Schlagwort: Art

  • Flut an Videos

    Was an Druckgrafik fehlte, was an Zeichnungen verschwunden scheint, fand sein Gegenstück in der Vielzahl der  Videos auf dieser Biennale. Es fiel mir allerdings von Tag zu Tag schwerer, in die dunklen Räume einzudringen, in denen sie gezeigt wurden und in denen man nicht weiß, über was man stolpern könnte und wo der Auusgang ist. Es fiel mir immer schwererer mich in die dort gezeigten Filme hineinzuversetzen, denn nie habe ich ein Video am Anfang erwischt, nie wußte ich wie lange sie dauern, immer war es schwierig den Inhalt ganzheitlich zu erfassen. Nur an den Videos, die wie im österreischichen Pavillon in helleren Räumen gezeigt wurden – und dieses Video war wirklich fesselnd in der Darstellung der Menschen in einer alten Fabrikhalle oder Schwimmbad mit ihren Verrenkungen, entstanden aus der Auseinandersetzung mit dem Raum -,  nur an denen hatte ich meine wirkliche Freude.

    Der Tagebucheintrag lautete:

    VIDEO

    SOLCHE / SOLCHE

    Hier der Link zu meinen bei Youtube eingestellten Videos: >>[…]

  • suchen und finden

    Wer reist sucht. Und findet sich vielleicht in Teilen selbst. So auch bei meinem Besuch zur Biennale in Venedig.

    Und wenn man schaut, focussiert man sich zuerst auf das, worin man sich selbst wiederfindet, was zur eigenen Lebenswelt gehört. Also habe ich die Zeichnungen gesucht, die Videos und das Grafische- also die Themen, die sich mit meinem Selbst und meinem Sein beschäftigen.

    Die Sparte Zeichnungen/Skizzen habe ich so gut wie nicht gefunden. Sie kamen nicht mehr in dieser Form des Ausstellungsbetriebes auf der Biennale vor. Es gab eine Ausnahme: in der zentralen Ausstellungshalle des Arsenals fand sich eine kleinere Installation mit beamerprojezierten Zeichnungen..

    An dieser Stelle sei auch der Hinweis auf meine Zeichnungen aus Venedig erlaubt.

    Das Gleiche gilt für das Druckgrafische. Franz West zeigte zwar ein provokantes Exponat – Mann und Frau zerstören ihre Geschlechtlichkeit während des Aktes: das wars. Mehr war  nicht zu finden und ich habe intensiv geschaut.

    DasThema „Gesellschaft“ allerdings fand ich in einer mich anspringenden Form im Pavillon der Chilenen. Aber nur dort und echt und  direkt und radikal und im Mix der Stile, Schwerpunkt Video. Das hat mich berührt und bis heute gedanklich beschäftigt.

  • Grenzen spüren

    Nun ja, man kann nach Venedig wegen der Faszination fahren, die diese Stadt auf uns ausübt. Es ist eine Faszination, die nicht nur durch die medialen Bilder geschaffen wird. Sie ist wirklich real vorhanden, wenn man sich in den Mauern Venedigs bewegt.

    Man kann aber Venedig, wie in meinem Fall, auch besuchen, um der modernen Kunst auf die Spur zu kommen – indem man sich in der Stadt bewegt und das Moderne im Alten besucht.

    Und dieses Moderne hat mich viermal hart berührt.

    Der italienische Pavillon bringt einen an die Grenzen. Was hier vom Kurator an Kunst aus Italien zusammengetragen worden ist, war nur schwer ertragbar. Ist es Kitsch in Masse? Ist es Kunsthandwerk, das sich für den Geschmack prostituiert? Ist es einfach nur schlechte Ästhetik? Oder ist es ein bewusst radikaler Umgang mit der Masse an Kunstwerken und Bildern, die uns täglich überflutet?  Auf mich wirkte diese Sammlung wie ein Faustschlag in die kreative Magengrube – ich hatte Fluchtreflexe. Und vergaß zu fotografieren.

    Karla Black im schottischen Pavillon dagegen verlangt von einem ein Höchstmass an sinnlicher Aufnahmebereitschaft. Ihre Rauminstallationen duften, riechen, wollen Sinnlichkeit, sind Puder, Zuckerpapier, gemahlene Erde, sind gehäufter Humus, sind Zuckerwattefarben, sind echt stark wirkend.

    Franz West fordert ebenfalls einiges: seine Plastiken sind sicherlich in ihrer Formgebung radikal, in ihrer Materialbeschaffenheit ungewöhnlich, aber Skulptural. Seine Zeichnungen, Bildfetzen, figuralen Fragmente dagegen bringen einen an den Punkt sich entscheiden zu müssen: will ich mich darauf einlassen oder ignoriere ich diese hingeworfenen Arrangements, die, so scheint es, jeder, auch der Nichtkünstler so entwerfen kann. Oder liegt gerade darin das Besondere seiner Kunst?

    Und Hirschorn topt dies alles noch: radikale Ästhetik aus Packpapier, Klebefolie, Klebeband, Pappe, Alufolie, Gegenständen des Alltags und Kristallen. Eine vollkommen eigenständige Welt in der Welt. Eine Grotte der Ansammlung von Gegenständen des Lebens, umfassend, massig und fordernd. Man geht staunend umher und fragt sich: wie schafft man das in dieser Umfassendheit, wie bewältigt man das visuelle, wo finde ich mich darin wieder. Toll!