BFT 2017: die Zeichnungen

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In 2017 war Juergen auf seiner >>> „Buchalovs Freunde Tour“ <<<  zweimal in Deutschland und einmal in der Schweiz unterwegs und hat Künstlerfreunde besucht. U.a. wird dann auch getauscht. Gestern habe ich ihm über die Schulter geschaut, als er einige Skizzen sortierte, die er auf der Basis der getauschten Werke in den letzten Wochen geschaffen hat. Er geht dabei sehr frei und kreativ großzügig mit den Motiven um, die er aus der Ferne mit ins Atelier nehmen durfte.

Diese Skizzen werden in den nächsten Tagen ihren endgültigen Weg in Form von Scherenschnitten finden. So hofft er jedenfalls.

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und dann das: tauschen

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Eine kleine Diskussion hat das Klaus Harth genannt, was da zum Thema tauschen vor einiger Zeit geschrieben wurde. Seit Tagen schleicht Juergen jetzt durchs Atelier „Zelle k5“ und grummelt zum Thema vor sich hin. Und heute morgen dann das:

Begonnen habe es ja ursprünglich mit dem Tausch. Menschen hätten Gegenstände den Besitzer wechseln lassen und getauscht. Und dann sei das Geld als Mittel der Erleichterung des Tauschs verwendet worden. Aber immer schon sei es um den Wert der Tauschgegenstände und ihre Gleichwertigkeit gegangen. Das Geld, in welcher Form auch immer habe das nur erleichtert. Mit der Verwendung des Geldes habe sich das Verfahren vereinfachen lassen. So habe er das mal gelernt, sagte Juergen.

Sich über Fragen und mögliche Antworten den Dingen annähern, das mag Juergen. Frage mich was, hat er mich aufgefordert. Und ich:

Muss/kann Tauschen heute generell oder punktuell funktionieren? Natürlich könne Tauschen punktuell funktionieren. Mehr aber auch nicht. Eine Generalisierung des Tauschverfahrens sei bei den starken Strukturen des momentanen Geldwertewandels nicht möglich. Tauschen sei auch als „Geldersatzverfahren“ nicht in den Köpfen verankert. Da sei er realistisch. So Juergen

Und ich: Welchen Sinn macht die Einführung von Kunstgeld? Das laufe alles unter „Spielen“, meinte Juergen. Denn aus der reellen, monetären Welt sei zur Zeit nur ein gedanklicher Ausstieg möglich, oder? Also sei es doch ein schöner Gedanke, sein eigenes Geld zu entwerfen , sein eigenes Geld zu drucken und zu begreifen wie das so funktioniert. Und ob sich jemand findet, der dabei mitmache und dieses Geld auch noch als Zahlungsmittel akzeptiere, sei eine verlockende Erwartung, nach dem Prinzip: komm lass uns spielen.

Und ich: Wird durch Tauschen die Umwandlung des Werkes in einen anderen materiellen Wert vereinfacht? Nein, auf keinen Fall, sagte Juergen. Im Tausch wird alles komplizierter. Man muss einen Tauschpartner finden, der sich auf den Ausstieg aus dem bisherigen System einläßt, was schon schwer genug ist. Und man muss seinen Tauschwert kommunikativ abgleichen, die Ernsthaftigkeit des Verfahrens deutlich machen, mit dem Gegenüber auf Augenhöhe verhandeln, der Versuchung nicht erliegen, ihn  zu übervorteilen, und und und

Ich: Ist Tauschen eine Alternative zum Verkaufen oder eine Ergänzung? Juergen: Tauschen kann nur eine Ergänzung zum Verkaufen der Kunstwerke sein. Alle ticken so, alle: kaufen und verkaufen. Wer verkaufe, sei wer. Wer verkaufen könne, produziere „gute“ Kunst und sei als Künstler anerkannt. Nur so habe man das Gefühl wertemässig auf der sicheren Seite zu sein. Und die Gewohnheiten seien eben so. Das System funktioniere so und er könne nicht erkennen, dass sich das in absehbarer Zeit ändern werde.

Und ich, zum Abschluss: Wie funktioniert eine Ausstellung als reine Tauschbörse? Und wie läßt sie sich realisieren? Macht sie Sinn?  Das wäre mal ein Versuchsballon, den man starten könne, meinte Juergen. Als Versuch, um Erfahrungen zu machen und sie zu reflektieren, mache  es Sinn. Er glaube, dass es so etwas auch schon einmal im Saarbrücker – Raum gegeben habe. Von einer Galerie organisiert. Aber zu der Art und Weise wie man das organisieren könne, falle ihm im Momentan nichts ein.

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lass uns mal über das Tauschen nachdenken …

IMG_5231Juergen sagte zu mir: „Lass uns mal über das Tauschen nachdenken, ja?“ „Wie meinst Du das?“, fragte ich. Er erklärte mir, dass in seinem Kopf die Idee umhergeistere, dass er seine Kunstwerke nicht mehr verkaufe, sondern gegen andere Dinge tausche. Der Kunstmarkt sei dabei aussen vor. Das gefalle ihm besonders. Diese ewige Buhlere um Ausstellungen und Gallerien und Verkäufe und Kontakte und Räume und Termine und Akzeptanz und und und sei er einfach leid. Die Energien, die dafür aufzuwenden seien, könne man ja wohl besser an anderer Stelle einsetzten.

Und mit Tauschen sei all das gemeint, was der Interessent für das Werk so einbringen könne – auch ohne Geld zu verwenden. Was das denn sein könne, fragte ich. Man könne alles einbringen meinte Juergen: Texte schreiben, Bücher Korrektur lesen, Massagen durchführen, jemanden von A nach B fahren, den Einkauf erledigen, die Fenster putzen, eine Bilderserie fotografieren, ein Essen kochen, ein Porträt zeichnen, Geld spenden, ein Glückslos kaufen, und und und. Alles das, was Menschen können, das, was sie mit Leidenschaft und Geschick tun, alles das kann als Gegenleistung im Tausch eingebracht werden, sinnierte er. Der Tauschwert müsse natürlich immer individuell ausgehandelt werden. Aber die sei ja auch eine Form der Kommunikation. Und nicht mal die Schlechteste.

Was ich davon halte, fragte er. Ich weiss es nicht. Ich war perplex. Ich habe mir Bedenkzeit genommen.

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woodcut, 2013

Kraftzentrale
woodcut, 42 x 59 cm, auf grauem Papier, 140g, 2013

Jetzt ist Schluss mit diesem ewigen Verkaufsgetue, sagte Juergen. Er habe es satt dieses ewige „Dinge auf dem Markt zum Verkauf anbieten wollen und sollen und vielleicht müssen“. Er werde jetzt erst einmal tauschen.

Also: Tausche Holzschnitt mit dem Titel „Kraftzentrale“ gegen …

Um Angebote wird gebeten.

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