nur über die Vernunft, sondern auch über Imagination und Emotion erfahrbar.

Ob ich dem zustimme. Ich habe genickt.

Wenn dies Konsens sei, dann gäbe es Bereiche des Lebens, die nicht mit dem Verstand zu fassen seien, sondern auf anderem Wege erfahren werden könnten. Es existierte nicht nur eine sichtbare Welt, sondern auch eine Welt der Ahnung, der emotionalen Wahrnehmung, des Fühlens.

Ob ich auch dem zustimme. Ich habe wieder genickt.

Bisweilen würden wir erfahren, dass es in der Ganzheit unseres Seins auch diese Seite gäbe. Wir nähmen sie wahr. Unsere Wahrnehmung aber sei subjektiv. Sie lasse uns Dinge wahrnehmen, so wie sie seien, aber auch so, wie wir sie uns erhofften oder erwarteten. Daraus entstünden Unsicherheiten über die wahre Existenz dieser Welt des Imaginären und zur weiteren Legitimation trätte an die Stelle der Wahrnehmung dann der der Glaube.

„Und stimmst Du zu?“ Ich habe bejaht.

In der Kombination mit dem Glauben meine dann der Mensch, dass es direkte, auch kausale, zielgerichtete Wechselwirkungen zwischen diesen verschiedenen Bereichen einer Welt gäbe. Zum Beispiel glaube er dann an Geistwesen wie Engel, die gezielt auf das Leben des Menschen wirken könnten.

Ich stimmte wieder zu.

Und hier sei dann erst einmal seine persönliche Grenze erreicht, sagte Juergen.

Ich bin gespannt wie es weitergeht.

Buchalov

huschende Engel

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Dreimal in den letzten Tagen, so sagte mir Juergen heute morgen, sei ihm wieder das Thema „Engel“ über den Weg gelaufen.

Vor ein paar Tagen habe er Bilder von Bill Violas Video „five angels for the millenium“gesehen und sich erinnert, dass er die ja im Gasometer von Oberhausen selbst vor Jahren gesehen hatte und die technische Umsetzung mehr als faszinierend fand, aber dennoch die dahinterstehende Philosophie damals nicht erfassen konnte.

Dann habe er vom Fernseher gesessen, gezappt und den Kanal „Astro TV“ erwischt und staunend Engelshoroskope aus dem Mund eines weiblichen Mediums vernommen, die aber im Stile einer Fernsehansagerin agierte, und sei baff gewesen mit welcher Ernsthaftigkeit Engelsbotschaften in Kombination mit der Wirkung von Steinen übers Telefon im Fernsehen verbreitet worden seien.

Und er lese momentan mit hohem Interesse die Blogbeiträge von Suzsanne Haun, die er sehr schätze,  zum Thema Engel und spüre da ebenfalls eine hohe Ernsthaftigkeit, enormes Engelswissen und große Energie, die in den Zeichnungen als Visualisierung und als Teil ihres Lebens real würden.

Von alledem hat er mir  erzählt. Und davon, dass in diesem Zuammenhang zwei hingehuschte Zeichnungen und ein kleiner Holzschnitt entstanden seien. Motiv? Engel. Hilft es? Kein bisschen. Warum dann? Um es irgendwie zu fassen.

Er kommt dieser „Engelsache“ einfach nicht richtig auf die Spur. Da deckt sich so vieles nicht und scheint unsinnig oder ideologisch. Er spürt Notwendigkeiten, Ernsthaftigkeiten, Hoffnungen, Sinnfragen, viel Glaube, Religiöses, aber auch Irrationales, übersteigert Esoterisches, Kommerzielles, Verlagerung eigener Möglichkeiten auf Geistesgestalten, unterschiedliche Dialogebenen, gedankliche Extreme, Verabsolutierungen, Schwächungen des Ichs, Symbolik, Tranzendens. Und und und.

Aber dennoch will er sich dem stellen. So sagt er. Wegen der Klarheit.

Buchalov