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  • Surium 03-06-2011

    Es war schön heute, einfach schön!

    Nanni war heute sehr früh – vor uns –  im Alten Wasserwerk. Sie hat die Zeit genutzt und stundenlang gemalt – ungestört. SURIUM ist für sie eine Seelenstimmung, die sie heute fast zu hundert Prozent erreicht hat, und die sich auch in ihren Werken deutlich niederschlägt. Die Bilder haben Tiefe erhalten. Diese Seelenstimmung kommt nicht von ungefähr, sagt sie. Keine Anspannung, der innere Gleichklang und die natürlich stille Umgebung des Ortes seien wichtige Elemente dieser inneren Befindlichkeit.

    Einige von Nanni aufgestellte Kästchen beginnen sich durch die Besucher wie von Geisterhand zu füllen: sie sind Gastgeschenke, Mitbringsel, Zeichen der Ortsverbundenheit oder Reste aus tiefen der Taschen.

    Monika ergänzt ihren Wunschbaum um die Rudimente einer Wunschfee, die wie ausgegraben von ihr auf der Rasenfläche modelliert wird. Immer noch wird wie in Kindertagen liebevoll und kleinschrittig als sei der Mörtel Spielmatsche an der Skulptur von ihr gearbeitet. Sie streitet diesen Bezug zu ihrer Kindheit vehement ab und sagt, so sei sie immer gewesen. Ich mag dieses „immer so“.

    Und der Höhepunkt heute war sicherlich Frank mit seinem Freund Pierre, die für uns ihr speziell für das Projekt entwickelte Stück „Surium – wieder aufgelegt“  aufgeführt haben. Meine Filmprojektion in schwarz/weiß, bestehend aus Filmbruchstücken der letzten Tage mit zufälliger Reihenfolge, passte so genau, als wäre beides für einander geschaffen worden. Dieses Kunstwerk aus musikalischen und filmischen Elementen war rundherum gelungen auch oder gerade, weil es vorher so minimale Absprachen gab.

    Die größte Freude bereiteten uns aber alle die Gäste, die uns heute am Abend besucht haben. Sie kamen wegen der Musik, sogar aus Essen und Wachtendonk, waren neugierig auf uns, auf unsere Werke und und suchten den Dialog. Ich fand das richtig toll – es streichelte unsere Seelen. Dafür Dank!

    Den Abschluss bildetet dann eine kleine, dynamische Rocksession mit „Band M“, dem parallelen Leeren der Rotweinflaschen und viel Blues in der Stimme.

    Ein toller Tag! Einfach ein toller Tag!

  • Surium 02-06-2011

    Seit dem letzten „Suriumeintrag“ am Sonntag ist im offenen Atelier nichts geschehen. Nur die Tassen und Gläser wurden gespült.

    Es kamen heute wieder viele Besucher – was uns sehr freut. Aber auch mit der Konsequenz, dass Nanni voller Erwartung auf die frühe und freie Zeit morgen wartet, um intensiv malen zu können.

    Spasseshalber wurde heute in unserer Runde behauptet, dass wir in unserer Arbeit planvoll vorgehen und stets gedanklich mit unserem Projekt beschäftigt sind – den gesamten Tag über. Auch nachts nach der Tiefschlafphase würde, so die überzogene Behauptung, Surium in uns wühlen.
    Eines aber stimmt für mich: Wenn ich einmal ein Thema angenommen habe, kann ich mich darin so richtig verbeißen, aber ohne Schlafstörungen. So geht es mir auch jetzt, wo wir auf der Suche nach Surium sind. Immer wieder beschäftigt mich in Gedanken, wie ich nun in die Wabe eindringen kann und hoffentlich auf den süßen Stoff treffen werde. Das, was ich auf der Leinwand male und filme, versuche ich vorher durch Skizzen auf Postkarten und durch Aquarelle vorzubereiten. Frei gemalt wird dann mit der Vorlage im Kopf.

