Was habe ich denn da gemacht?

IMG_8731

Spontan sagte Juergen: „Was habe ich denn da gemacht?“

Wenn er so seine Holzschnitte druckt, dann gibt es den Andruck und es gibt den, so nennt er es, „Abdruck“. Der Andruck ist das erste Blatt, bei dem der Farbauftrag noch nicht die gewünschte Sättigung auf der Platte erreicht hat und wo noch einmal geprüft wird, ob Komposition und Farbwahl stimmen. Denn Juergen arbeitet immer mit dem Prinzip „der verlorenen Platte“.

Der Abdruck ist das letzte Blatt, das er druckt, damit der Druckstock schon mal vorab von der Restfarbe ein wenig gereinigt wird. Er weiss, dass dies kein Fachbegriff ist. Aber so gefällt es ihm.

Und dazu verwendet er immer Papiere aus seiner Papiersammlung, irgendein Blatt, oft eine Fotokopie, das er willkürlich greift und verwendet. Und das war auch diesmal so. Herausgekommen sei etwas, dass ihn überrascht habe, positiv, und das er dann mit Buntstift nachbearbeitet habe.

IMG_8730

Und das sei, so Jürgen, das Zentrum des Geschehens. Es gehe um den Faktor Zufall – zulassen, nicht zulassen, erkennen, nutzen, gezielt herbeiführen. Es gehe um das Situative – Wahrnehmung von Dingen im Prozess, die abweichen, sie nutzen, offen sein, die neuen Wendungen akzeptieren, mit dem Spannungsfeld von Plan und tatsächlichem Ergebnis leben. Es gehe um das Aushalten solcher Dynamiken, um die Umleitung von vermeintlichen Fehlern in Konstruktives. Und es gehe um die Zeit, sich Zeit nehmen, nachdenken, versuchen, den Prozess unterbrechen, später wieder aufnehmen, eigene Zeitsetzungen sausen lassen.

Solche Sachen halt.

Buchalov

denken und loslassen

 

HipstamaticPhoto-523808009.284349

Fast jeden Morgen sehe ich wie Juergen „zur Arbeit“ geht. Er schließt das Atelier „Zelle k5″ auf und legt los.

Das ist das Eine. Das Andere ist tiefer, denn den gesamten Tag über und manchmal auch nachts treiben ihn  die Gedanken um zu dem, was er da im Atelier so tut. Es gelte viel zu bedenken, sagt er.

Und im Prozess des Arbeitens selbst lasse er sich dann treiben und sei wachsam, denn der Zufall könne ja jeden Moment um die Ecke kommen. Den müsse er erwischen. Denn dann werde es richtig spannend. Behauptet er. Und die Dinge kämen immer zu einem guten Ende. Das behauptet er auch.

Buchalov

scheinbar aussortierte Papierbögen

HipstamaticPhoto-523808229.333007 (1).jpg

Die Lebendigkeit von Fragmenten ist es, die diese Bögen entwickeln.

Der Zufall in ihnen ist es, der diese Bögen so spannend macht.

Das Heraussuchen und Auswählen aus dem Bauch heraus ist es, was diese Bögen so interessant macht.

Dass aus Unfertigem Fertiges wird, macht diese Bögen so wertvoll.

Dass alles, auch die Reste, einen Wert hat, wird durch diese Bögen mehr als deutlich.

Es geht um die bedruckten Blätter, die Juergen im Arbeisprozess aussortiert hat, beiseite legte, ein großer Stapel, und die er später anderweitig verwendet. Sie sind fester Bestandteil des Prinzips „Zufall“ und „Experiment“.

Buchalov

wieder dieser Zufall

img_8033

Ihm sei da ein Fehler unterlaufen. Der zweite Druck mit der Farbe Orange sei nicht genau an die vorgegebene Markierungen gelegt worden. Erst habe er über das Ergebnis geflucht und sich geärgert.

Doch jetzt nach einem Tag der Distanz komme ihm das Bild richtig lebendig und nicht mehr missglückt vor.

Wieder dieser Zufall. So Juergen.

Buchalov

der Zufall

IMG_6024„Hermann, der Vernetzer“ und Juergen saßen nebeneinander und schauten auf Jürgens Wand in „Zelle k5“. Da entstand eine neue Präsentationsform. Sie schauten. Aber darum ging es nicht.

Juergen hatte mal wieder auf schon der Entsorgung preisgegebene Papiere gedruckt, mit zufälligen Ergebnissen.

Sie unterhielten sich über den Zufall im Werkprozess und dass der ja immer anwesend sei, sie begleite und dass man ihn halt bei aller Planerei zulassen müßte und sollte, und dass man dann die Sinne zu schärfen habe dafür, wann dieser Zufall zuschlage, und wehe, man verpasse den Moment. Und dann sei zu entscheiden, ob man das Zufällige zulasse, und nachher seien das in der Regel die Arbeiten, die viel Lebendigkeit ausstrahlten. Darin waren sie sich einig.

Buchalov

erneut …

IMG_1020Ich kam rein, ins „Rosa Zimmer“, heute morgen, und sah Juergen gebeugt über seinem Tisch stehen, mit dem Rücken zu mir. „Ich werde jetzt ein Bild davon machen“, sagte er „und du kannst es veröffentlichen und damit ist es fertig. Ein gutes Werk, wie ich finde!“

Und schon waren wir erneut in der Diskussion über das, was Kunst ist, was schön ist und was der Zufall so alles bewirkt.

Buchalov