Buchalovs Blog

  • Zwischenergebnis als Endergebnis

    Zu dritt standen sie gestern im Atelier „Zelle k4“: Boris der Maler, Rudolf der Bildhauer und Juergen. Ich kam dazu.

    Und Juergen versuchte beiden zu erklären, dass er momentan seine Holzschnitte, die aus digitalen Zeichnungen entstanden sind, konsequent und pflichtbewusst seit Wochen umsetzte, obwohl die Arbeit bisweilen keinen Spaß mache, sondern halt Arbeit sei, und dass ihm dabei aber immer wieder durch den Kopf gehe, wie er dieser alten Technik etwas Weiteres abgewinnen wolle, so dass die Ergebnisse nicht altbacken, eben holzschnittmässig seien, sondern zeitgemässer erschienen. Sie sollten auch sein eigenes Markenzeichen haben. Deshalb verwende er ja auch oft die verbliebenen Druckstöcke als Wandobjekte.

    Er meinte weiter, ihm sei dabei aufgefallen, dass die Zwischenergebnisse des Druckprozesses, das Unfertige, das Flächige, das noch ohne Tiefe, dass dieses auf ihn eine große Anziehung ausübe. Und dass er sich beim nächsten Male wohl auf dieses Experiment einlassen werde, ausgehend von der Zeichnung, den Druckprozess irgendwann zwischendurch abzubrechen und das Zwischenergebnis als Endergebnis zu nehmen. Den Rest müsse der Betrachter machen. Ihm genüge der Reiz des Zwischenergebnisses, das Unfertige.

    Boris der Maler meinte, dass ihn die Bilder interessieren würden, die ihn auf Entdeckungsreise schicken. Er hatte Zweifel, das Zwischenergebnisse als Endergebnis das können. Und Rudolf der Bildhauer sah keine Notwendigkeit zu einem solchen Unterfangen, da die Holzschnitttechnik eben so sei wie sie sei und mehr nicht zulasse. Alles andere sei moderner Hokuspokus und konstruiert. Effekthascherei!

    Ich staunte.

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  • in der Kette

    Es regnete, Bindfäden, aber Juergen strahlte. Wir saßen bei einer Tasse Kaffee zusammen und er erzählte mir von gestern Abend. „Es ist fantastisch wie die Dinge sich oft zusammenfügen. Wie irgendwann deutlich wird, dass man Teil einer Kette ist, dass das, was wir sehen, immer eine Vorgeschichte hat, dass Nichts so einfach neu entsteht, dass wir in einen größeren Zusammenhang hineingehören und dass die Kunstwerke, die wir sehen auch in einen solchen Zusammenhang gehören. Auch unsere eigenen.“  Er sprach von William Kentridge und von „Hugo Cabaret“, dem Scorsese-film. Und von sich.

    Den Film sah er gestern abend. Der Kunstverein Gelderland hatte eine neue Reihe mit dem Titel „Filmzeit“ aufgelegt, und diesen Film in Geldern gezeigt.

    Und Juergen wurde mit einem Schlag bewusst, in welcher kreativen Tradition sein „Leuchtturm“ William Kentridge steht, von welchen Bildern der sich inspirieren lässt. Und dass der Film „Journey to the moon“ von George Melies dabei so ungemein bedeutsam ist und dass sein eigener Film „Kopfreisen“ sich auch daran orientiert.

    „Plötzlich passt alles zusammen“, sagte Juergen.

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  • gutes Werkzeug

    Rudolf der Bildhauer ist so einer, der, wenn er seine Skulpturen anfertigt, dies mit hohem qualitativen Anspruch erledigt. Die Flächen, die Formen, die Planung, die Entwürfe, das Material, die Lacke, die Klebstellen: alles mehr als hundertprozentig. Juergen dagegen neigt auch schon einmal zum Einsatz von armen Materialien und „hingehuschten“ Ergebnissen. Er nennt das „spontanes Spielen“

    Und Rudolf der Bildhauer sagte zu Juergen in diesem Zusammenhang, dass die Qualität der Ergebnisse auch ganz entscheidend von der Qualität der eingesetzten Werkzeuge abhängt. Und er besitzt wirklich gutes Werkzeug.

    Die Kamera gehört dazu, frisch gekauft, seit ein paar Tagen, und sie wird momentan fleißig „eingearbeitet“.

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