    Heute bin ich allerdings nicht zufrieden, denn ich habe den passenden Moment, an welchem ich den Malprozess hätte stoppen müssen, verpasst.  Ich wollte Surium in pink im Inneren des Wabenkerns festhalten. Ich weiß, dass man die Dinge auch ruhen lassen muss, was ich jetzt tun werde. Und morgen eröffnet sich dann eine neue Sicht auf die Fläche.

    Monika war zufrieden. Ihr Baum wächst. Ihr Baum wird, wie sie sagt, zum Märchenbaum. Er wirkt leicht, verspielt, streng im Aufbau, aber glitzernd, ähnlich einem Weihnachtsbaum.

    Am Mittwoch hat mir die Mutter von Frau R., eine ungemein liebenswerte Frau, ein kleines Glas mit süßem Stoff und Waben aus ihrem Bestand geschenkt. Ich habe mich sehr gefreut. Es wird sicherlich im Projekt Verwendung finden. Ich nasche ständig davon und stelle mir vor, es sei Surium und hätte eine Wirkung auf mich.

    Die Szenen meines Films, die schon angedreht sind, habe ich gestern wahllos hintereinander geschnitten und auf schwarz und weiß reduziert. Sieht Klasse aus. Dieser „Filmfetzten“ und unfertige Rohschnitt von ca. 12 Minuten wird am Freitag beim Konzert von Frank zum Einsatz kommen: eine Projektion im Loop auf die Spielenden. Und das Ganze wird natürlich wieder gefilmt und zu einem eigenen, zusätzliche Werk im Rahmen von SURIUM verarbeitet.

  • Surium 29-05-2011

    Gestern war auch die Presse bei uns vor Ort. Solche Termine sind ambivalent: auf der einen Seite benötigt man die öffentliche Darstellung um die Leser auf das Alte Wasserwerk und die Aktivitäten dort aufmerksam zu machen. Auf der anderen Seite habe ich immer ein wenig das Gefühl, mich „zu prostituieren“ – dies im Besonderen, wenn die Fotografen um die Teilnahme an gestellten Bildern bitten.

    Die Besucher, die gestern den Weg zu uns gefunden haben, hatten weniger Interesse an unserer Kunst und dem Prozess des Entstehens. Sie waren In erster Linie an Ausstellungsmöglichkeiten im Alten Wasserwerk interessiert. !

    Die Besucher heute, und es waren sehr viele, kamen wegen der Bilder, des Arbeitsprozesses und weil sie uns einfach besuchen wollten. Wir haben uns gut unterhalten. Es war sehr schön, teilweise anstrengend und man musste schon schauen, dass man zum Arbeiten kam. Ich hoffe nicht, das wir ungehalten gewirkt haben.

    Nanni nähert sich ihrer Begriffsbestimmung von „Surium“ an. Sie glaubt, es sei ein Seelenzustand, ein positiver. In den Bildern findet sie den Zustand noch nicht, sie sind zu seicht, aber sie ist guter Dinge eine Einheit zwischen den Bildern und dem Seelenzustand „Surium“ herstellen zu können.

    Bei mir ist „Surium“ der süsse Stoff. Er verbirgt sich im Inneren der Wabe, der ich mich immer noch von außen nähere. Ich versuche in sie einzudringen.

    Und Monika, so glaube ich, sucht noch. Sie nähert sich dem Begriff an, indem sie ganz kleinschrittig und sorgsam filigran an ihrem Skulpturenbaum arbeitet. Sie streitet es zwar ab, aber dieses Arbeiten ist spielerisch, so wie ein kleines Mädchen in sein eigenes Spiel mit den Materialien des großen Gartens vertieft ist. Monika hat Draht verbogen, Perlen verarbeitet und viele kleine Steine aus dem Boden einzeln herausgeholt. Sie glaubt, dass es kleine Suriums sind. Oder versteinerte Drachenzähne.