Energie und Vernunft, Teil 2

DSC02487So ein richtiger „Sonntags-kaffee-nachmittags-tisch“ ist schon was Besonderes. Während wir auf der Couch saßen, meinte Juergen, dass ihm die Begrifflichkeit „Energie“ viel näher sei als der Begriff „Esoterik“. Er bezog sich auf die Geschichte vor ein paar Tagen mit Rudolf dem Bildhauer.

„Energie“ habe als Begriff etwas Technisches, Physikalisches, Rationales, Wissenschaftliches, sei aber auch so schön diffus, wenn es um Gefühle und Kreativität gehe. Der Name Beuys fiel. Bei Esoterik gehe es ja auch um Erkenntnisse und Wissen, die aber auf den unterschiedlichsten Wegen – u.a. rein subjektiven – gewonnen werden könnten. Diese Kenntnisse hätten dabei sehr viel mit Glauben zu tun und entzögen sich der wissenschaftlichen Nachweisbarkeit.

Er, Juergen, tendiere ja klar zum Energetischen, wisse aber, dass er auch eine Schwäche für dieses Ungeklärte, Spekulative, Mystische und rein auf den Sinnen Basierende habe. Dazu müsse er sich bekennen und sei froh, wenn man ihn dann bei seinen Ausreißern ins Esoterische zurückpfeife. Er nehme aber immer etwas mit.

Man wisse eben vieles nicht so genau und erhalte auch wissenschaftlich bisweilen keine Antworten. Das Esoterische liefere ja Aussagen, die menschliche Unfassbarkeiten erträglich machten. Das mit der „Seele“ sei ja so eine Angelegenheit. Ob es die wirklich gäbe, sei die Frage. Aber das Denken ihrer Existenz mache die Tatsache erträglich, dass nach unserem Ableben einfach nichts mehr sei. Vielleicht.

Danach war die Stimmung an der Kaffeetafel unten.

Buchalov

For my english readers:

A real „Sunday-afternoon coffee-table“ is already something special. While we sat on the couch, Juergen said, that the  term „energy“ were much closer to him than the term esotericism.

Energy were something technical, physical, rational, scientific, but it were also so diffuse, when it becomes part to emotions and creativity. The name Beuys was flying in the room. Esotericism wants insights and knowledge, by using different ways – including a purely subjective way. This knowledge had very much to do with faith and is not comprehensible by the scientific act.

Energie und Vernunft

DSC02464Juergen hat momentan sein „Angelus – Thema“und Rudolf der Bildhauer arbeitet an der Skulptur eines sich „verändernden Kubus“. Sie saßen im Atelierzimmer am Frühstückstisch, ich brachte die Brötchen vorbei und Juergen meinte, dass es bei beiden Vorhaben in erster Linie um Energie gehe.

Er habe sich ja seine alten Sachen beim Umzug der letzten Tage oft unter dem Aspekt der Kraft, der Energie angesehen. Neben einer „schrägen Ästhetik“, die er über alles liebe, sei es die Wahrnehmung der Kraft in einem Werk, die er für besonders wichtig halte. Energie übertrage sich. Und gerade die Energie aus solchen Werken wirke ja auf den Betrachter. Der könne sich dem nicht entziehen. Und sei dann emotional betroffen oder besser getroffen. Und die eigene Kraft fließe auch in das Werk ein. Das könne man spüren.

Rudolf der Bildhauer hielt das für Firlefanz. Über den Kopf sollten sich die Dinge erschließen. Vernunft sei angesagt. Und eine Skulptur sollte genau dies wiedergeben. Wenn sein Kubus sich verändere, sei das Ergebnis dieses Prozesses wichtig, nicht so sehr der Prozess und die dabei freiwerdende Energie. Er habe auch nie den energetischen Ansatz von Beuys nachvollziehen können. Theoretische Überhöhung sei das, esoterisches Gequassel.

Ich habe gestaunt.

Buchalov

For my english readers:

In addition to an „schräge Ästhetik“, that he loves, the perception of the force in a work was particularly important for Juergen. Energy transfers itself. And just the energy from such works would have an impact to the viewer. Nobody could escape for that. And then the viewer is  emotionally affected, Juergen means.

Rudolf the sculptor thought, that this was nonsense. Only over the head itself things could be understand. Rationality was announced.