
Stehen bleiben, sich bücken, genau hinschauen, slow slow!
Buchalov
Notizen von Juergen Kuester und seiner Kunstfigur Buchalov

Am Wochenende konfrontierte mich Juergen mit dem Satz, dass Lernen nicht eine Anhäufung von Wissen sei und man auf den Stufen der Erkenntnis nach oben klettere. Nein, so sei es genau nicht. Es sei eher ein Wandern in Netzstrukturen. Von Knoten zu Knoten. Oder indem man neue Knotenpunkte schaffe. Nur so könne er jedenfalls momentan Kunst machen.
Und sein Netz werde immer dichter. Die Knotenpunkte, an denen sich Erkenntnisse „knubbeln“ würden, nähmen zu. Er lasse sich so richtig treiben, kein Lehrgangswissen mehr. Learning by doing und learning by visiting. Lehrgangswissen habe momentan keine Chance bei ihm.
Buchalov
Das hat Juergen mir und einigen anderen gegenüber jetzt schon öfter erwähnt: „die Idee von der Keimung“. Dahinter verbirgt sich bei ihm die Übetragung des biologischen Keimungsvorganges auf die Zusammenstellung von Juergens Werken. Und auf deren Präsentation – „Rhizome“ finden dabei sein besonderes Interesse.
Für Juergen ist jeder einzelne Holzschnitt, die einzelne Zeichnung, das kleine Objekt ein eigenständiges Werk. Aber auch die Kombination dieser Werke untereinander mit allen verfügbaren Materialien stellt ein eigenständiges Werk dar. Und es können immer wieder neue Zusammenstellungen mit den vorhandenen Materialien und Werken erfolgen.
Wie bei einem Rhizom bilden die Werke in ihrer Zuordnung ein Sprossenachsensystem. Die einzelnen Werke sind die Stellen, an denen die Gedanken keimen, an denen der Betrachter zwischen den einzelnen Keimstellen Beziehungen herstellt. Die Präsentation als Wurzelwerk ist nicht mehr auf die Wand beschränkt, sondern wuchert in den Ausstellungsraum hinein, löst sich vom Zweidimensionalen. Diese Präsentation hat einen narrativen Grundzug, sie will erzählen.
Juergen glaubt, damit einen möglichen Weg gefunden zu haben, um die Ergebnisse der Holzschnitt-Technik aus der Ecke der „old school Wahrnehmung“ in eine zeitgemässere überführen zu können. Den Anstoß zu diesen Gedanken hat er bei seinem letzten Besuch im Februar beim Atelierrundgang in Münster erhalten und jetzt stößt er bei seinen Internetrecherschen ständig auf das „Rhizom“ als Metapher.
Buchalov