Schlagwort: Buchalov

  • Dom und Bunker

    Meine Frau und ich haben uns gestern mit Svetlana, unserer jüngsten Tochter, in Limburg getroffen. Warum gerade Limburg? Warum nicht Limburg?

    Und beim Streifen durch die alte und neue Stadt, durch die ganz alte und die alte Stadt, die neu aufpoliert worden ist (Werkstatt), wurde geredet, geschaut, das erste Eis gegessen und fotografiert.

    Als ich gestern Abend noch die Fotos des Tages sichtete, blieben zwei Bilder, die nicht gegensätzlicher sein könnten und die doch irgendwie zusammenhängen, übrig: ein Foto aus dem Inerren des Domes und ein alter Bunker.

    Buchalov

  • sich selbst schauen

    Boris wurde 50-ig und Jürgen hatte in seinem Atelier zu einer kleinen Feier geladen. Es kamen einige. Jeder brachte etwas zum Essen mit und es gab natürlich Geschenke für Boris. Boris hat sich sehr gefreut.

    Boris wollte eigentlich nicht feiern. Aus welchen Gründen auch immer. Ich vermute: Dieser runde Geburtstag setzte ihm zu.

    Ein runder Geburtstag ist wie ein Spiegel: Man schaut hinein, sieht die vergangenen Jahre und stellt sich bequem/unbequeme Fragen nach dem, was war, was  man erreicht hat oder wo man sich mit den eigenen Positionen befindet. Und man erhält Antworten. Bisweilen sind es Antworten, die man nicht gerne hört.

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  • Restrisiko

    Wirklich, wir leben in finsteren Zeiten. Bert Brecht lässt grüssen: „an die Nachgeborenen“.

    Günter Grass nannte vorgestern auf der Veranstaltung in Straelen, nach seinem Lieblingswort befragt, das Wort „Restrisiko“. Das war wohl eher kritisch – verzeifelt gemeint.

    Deutlich wird daran einmal, welche Wirkung Wort haben: wie sie eingesetzt werden und wurden, um uns einzulullen, um uns zu umnebeln bei der Verlautbarung schlimmer Nachrichten oder von Sachverhalte. Deutlich wird, wie funktional das Wort ist, wie dehnbar in seiner Bedeutung und wie genau wir hinhören und hinschauen müssen, um seinen Gehalt zu erfassen und uns nicht bevormunden zu lassen. Das gilt für alle diese Worte.

    Und das Wort „Restrisiko“ gibt in seiner Nennung durch Grass wieder, dass er am wichtigsten Thema der letzten Tage betroffen teilnimmt. Es stockt einem der Atem, bei dem Umfang an Elend, Trauer, Verzweiflung und Leiden, gepaart mit unvorstellbarer Hoffnungslosigkeit, das in Japan so schicksalshaft und gleichzeitig von Menschen erzeugt zu Tage tritt.

    Ich kann momentan nicht zur Tagesordnung übergehen. Ich kann eigentlich nicht wie immer meinen Blog schreiben, Kunst machen und mich über Kunsttheoretisches austauschen. Der Rückzug in die Garage bringt auch nichts.

    Ich verdaue momentan. Ich versuche zu verdauen, was da geschieht. Und versuche gleichzeitig normal weiter zu machen.

    Sevina meint, dass dies in den Köpfen von uns allen eine Umdenken bewirken wird. Dass wir danach nicht mehr akzeptieren können, das Wachstum die Leitgröße ist, das technischer Fortschritt immer so weiter gehen könnte, dass wir ungehemmt verbrauen können. Sie hofft auf eine Bewußtseinsänderung, langsam aber stetig, ausgelöst durch die Wahrnehmung „dieser finsteren Zeiten“.

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