Der Isolator trennt nicht, nein, er verbindet.

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Ich weiss schon nicht mehr genau, wann sie in der Ateliergemeinschaft mit dem Thema „Isolator“ gestartet sind. Lange ist es her, ein Jahr sicherlich. Letzte Woche hatten sie nun die Idee, gemeinsam zu frühstücken und sich die Ergebnisse ihrer Arbeit gegenseitig vorzustellen. Über das weitere Vorgehen könne man dann ja anschließend entscheiden. Juergen fand das eine sehr, sehr  gute Idee. Am Mittwoch haben sie sich getroffen.

Sie haben Rühreier gebrutschelt, Marmelade und selbst gebackenen Hefekuchen auf den Tisch gestellt, Kaffe frisch aufgebrüht. Schön wars. Wirklich schön und intensiv und ehrlich und behutsam und klärend. Das Thema verband die vier intensiv. Sie haben sich wohl gefühlt – war mein Eindruck.

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Und „Rudolf, der Bildhauer“ sagte: am Anfang habe für ihn nur diese Form des Isolators gestanden. Aber das habe nicht getragen. Dann sei als Thema der Tod, das Trennende, die Isolation, in den Vordergrund getreten. Ihm sei schon sehr an einem kontrollierten Prozess gelegen gewesen. Daher die vielen Gedanken. Das Zufällige möge er nicht.

Und „Hella, die Energetische“ meinte: sie habe erst einmal ein paar Isolatoren im Internet bestellt,  sie angeschaut und sich hineingedacht. Der Isolator selbst habe zu wenig gestalterische Impulse ausgesendet. Kopfarbeit also dann.  Gut und böse, Himmel und Hölle, verlorengegangene  Seelen seien ihr eingefallen. Und jetzt sei sie dabei, die Isolation der Dinge im Material zu thematisieren. Bakterien und Viren seien im Fokus, auch das Gehirn als Isolator, die Isolation durch Krankheit.

„Hermann der Vernetzer“  zeigte rudimentäre Fotokopien von ein paar Bildern, die den Isolator in Bezeihung setzten zu Raum und anderen Gegenständen. Das Ergebnis sei trashig, meinte er. Und das hatte wohl seine Gründe, denn, so sagte Juergen mir, „Hermann, der Vernetzer“ stecke wohl in einer Schaffenskirise, wenn nicht sogar Identitätskrise. Er meine, er sei halt anders als andere. Und er kapsele sich ab. Der Isolator sei er selbst, so glaube er. Und er frage sich nach dem Sinn des Lebens in einem künstlerischen Elfenbeinturm.

Und Juergen selbst war eigentlich schnell fertig mit seiner  Präsentation. Er zeigte einige Drucke, sein Druckskizzenbuch, das ihm sehr am Herzen lag, weil es ein weiteres Tor in der Art vorzugehen geöffnet habe, erzählte vom Isolatortext, den Martin Häusler geschickt habe und dass alles in sein Projekt „Latos Werkstatt“ eingemündet sei. Hier könnt ihr mehr sehen: >>>>>. Die anfängliche Faszination der Form des Isolators habe auch bei ihm nicht getragen, und er habe sich daher, weil er den Zufall wollte, das Verfahren der Erstellung des Druckskizzenbuchs auferlegt und damit  ein neues Feld betreten, erfolgreich wie er finde. Das sei sein Weg zum wirklichen Inhalt gewesen.

Buchalov

 

„Buchalovs Salon“ im Dezember

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Während ich dies hier schreibe, höre ich im Hintergrund Bob Dylan, eine lange Playlist. Ich schreibe jetzt nicht über Bob Dylan, der gestern den Nobelpreis verliehen bekommen hat, was Juergen schon sehr beschäftigte, wie er sagte, weniger der Nobelpreis als Dylans Leben, seine Absichten, seine Rollen, das Prinzip des Verschwindens und all diese Dinge um ihn herum,  und was dies alles mit uns zu tun hat.

Nein, ich schreibe über unseren Salon von gestern, über „Buchalovs Salon“ im Dezember. Weil dies etwas mit uns zu tun hat, unserem heutigen Leben und unserer kleinen Welt.

Juergen meint, das klinge ein wenig zu groß. Schließlich hätten wir uns im Salon ja nur unterhalten, unterhalten über unsere momentanen Projekte, über die Möglichkeiten eines offenen Kunstbegriffes, über die Bedeutung von Galerien und über den Zustand der Ateliergemeinschaften am Ostwall. „Der Kosmos“ als künstlerischer Gegenstand bei Beuys, einer Malerin aus Rees und bei Juergen sei auch besprochen worden. Klar, auch Bob Dylan sei anwesend gewesen. Und zu seinen neuesten Drucke habe er, Juergen,  auch etwas sagen dürfen.

Der Nusszopf sei aber der heimliche Star des Nachmittags gewesen, keine Frage. Ich stimmte ihm zu.

