digitaleTusche

06-02-01Es mache einfach Spass, sagte Juergen zu mir. Für das Zeichnen mit Tusche habe er immer eine klare Schwäche besessen. Und Digital gehe das halt auch und sei ebenfalls lustvoll. Das sei eben Arbeiten mit „digitaler Tusche“.

Er benutze das Programm „SketchBookPro“ und „Ink“. Die Ergebnisse wirkten zwar bisweilen flach, aber das Spielerische beim Tun sei vorhanden. Und das Skizzierte dann ganz konservativ mit echter Tusche noch einmal umsetzen, gehe ja auch. Vielleicht. Wenn notwendig.
Buchalov

For my english readers:

It just makes fun, Juergen told me. For him there was always a clear affinity by drawing with ink. And digital it goes as well and was also pleasurable. It was working with „digital ink“.

zentrale Knoten

Es gibt Tage und Momente, da bündeln sich die Ereignisse. Da werden Handlungen und Dinge, die sich vorher über einen längeren Zeitraum angebahnt haben,  zu zentralen Knoten und entscheiden sich oder werden zu fertigen Ergebnissen.

„Solch eine Phase habe ich jetzt Ende November“, sagte Juergen heute zu mir. Er war alleine im Atelier. Ich hatte ihn mit Elisabeth, unserer gemeinsamen Freundin, besucht. Er sagte das, weil er seine „InEcken“, die digitalen Zeichnungen,  immer noch im Entstehen sind, diese aber den Umfang von 100 Exemplaren erreicht haben. Und weil er mit seinem Atelier umzieht, in die „Zelle k5“ und das „rosa Zimmer“. Ein Türschild hat er heute angebracht. Auch seine Drucke, die großen, zu den „InEcken“, finden ihr Ende. Noch zwei Arbeitsschritte, dann ist er damit fertig und wird sie uns sicherlich vorstellen. An der Serie wird er aber zukünftig weiterarbeiten. Juergen hat also reichlich zu tun.

Eine kleine Auswahl, eine beliebige, der „InEcken“ hat er jetzt auf einer seiner Seiten „Zelle k5“ eingestellt.

Buchalov

For my english readers:

There are days and times, when events are bundled. Acts and things, which have previously been initiated over a longer period, are now coming to the central node and were chosen or come to a finishing result.

„Such a phase is now going on for me in late November,“ Juergen said to me today. He was alone in the studio. I had visited him with Elizabeth, our mutual friend. He said this, because he is still working with his „InEcken“ and they have reached the amount of 100 copies. And he is changing his studio, and works in the room „Zelle k5“ and „rosa Zimmer“.

husch husch selbst

Juergen meint, dass wenn nichts geht, geht der Versuch eines Selbstporträts immer. Und dann sei heute auch mal wieder ein „husch – husch – Tag“. Also kombinieren wir das mal: „husch – husch – selbst“.

Buchalov

For ma english readers:

If nothing is going on, Juergen says, a self-portrait is always possible. And today is once again a „hush – hush – day“. So we combine this : „hush – hush – self“.

Hockney 2

Juergen saß im Atelier an seinem Zeichentisch – er zieht momentan in kleinen Schritten in die neuen Räume um, aber davon später mal mehr – und hatte vor sich den dicken „Hockneywälzer“ liegen: „David Hockney, a bigger picture, Verlag Hirmer“.

Er sei zwiegestalten, sagte Juergen. Auf der einen Seite finde er es toll, dass er mit seinem Ansatz das iPad zu nutzen nicht alleine sei, auf der anderen Seite habe das wieder so den Touch als wenn man einem großen Künstler, nämlich Hockney, nachäffe. Dabei verwende er, Juergen, das iPad aus eigenem Antrieb jetzt schon seit gut zwei Jahren. Da habe er von Hockneys Liebe zum Pad noch nichts gewusst. Juergen ist nämlich sein eigener Ansatz sehr wichtig. Es gäbe aber auch eine ganze Szene, die sich mit dem Zeichnen auf dem iPad beschäftige. Als Beispiel nannte er mir die folgende Seiten: Sketchbook, Simki68, fingerpainted

Er sei mir auch noch einmal sehr dankbar dafür, dass ich seine Erfahrungen mit dem digitalen Zeichnen im Blog veröffentlicht habe.

In der Ausstellung in Köln seien die ausgedruckten iPad – Bilder ja die größten gewesen. Das Problem der Pixeliegkeit bei Vergrößerung der Zeichnungen habe Hockney mit Hilfe einer Software gelöst, nur welche, sei ihm, Juergen,  immer noch nicht bekannt. Aber das wäre wichtig. Vielleicht kann ja jemand aus der Bloggemeinde mit seinem Wissen  helfen.

Dass er die Drucke dann auf Dibondplatten aufgezogen habe, sei technisch eine wirklich gute Lösung. Für ihn, Juergen, sei das aber zu teuer. Da müssten dann Trägerplatten aus anderem Material her. Er denke an Holz, weil er Holz liebe. Oder ähnlichem Material.

