Kategorie: Buchalovs Tagebuch

  • Lichterlebnis

    Ab und an kreuzt Religiöses meinen Weg, obwohl ich nicht religiös bin. Ich suche das nicht bewusst, aber die Themen finden mich, weil sie wissen, dass ich mich zu ihnen hingezogen fühle.

    Das gilt auch für die Geschichte von Paulus und seinem Lichterlebnis. Wie aus Saulus, dem Christenverfolger, Paulus, der Missionar, wird, das hat schon was. Warum? Weil das Lichterlebnis, gekoppelt mit Blindheit und späterem Sehen, ein existentielles ist. Jeder hat sein persönliches Lichterlebnis. Jeder kann von so einer Lichterscheinung reden. Jeder ist schon mal mit Blindheit geschlagen worden und viele wechseln aus vielerlei Gründen ihre Lebensorientierung. Eine spannende Geschichte also.

    Als Konfirmant habe ich das alles mal gehört und mich jetzt wieder erinnert, als ich ein Bild von Boris in seinem neuen Atelier sah. Für Boris als Maler ist das Licht bedeutsam. Für mich als LKW – Fahrer auch, denn ich fahre nicht mehr gerne im Dunkeln.

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  • Auferstehung

    Salomon hatte Karten fürs Aalto – Theater in Essen. Er hat mich abgeholt und wir sahen uns „Carmen/Bolero“ an, die Klassiker halt – so dachte ich.

    Ich kam mir etwas deplatziert vor: Wenn man als LKW – Fahrer in die Abo – Szene des Essener Operntheaters gerät, ist das schon eine andere Welt. Alle, ich sah nur ganz wenige Ausnahmen, sind festlich und szenisch gekleidet – richtig chic, richtig gewichtig, so unendlich würdevoll. Und alle sehen so bedeutend aus, so wissend und reden mega und gehen nicht, sondern schreiten und zeigen Designerschuhe und sind individuell anders. Na ja.

    Die Aufführung war schon Klasse: erst „Carmen“, sehr traditionell, sehr reduziert, auch im Bühnenbild und der Kostümierung. Aber sehr ausdrucksstark und dynamisch. Der „Knaller“ aber war danach Ravels „Bolero“, der als Auferstehung Carmens inszeniert war – dies war eine ungewöhnlich kreative  Idee. Und die Umsetzung auf einer schwebenden beweglichen Bühne, die den Raum in Welt und Unterwelt aufteilte, mit toller Choreografie, modernere Lichttechnik und einem strahlenden Bühnenbild: das war absolute Spitzenklasse. Mitreißend und sinnlich.

    Salomon als Tänzer war bei diesen Eindrücken ganz aus dem Häuschen.

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  • Sevina

    Das ist Sevina. Sie will nicht erkannt werden.

    Sevina stand gestern vor meiner Garage, mit ihrer Handycam und sagte, sie mache Filme – so nebenbei. Sie habe von mir und meiner Maschine in der Garage gehört und würde gerne ein paar Aufnahmen machen, falls ich erlauben würde. Ich erlaubte.

    Warum ich das tat? Na ja, sie war mir einfach symphatisch und ihre Kamera ist ja auch eine Maschine, eine die Sehnsüchte festhält, flüchtig zwar, aber wiederholbar. Und die, die sie bedient, nutzt dieses Maschinchen um ihre persönlichen Sehnsüchte in Bildern festzuhalten. Das finde ich gut.

    Bei meiner Maschine in der Garage und der Sehnsucht ist das aber anders: die Maschine selbst, die Jürgen so schön in seinem Film festgehalten hat, ist schon die Sehnsucht. Das, was in mir wühlte, hat sich in ihr schon materialisiert. Ich baue sie jetzt nur aus – die Maschine. Die Sehnsucht.

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