Buchalov

 

 

 

nicht sogleich

Ich wurde begrüßt mit „Na, Du Rumtreiber, auch wieder im Lande?“ „Boris, der Maler“ freute sich sichtlich, als ich heute in unserer Ateliergemeinschaft auftauchte, die Kaffeemaschine anschloss, die Kisten mit den Zeichenuntenailien und den Papieren  aus dem Wohnmobil hochschleppte und begann, mich wieder in meinen Räumen einzurichten.

Zwischendurch habe ich lange am Tisch gesessen und in den Skizzenbüchern geblättert, alte Zeichnungen angeschaut und einiges umsortiert. Und jedes Mal bin ich erstaunt über mich und die Ergebnisse, die ich so lange nicht geschaut habe, und was mich da so anspringt. Und ich war zufrieden mit mir. Vielleicht ist es doch ganz gut, dass ich oft so streng mit mir bin und meine Arbeiten gnadenlos in die Qualitätsstufen A, B und C einordne.

Ich kann nicht sogleich loslegen und arbeiten. Ich brauche immer einige Tage, in denen ich im Atelier umherlaufe, mir Dinge anschaue, mich sortiere, Gedanken hin und her wälze, einiges auf den Tischen fotografiere, mit den anderen rede, Papiere von rechts nach links schiebe oder Zeichnungen zu neuen Blöcken sortiere und wieder zerlege. Zwischendurch gehe ich in den Copyshop um die Ecke, manchmal, weniger um zu kopieren, das auch, sondern um mit Oliver über Musik und Sonstiges zu reden. Und dann bin ich irgendwann in meinen Räumen angekommen und gehen ans Umsetzen der Dinge, die ich mir so vorgestellt habe.

Buchalov

Praesentation

IMG_1592Das war für Kursentschlossene: Juergen packte mich in sein Auto und ab ging es nach Münster, zum Atelierrundgang der Kunstakademie.

Auf der Rückfahrt fragte ich ihn dann, was ihn so am stärksten beeindruckt habe. Diesmal, so Juergen, habe er verstärkt auf die Art und Weise geachtet wie die Werke der jungen Künstler von diesen selbst präsentiert worden seien. Er habe vieles gesehen – Hingehuschtes, Leichtes, Improvisiertes, Raumgreifendes, Rahmenloses, Prozesshaftes, Schnörkelloses – und dabei gelernt und einiges werde er sicherlich in sein Repertoire  aufnehmen. Er gehe als Betrachter eigentlich nicht mehr an Wänden entlang und schaue auf Zweidimensionales – er sei im Raum als Ganzes unterwegs und schaue. Und viele stellten genau so aus. Das finde er gut. Er, Juergen, habe sich angewöhnt, immer in die Mitte des Raumes zu gehen und von dort erst einmal den Blick schweifen zu lassen. Er nehme das Gefühl in sich auf mitten drin zu sein. Und dann erarbeite er sich die einzelnen Werke Schritt für Schritt und nehme den Raum nach und nach komplett in Besitz.

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„Zelle k5“ und „rosa Zimmer“

IMG_5711So, Juergen ist eingezogen. Seinen alten Atelierraum hat er aufgegeben und zwei neue Räume im gleichen Gebäude innerhalb der Ateliergemeinschaft bezogen. Juergen hat nun weniger Fläche zur Verfügung und ist mehr als gespannt, wie das auf seine zukünftigen Werke wirken wird. Es ist eine echte Umstellung.

Den einen Raum nennt er „Zelle k5“, den anderen „das rosa Zimmer„. Juergen glaubt, dass man Räumen immer Namen geben sollte. Sie würden dann in Besitz genommen, meint er, sie würden durch den Namen Teil des Ganzen, Teil der eigenen Produkte, Teil des Prozesses.

„Zelle k5“ steht für sein fünftes Atelier und mit „Zelle“ will er ausdrücken, das hat er mir irgendwann mal vor langer Zeit gesagt, dass von diesem Platz oder Raum etwas ausgehen soll: wie von einer Zelle, aus der andere Zellen erwachsen, aus der Energie frei wird, aus der nach Außen gewirkt wird. Sie sind ein Ort der Auseinandersetzung und des Dialogs und die Ergebnisse sollen über diesen Raum hinaus wirken. Wie auch immer. Zellen haben für ihn etwas „ur-haftes“.

Dass der zweite Raum „rosa Zimmer“ heißt, hat mit dem Vorbesitzer zu tun. Dieser hatte diesem Ort den Namen gegeben und Juergen möchte in Erinnerung daran festhalten. Es ist mehr etwas Nostalgisches, keine programmatische Aussage, sagt Juergen.

Buchalov

For ma english readers:

So, Juergen has relocated. He gave up his old studio space and referred two new rooms in the same building, within the old studio community. For Juergen now  less space is available and he is more than eager to see, how that will affect his future works. It’s a real change.

The one area is called „Zelle k5“, the other „das rosa Zimmer“. Juergen believes, that we should always give names to the rooms. Then we  would take possession of them, he says, by giving them a name they would part of the whole, part of the own products, part of the process.