Hockney arbeite auf dem iPad auch anders als er, meinte Juergen. Hockney gehe als Maler natürlich malerisch an die Sache heran: Hintergründe erstellen und Schicht für Schicht durch Punkte, Linien und Schraffuren das Bild aufbauen, wenig radieren.

Er, Juergen, gehe so vor, dass er von der Kontur her komme, zeichnerisch das Blatt fülle und durch die farbige Fläche den Figuren das Volumen gebe. Und ganz wichtig: er arbeite mit Layern, d.h. mit verschiedenen Ebenen, die sich übereinander legen lassen, in ihrer Transparenz verändern lassen und baue so Schicht für Schicht das Bild auf. Mit den Layern lasse sich auch gut experimentieren und verschiedene farbliche sowie kompositorische Varianten ausprobieren. Und er radiere viel, auf den Layern, weil durch die Radierlöcher die anderen Schichten zum Vorschein kämen und das nicht immer kalkulierbar sei und daher dem ganzen Bild viel Lebendigkeit gebe. Juergen meinte, er sei ja auch kein Maler, sondern eher ein Zeichner.

Die Schnelligkeit des Vorgehens im Vergleich zur Aquerellierung als Versuch der Skizzierung wisse er genau wie Hockney schon sehr zu schätzen. Das möchte er nicht mehr missen. Und vom Zeichnen mit dem Finger sei er auch weg. Er benutze schon lange einen Stift. Er habe dann ein besseres Gefühl.

Buchalov

For my english readers:

Juergen was sitting in the studio at his drawing board and was reading a big book of Hockney: „David Hockney, a bigger picture, Hirmer Verlag.“

He was divided, said Juergen. On the one hand it’s great, that he can use the iPad with his own approach and he is not alone in doing this On the other hand it looks like imitation of the  great artist Hockney. He, Juergen, uses the iPad  now for over two years by its own initiative. At this time he hadn’t any knowledge about Hockney and his love to the iPad. His own approach is very important for Juergen. However, there is also quite a scene using the Pad for there drawings.

Hockney 1

Juergen legte los, sobald wir auf der Autobahn waren. Ich fuhr, er saß daneben und als wir Köln verließen, meinte er, dass es ja über die Hockney-Ausstellung einiges zu sagen gäbe. Wir hatten nämlich im Museum Ludwig dessen Landschaftsbilder in der Ausstellung „a bigger picture“ angeschaut.

Juergen redet gar nicht von den IPad – Bildern, sondern davon, dass er von einer Farbigkeit umgeben gewesen sei, die ihn an die naive Malerei erinnert habe, die er aus dem jährlichen Apothekenkalender kenne. Man sei regelrecht eingetaucht in Farbe und Landschaft und Größe und Raum.  Aber dennoch sei das hier ganz anders als Naive Malerei gewesen, weil man die Entstehung der Bilder über die ganzen Jahre anhand der Skizzenbücher und der vielen Versuche genau hätte verfolgen können.  Und weil das emotional war. Das sei ja eigentlich ein konzeptioneller Ansatz gewesen, den Hockney da verfolgt habe. So was gefällt Juergen nämlich, konzeptionelle Ansätze in der Kunst. Und die Riesenformate hätten auch ihren Teil zu dieser Besonderheit dazu gegeben.

Und die Landschaft als Motiv hatte ihn mehr als überzeugt. Ihn würde es nicht wundern, wenn das jetzt verstärkt als Thema in der Malerei von heute Einzug halten würde. Das sei auch deshalb so fesselnd gewesen, weil die besonderen Punkte oder Orte in der Landschaft in der Sicht der vier Jahreszeiten, aber auch mit so unterschiedlichen Techniken in großer Vielfalt dargestellt wurden. Auch die Filme hätten da, verstärkt durch ihr Slowmotion, große Eigenständigkeit bewiesen. Das wäre schon sehr beeindruckend gewesen. Und man habe gespürt, dass da einer zurückgekommen sei, zurück zu seinen Wurzeln. Zeichnerisch und geografisch.

Natürlich habe das alles auch was stark Dekoratives gehabt. Sogar der Anstrich der Museeumswände wäre in dem dunklen Rot so gewählt worden, dass die Strahlkraft der Bilder gesteigert worden wäre, um den schmückenden Charakter der Bilder noch zu steigern. Aber das Dekorative sei ja in die Kunst zurückgekehrt und Hockney leiste da jetzt auch seinen Teil. Was solle man auch gegen Dekoration sagen?

Und von da kam Juergen dann auf die Tradition, in der sich Hockney bewege – wie stark das Zeichnerische deutlich geworden sei – wie unverkrampft er an die Motive rangehe – wie er sich beim Malprozess über die Schulter schauen lasse. Und und und. Er werde wohl nicht umhinkommen, sich den Katalog zu kaufen.

Buchalov

For my english readers:

We had seen the pictures of David Hockney in his show „a bigger future“, in the museum Ludwig in Cologne.

Juergen did not talk about the iPad – pictures, but about the fact, that he was surrounded by a colorness, which reminded him on naïve paintings, that he knew from the annual calendar of pharmacies. But this here was  more different, because the origin of the images over the years, based on Hockneys sketch books, and the many attempts to design, that could pursue. And the large formats had also given their share of this peculiarity too.

huschende Engel

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Dreimal in den letzten Tagen, so sagte mir Juergen heute morgen, sei ihm wieder das Thema „Engel“ über den Weg gelaufen.

Vor ein paar Tagen habe er Bilder von Bill Violas Video „five angels for the millenium“gesehen und sich erinnert, dass er die ja im Gasometer von Oberhausen selbst vor Jahren gesehen hatte und die technische Umsetzung mehr als faszinierend fand, aber dennoch die dahinterstehende Philosophie damals nicht erfassen konnte.

Dann habe er vom Fernseher gesessen, gezappt und den Kanal „Astro TV“ erwischt und staunend Engelshoroskope aus dem Mund eines weiblichen Mediums vernommen, die aber im Stile einer Fernsehansagerin agierte, und sei baff gewesen mit welcher Ernsthaftigkeit Engelsbotschaften in Kombination mit der Wirkung von Steinen übers Telefon im Fernsehen verbreitet worden seien.

Und er lese momentan mit hohem Interesse die Blogbeiträge von Suzsanne Haun, die er sehr schätze,  zum Thema Engel und spüre da ebenfalls eine hohe Ernsthaftigkeit, enormes Engelswissen und große Energie, die in den Zeichnungen als Visualisierung und als Teil ihres Lebens real würden.

Von alledem hat er mir  erzählt. Und davon, dass in diesem Zuammenhang zwei hingehuschte Zeichnungen und ein kleiner Holzschnitt entstanden seien. Motiv? Engel. Hilft es? Kein bisschen. Warum dann? Um es irgendwie zu fassen.

Er kommt dieser „Engelsache“ einfach nicht richtig auf die Spur. Da deckt sich so vieles nicht und scheint unsinnig oder ideologisch. Er spürt Notwendigkeiten, Ernsthaftigkeiten, Hoffnungen, Sinnfragen, viel Glaube, Religiöses, aber auch Irrationales, übersteigert Esoterisches, Kommerzielles, Verlagerung eigener Möglichkeiten auf Geistesgestalten, unterschiedliche Dialogebenen, gedankliche Extreme, Verabsolutierungen, Schwächungen des Ichs, Symbolik, Tranzendens. Und und und.

Aber dennoch will er sich dem stellen. So sagt er. Wegen der Klarheit.

Buchalov

welche Schublade?

Juergen meint, dass seine Zeichnungen auf dem iPad oder dem Zeichenbrett von der Firma Wacom unter dem Oberbegriff „digitales Zeichnen“ laufen. In der Begrifflichkeit ist er sich aber nicht sicher, da in den Blogs auch oft von „mobileart“ oder „sketching“ die Rede ist. Das verunsichert ihn ein wenig, da er gerne auch in Schubladen denkt, die einen Namen als Oberbegriff haben. Die geben Ordnung und Sicherheit. Mir wäre das gleich. In welche Kategorie seine Kunst passt, wenn es den einen Oberbegriff dafür gibt, halte ich für absolut nebensächlich.

Juergen zeichnet übrigens immer noch täglich an seinen „EdenEcken“. Das Bild ist von heute morgen.

Buchalov

EdenZwo klingt nach


Es klingt nach. So benennt Juergen das, was nun nach dem Ende des Projektes EdenZwo mit ihm geschieht.  Wir saßen im Alten Wasserwerk, an diesem grau weißen Campingtisch, und sahen uns auf dem PC Bilder an, seine Bilder von EdenZwo.

Er zeichnet immer noch täglich mindestens eine EdenEcke mit Motiven, von denen er nicht weiß, warum er sie auswählt und in diesen Ecken positioniert.

Und er will noch drei kleine Szenen, nicht länger als 20 Sekunden drehen, die von dem handeln, was Eden sein könnte, als Ergänzung zu seiner Film – Trilogie.

Und Drucke als Abschluss sollen auch noch her. Holzschnitte. Nach dem Prinzip der verlorenen Platte. Eine Vorauswahl hat er schon für sich getroffen und er bat mich, die möglichen Motive zur weiteren Eingrenzung der Auswahl hier einzustellen und zur Umfrage freizugeben. Dies sei auch für ihn ein Test.

Buchalov

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Faden aufgreifen

Juergens Auto ist in der Werkstatt. Die gesamte Woche über. Er kann nicht ins Atelier fahren. Mit dem Fahrrad ist es zu weit. Also sitzt er zuhause und blättert im „documenta13 -Band“ und denkt nach und kramt herum und zeichnet und „bastelt“ und versucht wie schon so oft den Faden aufzugreifen. Ich bin zu ihm hin und habe mir Einiges aus seinen EdenEcken angeschaut.

Buchalov